Love Hotels: Die ganze langweilige Wahrheit.

Wer bei seinem Japanbesuch in einen der Rotlichtbezirke Japans stolpert oder auch einfach mal eine Autobahn langfährt, hat schon einmal ein Love Hotel gesehen. Wenn an einem Gebäude in riesigem Schriftsatz “Hotel” steht – Love Hotel. Wenn die Fassade irgendwie fancy ist, ob Glitzer, Hawaii oder gleich griechische Statuen in den Fenstern – Love Hotel. Wenn alle Fenster abgeklebt sind – Love Hotel.

Love Hotels sind Stundenhotels und ich glaube, sie haben bei vielen Leuten einen viel verruchteren Ruf, als ihnen zusteht.

Warum gehen Leute in Love Hotels?

Ganz ehrlich – Wer hat sich nicht schon einmal gedacht, dass ein Ort außerhalb des eigenen Zuhauses für Sex ganz nett wäre?

Als junger Mensch lebt man meist noch mit den Eltern zusammen, denen man vielleicht nicht jede Bekanntschaft vorstellen möchte. Außerdem sind japanische Wohnungen eng und schlecht schallisoliert. Richtig entspannte Schäferstündchen werden das also nicht. Love Hotels dürfen zwar offiziell erst von Menschen über 18 Jahren genutzt werden – aber in der Realität wird niemand nach einem Altersnachweis fragen.

Auch als Erwachsener mit eigener Wohnung will man vielleicht nicht jede Club-Bekanntschaft gleich mit nach Hause nehmen. Love Hotels sind meist in der Nähe von Clubs und Bars angesiedelt und sicher hygienischer als die nächste Seitengasse.

Oder man hat Kinder zuhause und möchte einfach sicher sein, nicht plötzlich unterbrochen zu werden.

Oder man hat einfach die letzte Bahn nach Hause verpasst und will irgendwo schlafen.

Natürlich werden Love Hotels auch von Fremdgehern und Prostituierten genutzt, aber eben nicht nur.

Letztendlich sind Love Hotels einfach Hotelräume, die man nicht reservieren muss und in denen es manchmal noch einiges an Extras gibt. Deswegen werden sie auch von Freundesgruppen genutzt. Klingt erst einmal ein wenig eigenartig, aber letztendlich ist ein Hotelzimmer manchmal einfach praktisch.

Wie viel kostet ein Aufenthalt?

Die meisten bieten einen kurzen Aufenthalt, zwei oder drei Stunden, oder eine Übernachtung an. Die Preise schwanken gewaltig! Von knapp 3,000 ¥ (ca. 23 €) für drei Stunden bis 40,000 ¥ (fast 310€) für eine Übernachtung habe ich alles schon gesehen.

Die Preise stehen meist gut erkennbar an der Außenwand des Hotels, man weiß also, worauf man sich einlässt. Hierfür praktisches Vokabular: 休憩 (Kyūkei) bedeutet “Pause” und wird für Kurzaufenthalte verwendet, 宿泊 (Shukuhaku) bedeutet “Übernachtung”.

Und dann, einfach reingehen?

Genau.

Die Rezeptionen sind eigentlich immer sehr ähnlich aufgebaut. Es gibt einen Bildschirm mit den verschiedenen Zimmern, man sucht sich eines aus und geht dann zum Counter und bezahlt. Nach dem Bezahlen bekommt man einen Schlüssel oder eine Schlüssekarte – hier kommt es aufs Alter des Hotels an – und kann dann aufs Zimmer gehen.

Meiner Erfahrung nach haben ältere Hotels eher Rezeptionen, an denen die Mitarbeiter einen nicht sehen können, sie sind mit einem Vorhang abgeschirmt. Bei neueren und schöneren Hotels ist die Rezeption einem normalen Hotel ähnlicher.

Wie sieht so ein Zimmer aus?

Meist wie ein ganz normales Hotelzimmer, nur, dass die Betten hier natürlich ziemlich groß sind. Die Fernseher sind meist auch riesig und man kann kostenlos Filme oder Pornos schauen. Die Bäder sind auch größer als bei herkömmlichen japanischen Hotels.

Es gibt auch Hotels, die ganz besondere Zimmer anbieten: Wer schon immer mal in einem japanischen Klassenzimmer oder in der Bahn Sex haben wollte – Geht hier alles. 99% der Love Hotels bieten so etwas aber nicht an. Wenn man in der Hinsicht Bedürfnisse hat, sollte man vorher recherchieren.

Leider ist in den meisten Love Hotels das Rauchen erlaubt, dementsprechend riecht es dann auch. Ein Nichtraucher-Hotel zu finden geht eigentlich nur mit Japanischkenntnissen, der Suchbegriff ist aber ラブホ 禁煙 (Rabuho kin’en).

Moment, und was ist jetzt mit den Extras?

Ach ja, oben hatte ich etwas von Extras geschrieben.

Die sind natürlich von Love Hotel zu Love Hotel verschieden, aber Kondome gibt es eigentlich immer. Was ich sonst so gesehen habe: Kostenlose Kosmetik, Spielekonsolen zum Ausleihen, Kostüme, Desserts, eine Bier-Flatrate und viel mehr.

Mir macht es deswegen tatsächlich Spaß, Love Hotels zu recherchieren. 😀 Wenn schon, denn schon!


Love Hotels sind also viel weniger anrüchig, als es zuerst den Eindruck hat. Wenn man zu Zweit reist, bieten Love Hotels auch einiges an Planungsfreiheit, weil man sie nicht im Voraus reservieren muss. Ob des Besuchs schämen muss sich wirklich niemand. 🙂

Ein Gedanke zu „Love Hotels: Die ganze langweilige Wahrheit.

  1. Verena sagt:

    Super interessant! 🙂 Habe mich schon immer gefragt wie es wohl im Inneren eines Love Hotels aussieht. Vielen Dank für den tollen Artikel! ^^

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