Naturkatastrophen. Natürlich.

In Berlin ist man von diversen Naturkatastrophen eher unbehelligt. Das schlimmste, was ich an Naturspektakeln miterlebt habe, war dieser Orkan vor vier oder fünf Jahren.

Hier in Tokyo bekomme ich öfter etwas mit, obwohl man es natürlich nicht immer “Katastrophe” nennen muss. Die Erdbeben und Tsunamis im März waren katastrophal. Das Erdbeben Stärke 1 in Iwate heute Morgen war eher unspektakulär. Es passiert einfach zu oft.

Jeden Sommer, auch dieses Jahr, kommen Taifune, die sehr starken Regen und starke Winde bringen. Da es nicht die ganze Zeit regnet, ist es gar nicht so einfach zu koordinieren. Wenn ich die Fenster die ganze Zeit geschlossen halte, kann ich die abgekühlte Luft nicht nutzen, wenn ich sie die ganze Zeit geöffnet halte, schwimmt mir mein Wohnzimmer davon. Ansonsten gilt: Fenster geschlossen haben, nicht auf Bergwanderungen gehen. Falls es schlimm werden sollte, am besten nicht das Haus verlassen.

Mehrmals die Woche gibt es ein Erdbeben, dass man auch in Tokyo noch spüren kann. Letzten Freitag hatten wir ein Beben Stärke 4 im Meer in Miyagi, das recht lang anhielt. In solchen Momenten fühle ich mich dann doch etwas unwohl, zumal ich ja auch beim großen Beben im März in Japan war (musste schließlich am Montag danach heiraten). Letztendlich fühlen sich die meisten Beben aber an, als würde ein LKW am Haus vorbeifahren. Wenn man läuft bekommt man nichts davon mit. Wenn man Fernsehen sieht (nicht wir, Herr NHK!), bekommt man Erdbebenmeldungen im laufenden Programm eingeblendet, genau wie auch Tsunami-Warnungen.

In der Nähe meiner Wohnung ist ein Fluss, der 江戸川 (Edogawa), in dem eine Welle aus dem Meer ankommen und die Häuser im Umfeld verschlingen könnte. Das ist im März glücklicherweise nicht passiert, aber es hätte passieren können. Bei starken Beben weiß ich, wo ich notfalls hinrennen kann, in eine Schule, die auf einer Anhöhe liegt.

Letztendlich muss man die Naturgewalten hier natürlich im Blick behalten, aber … man gewöhnt sich einfach daran, vor allem an die Erdbeben. Wenn man jedes Mal bei einem Erdbeben in Panik ausbrechen würde, würde die japanische Wirtschaft zusammenbrechen, weil die Leute nur noch zwei Tage im Jahr zur Arbeit kämen.

Manchmal gucke ich auch Filme. Nur nicht im Kino.

In Japan sehe ich viele Filme verspätet. Nicht nur, weil ausländische Filme, obwohl sie nur untertitelt werden müssen, unglaublich spät erscheinen*, sondern auch, weil es unglaublich teuer ist, ins Kino zu gehen. Wo ich in Berlin im Kino um die Ecke 6,50€ pro Karte bezahle (außer ich gehe am Montag oder Dienstag, da sind’s 5€) zahle ich in Japan für gewöhnlich 1800Yen, das sind 16€. Nein, ich bekomme nicht kostenlos die Füße massiert, das Kinoerlebnis hebt sich durch nichts vom deutschen Kino ab, aber ich muss trotzdem viel zahlen.

*”The American” läuft  derzeit, zehn Monate nach Veröffentlichung in den USA. Man könnte annehmen, dass die Untertitel von Hand in jede Filmrolle gekratzt werden.

Zum Glück gibt es Tsutaya (und andere DVD-Verleihe, die ich aber nicht frequentiere), wo ich mir Filme günstig ausleihen kann. Ich bin kein Filmkritiker, ich habe kein Hintergrundwissen und unterteile hauptsächlich in “total super” und “schrecklich”. Dennoch einfach mal ein paar Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe, und von denen im fernen Deutschland noch nicht so viele gehört haben sollten / könnten.

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Japanische Hochzeit.

Mein Mann und ich haben im März geheiratet, aber noch keine wirkliche Zeremonie oder Hochzeitsfeier veranstaltet. Im Oktober kommen meine Eltern und meine Schwester nach Japan, und, ich bin mir nicht sicher, was hier was beeinflusst, aber wir werden eine japanische Hochzeitsfeier veranstalten.

Nun wird es keine japanische Bilderbuchhochzeit, bevor jemand also den Drang verspüren sollte “Aber in Wirklichkeit ist das ganz anders!” zu brüllen, wir wissen es. Beziehungsweise weiß ich es nicht, denn ich habe absolut keinen Plan, und wir (inklusive Schwiegervater) haben meiner Schwiegermutter auch zu verstehen gegeben, dass es an sich egal ist, ob wir das nun alles total super und ausladend machen – oder eben nicht.

Am Sonntag waren wir bei einem kleinen, schönen, shintoistischen Schrein hier in der Nähe, der Hochzeitszeremonien anbietet. Der Tempel wurde von der Familie meines Mannes schon für mehrere Rituale verwendet, weswegen er, zumindest für meine Schwiegereltern, schöne Erinnerungen beherbergt. Außerdem: Er ist wirklich schön. Zwar alt, aber nicht verfallen, mit viel Grün.

Für diese Zeremonie werden wir um die 450€ ausgeben, was aber noch absolut im Rahmen ist, wenn man bedenkt, dass dieselbe Zeremonie in einem größeren Schrein 3500€ kostet (Meiji-Schrein an einem Werktag). Abgesehen davon sind in einem kleinen Schrein kaum Besucher, während zum Beispiel der Meiji-Schrein ständig Besucher aus dem In- und Ausland anzieht. Da hätte ich ja Lust drauf.

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Nachdem wir mit der Verwalterin des Schreins gesprochen hatten, haben wir Kimono-Vermietungen gesucht. Zur Hochzeit wird Kimono getragen (beziehungsweise Hakama und Haori, bei den Männern), und da wir leider nicht in Geld schwimmen, wird da geliehen was das Zeug hält.

Für die Braut gibt es einen Kimono, und 打掛 (Uchikake), entweder in weiß oder farbig. Da ich Weiß ein wenig langweilig finde, werde ich wahrscheinlich einen roten Kimono tragen. Der Kimono selbst ist länger, und nicht so ganz zum Laufen geeignet (er wird dann hochgehoben) und hat schmalere Ärmel. Scheinbar ist das Herumschwenken der Ärmel so aufreizend, dass verheiratete Frauen sich nicht damit beschäftigen sollten. Auf dem Foto habe ich übrigens nur den 打掛 (Uchikake) an, darunter kommt ein weißer Kimono. Der 打掛 (Uchikake) wird dann quasi wie ein Mantel über dem weißen Kimono getragen und wiegt allein so viel wie eine recht schwere Decke. Mit allem drum und dran werden es dann zwei relativ schwere Decken auf meinen Schultern. Mein Mann meint, ich sollte schon mal üben.

Ich bin übrigens sehr versucht zu einer Kimono-Schule zu gehen und etwas über Kimonos zu lernen, unter anderem, wie man sie anzieht. Meine Schwiegermutter kann das leider nicht, und ich fände es einfach sehr schön. Außerdem hätte ich dann einen Grund, warum ich dringend einen eigenen Kimono brauche…

Zwischenzeitlich bin ich auf einen Blog von einer Kanadierin (?) gestoßen, The Year in Kimono. Sie möchte dieses gesamte Jahr Kimono tragen, und hat dafür auch einen Kurs belegt. Ich würde ganz sicher nicht jeden Tag einen Kimono tragen, einfach weil es mir zu unpraktisch und teuer wäre.

Aber ja, so viel dazu.

Mein Baby ist wieder da. Happy Monday!

Auch an dieser Stelle noch mal ein großes Lob an den Apple Customer Service, der mir außerhalb der Werktage innerhalb von zwei Tagen eine neue Festplatte spendiert hat. Das ging wirklich fix und unkompliziert, ich musste nicht einmal das Haus verlassen. So lobe ich mir das!

Apropos Feiertage, am Montag war 海の日 (Umi no hi, Tag des Meeres). Ich weiß nicht genau, was gefeiert wird, wir haben hauptsächlich gefeiert, dass wir ausschlafen konnten. In Japan gibt es die Happy Monday Regelung, durch die seit etwas über zehn Jahren einige Feiertage zwingend auf den Montag fallen, was ein verlängertes Wochenende ergibt.

Es gibt im Übrigen in Deutschland die Vorstellung, dass die Japaner kaum Feiertage hätten, die Realität sieht aber anders aus. Während wir in Berlin im Jahr neun Feiertage haben, gibt es in Tokyo 15, darunter einige, die man sich offensichtlich, wie Umi no Hi*, einfach ausgedacht hat.

* Der Tag wurde eingeführt, um im Sommer einen weiteren Feiertag zu haben. Kein Scherz.

Das heißt aber bei weitem nicht, dass alle an diesen Tagen ruhen können, denn der Einzelhandel geht weiter. Am Feiertag kann ich, genau wie auch am Sonntag, für gewöhnlich genau so einkaufen, wie ich es auch unter der Woche könnte, und ich würde nicht darauf wetten, dass die Verkäufer und Verkäuferinnen einen höheren Lohn erhalten, “nur” weil sie ihren Feiertag opfern.

Und deswegen würde ich in Japan nicht in den Einzelhandel gehen.