Erster Tag in Japan, vor 10 Jahren.

Heute vor zehn Jahren kam ich das erste Mal nach Japan. Seitdem hat sich natürlich einiges geändert, ich wollte euch trotzdem an meinen Gedanken von damals teilhaben lassen. 😉 Wir erinnern uns, ich war 18 und hatte Jetlag. Und beim Schreiben sah ich das erste Mal original japanisches Fernsehen…

30. Juli, 2008

So, ich habe nichts zu tun und schreibe deswegen was. Auf Deutsch, für alles andere fehlt mir die Kraft. Ich musste übrigens grade innerlich lachen, japanisches Shopping-TV!
Aber die Sender kommen hier eh nur voll doof rein.
Aber naja, ein bisschen von vorne. (Woah, in Japan klingt Blaulicht ganz anders).
Ich stieg also ins Flugzeug in Tegel und las Melissas Brief. Sowas darfst du doch nicht schreiben, ich heule doch. (Ack, die Aircon wird zu kalt *ausstell)
Jedenfalls, der erste Flug ging recht schnell vorbei im Gegensatz zu dem nach Narita. Dafür flog der erste Pilot bei der Landung immer so ruckartig runter, dass mir schlecht wurde. Der Flug nach Narita war unglaublich lang. (Wetterbericht: Regenwahrscheinlichkeit 0%, Temperatur 30 grad. NOES!)
Ich konnte auf diesem Flug vielleicht so 30 Minuten schlafen, habe dafür aber heute Morgen „Horton hört ein Hu!“ geguckt xD
Der Shunsuke holte mich mit dem Auto ab, dass laut ihm recht schäbig ist, aber das fand ich nicht.
Und – wir gingen shoppen. Einchecken ist nämlich erst ab 13:00. A~lso, ich hob 30,000 yen ab und kaufte eine Kamera + Hülle + 2GB SD-Card (+ Geschenk, man kriegt hier andauernd was geschenkt. Oder Bonuskarten.), für nur *damdam* ich find die Rechnung grade nicht. Der Akku wird grad aufgeladen und dann zeig ich euch mein Reich. XD Vielleicht.
Dann war ich noch im Sanrio-Shop (Shunsuke blieb mit Abstand davor stehen), erwarb das Geburtstagsgeschenk für meine Schwester (und bekam dafür ein Geschenk und eine Punktekarte xD). Dann noch die neue Kera, die ich mir aber noch gar nicht angesehen habe. Dann aß ich den Teriyakiburger (nich so die Offenbarung) und wir fuhren zu dem Hotel, in dem ich auch gerade sitze, wo uns die Empfangsdame sagte, ich solle mich bitte nicht hinterm Haus aufhalten, ist wohl etwas gefährlich. Aber da waren auch komische Gestalten. XD wir gingen dann noch zu 7eleven (lol, Leute, japanisches TV! XD), ich kaufte so gesund ein wie immer und dann wurde ich nochmal zum Bahnhof (Nishisenjuu, wenn ich mich recht erinnere) gebracht, weil ich mich ja morgen mit Theres treffe (Yay!) und übrigens macht Proactive total attraktiv. Dass das Zeug so krass beworben wird, omfg.
Errm ja, jedenfalls habe ich heute viel gelernt und bin aber durch wenig Schlaf und die Luft hier echt fertig. Shunsuke vorhin so, als ich meinte, dass mir nicht so gut ist, „Your face looks scary“. Als ich mich vorhin im Spiegel sah, fand ich, dass „scary“ noch eine echt nette Ausdrucksweise dafür ist, eh, ja.
Ich leg mich jetzt hin und tippe das vllt nach dem abendlichen Duschen ab (Die haben hier Macs!!!)

Duschen war ich noch nicht, aber irgendwie muss ich die Zeit bis 21 Uhr rumkriegen. XD

Eintrag Ende.

Wir stellen fest: Ich war wirklich durch den Wind. Einige wenige Leser kennen diesen Eintrag wahrscheinlich noch, ich schrieb nämlich schon bevor ich fürs Working Holiday nach Japan ging, einen Blog. Damals noch auf Livejournal. Inzwischen ist der nicht mehr. 🙂

In den letzten zehn Jahren hat sich einiges getan. Zuerst natürlich im Schreibstil (ein Glück!), und dann ein wenig in meinem Leben. 🙂 Warum ich in Japan bin habe ich euch vor einiger Zeit schon erzählt, aber über mein Working Holiday berichte ich immer nur bruchstückhaft, um meine mysteriöse Aura aufrechtzuerhalten.

Mehr:   Warum eigentlich Japan?

In meinem letzten Jahr Schule arbeitete ich nebenbei in einem Callcenter für Umfragen, um 2000€ anzusparen. Zu meinem 18. Geburtstag hatte ich die Wahl zwischen einem Führerschein und den Flugtickets nach Japan und die Wahl war klar. Sowohl das Geld als auch der Flug waren damals Voraussetzung um ein Working Holiday Visum zu bekommen. Viel mehr brauchte man 2008 nicht, weder ein Motivationsschreiben, noch einen Lebenslauf, noch einen Reiseplan.

Bevor ich mich auf den Weg nach Japan machte, lernte ich übers Internet drei japanische Männer kennen: Den oben erwähnten Shunsuke, Ryo und… Shuichi? Ich weiß gar nicht mehr. Mit allen hatte ich vorher übers Internet geschrieben, und alle traf ich letztendlich auch in Japan. Nicht besonders sicher, und ich würde das heute nicht mehr machen, aber es war tatsächlich praktisch: Shunsuke reservierte das Hotel, in dem ich die ersten drei Tage war. Ryo ging mit mir zu Softbank um mir ein Handy zu kaufen. Shuichi erklärte mir, wie eine Suica funktioniert.

Mehr:   Bahn- und Busfahren in Tokyo.

Schließlich hatte ich ja von nichts eine Ahnung, und mein Japanisch war auch schlecht. Den JLPT N5 hatte ich einige Monate vorher mit Ach und Krach bestanden, und sowohl meine Grammatik als auch mein Wortschatz waren – nun ja.

Außerdem kam ich mitten im Hochsommer an. Der japanische Sommer ist schrecklich, und ich hatte direkt Sommererschöpfung. Die ersten Tage konnte ich kaum etwas essen, weil ich wegen des Wetters so fertig war.

Mehr:   Sommererschöpfung.

Nach meinen ersten drei Tagen in Japan zog ich in ein schrecklich kleines Zimmer in Ogikubo (荻窪) im Westen Tokyos. Wenig später musste ich mir notgedrungen sehr schnell einen Job suchen, ich hatte nämlich kein Geld mehr. Nachdem ich jahrelang Klamotten aus Japan importiert hatte, saß ich plötzlich an der Quelle und machte finanziell nicht ganz so schlaue Entscheidungen. 😉

Inzwischen stehe ich mit beiden Beinen im Leben, japanisches Fernsehen schockt mich nicht mehr, und um in Japan herumzukommen brauche ich keine Helden in mehr oder minder strahlender Rüstung mehr.

Während des Working Holidays wohnte ich zum ersten Mal alleine, und war das erste Mal komplett für mich selbst verantwortlich. Das war zwar nicht immer leicht, aber man lernt nie so viel über die Welt und sich, wie wenn man ins kalte Wasser gestoßen wird.

Letztendlich war das Jahr zwar super, vor allem, weil ich meinen Mann kennengelernt habe, aber ganz ehrlich: Nach dem Jahr hat es mir auch gereicht. Mit Mindestlohn, ohne wirkliche Freunde, und unter mehr oder minder strapaziösen Bedingungen möchte ich nicht mehr in Japan leben.

Wo wart ihr vor 10 Jahren?

Mehr:   Du willst also Working Holiday in Japan machen...

6 Gedanken zu „Erster Tag in Japan, vor 10 Jahren.

  1. Sabrina sagt:

    Vor 10 Jahren hatte ich gerade meinen ersten Job (für zwei Jahre befristet) gehabt und habe versucht für mich und meinen damaligen Freund als alleinverdiener über die Runden zu kommen. Leider wurde ich da noch nicht auf dich aufmerksam und konnte daher deinen ehemaligem Blog nicht lesen 😉 hätte ich ja zu gerne gemacht, war bestimmt interessant 🙂
    Bald geht es ja für dich bzw euch in den Urlaub. Schonmal einen schönen Urlaub:)

  2. zoomingjapan sagt:

    Hm. Also ich bin ja auch vor 10 Jahren mit dem Working Holiday Visum nach Japan.
    Ich kann mich kaum noch dran erinnern, aber ein Motivationsschreiben war glaube ich schon nötig.
    Vielleicht gab es da ja auch je nach Botschaft Unterschiede. 🙂

  3. hanna sagt:

    Danke für diesen amüsanten Beitrag 😉 Glücklicherweise hatte ich vor 10 Jahren noch keinen Blog XD Da war ich noch mit meiner Bachelor-Arbeit beschäftigt und hatte ganze drei Nebenjobbs zur finanziellen Vorbereitung auf das WH-Jahr in Japan (bin da aber erst im November nach Japan geflogen..). Genau wie bei dir beinhaltete einer meiner Jobs übrigens Telefonumfragen^^;

  4. Lennart sagt:

    Ha! Stelle gerade fest, dass es bei mir auch genau 10 Jahre her sind, dass ich das erste Mal nach Japan reiste! Allerdings unter ruhigeren Voraussetzungen.

    Ist sicherlich hart, ausgerechnet in einem (sehr) fremden Land zum ersten Mal auf sich allein gestellt zu sein.

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