Faltekäfer.

Heute habe ich erfahren, dass wir auf Arbeit haufenweise Bastelbücher für Kinder haben! Super, da kann ich doch gleich mal versuchen, Origami-Tiere zu falten. Eigentlich hatte ich vor, das während des Mittagschlafs der Kinder auszuprobieren, aber dann gab es großes Theater und ich musste helfen Kinder zum Einschlafen zu bringen. Wer holt eigentlich Kinder, kurz bevor die Erzieherin es endlich geschafft hat, es wegrüsseln* zu lassen, ab? Gemeinheit!

* Ist “wegrüsseln” ein Wort, das nur mein Vater verwendet?

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Da ich aber wirklich gern auch in der Summer School mit meinen Schülern, wenn sie grad nichts Anderes zu tun haben, Origami machen würde, habe ich mir, pflichtbewusst wie immer, drei Seiten aus dem Heft kopiert, drei Blatt Origamipapier (farbig und rechteckig) geschnappt, und zuhause versucht, die Tierchen nachzufalten.

Für den Schröter hat es noch gereicht, für den Kabuto (Japanischer Nashorn-Käfer) leider nicht. Mal schauen, was es in den Zeitschriften noch so für Tierchen gibt. Der Herr Ehemann ist ja derzeit nicht zuhause (sondern über die Firma für eine Woche am Lernen in Weit-weit-weg), da böte es sich an als Nebenprojekt* einfache Origamis zu basteln. Und irgendwann, ja irgendwann, werde ich vielleicht auch besser.

* Das Hauptprojekt lautet “Panda-Brot backen”!

花火. Feuerwerk

Anders als in Deutschland, wird in Japan zu Neujahr kein Feuerwerk veranstaltet. Das fand ich anfangs etwas befremdlich, aber nun ja. Statt nur an einem Tag, gibt es in Japan im Sommer an vielen Tagen Feuerwerke, die man sich des Abends ansehen kann. Durch die Katastrophe im Frühling wurden dieses Jahr aber sehr viele Feuerwerke abgesagt, denn es passt einfach nicht, dass in Tokyo große Feuerwerke veranstaltet werden, während in den betroffenen Regionen noch immer ein Ausnahmezustand herrscht. In solchen Fällen muss man sich das Feuerwerk selbst veranstalten.

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Am Samstag trafen mein Mann und ich uns abends mit Studienfreunden von ihm am Tamagawa, das ist ein Fluss, der zwischen Tokyo und Kanagawa verläuft. Am Tamagawa hatten sich viele Leute versammelt, als wir ankamen, gingen die meisten aber schon wieder nach Hause, denn es war klar geworden, dass kein großes Feuerwerk stattfinden würde.

Das ist natürlich kein Grund für uns aufzugeben! Also haben wir erst gegrillt, um dann später, als es schon dunkel geworden war, unsere bengalischen Feuer und Wunderkerzen an den Kohlen zu entzünden. Ein Wassereimer stand auch bereit, damit wir nicht das bisschen Natur, das Tokyo zu bieten hat, abfackeln würden. Haben wir auch nicht gemacht. Allerdings war es nach einiger Zeit nur noch rauchig, weil 16 Leute parallel mit Feuerwerk hantiert haben. Spaß hat es dennoch auf jeden Fall gemacht, und zum Schluss wurden noch die größeren Feuerwerke gezündet, was ein bisschen gefährlicher war, weil wir nicht wussten, in welchem Pappgerüst was steckt. Aber, wir haben alle überlebt. Ein Glück.

Summer School.

Ich arbeite neuerdings in einem englischsprachigen Kindergarten. Davon gibt es in Japan recht viele, denn inzwischen haben viele Japaner eingesehen, dass es wichtig ist, Englisch zu lernen. Viele Japaner sprechen kein Englisch oder nur sehr schlechtes Englisch, deswegen ist es wichtig, dass die Kinder Englisch von Menschen lernen, die keinen japanischen Akzent haben – der ist nämlich, im Vergleich zum deutschen Akzent, absolut unverständlich.

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Nächsten Monat werde ich das Sommerprojekt betreuen, und bin derzeit auf der Suche nach Aktivitäten, die man mit Grundschülern machen kann. Ich habe ja auch irgendwann mal Englisch gelernt, aber ich weiß gar nicht mehr, was wir da an Aktivitäten gemacht haben.

Es ist Sommer, deswegen würde ich gern viele Dinge draußen machen, aber nur spielen, ohne dass es eine Aufgabe gibt, bringt für die Sprachentwicklung auch nichts. Zum Glück gibt es im Internet genug Ressourcen, und ich hoffe, dass ich mit den Grundschülern genau so viel Spaß haben werde, wie ich die letzten Tage mit den kleineren Kindern hatte.

Japanische Kinder sind dabei nicht weniger anstrengend als deutsche Kinder, die sind genau so frech, genau so lieb. Ein Unterschied ist jedoch, dass japanische Kinder mehr daran gewöhnt sind, zu lernen. Sich hinzusetzen und Arbeitsblätter zu bearbeiten, dabei (nach Möglichkeit) nicht herumzuschreien, was oft nicht ganz klappt, und einfach aktiv zu arbeiten. Die Kinder, die ich zwei Tage lang betreut habe, können schreiben. Natürlich noch nicht ganz flüssig, aber es funktioniert. Was konnte ich schreiben, bevor ich in die Schule gekommen bin? Dass das manchmal auch absurde Züge annimmt ist klar, mein Mann konnte wohl vor der Einschulung dreistellige Zahlen multiplizieren, was auch immer das einem sechsjährigen Kind bringt.

Bisher sind einige Sachen, die ich gern machen würde folgende:

Seifenblasen. Seifenblasen sind schön, man kann herumplantschen, und die Kinder sind schon groß genug um das Zeug nicht zu trinken.

Bedienungsanleitungen malen. Wie ich das mitbekommen habe, lieben es die meisten Kinder, irgendjemandem etwas zu sagen zu haben, was wäre das besser als “Du musst den Toast so in den Toaster stecken!”?

Sonnenuhr basteln. Das ist recht selbsterklärend, ich müsste nur klären, wo wir Sonnenuhren aufstellen können, denn der Kindergarten liegt eher schattig.

Wer bin ich? Jeder bekommt ein Schild mit einem Tier (der Einfachheit halber) auf die Stirn gepappt, und muss Fragen stellen, um herauszufinden, welches Tier er ist.

Und wenn den Kindern das nicht reicht, müssen sie halt Bilder ausmalen! So einfach ist das! Ach quatsch, ich denke, dass man mit denen eine Menge unternehmen kann, das wird bestimmt ganz witzig. Nächste Woche betreue ich noch Kindergartenkinder, und dann geht’s los!

Zwischenstand in Sachen Liebe (in der Zeit nach der Kernschmelze).

Um mal ein wenig vom Allgemeinen wegzukommen, wie läuft eigentlich meine Ehe?

Ich denke, dass es eigentlich alle, die hier mitlesen wissen, aber noch mal kurz als Wiederholungsübung: Ich habe meinen Mann 2008 am 25. Dezember kennen gelernt. In Japan waren wir dann noch sechs Monate zusammen, bis ich wieder nach Deutschland musste, weil mein Visa ablief. Zu der Zeit war er noch Student, aber es war quasi schon abgesprochen, dass wir heiraten würden, wenn er mit der Uni fertig werden würde. Während ich in Deutschland gelebt habe, war ich drei Mal in Japan (Februar 2010, Juli 2010, März 2011) und er war für zehn Tage in Berlin (letzten Herbst). Im März haben wir dann drei Tage nach der großen Katastrophe geheiratet.

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Wir sind nun also seit ganzen vier Monaten verheiratet, was schon eine kleine Meisterleistung darstellt. So richtig verheiratet fühle ich mich noch immer nicht, aber vielleicht hat Disney darüber gelogen, wie viele Sterne und Glitzersteine um einen herumfliegen, wenn man sich von einer unverheirateten, unglücklichen Frau in eine verheiratete, glückliche Frau verwandelt. Oh, Disney.

Es läuft gut. Wir streiten kaum, und eigentlich auch nie ernsthaft. Anfangs war es ein wenig problematischer, weil ich den ganzen Tag nur zuhause gesessen habe, und so meine gesamte angestaute Energie und auch Enttäuschung über mich selbst (dass ich keine Freunde und keine Arbeit habe), an ihm abgelassen habe. Wir lachen viel miteinander und haben viel Spaß, es ist einfach sehr entspannend, wenn er da ist.

Er ist oft von der Arbeit erschöpft, besonders an heißen Tagen. Auf Baustellen gibt es selten Klimaanlagen, und er überwacht dort Arbeiten, muss also unter der prallen Sonne leiden. Dazu kommt, dass wir jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen, und er aber erst um halb sieben Uhr abends wieder nach Hause kommt. Der Weg zur Arbeit ist einfach zu lang, eineinhalb Stunden.

Unter der Woche unternehmen wir deswegen selten was, aber am Wochenende sind wir oft zusammen unterwegs oder vertreiben uns einfach zuhause die Zeit, weil wir zu erschöpft von der Woche sind. Es ist also alles ganz normal.

Er sagt, dass unsere Beziehung besser läuft, als die anderer Paare, weil wir über eineinhalb Jahre eine Fernbeziehung geführt haben. Keiner von uns beiden wird das Handtuch schmeißen, weil es mal Streit oder Unstimmigkeiten gibt. Einige Dinge haben sich natürlich eingeschlichen, viel vom Haushalt mache ich, aber mal ganz im Ernst – ich arbeite vier bis fünf Stunden am Tag (darüber später mehr), wenn ich den Haushalt da noch mit reinrechne komme ich höchstens auf sieben Stunden, und auch das nicht jeden Tag.

Heute kocht übrigens der Göttergatte, er beschwerte sich gestern über meine Kochkünste. So nicht, mein Lieber!