Seoul, Tage 2 (Teil 2) und 3: Gangnam.

Am Abend des zweiten Tages, nachdem wir unsere Einkäufe im Hotel abgeliefert hatten, ging es mit dem Taxi nach 강남 (Gangnam). Genauer gesagt nach 압구정 (Apgujeong), weil meine Schwiegermutter und ihre Freundin dringend weitershoppen mussten.

IMGP7140Leider waren wir schon ziemlich fertig, weswegen wir nur durch ein paar teure Läden von ausländischen Firmen laufen konnten, bevor uns die Lust verließ. Es ist einfach auch nicht besonders beeindruckend oder hübsch…

Vielleicht waren wir am falschen Ort, und irgendwo dort tobt das Leben, aber irgendwie war es mein unliebster Teil der Stadt auf unserer Reise. Wir liefen dann noch etwas ziellos durch die Gegend, fanden aber nichts großartig Interessantes.

IMGP7159Hunger hatten wir aber, und so gingen wir ins erstbeste Restaurant, dass sich finden ließ. Und so aßen wir doch noch Koreanisch, auch wenn sich meine Befürchtungen komplett bestätigten. 고기구이 (Gogigui) ist an sich wie 焼き肉 (Yakiniku), es heißt übersetzt auch dasselbe: Gebratenes Fleisch. Dabei wird dünn geschnittenes Fleisch auf einem Grill gebraten und so gegessen. Mit dem Fleisch hatte ich auch gar kein Problem, aber in koreanischen Restaurants bekommt man noch immer haufenweise kleine Speisen “kostenlos” (natürlich im Preis inbegriffen) dazu. Und die waren allesamt zu scharf. Spaß hatten wir trotzdem, ich habe mir einfach den Bauch mit Fleisch und Reis vollgeschlagen. Außerdem habe ich immerhin alles probiert.

봉은사 (Bongeunsa)

봉은사 (Bongeunsa)

Am nächsten Tag schliefen wir recht lang, und hatten so nur noch Zeit um uns einen buddhistischen Tempel direkt vorm Hotel anzusehen. Auch dort war zum Geburtstag Buddhas dekoriert worden, mit bunten Lampions. Als wir dort waren, war auch gerade ein Gebet* im Gange, welches über Lautsprecher in die ganze Anlage übertragen wurde. Insgesamt eine interessante Erfahrung, obwohl es buddhistische Tempel natürlich auch in Japan zur Genüge gibt.

* Vielleicht nicht das beste Wort, aber man versteht, was ich meine.

Nach all der Kultur und dem Spirituellen wandten sich meine Schwiegermutter und ihre Freundin wieder ihrer liebsten weltlichen Sache zu: Shopping. Unter unserem Hotel war ein Tax Free-Laden, den wir einmal komplett abklappern mussten. Kleines Geheimnis: Louis Vuitton und Kumpanen sind in Korea schon von vorneherein nicht günstiger als in Japan, und gekoppelt mit dem derzeit schwachen Yen macht es auch ohne Mehrwertsteuer keinen Unterschied. Absolut keinen. Ohne Internet lässt sich soetwas aber natürlich nicht recherchieren, weswegen die Damen so lange der Meinung waren besonders günstig eingekauft zu haben, bis wir Japan erreichten. 😉

Und dann ging es auch schon wieder zurück. Zurück nach Japan, wo mein Mann auf mich (und meine Schwiegermutter*) wartete und uns nach Hause fuhr. Ein Service ist das. 🙂

* Meine Schwiegermutter regte mich zu dem Zeitpunkt nur noch auf. Weil sie konstant redet, ohne Punkt, Komma oder Sinn. Auch wenn ich mich wirklich hinter meinen Smartphone verstecke, damit sie mich nicht volllabert. Das geht am ersten Tag noch klar, am zweiten fängt es an zu nerven und am dritten will man ihr an die Gurgel springen. In Hinsicht auf zukünftige Reisen ziehe ich meine Schlüsse…

Seoul, Tag 2, Teil 1: Bukchon, Samcheongdong

In 북촌 (Bukchon) war ich im Januar schon gewesen, damals war es zwar hübsch aber saukalt. Für den zweiten Tag der Reise im Frühling war also “Bukchon: Revenge!” angesagt. 😀 Und tatsächlich: In der wärmeren Jahreszeit ist Bukchon ziemlich nett.

IMGP7007Viele hübsche Cafés und Blumenläden laden zum Verweilen an, und alles ist … einfach etwas älter. Aber schön älter! Viel Backstein, viele kleine Läden, wirklich eine schöne Gegend zum Schlendern. Außerdem reihen sich Taschenläden aneinander, und in einem habe ich dann tatsächlich auch eine Tasche gekauft. Dummerweise (für mich) sprechen in Bukchon alle Verkäufer Japanisch, weswegen ich zwar versuchen konnte mein bröckliges Koreanisch einzusetzen – es wurde konsequent vom Gegenüber auf Japanisch umgestellt. Meine Schwiegermutter ist eben eine dieser japanischen Touristinnen, deren Anwesenheit man auch aus fünfhundert Metern Entfernung wahrnimmt.

In Bukchon habe ich tatsächlich einiges an Geld gelassen, auch wenn ich mich sonst auf der Reise echt zurückgehalten habe. Im Schaufensters eines dieser kleinen niedlichen Läden hing ein Kleid, dass ich dringend brauchte und neue Schuhe mussten auch mit.

IMGP7046Und so ging es schwer behangen zum 경복궁 (Gyeongbokgung). Der war zwar dank der Temperaturen sehr viel angenehmer und es waren auch mehr Besucher dort, aber leider hatte sich die Sonne hinter einer Wolkendecke versteckt, weswegen alle Bilder im Vergleich zu denen vom Januar den Kürzeren ziehen. Mit Schnee und Sonnenschein sieht das schon hübsch aus. 😉 Auf einer Bühne wurde traditionelle Musik gespielt, leider konnten wir nicht herausfinden, was für ein Lied es war. Ganz interessant anzusehen war es, in der Mitte der Bühne saß eine Frau in einem Boot, um sie herum standen die Sängerinnen, die gleichzeitig auch tanzten und schließlich ergriffen alle Seile, die mit dem Boot verbunden waren, und drehten es. Mysteriös, ich werde wohl nie herausfinden, worum es sich dabei gehandelt hat.

IMGP7134Einen Tag vor unserer Ankunft in Seoul wurde dort ein großer Feiertag begangen: Der Geburtstag Buddha’s. Anlässlich dessen hingen in der ganzen Stadt bunte Lampions und die Tempel waren hübsch dekoriert. Das scheint auch keine alleinige Aktion der Tempel zu sein, es finden sich an verschiedenen Plätzen und Straßen die gleichen Lampions, was mich darauf schließen lässt, dass da eine andere Organisation zusammen mit den Tempeln am Werk ist. Pünktlich am Montag Morgen wurden sämtlich Lampions auch wieder abgehängt.

IMGP7107Eigentlich wollten wir vom Gyeongbokgung zurück durch Bukchon zum 창덕궁 (Changdeokgung) laufen, dank meines hervorragenden Navigations-Skills landeten aber wir in 삼청동 (Samcheongdong).

Ein Glücksfall, denn Hunger hatten wir sowieso und in Samcheongdong gibt es haufenweise Cafés. Das ist recht hübsch gemacht, ich weiß nicht, ob es dort einen natürlichen Hügel gibt, aber die Gebäude (auf der einen Straßenseite dieses einen Abschnitts dieser einen Straße, an deren Namen ich mich nicht erinnern kann) liegen alle erhöht, so dass man vom Fenster aus einen recht hübschen Überblick hat. Falls sich jemand wundert, dass wir kaum koreanisches Essen gegessen haben: Ich mag scharfes Essen nicht. Mein Gaumen ist in der Hinsicht äußerst empfindlich und leider ist vieles koreanisches Essen einfach sehr scharf. Bevor ich also für etwas bezahle, dass ich nicht essen kann, bleibe ich lieber auf der sicheren Seite. Ein paar leckere Dinge habe ich an Straßenständen zwar gekauft, aber davon habe ich kaum Fotos gemacht.

IMGP7121Weil wir schon den ganzen Tag gelaufen waren setzten wir uns ins nächste ansprechende Café und aßen Waffeln. Wenn die Koreaner etwas drauf haben, dann Waffeln. 😀 Die sind nicht ganz günstig (obwohl für Japaner dank des schwachen Yens eh gar nichts billig ist), schmecken aber wirklich toll und ich will nicht wissen, wie viel ich in Tokyo für eine Waffel mit dem ganzen Obst bezahlen würde.* Dazu noch einen frischen Kiwi-Bananensaft und Wi-fi, und die Welt ist schön.

Mir persönlich haben Bukchon und Samcheongdong von dem, was ich von Seoul bisher gesehen habe, am besten gefallen. 🙂 Es würde sicher auch mal Spaß machen, alleine nach Seoul zu fliegen, um sich alles etwas genauer anzusehen. Und vielleicht sprechen dann auch nicht alle Leute Japanisch mit mir, wo ich doch endlich mal Koreanisch verwenden möchte!

* Alle Gerüchte bezüglich überzogenen Preisen für Obst sind wahr.

Demnächst: Verirren in Gangnam.

Seoul, Tag 1, Teil 2: Idae, Hongdae und Myeongdong

IMGP6912Nachdem wir im Princess Café waren, ging es erst einmal weiter durch 이대 (Idae). Aus irgendeinem Grund gibt es dort haufenweise Schuhläden, leider sind die fernab der Hauptstraßen zwar günstig aber qualitativ auch nicht ganz so hochwertig.

In diesen Läden sieht es auch nicht aus wie auf dem Bild links, sondern die Schuhe stehen allesamt zusammengedrängt in Regalen, ohne Preisschilder. Wenn etwas in einer dermaßigen Masse ohne Preisschilder angeboten wird, und der Verkäufer einem aber sofort sagen kann wieviel es kostet, ist entweder der Verkäufer ein Genie oder die Preise ändern sich nach Laune. Ich tippe auf letzteres.

Diese Läden verkaufen auch Schuhe, die den Modellen großer Firmen verdächtig ähnlich sehen. Korea ist in Japan noch immer dafür bekannt, dass dort viele Fälschungen verkauft werden. Immer dran denken: Keiner wird einem Tory Burch-Schuhe für 15,000won (ca. 10€) oder Chanel-Taschen für 30,000won (ca. 20€) hinterherwerfen. 😉

IMGP6941Schuhe habe ich nicht gekauft, dafür aber ein anderes wunderbares Mitbringsel erstanden. 😉 Psy (“Gangnam Style”) ist allgegenwärtig in der Werbung zu sehen, koreanische Gesichtsmasken sind beliebt (und günstig), was liegt also näher, als eine Psy-Gesichtsmaske? Ist zwar für Männer, aber lustig.  Falls irgendjemand das dringende Bedürfnis verspürt auch eine zu haben: Die Linie heißt “Psy Energy Factory”, wie man da außerhalb Koreas dran kommt, müsst ihr selbst herausfinden. Bei KoreaDepart, meiner normalen Quelle für koreanische Kosmetik, ist sie nicht gelistet. 🙁 In Seoul gibt es Kosmetikläden an jeder Ecke, ein bisschen habe ich auch gekauft, aber an sich kriegt man so gut wie alles auch in 新大久保 (Shinôkubo).

IMGP6917Nach Idae ging es zwei Bahnstationen weiter nach 홍대 (Hongdae), einer Gegend, in der man bestimmt einen tollen Abend verbringen kann – wenn man nicht mit seiner Schwiegermutter und deren Freundin unterwegs ist. Viel grün, viele hübsche Läden, sicher viel zu entdecken. Dummerweise fing es aber plötzlich an wie aus Eimern zu schütten, und wir hatten keinen Schirm dabei. Also weniger Abenteuer, mehr “vorm Regen verstecken”. Bei einem nächsten Besuch (ohne Schwiegermutter, aber das ist eine andere Geschichte*) würde ich mir Hongdae auf jeden Fall noch einmal ansehen.

* Schwiegermütter sind anstrengend. Ich habe sie echt gern und sie ist auch total lieb, aber sie kann nicht für mehr als 30 Sekunden nichts sagen, vergisst alles, was man ihr erzählt und manchmal frage ich mich, ob sie sich mit Absicht dumm stellt.

IMGP6931Nach dem Abendessen (chinesisch, wo man schon man in Korea ist…) ging es noch einmal nach 명동 (Myeongdong), wo wir am Morgen schon einmal Geld getauscht hatten. Nach noch mehr Besuchen bei noch mehr Kosmetik-Läden, ging es zum Cafe Goodevening, wie auf dem Foto zu sehen gegenüber vom H&M. Dort gibt es… Cupcakes! Unglaublich hübsche Cupcakes! 😀 Ich habe es schon einmal geschrieben, aber Seoul hat überall die hübschesten Cafés. Außerdem gibt es dort meist** kostenloses Wi-fi, was, wenn man kein koreanisches Handy hat, durchaus praktisch ist.

** nicht bei Starbucks

Und dann ging es wieder zurück ins Hotel, Energie tanken für den zweiten Tag. 🙂

Seoul, Tag 1, Teil 1: Einmal Prinzessin.

Am Sonntag Morgen ging es los, mit ANA von Tokyo Haneda nach Seoul Gimpo, und von dort aus weiter zu unserem Hotel. Diesmal kein Billighotel sondern das InterContinental Seoul COEX, mit meiner Schwiegermutter und einer Freundin von ihr in ein Drei-Mann-Zimmer.

Nachdem wir kurz das Gepäck abgeliefert hatten, wurde Geld getauscht (in 명동; Myeongdong) und es ging weiter nach 이대 (Idae; Ewha Womans University). Dort waren mein Mann und ich beim letzten Mal auch schon, damals war das Studentenviertel aber von Schnee bedeckt. Bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt macht das schon mehr Spaß.

IMGP6878Unser Ziel war das Café 프린세스 다이어리  (Princess Diary), wo man für einen Nachmittag Prinzessin sein kann. Ab 14€ kann man ein Hochzeitskleid leihen und innerhalb des Cafés Fotos machen. Als wir dort waren, waren ansonsten vor allem jüngere Pärchen zu sehen, sehr niedlich. 🙂 Wir waren aber natürlich nicht wegen irgendwelchen Hochzeitskleidern dort, sondern wegen 한복 (Hanbok), der traditionellen koreanischen Kleidung. Wenn wir schon in Korea sind…

IMGP6864Wenn man sich ein Getränk ausgesucht hat, bekommt man kleine geheimnisvolle Tütchen überreicht: Nach Farbe und Muster geordnet findet man die Rockteile des Hanbok, die Oberteile sind in Preisklassen unterteilt. Je mehr Geld man bereit ist auszugeben, umso schönere Oberteile kann man sich natürlich aussuchen. Man kann sich sein Outfit komplett selbst zusammenstellen, wir haben sicher über eine halbe Stunde gebraucht. 😉 In einem anderen Teil des Cafés wird man umgezogen (man kann das meiste anbehalten), Accessoires werden im Haar befestigt und auf zum Fotos schießen!

IMGP6907Mit meinen 171cm war der Hanbok etwas kurz*, aber sooo bequem! Anders als bei einem Kimono wird einem nicht die Luft abgeschnürrt. 🙂 Das Anziehen nimmt kaum Zeit in Anspruch und geht wirklich supereinfach. Außerdem sind Hanbok wunderschön farbenfroh! Wirklich tolle Farben, ich hätte durch die Luft springen können.

Die netten Damen vom Laden haben für uns auch Bilder von uns allen gemacht, fast sogar ein wenig zu sehr. Wir hatten nur kurz gefragt, ob sie Fotos machen könnten, was dann zu einem minutenlangen Photoshooting ausartete.

Nach zwei Stunden verließen wir den Laden wieder, um eine Erfahrung reicher. Kann man wirklich mal machen, kostet auch nicht so viel, wie die normalen Sets**.Natürlich ist das ein absolutes Mädchen-Ding, Männer langweilen sich wahrscheinlich eher. 😉

* Mir wurde kurzerhand ein Unterrock umgeschnallt

** Make-Up, Haare, Outfits, professionelle Fotos, für 20,000Yen (ca. 150€)

26 Ewhayeodae-gil, 54-9 Daehyeon-dong, Seodaemun-gu, Seoul