Die Sache mit den Airbnbs in Tokyo.

Auch wenn ich persönlich so gut wie immer in Hotels übernachte, kann ich bei dem Anblick so mancher Airbnb-Wohnungen ins Schwärmen geraten. Eine wunderschöne Wohnung in einer fremden Stadt, nur für mich. Bisher waren Airbnbs auch in Tokyo beliebt, entweder, weil man einfach in einer Ferienwohnung übernachten wollte, oder um die Kosten möglichst gering zu halten.

Doch wer seit Anfang des Monats bei Airbnb nach Apartments in Tokyo sucht, merkt schnell, dass nach Jahren des Überflusses plötzlich Dürre herrscht.

Warum gibt es plötzlich so viel weniger Airbnbs?

Der Grund ist ein einfacher: Die Gesetze wurden verschärft um Airbnb Einhalt zu gewähren. Dass das irgendwann kommen würde, war klar. Es kommen jedes Jahr mehr Touristen nach Japan und leider verteilen die sich nicht unbedingt gleichmäßig aufs ganze Land, sondern wollen alle an dieselben Orte. Während Tokyo das alles auffangen konnte, kam es z.B. in Kyoto immer wieder zu Problemen für die Anwohner, weil die Stadt einfach zu voll geworden war. Von den Airbnbs, in denen diese Touristen übernachteten, waren die wenigsten angemeldet (ich las irgendwo von 5%).

Außerdem wurde bemängelt, dass Airbnbs sich nicht an dieselben Sicherheitsstandards wie ofizielle Übernachtungsmöglichkeiten halten müssten, und dass viele Wohnungen untervermietet wurden, obwohl das im Mietvertrag ausdrücklich verboten war. Als eine Freundin von mir in Tokyo war, hing in ihrem Airbnb ein Zettel auf dem stand, man solle auf Nachfrage behaupten ein Freund des Vermieters zu sein. Im Übrigen stelle ich es mir durchaus unangenehm vor, wenn die Wohnung neben der eigenen für Airbnb verwendet wird. Natürlich machen nicht alle Besucher Krach, aber man will eigentlich schon gern wissen, wer neben einem wohnt und möglichst keine Überraschungen erleben.

Ich glaube ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich davon ausgehe, dass die Hotellobby auch ihre Finger  im Spiel hatte, als es um strengere Regelungen ging.

Was sind die neuen Regeln?

Um Weiterhin eine Wohnung bei Airbnb einzustellen, muss man sie vorher bei den Behörden registrieren. In den ersten Monaten herrschte da noch viel Verwirrung, was sicher nicht zur Beliebtheit beigetragen hat. Die Hauptpunkte des neuen Gesetzes (住宅宿泊事業法 Jūtaku Minpaku Jigyō-Hō) sind folgende:

  • Das Airbnb darf nur 180 Tage im Jahr betrieben werden
  • Hygienestandards müssen eingehalten werden
  • Es muss um Lärmreduzierung gebeten werden
  • Die Betreiber müssen sich um Beschwerden aus der Nachbarschaft kümmern
  • Es muss ein Besucherregister angefertigt werden
  • Wenn der Host nicht auf dem Gelände leben sollte, muss er die Verwaltung einer Firma übertragen
  • Die Wohnungen müssen ausgeschrieben oder zumindest teilweise von einem Mieter oder dem Besitzer bewohnt werden

Den einzelnen Orten ist es überlassen, die Regeln noch schärfer zu gestalten.

Allein durch diese 180-Tage-Regel lohnt sich das für viele professionelle Betreiber gar nicht. Wer mehr vermieten will, muss das unter dem Hotelgesetz (旅館業法 Ryokangyō-Hō) machen, das noch einmal stärker reglementiert ist.

Die Konsequenz

Wer vor Juni 2018 ein Airbnb gebucht hat, sollte vielleicht mal beim Host nachfragen, ob das Airbnb noch betrieben wird. Ihr wollt schließlich nicht zwei Wochen vor eurem Flug eine böse Überraschung erleben. Soweit ich weiß, sind die Ferienwohnungen, die jetzt bei Airbnb angeboten werden, alle registriert und somit sicher. Ansonsten lohnt es sich sicher auch, auf Hotels oder Hostels auszuweichen.

In welche Richtung sich das entwickeln wird, ist noch unklar. Zwar werden fleißig Hotels gebaut, aber letztendlich sind nicht nur Verfügbarkeit und Preis der Grund, warum Leute zu Ferienwohnungen greifen. Vor allem bei längeren Urlauben, nicht dass japanische Politiker davon eine Ahnung hätten, hätte man dann doch gern eine Küche.

5 Gedanken zu „Die Sache mit den Airbnbs in Tokyo.

  1. Lennart sagt:

    Noooooiiiin!!
    Das wusste ich nicht. Besten Dank für die Information.
    Gilt dies nur für Tokyo? Man könnte ja auch in Kawasaki nächtigen… Andere Städte haben solch massive Business-Probleme ja nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Miyazaki so ein Gesetz einführen müsste.

    Ich bin dann aber doch recht erleichtert, dass man nicht versucht, AirBnB ganz zu verhindern, sondern nur dessen Professionalisierung. Wirklich kritisch sehe ich nur den Passus „Wenn der Host nicht auf dem Gelände leben sollte, muss er die Verwaltung einer Firma übertragen“

    Auf der anderen Seite: wir waren bei einem AirBnB (Kyûshu), wo eine Garage zum Gästehaus umgebaut wurde. Es ist also eine Wohnung, die dann nach dem Gesetz 180 Tage im Jahr sinnlos leerstehen würde.

    Als jemand, der in München gelebt hat, finde ich es allerdings gut, Wohnungsbesitzer dazu zu drängen, den Stadtbewohnern ihre (offenbar leeren) Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

    • Claudia sagt:

      Das Gesetz gilt für ganz Japan. Auch in Miyazaki hätte man lieber, dass die Leute in Hotels nächtigen und dann pro Übernachtung Steuern abgeführt werden.

      • Lennart sagt:

        In Miyazaki mag das dann sogar passen. Aber in Tokyo ist das hirnlos, da stets alle Hotels in der AirBnB-Preiskategorie chronisch ausgebucht sind.
        Grausam. In Tokyo und Kyoto machen das Leute sicherlich gezielt, um Geld zu verdienen. Aber in den meisten AirBnBs weltweit, wo ich war, waren es fast immer Menschen, deren Kinder ausgezogen waren und die gern Menschen aus aller Welt beheimaten oder die es sich nur leisten können, in dem großen Haus wohnen zu bleiben, wenn sie es vermieten – und gerade auf dem Land gibt es keine Nachfrage nach Wohnraum, wohl aber nach touristischen Unterkünften.
        Und gerade in Japan haben AirBnBs manchmal die Atmosphäre eines Ryôkans, während man in Städten wie Tôkyo so etwas nur unerschwinglich findet oder in die (nicht schlechten aber IMMER AUSGEBUCHTEN!!!) Business-Hotels ausweichen muss.
        Also: erst Angebot schaffen, dann Nachfrage, nicht umgekehrt.
        Damit ist Japan für die nächsten Jahre erst einmal von meiner Reise-Wunschliste runter.

  2. Ludwig Zillermann sagt:

    Ein Spezi von mir ist Immobilienmakler in Osaka und hatte bis ins letzte Jahr noch ein paar Wohnungen über Airbnb vermietet, dann aber damit aufgehört da die Präfekturverwaltung anfing die Anbieter auszuforschen. Für eine Registrierung musste man dann u.a. im Umkreis von 200 m um die Wohnung alle (!) anderen Einwohner zu einem Treffen einladen und erklären wie man gedenkt die Belästigungen für die Anwohner klein zu halten. Absurd.

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