Das große Aufräumen.

Wenn man etwas im Internet bestellt, muss man in Japan meist nicht den ganzen Tag auf den Postboten warten, weil man von Vornherein sagen kann, wann man das Paket gern zugestellt hätte. Nur manchmal geht das nicht, so auch beim Onlineshop der riesigen Elektronikkette Yodobashi Camera, denn dort wird scheinbar nur mit der japanischen Post geliefert.

Das bedeutete letztens für uns einen Tag, den wir gezwungenermaßen zuhause verbrachten. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag neue Kopfhörer oder einen neuen Kamerarucksack, da will man den Postboten nicht verpassen. 😉 Wenn man nicht vor seinen häuslichen Problemen weglaufen kann, muss man sich ihnen stellen, und so verbrachten wir den gesamten Vormittag und einen Teil des Nachmittags damit, unsere Schränke aufzuräumen.

Wir haben vier fest eingebaute Schränke und einen kleinen Abstellraum. Als wir vor fast zwei Jahren eingezogen, empfanden wir diesen Stauraum auch als lächerlich großzügig, denn wer könnte jemals so viel Zeug haben? Antwort: Wir, zwei Jahre später. Wenn man viel Stauraum hat, kann man nicht nur in großen Mengen einkaufen, sondern z.B. Verpackungen von allem möglichen Zeug aufheben (mein Mann) oder das durchgelegene Kopfkissen statt in den Müll in einen der Schränke schmeißen (auch mein Mann). Wir hatten neun Kopfkissen.

Letztendlich haben wir vier große Mülltüten weggeworfen, viele Dinge den Schwiegereltern zurückgegeben und auch einiges an einen besseren Ort verfrachtet. Was bringt es uns, wenn der Matratzentrockner (ein echter Segen für das feuchte Wetter in Japan) zwei Zimmer vom Bett entfernt steht? Außerdem werden wir demnächst mal Sperrmüll wegbringen müssen, denn auch da hat sich einiges angesammelt.

Nachdem wir mehrere Stunden damit verbracht hatten Schränke ein- und auszuräumen, war ich am Abend nur noch geschafft, aber irgendwie auch glücklich. Aufräumen ist anstrengend, aber das Resultat sind organisiertere Schränke und vor allem weniger Krams, den wir nicht brauchen. Idealerweise würden wir den Kram natürlich von vornherein nicht kaufen, aber diesmal waren es großteils Dinge, die wir ursprünglich viel benutzt hatten.

Generell versuchen wir bei den Dingen, die man nicht so ganz dringend braucht, darauf zu achten, dass wir nur kaufen, in was wir uns wirklich verlieben. „Passt schon“ ist in den meisten Fällen nicht genug, um Geld für etwas auszugeben, denn letztendlich wird man es entweder kaum benutzen oder über kurz oder lang etwas viel besseres finden. Derweil habe ich meine Winterstiefel seit inzwischen fünf Jahren, lasse sie manchmal reparieren, und spare mir das Geld und den Aufwand, ein neues Paar zu kaufen.

Aber für dieses Jahr sind wir erst einmal mit dem Aussortieren durch.

Mistet ihr regelmäßig aus?

10 Gedanken zu „Das große Aufräumen.

  1. hanna sagt:

    Das steht bei mir auch noch bis Ende des Jahres auf dem Plan Bei mir sammeln sich irgendwie besonders Bücher und Kosmetikprodukte an (obwohl ich nicht wirklich viel kaufe…), und Kleidung miste ich alle halbe Jahre aus, mit dem (teils vergeblichen) Versuch, in dieser Hinsicht minimalistischer zu werden… Von den Sachen meines Mannes (ein kleiner “Horter” von ungenutzten Dingen) fange ich gar nicht erst an

    • Claudia sagt:

      Zum Glück gibt es ja den Neujahrsurlaub. 😀 Bei Klamotten habe ich leider auch noch manchmal so Sachen, die ich kaufe, weil ich sie total toll fand, nur um sie dann nicht zu tragen. Besonders so Uniqlo-Kolloborations-T-Shirts…

  2. Ilka sagt:

    Nein, machen wir nicht. Wobei regelmäßig ja auch „alle 5 Jahre“ bedeuten könnte.
    Wir versuchen es mit „ein Ding darf nur einziehen, wenn ein anderes auszieht“. Klappt aber auch nur so mittelprima.
    Das mit den Verpackungen scheint ein grenzüberschreitendes Männerding zu sein.
    Viele Grüße
    Ilka

    • Claudia sagt:

      „Könnte man ja noch mal brauchen“. 😉 Ich glaube, bei „ein Ding neu, ein Ding weg“ würde es mir super schwer fallen zu sagen, was weg muss. Dann lieber in einer großen Aktion.

  3. Kristina sagt:

    Ich miste regelmaessig aus! Kleidung meist zu „koromogae“, das andere, wenns anfaellt. Verpackungen sammeln sich auch bei meinem Mann wie magisch an.
    Ansonsten meide ich den 100 Yen Shop und frage mich 3x, ob ich wirklich was brauche, bevor ich es auch kaufe. Meist brauche ich es dann eh nicht mehr.

    • Claudia sagt:

      Keine Impulskäufe zu tätigen finde ich auch wichtig, und vor allem im 100 Yen Shop macht man das durchaus mal. Mein Mann sagte früher immer „Ich brauche die Verpackungen, wenn wir umziehen!“, aber jetzt werden wir nicht mehr umziehen, deswegen durfte er die letztens alle schön entsorgen. 😀

  4. Tara sagt:

    Ich liebe Ausmisten auch total. Das Gefühl, mit dem man anschließend ins Bett (in einem aufgeräumten Zimmer) geht, ist wie du schon sagst ein sehr Schönes. 🙂
    Früher haben wir recht viel gekauft, sowohl an Klamotten als auch Haushaltskram. Beides am Ende wenig genutzt, schnell weggeworfen. Mittlerweile halte ich es wie ihr, es wird eigentlich nur noch das gekauft, was wirklich gefällt und qualitativ in soweit hochwertig ist, dass es nicht nach wenigen Monaten schon wieder im Müll landet. 🙂

    • Claudia sagt:

      Keinen Billigkram zu kaufen, heißt meist einfach auch, dass man es nicht fünfmal nachkaufen muss. 🙂 Außerdem finde ich Einkaufen ehrlich gesagt ziemlich stressig, je weniger ich das muss, um so besser.

  5. Sheila sagt:

    Ja, aufräumen befreit wirklich. Wenn ich erst damit anfange muss ich mich dann zurückhalten nicht zu viel zu entsorgen. Ich bin immer sehr zufrieden mit mir wenn z.B. Kleider ausgemistet oder Unnötige Sachen entsorgt sind. Aber das schlimmste ist wenn du was nach ein paar Wochen überraschenderweise brauchst und nicht mehr hast. *facepalm*

    • Claudia sagt:

      Das ist mir zum Glück noch nie passiert. Aber ich lasse es auch wirklich immer etwa ein Jahr rumliegen, und was ich das eine Jahr nicht gebraucht habe, werde ich sicher später auch nicht mehr brauchen. Eine Ausnahme sind natürlich Kleider für besondere Anlässe usw. 🙂

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