Mampf, mampf: Was japanische Kindergartenkinder essen.

Der Ess-Start bei unserem Sohn lief nicht ganz einfach ab. Die ersten Fütterversuche endeten mit Spucken und fast bis zum ersten Geburtstag kam kaum festes Essen in den kleinen Mann.

Als er mit elf Monaten in den Kindergarten kam, haben wir uns also erst einmal ein wenig Sorgen gemacht. Schließlich gab es im Kindergarten richtiges Mittagessen, und dann auch noch ganz viele Sachen, die Bocchan noch nicht kannte.

Mehr: Reisbrei und Brei aus Reis: Babynahrung in Japan.

Inzwischen ist er aber ein Meister-Esser und holt sich sogar oft Nachschlag. 🙂

Diesmal erzähle ich euch, was er im Kindergarten so vorgesetzt bekommt.

Zuerst einmal: Bocchan bekommt das gleiche, wie die größeren Kinder. Für ihn wird es nur kleiner geschnitten. Das Essen wird alles frisch im Kindergarten gekocht. 🙂 Hätte er Allergien, würde der Essensplan daran angepasst werden – das wird aber nicht in jedem Kindergarten angeboten.

Hier ist der Essensplan von dieser Woche:

11. Oktober

Weicher Reis, Pilzsuppe, Cornflakes-Hühnchen, Salat mit Süßkartoffel und Käse

12. Oktober

Weicher Reis, Misosuppe mit Tofu und Wakame (Algen), Lachs mariniert in süßem Essig mit Gemüse, gekochte grüne Bohnen und Kürbis mit Curry-Gewürz

13. Oktober

Udon-Nudeln mit Hühnchen und Gemüse, Kartoffel-Omlette, Seetang-Majonaise-Salat, Apfel

14. Oktober

Makrelenhecht-Reis, Ei-Suppe, frittierter Tofu mit dicker Sauce mit Gehacktem, Apfel

15. Oktober

Weicher Reis, Misosuppe mit Enoki-Pilzen und Süßkartoffel, frittierter Steinbutt mit grünem Seetang, Brokkoli mit Katsuobushi (Fischflocken)


Dass es sich hier nicht um einen deutschen Kindergarten handelt ist wahrscheinlich jedem direkt ersichtlich. 😀

Es gibt viel Reis, viel Fisch und anderes Meereszeug. Außerdem ist das Essen mit Pilzen, Kürbis und Süßkartoffel jahreszeitlich passend. Einen vegetarischen Tag gibt es nicht und vegetarische oder gar vegane Kindergärten sind insgesamt sehr selten.

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass Japanern das Essen viel wichtiger ist als den Deutschen. Das weiß jeder, der mal eine Reise mit einem Japaner geplant hat (“Wenn wir da sind müssen wir das unbedingt essen!”) oder japanisches Fernsehen gesehen hat (gefühlt drehen sich 50% aller Sendungen ums Essen).

Den Kindern im Kindergarten werden Lebensmittel auf verschiedene Weise näher gebracht: Bei den Kleinen geht es noch ums Anfassen und tatsächlich auch Spielen mit Essen. Da werden dann aus verschiedenem Obst Stempel gebastelt oder man darf mit Konnyaku, einem festen Gelee aus einer Kartoffelart, herumsauen. Mit den größeren Kindern wird gekocht.

Für mich ist das gute Kindergartenessen eine Rettung. So kann ich mir sicher sein, dass er mittags eine ausgewogene gesunde Mahlzeit bekommt und muss mir um das Abendessen nicht so viele Gedanken machen. Bisher isst er auch wirklich alles und bekommt fast jeden Tag Nachschlag. Irgendwoher muss die Energie für die ganzen Faxen ja auch kommen. 😉

Ich frage mich, ob er bei deutscher Kindergartennahrung auch so enthusiastisch wäre. Nicht, weil die schlecht ist, sondern einfach, weil er sie nicht kennt. Vielleicht muss ich demnächst mal Milchreis ausprobieren.

3 Gedanken zu „Mampf, mampf: Was japanische Kindergartenkinder essen.

  1. aiko sagt:

    Da läuft einem beim Lesen ja schon das Wasser im Mund zusammen.
    Schrecklich, wenn ich dagegen die Essenauswahl an deutschen Kindergärten und (noch schlimmer) Schulen sehe. Alles brav nach der DGE-Pyramide. Und keine Änderung in Sicht. Wie auch, wenn pro Kopf nur ein unverschämt geringer Betrag kalkuliert werden darf.
    Allerdings gibt es hier vielerorts mittlerweile einen Veggi-Tag mit sogar veganen Optionen.
    Trotzdem wird dies von Anbietern mit allerlei Fertigsoßen und Zusatzstoffen in Grossküchen Stunden zuvor vorgekocht. Ich für meine Teil bin sehr unglücklich darüber, wie wenig dem Grossteil der Deutschen das Essen und dessen Qualität bedeutet. Und die nächste Generation wird schon heran gezogen.
    Es gibt immer weniger Kitas, die ihr Essen selbst kochen dürfen, damit man sein Kind auch dahingehend in guten Händen wüsste. Wenn man hochrechnet, wieviele Mahlzeiten das im Laufe der Kitazeit sind, puhhh…
    Deshalb verstehe ich die grosse Erleichterung absolut.

  2. Sina sagt:

    Da kann ich Aiko nur Recht geben. Mir graut schon davor, wenn mein Kleiner in den KiGa kommt.
    Ein sehr interessanter Beitrag mal wieder, liebe Claudia.
    Mich würde interessieren wie sich euer Essproblem dann gelöst hat. Hat Bocchan aufgrund der neuen Umgebung in der Kita dann einfach angefangen zu essen? Unser Sohn ist gut 10,5 Monate alt und ich warte immer noch darauf, dass er erkennt, dass man von festen Lebensmitteln auch satt werden kann…

    • Claudia sagt:

      Das hat bei uns auch länger gedauert… Wir haben ziemlich viel Brei gegeben und dann mit Grieß vermengt, aber so richtig gut lief es dann, als er im Kindergarten war. Irgendwie klappte das dann einfach.

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