Wir kleben dir eine.

Letzte Woche Donnerstag war bei uns Mochi Party.

Extra dafür hatten wir das unglaublich schwere Holzgerät extra angekarrt. In den Mörser (Usu) wird gekochter spezieller Reis gegeben, und unter Zugabe von Wasser mit dem Hammer (Kine) weichgeschlagen. Dabei wird der Reis eine klebrige Masse, die dann unterschiedlich weiterverarbeitet gegessen werden kann. Das alles nennt sich 餅つき (Mochitsuki).

Mochi isst man traditionell zu Neujahr. Durch die Konsistenz ist es aber nicht ganz einfach zu kauen, und in meiner Gruppe haben nur die größeren Kinder (über 3 Jahre) Mochi zu essen bekommen. Es gibt wohl auch jedes Jahr zu Neujahr ältere Menschen, die Mochi nicht mehr richtig kauen können und daran ersticken.

Der Kine ist wirklich, wirklich schwer. Deswegen konnten die Kinder natürlich nicht alleine am großen Usu hämmern, dafür hatten wir kleinere Versionen, und am großen Usu und Kine wurden nur die Erinnerungsfotos geschossen.

Normal im Supermarkt verkäufliche Mochi sind natürlich nicht mit Hand geschlagen, sondern das wird von Maschinen übernommen. Wäre sonst auch sehr anstrengend.

Die Realität schlägt zurück.

Wir reden am späten Abend im Bett miteinander. Im Moment ist mein Mann nur noch von der Arbeit gestresst, und wir reden über die Zukunft.

Er: Ich will ja auch ein Kind, irgendwann, aber wenn ich derzeit über Kinder nachdenke, sehe ich nur Negatives.

Ich: Ich arbeite jeden Tag mit Kindern und mag sie. Die meisten.

Er: Was ist denn toll an Kindern?

Ich: Kinder sind ehrlich*, die sagen dir, wenn etwas doof ist. Außerdem macht es total Spaß, ihnen beim Wachsen zuzusehen, wenn sie plötzlich etwas können, was vor einem Monat noch nicht ging.

Er: Das verstehe ich schon, aber mit der Arbeit jetzt, würde ich das Kind gar nicht sehen. Das ginge alles an mir vorbei. Im Moment kann ich mich nach der Arbeit mit dir beschäftigen, aber wenn da noch ein Kind wäre… Wenn es wirklich so käme, dass wir entscheiden, dass wir ein Kind haben wollen, würde ich die Arbeit wechseln wollen, damit ich ihm beim Aufwachsen zusehen kann. Das ist doch alles was ich will, mit dem Menschen, den ich liebe, an einem Ort, den ich liebe, sein und machen, was mir gefällt.

Ich: Dann haben wir im Moment einen von drei Punkten?

Er: Ja.

Ich: Dann müssen wir schauen, was genau wir wollen, und dran arbeiten, dass es Realität wird.

* Zur Erinnerung: Die Kinder in meiner Gruppe sind zwei bis drei Jahre alt.

Mein Mann hasst Tokyo (er will nach Hokkaidô, Kyûshû oder gleich ins Ausland), seine Arbeit geht ihm auf den Geist, weil er derzeit nur einen freien Tag in der Woche hat, und derzeit ist noch keine Änderung in Sicht. In Hoffnung auf bessere Zeiten. Irgendwann dann auch mit Kind. Einen Namen haben wir uns schon ausgedacht, zumindest für einen Jungen.

Hoffnung ist noch da.

Frau Holle.

In Tokyo schneit es nicht oft. Selbst wenn es schneit, bleibt der Schnee nicht lange liegen. Vorgestern hat es aber einfach so lange geschneit, dass wir morgens schöne weiße Dächer bestaunen konnten. Das sah schon schön aus.

Nun muss ich zugeben, dass ich Schnee eigentlich nicht mag. Schnee ist kalt, wird matschig und generell haben wir in Deutschland für gewöhnlich zu viel davon. Hier ist es zur Abwechslung aber auch mal ganz schön, zumal der Schnee sofort wieder weggetaut ist. Mit einem großen Rumms ging es für die Schneemassen wieder herunter von den Dächern. Ab jetzt ist wieder Sonnenschein angesagt!

Aber an Kinderlieder habe ich mich erinnert. Das ist ja sowas, das ich irgendwie ganz tief im Kopf verstaut habe, selbst als ein Mitarbeiter fragte, ob es einfache deutsche Kinderlieder gäbe, die wir aus Spaß mit den Kindern auf Arbeit singen könnten, fiel mir kein einziges ein.

Ab Morgen geht’s übrigens wieder zur Arbeit, Mochi-Party steht an, und ich kann mich ja nicht ewig zuhause verkriechen!

Ja, Papa.

Ich bin doch etwas kränker als ich dachte. Deswegen soll ich erstmal für einige Zeit zuhause bleiben. Habe ich gar keine Lust drauf, denn so verpasse ich einige Sondertage auf Arbeit. Aber vielleicht kann ich mich ja doch auf Arbeit schleichen.

Um zwölf Uhr ruft der Göttergatte an.

Er: Wie war’s?

Ich: Ich soll erstmal zuhause bleiben, weil es sein kann, dass ich die Kinder infizieren könnte.

Er: Oh. Geht’s dir so schlecht?

Ich: Es geht mir nicht schlecht, ich bin nur schwach und hab Symptome.

Er: Gut. Aber du darfst nicht einfach nach draußen gehen.

Ich: Heh?

Er: Nicht dass dir wieder langweilig wird und du doch draußen herumstreunst.

Ich: Niemals!

Er: Irgendjemand, den ich kenne, macht das.

Ich: Ich weiß nicht wovon du redest.

Er: Nicht einfach rausgehen und durch die Gegend streifen!

Ich: Verstanden!

Er: Gut, gut.

Manchmal vertraut der mir aber auch gar nicht. Als müsste ich rausgehen um meine Langweile zu bekämpfen. Wofür haben wir denn das Internet?