Schrecklich krank.

Ich bin krank. Ganz schrecklich.

Seit letzter Woche fallen auf Arbeit immer wieder Personal und auch Kinder aus, viele mit Fieber, Übelkeit und allem was mit einer Erkältung zusammenhängt. Das ist kein Wunder, denn die Temperaturen sind plötzlich abgesackt (4°C! Wo gibt’s das denn?). Teils gab es in Tokyo gestern Schneeregen, und wenn japanische Häuser (in Tokyo) auf etwas gar nicht vorbereitet sind, dann sind das Temperaturen unter 10°C.

Während in Deutschland die Fenster alle superisoliert sind um dann in die dicke Wand eingepasst zu werden, gibt es hier zwar auch riesige Fenster, aber bei denen ist es offensichtlich wichtiger gewesen, sie gegen Erdbebenschäden zu sichern, als sie gegen Kälte zu isolieren, es zieht nämlich durch. Die Wände sind dünn, wenn auch nicht (nur) aus Papier. Wenn wir also jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen, frieren wir. Die Klimaanlage läuft schon ab 4:20 Uhr, aber wenn es draußen zu kalt ist, funktioniert das auch nicht mehr so super (die Flüssigkeit kann die Kälte nicht mehr abtransportieren). Eine Heizung haben wir nicht. Wir retten uns mit Wärmflasche, beheizbarem Teppich und warmem Frühstück.

Auf jeden Fall erwachte ich heute, nachdem ich am Morgen den Mann verabschiedet hatte, um Neun. Das ist für mich, als würde jemand mit normalen Aufstehzeiten bis Nachmittags um Vier schlafen, mindestens. Das letzte Mal ist das passiert, als wir die Nacht fast durchgemacht hatten.

Ich bin also krank. Schrecklich krank. Eigentlich schon seit spätestens Dienstag, aber ich habe mich immer heroisch zur Arbeit geschleppt und Kinder bespaßt. Irgendwie habe ich ja auch eine Verantwortung für die Kleinen, auch wenn mich einige von ihnen zur Weißglut treiben können.

Wie auch zu Schulzeiten bin ich natürlich nicht zu krank, um im Internet mehr oder minder interessante Seiten zu lesen oder Videos zu sehen. Ist ja nicht so, als hätte jemand meine Hände abgehackt und mir die Augen verbunden – ich bin einfach nur erkältet. Und nein, ich kann natürlich nichts Sinnvolles tun, denn ich bin krank!

Eine monströse Grapefruit habe ich gestern schon gekauft, die wird heute geschlachtet und dann gibt’s so viel Vitamin C das alle Bakterien freiwillig abhauen. Ansonsten muss mich meine Krümelmonsterwärmflasche retten.

Karuta.

Manchmal unterbrechen wir unseren langweiligen Kindergartenalltag mit Spezialaktivitäten.

Heute war Karuta-Tag.

Karuta ist ein Kartenspiel, bei dem man (in der japanischen-Version) zwei Kartensets hat: Einmal Karten, die auf dem Tisch (Boden) verteilt werden, und einmal die dazu passenden Karten, die vorgelesen werden. Wenn die Vorlese-Karte gelesen wurde, müssen die Spieler möglichst schnell die dazu passende Karte auf dem Tisch finden.

Ist also soweit ganz einfach, bringt es aber ziemlich, wenn die Kinder Vokabeln lernen sollen. Wir haben es mit den kleinen mit Bildkarten gemacht, in zwei Gruppen, damit alle eine Chance haben.

Lief soweit ganz gut, diesmal ist keine Karte auseinandergerissen worden (anders als die Ice Cream-Karte eines anderen Sets. RIP.), und die Kinder waren ganz stolz auf jede einzelne errungene Karte. Darüber habe ich mich dann gleich auch mit einem Mädchen, dass mich gestern noch ganz schrecklich fand, wieder vertragen. Juche! So kann das gehen.

Verspätete Vorsätze.

Eigentlich halte ich nichts von Neujahrsvorsätzen. Die halten zumeist für eine Woche, und dann ist man wieder im alten Trott. Ich bin leider eh ein Gewohnheitstier, Veränderungen liegen mir nicht. Oft gebe ich viel zu früh auf, ohne, dass sich etwas geändert hätte. Da bin ich wahrscheinlich nicht allein.

Vorsätze bringen es also nicht, deswegen einfach eine kurze Liste von Dingen, die ich in diesem Jahr gern in Angriff nehmen würde.

  1. Sport machen. Ja, das nehme ich mir seit Jahren immer wieder vor, aber gestern hatte ich übelste Rückenschmerzen, und jeden Tag sehe ich gebeugt laufende Großmütter, die fast in der Mitte einmal durchgebogen sind. Das will ich nicht und gegen mein, sich entwickelndes, Bäuchlein (vom Essen) hilft es sicher auch. In der Nähe gibt es ein Fitnesstudio, ich hoffe, dass das nicht teuer ist. Wäre aber auf meinem Weg von der Arbeit und ich könnte mich nicht allzu leicht dran vorbeischleichen.
  2. 30 Bücher lesen. Ich weiß nicht, wie wenige Bücher ich letztes Jahr gelesen habe. Wahrscheinlich nicht einmal zehn, weil ich ein schrecklicher Mensch bin. An sich sollte ich mir das Internet verbieten, damit ich spanndere Dinge tue. Lesen zum Beispiel. Im Moment bin ich auf Seite 55 von 602 von Haruki Murakamis 1Q84 Buch 3 (auf Japanisch). Wenn ich das endlich fertig habe, werde ich weiter japanische Bücher suchen, die ich lesen kann um irgendwann schneller zu werden. Von den im ersten Satz erwähnten 30 Büchern sollten mindestens zehn auf Japanisch sein, sonst bringt’s nichts.
  3. Freunde finden. Das wird langsam besser, aber mit meinen Freunden in Berlin sind sie natürlich nicht zu vergleichen. In Berlin hätte ich an jedem Tag, an dem ich mich langweile, einmal durch die Reihe telefonieren und mich mit jemandem treffen können, während ich hier doch etwas einsam bin. Manchmal.

Das sollte machbar sein. Es gibt sogar Leute, die das letztes Jahr schon geschafft haben. Ganz sicher. 2012, dich kriege ich auch noch!

An das Brot.

Es gibt in Japan, wie auch in Deutschland, alles mit beliebten Charakteren verziert, was man verzieren könnte. Nun ist das japanische Kinderfernsehen aber noch viel anstrengender, besonders, weil ich ihm auf Arbeit immer wieder ausgesetzt bin.

Das reicht von kleinen Mädchen, die mit Hilfe von Magie und Kampfkunst Dämonen besiegen (Pretty Cure), über Juwelentiere mit Superkräften (Jewelpet), zu motorradfahrenden Superhelden in Insektenkostümen (Kamen Rider). Alles ganz schrecklich, alles auf Trinkflaschen, Lunchboxen, Handtüchern, Socken, Schuhen und allem anderen vertreten.

Aber es gibt jemanden, der all das übertrifft: Anpanman!

Anpanmans Kopf ist … ein Brot mit roter Bohnenpaste (An). Sein Erzfeind ist Baikinman (Bakterien-Mann), der Anpanman vernichten und die ganze Welt mit Keimen verseuchen will und dessen größte Schwäche Seife ist. Gegen ihn und seine Schergen muss Anpanman in quasi jeder Folge kämpfen.

Anpanman wurde hergestellt von Onkel Jam (Marmelade), und wird von Karêpanman (Curry-Brot-Mann), Shokupanman (Weißbrot-Mann), dem Hund Chîzu (Käse) und Meronpanna (Fräulein Melonenbrot) unterstützt. Wenn Anpanman geschwächt wird, wird ihm einfach ein neuer Kopf gebacken und alles ist wieder gut.

Die Idee ist dermaßen unglaublich, dass das bei kleinen Kindern natürlich anschlagen muss. Und so gibt es Anpanman Mais-Suppe, Anpanman Curry, Anpanman Windeln und alles mit dem Charakter drauf. Überall.

Wer weiß, was das für Auswirkungen auf unsere Jugend hat, aber immerhin ist er nicht depressiv, wie ein anderes bekanntes Brot. 😉