Vollbeschäftigt, unbefristet, glücklich – Flucht aus dem Sumpf.

Seit fast drei Jahren arbeite ich bei meiner Firma. Bisher nur als Zeitarbeiterin, angestellt bei einer anderen Firma, alle drei Monate mit einem neuen Vertrag. Zwar hatte ich nie Sorge, dass ich plötzlich keinen Vertrag mehr bekommen würde, aber solche Zeitarbeitsverträge sind in Japan auf eine Höchstzeit von drei Jahren beschränkt. Das soll den Firmen Anreize bieten, feste Stellen zu schaffen.

Als ich mich 2015 auf Arbeitssuche befand, bewarb ich mich auch bei einem japanischen Elektronikhersteller (beginnt mit SO, endet mit NY). Vor dem Gespräch wurde ich direkt darauf hingewiesen, dass ich dort nur drei Jahre arbeiten können würde, sie würden generell niemanden übernehmen. Zum Glück bekam ich kurz danach das Vorstellungsgespräch bei meiner jetzigen Firma.

Meine Firma hätte mich recht schnell gern übernommen. Das Problem ist, dass meine Abteilung nicht allein darüber entscheiden kann, ob sie eine neue Stelle schafft. Dafür müssen wichtige Leute im Ausland zustimmen, und eine Assistenz-Stelle wird meist nicht als so wichtig angesehen wie eine spezialisiertere Position.

So zogen die Jahre ins Land. Ich wusste zwar, dass mein Chef mich gern dabehalten würde – Aber das änderte nichts an der Situation. Letztendlich kann mein Chef viel wollen, wenn der Tag lang ist. Ich blieb bei meinen  Drei-Monats-Verträgen und konnte nicht weit in die Zukunft planen. Wir brauchen unsere zwei Gehälter, um so zu leben, wie wir es uns vorstellen, nichts mit Mann arbeitet, Frau hütet das Haus.

Im letzten Dezember dann endlich die Erlösung: Man hatte eine Stelle, die unbesetzt geblieben war, auf mich umgeschrieben und würde mir eine Festanstellung anbieten können. Endlich! Nur leider entschied sich die Personalabteilung noch zu warten, bis mein Vertrag mit der Zeitarbeitsfirma auslaufen würde. Das war Ende Februar.

Anfang Februar bekam ich eine E-Mail von meiner Betreuerin in der Zeitarbeitsfirma, ich solle mir keine Sorgen machen, es sähe gut aus. Mitte des Monats dann die Frage, ob ich ihr fix einen japanischen Lebenslauf und ein englisches Resümee schicken könne, man würde mir eine Festanstellung anbieten wollen. Mit der Hilfe einer lieben Mitarbeiterin, die sich mit englischen Resümees auskennt, und meines Mannes, der ein Trauma vom Lebenslaufschreiben hat, konnte ich schnell etwas zusammenschustern, das einigermaßen professionell aussieht.

Zwei Tage später hatte ich ein „Casual Interview“ mit der Personalabteilung, und gestern habe ich das Angebot unterschrieben.

Ihr habt keine Vorstellung, welche Last mir von den Schultern genommen wurde. Letztendlich ist in mir drin noch immer die 21-Jährige, die frisch verheiratet und ohne Uni-Abschluss nach Japan gekommen ist. Die davor in Berlin für 6€ die Stunde  Menschen für Fernsehsendungen interviewt hat. Ich hab’s geschafft! Vielleicht erst einmal nur bis zu einem Etappenziel, aber immerhin zu einem, an dem ich mich kurz ausruhen kann. Ausruhen und weiter in die Zukunft planen. 🙂

20 Gedanken zu „Vollbeschäftigt, unbefristet, glücklich – Flucht aus dem Sumpf.

  1. Holger Drechsler sagt:

    Herzlichsten Glückwunsch! Ich wünsche Dir eine lange unbeschwerte Zeit mit viel Freude an der Arbeit in dieser Firma, die weder mit PE anfängt und mit AX endet, noch mit NI und ON, noch mit CA und ON and so ON and ON and ON…

  2. Christine Schlingloff sagt:

    Auch von mir herzlichen Glückwunsch. Eine feste Stelle ist heute leider ein kostbares Gut. Du hast es geschafft. Alles Gute – beruflich und auch privat!

  3. Nephi sagt:

    Glückwunsch! Sehr cool, dass das endlich geklappt hat. Hat ja lange genug gedauert und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das ist nur immer für 3 Monate an der langen Leine geführt zu werden…

      • viktor643 sagt:

        Gibt es in Japan keinen Mindestlohn? Zumindest bei deutschen Firmen.

        Übrigens, danke für deinen Blog! Mir wird irgenwie klar wie toll es in Deutschland ist.

        • Claudia sagt:

          Mindestlohn in Japan hat mit deutschen Firmen absolut nichts zu tun. Die richten sich ja nicht nach deutschen Gesetzen. Wir haben aber tatsächlich auch in Japan einen Mindestlohn.

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