Ein Ausflug nach Tochigi: Sukkansawa.

Weil wir in Tokyo ständig von Menschen umgeben sind, versuchen wir zumindest am Wochenende irgendwo zu sein, wo wir nicht so viele Menschen sehen. Meist ist das zuhause, manchmal fahren wir aber auch aufs Land.

Letzten Sonntag stiegen wir am frühen Morgen ins Auto, um nach Sukkansawa (スッカン沢) in Tochigi zu fahren. Dass Sukkansawa etwa drei Stunden von unserem Haus entfernt ist, bedeutete, dass ich im Auto noch ein wenig schlafen durfte während mein Mann so gut wie möglich versuchte, die Stadt hinter sich zu lassen, bevor sich ein Stau bilden konnte.

Oben auf dem Berg angekommen, war die Temperatur sehr viel niedriger als an unserem Ausgangspunkt. Wir zogen uns also schnell Pullover über, und verließen den relativ gut gefüllten Parkplatz in Richtung Wanderweg.

Offenbar war den meisten Besuchern die Route etwas zu anstrengend, denn in den dreieinhalb Stunden, die wir in Sukkansawa verbrachten, sahen wir nur neun andere Wanderer. Vielleicht hatten sie auch Angst vor den Bären, vor denen am Wanderweg überall gewarnt wurde. 😉

Für uns ging es erst einmal 3,3km fast nur bergab, anfangs durch den Wald, dann an Bächen und Wasserfällen vorbei. Japan ist ein sehr bergiges Land, weswegen es wirklich an so gut wie jeder Ecke sehr schöne Wasserfälle gibt. Oft kann man mit dem Auto ziemlich nah an sie heranfahren, diese hier erreicht man erst nach über einem Kilometer Fußmarsch, was wahrscheinlich auch der Grund war, warum wir sie ganz allein für uns hatten.

Die Wanderwege sind sicherlich normalerweise gut in Schuss, doch nach dem großen Taifun letztes Wochenende musste man durchaus aufpassen: Dort, wo Hölzer die Erde, die die Stufen bildet, am Wegrutschen hindern sollte, waren nach starken Regenfällen nur noch die Hölzer zu sehen; an einigen Stellen lagen umgestürzte Bäume auf den Wegen und generell war der Boden ziemlich weich. Derzeit kann man wegen der Taifunschäden auch nicht das ganze Tal besuchen, zwei Wege sind gesperrt.

Wir empfanden diesen Wanderweg auch als schön eben weil er nicht perfekt war. Außerdem war er einfach bis auf das Rauschen des Wassers und des Windes in den Bäumen sehr still. In der Stadt ist es nie so still, es war also auch für unsere Ohren die reinste Entspannung.

Am Ende des Wanderwegs angelangt, aßen wir unser mitgebrachtes Mittagessen direkt am Bach sitzend und ruhten uns aus. Wenn es 3,3km nach unten geht, geht es auf dem Rückweg genau diese 3,3km auch wieder nach oben. Mein Mann ist sehr fit, für ihn war das alles mit links zu bewältigen, doch ich musste immer wieder Pausen einlegen, einfach um meinen Puls wieder in den Griff zu bekommen. So viel zum entspannten Waldbaden!

Als wir dann endlich oben angekommen waren, war ich aber sehr stolz auf mich. Nur etwa 200m vom Eingang entfernt fragte uns ein Paar, ob man den ersten Wasserfall in etwa zehn bis 20 Minuten erreichen könnte. Wir antworteten wahrheitsgemäß, dass das wohl eher unmöglich ist, aber sie ließen sich nicht abschrecken. Ich hoffe, sie hatten nicht wie ich noch zwei Tage danach Muskelkater. 😉

Insgesamt ist Sukkansawa eher unbekannt, und gerade deshalb so schön. Hier mussten wir uns die Aussicht mit niemandem teilen und konnten uns deswegen so viel oder wenig Zeit nehmen, wie wir wollten. Pure Entspannung eben, abgesehen vom Treppensteigen.

Wohin fahrt ihr, wenn ihr einfach mal Ruhe braucht?

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