In den Bergen von Nagano und Yamanashi.

Am Tag nach dem großen Taifun im September herrschte in unserer Ecke von Nagano bestes Wetter. Der Himmel war nur leicht bewölkt, es war angenehm warm, aber nicht zu heiß und wir wollten uns einmal die Berge in unserer Umgebung näher ansehen.

Sakuho-Machi liegt in der Nähe des Yatsugatake (八ヶ岳), einem Vulkanberg, der die Präfekturen Nagano und Yamanashi trennt. Er ist unter anderem für den Wintersport beliebt, 1998 haben in Nagano sogar die olympischen Winterspiele stattgefunden. Im Sommer ist das natürlich nicht möglich.

Einige Ski-Lifts stehen aber auch im Sommer nicht still. Die Kiyosato Terrace ist ein Aussichtspunkt auf 1900 m Höhe, den man nur über einen Ski-Lift erreicht. Ein wenig abenteuerlich ist das schon, vor allem, weil ich noch nie in meinem Leben mit so einem Ding gefahren war.

Oben angekommen kann man die Aussicht genießen und sogar ein wenig etwas zu essen und trinken kaufen. Bei besserem Wetter sieht man von dort aus auch den Fuji, aber das war uns nicht vergönnt.

Dort oben war es sogar ziemlich frisch, mein Mann zitterte in seinem kurzärmligen Hemd ziemlich. Ich als stramme Teutonin hatte natürlich keine Probleme. Als ich jung war, mussten wir bei -20°C zur Schule gehen!!

Auf unserem Rückweg wollten wir einen kleinen Abstecher in die Berge in die Nähe unserer Unterkunft machen. Bei Fahrten in die Berge sind natürlich oft enge, gewundene Straßen vorprogrammiert und so brauchten wir auch etwas länger als erwartet, bis sich plötzlich der Parkplatz am Shirakomaike (白駒池), einem See, vor uns auftauchte.

Das Thermometer zeigte 20°C, und das im japanischen Spätsommer!

Das wirklich Bezaubernde am Shirakomeike ist nicht der See an sich, sondern der Urwald, durch den man beim Umrunden des Sees läuft. Richtige Urwälder sind auch in Japan rar, und dieser hier sieht so urig aus, dass er auch nach dem Ghibli-Film „Prinzessin Mononoke“ Mononokes Wald genannt wird.

Tatsächlich konnte ich mir gut vorstellen, dass in jedem Moment in den moosbewachsenen Höhlen Kodama, japanische Waldgeister, erscheinen.

Ein kleines Mädchen, das mit ihrer Mutter im Wald unterwegs war, rief auch immer wieder nach den Charakteren aus dem Film. Man weiß ja nie, ob nicht doch plötzlich Ashitaka oder San auftauchen. 🙂

Um den Urwald nicht zu verletzen ist der ganze Weg mit Planken ausgelegt. Das ist bei japanischen Waldwanderwegen gar nicht so selten. Bei gutem Wetter ist es einfach auf den Planken zu laufen, aber bei Regen stelle ich es mir ziemlich rutschig vor.

Nur wenige Autominuten entfernt befindet sich der Yachiho Lake (八千穂レイク), ein weiterer See. Dieser war uns vom Besitzer unser Unterkunft als der schönere See angepriesen worden, wir waren aber etwas enttäuscht. Vielleicht war es der direkte Vergleich mit dem Urwald am Shirakomaike. Die Birkenbäume am See sind wunderschön, Birken sieht man in Japan nicht überall, und auf dem Weg hinunter zum See sah ich sogar ein Reh.

Der See selbst wirkt aber sehr künstlich. Es ist ein See für Angler mit befestigten Wegen und wenig Charme.

Man kann halt nicht alles haben. 🙂 Wir verbrachten auf jeden Fall einen schönen Tag in der Natur.

5 Gedanken zu „In den Bergen von Nagano und Yamanashi.

  1. Andrea Berger sagt:

    „Als ich jung war“
    Du bist doch noch so jung und hast Dein ganzes Leben noch vor Dir.
    Genieße es
    Liebe Grüße aus Thüringen

    • Claudia sagt:

      Das war eine Anspielung auf Großeltern, die einem die wildesten Geschichten aus ihrer Jugend erzählen, wenn man sich beschwert. 😀 „Als ich jung war musste ich im Winter barfuß durch den Schnee zur Schule laufen, bergauf in BEIDE RICHTUNGEN!“ und so etwas.

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