Corona-Update: Alles wieder gut?

Am 7. April wurde der Notstand für sieben japanische Präfekturen ausgerufen. Nach einer Verlängerung bis Ende Mai und Ausweitung aufs ganze Land wurde er jetzt fast eine Woche früher als geplant beendet.

Eigentlich hatte es strikte Voraussetzungen gegeben, unter deren Erfüllung das möglich gemacht werden sollte. Z.B. sollte die Zahl der täglich Neu-Infizierten in der vorangegangenen Woche im Durchschnitt unter 0,5 Personen pro 100.000 Einwohnern einer Präfektur liegen. Außerdem hatte man sich darauf verständigt, dass die Präfekturen im Großraum Tokyo (Tokyo, Saitama, Kanagawa und Chiba) nur gemeinsam vorgehen sollten, weil zwischen ihnen enorm viel gependelt wird.

Irgendwie kam es jetzt doch anders.

Obwohl Kanagawa noch nicht unter der 0,5 pro 100.000-Marke ist, erschien es den Verantwortlichen scheinbar als unzumutbar, den Notstand einfach am nächsten Samstag auslaufen zu lassen. Stattdessen wurde (mal wieder) übers Wochenende plötzlich entschieden, dass der ledigliche Rückgang der Neuinfektionen gut genug sei.

Nun will man die Selbstbeschränkungsmaßnahmen schrittweise aufweichen. In Tokyo werden zuerst die Schulen, Museen und Bibliotheken geöffnet, außerdem sollen Sportveranstaltungen ohne Publikum wieder stattfinden dürfen. Im zweiten Schritt dürfen dann auch Läden, die keine essentiellen Waren verkaufen, öffnen.

Ehrlicherweise muss man sagen, dass sich viele Läden an die Bitten der Regierung gehalten hatten. Bei einigen bin ich mir noch immer nicht ganz sicher, was sie essentiell macht – Bei uns war z.B. der Godiva-Schokoladen-Laden die gesamte Zeit des Notstands über geöffnet.

In den letzten zwei Wochen hatten aber offensichtlich viele Geschäfte das Ende der Fahnenstange erreicht. Sowohl Uniqlo als auch Muji sind seit vorletzter Woche wieder offen. Bei Starbucks kann man es sich zwar nicht in den Läden gemütlich machen, aber sein Süßgetränk mit Koffein kann man seit letzter Woche wieder kaufen.

Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht besser gewesen wäre, noch ein wenig zu warten. Einerseits sind alle die Beschränkungen leid und wollen so schnell wie möglich zurück zur Normalität – oder zumindest zur „neuen Normalität“, in der man sich die Hände öfter und gründlicher wäscht und versucht Abstand einzuhalten (obwohl es da immer noch so Spezialisten gibt…). Ganz ehrlich hatte ich mir meinen Mutterschaftsurlaub auch anders vorgestellt. Statt mich mit Freundinnen zu treffen und all die leckeren Restaurants und Cafés zu besuchen, die mit einem Neugeborenen erst einmal ausfallen, sitze ich jeden Tag zuhause und versuche zumindest ein wenig spazieren zu gehen.

Andererseits nervt mich dieses Herumgeeiere der japanischen Regierung ungemein. Diese Scheu vor klaren Worten hat überhaupt erst dazu geführt, dass sich das Virus so weit in Japan ausbreiten konnte, und ich hoffe, dass es diesmal nicht dazu beiträgt, dass eine möglicherweise viel schlimmere zweite Infektionswelle Japan erfasst.

4 Gedanken zu „Corona-Update: Alles wieder gut?

  1. Tobias sagt:

    …. natürlich sind Läden für Schokolade essentiell!!!
    Das Herumgeeiere ist doch hier nicht anders.
    Einzig „Mutti“ hat klare Worte gefunden, aber vieles ist Ländersache, und da kommt eine Provinzposse nach der anderen.
    Alleine dass man nach drei Wochen Schulschliessung völlig ohne Konzept war, wie man die Schule wieder öffnen will…

  2. Holger Drechsler sagt:

    „Süßgetränk mit Koffein“ – sehr gut! Ich hol mir gleich noch den Zucker aus der Küche (aber ich glaube, wir haben gar keinen mehr).
    An meinen Vorkommentator: Eine „Mutti“ mit 80 Millionen Kinderlein, nur kein eigenes dabei. Ich hätte lieber einfach eine Frau Bundelskanzlerin, die zu den klaren Worten auch noch schnelle Kurskorrekturen entsprechend der Lage vornehmen kann und die vollkommen unterschiedliche Infektionsdichte in ihren Entscheidungen berücksichtigt.

  3. Danny sagt:

    Das möglichst schnell die Maßnahmen an die momentane Lage angepasst werden ist doch Lobenswert. Zumal Japan sehr gut weg gekommen ist im Vergleich zu anderen Ländern. Es wird immer nur geschaut wie viele Menschen mit dem Virus sterben aber das die Selbstmordtelefone in Japan vollkommen Überlastet sind sieht keiner. Das was ich schon seit Wochen sage und auch durch die Ausarbeitung eines BMI Mitarbeiters bestätigt wurde interessiert keinen. Man sieht immer nur das was Tagesaktuell in den Medien kommt. Dabei muss man die Komplette Lage betrachten und kann nicht einen Teil ausblenden. Aber so ist der Mensch eben gestrickt. Das eine wird Medial gehypt und das andere totgeschwiegen.

    • Claudia sagt:

      Ich habe kein Problem damit, dass man sich an der derzeitigen Lage orientiert. Diesmal gab man aber erst Richtwerte aus, die dann ignoriert wurden, und das finde ich schon eigenartig.

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