Verheiratet allein.

Die eher uninspirierten Beiträge der letzten Tage sind das Ergebnis meiner absoluten Energielosigkeit. Das ist nicht mehr nur einfach Natsu-Bate, sondern Erschöpfung.

Mein Mann ist in letzter Zeit nicht mehr viel zuhause. Auf der Baustelle, die er beaufsichtigt, läuft seit Monaten so alles schief, was schiefgehen kann, und jetzt versucht man das in den letzten Zügen auszubügeln. Das heißt, dass mein Mann bis spät abends auf Arbeit ist, kurz vor Mitternacht nach Hause kommt und um sechs Uhr wieder aufsteht um zur Arbeit zu gehen. In seiner derzeitigen Position muss er nämlich der erste auf der Baustelle sein. Er ist am Tag also nur circa sechs Stunden zuhause, in denen schläft er. Dieses Wochenende ist das zweite, dass er durcharbeitet. Freie Samstag gibt es auch sonst nur spärlich.

Es ist also im Moment, als würde ich alleine hier wohnen und jemandes Wäsche mitwaschen. Nach fast zwei Jahren Fernbeziehung klingt das vielleicht etwas doof, aber ich will meine Wochenenden nicht allein verbringen müssen. Ohne meinen Mann machen Wochenenden keinen Spaß, ich kann mich nicht wirklich erholen und fühle mich eher, als wäre ich krank und müsste unter der Woche einen Tag zuhause bleiben.

Das wird demnächst hoffentlich wieder besser, aber solang man meinen Mann mit Absicht* auf schwere Baustellen schickt, wird es immer eine Zeit geben, die so ist wie jetzt. Doof.

* Man hält ihn wohl für einen sehr guten Mitarbeiter und versucht das auszunutzen.

Dazu kommt natürlich, dass ich im Moment tatsächlich etwas kränkele, die Kinder auf Arbeit sich entschieden haben total durchzudrehen und ich ab Dienstag Elterngespräche halten darf. Bin ich froh, wenn ich da wieder raus bin.

Käfer-Attacke.

Nur eine kurze Beobachtung, ich bin nämlich sehr beschäftigt müde.

In meiner aus 16 Kindern bestehenden Gruppe gibt es keinen Konsens und keine mir verständliche Logik darüber, was ein gruseliges Insekt ist und was nicht. Zum Sommeranfang gab es im Kindergarten-Garten Rollasseln und anderes Geviech, die waren total super und nach ihnen wurde sogar gesucht, um sie einzufangen. Ameisen kann man auch super beobachten und ihr Haus zerstören, bevor Claudia ihnen das verbietet*. Tote Zikaden (monströse Viecher!) kann man mir auch mal als Geschenk vorbeibringen.

Sobald man aber drinnen ist, und sich eine kleine Fliege durchs Zimmer stiehlt, geht das Geschrei los. “虫!虫!” (“Mushi! Mushi!” “Insekt! Insekt!”**) aus allen Mündern und es ist kein vernünftiger Unterricht mehr zu machen, außer man lenkt die Kinder  geschickt ab und die Fliege zieht von dannen.

Seit einiger Zeit haben wir kleine Schmetterlinge im Garten, die ich mit den Kindern anschaue. Regel Nummer 1: Nicht anfassen, sonst fliegen sie weg. Da halten sich überraschenderweise auch alle dran. Wenn der Schmetterling aber gelangweilt ist und trotzdem weiterfliegt gibt es eine Aufregung, als würde er Blut saugen und sich auf der Suche nach einem Opfer befinden.

Merke: Viecher, die man aus dem Boden ausbuddeln muss sind okay. Riesige Ekelviecher eignen sich super für Geschenke. Fliegen und Schmetterlinge sind der fliegende Tod.

Und dann habe ich natürlich noch das eine Mädchen, das anfängt panisch zu schreien, sobald ein Insekt sie berührt, oder sie glaubt, berührt worden zu sein.

*Respekt vor Lebewesen usw. War natürlich als Kleinkind selbst nicht besser.

** An dieser Stelle möchte ich kurz darauf hinweisen, dass Japaner sich am Telefon nicht mit “Muschi Muschi” melden. War, als ich Teenager war, ein gängiger Irrglaube. Es heißt richtig “Moshimoshi”. “Mushi” wird auch nicht wie “Muschi” gesprochen. Damit wir das mal durchhaben.

Teure Magazine.

Ich schicke ja immer mal Dinge nach Deutschland. Entweder will jemand dringend etwas aus Japan haben, oder ich verschicke Geburtstagsgeschenke. Dann gibt es auch noch meine handvoll Brieffreunde*, die immer mal versorgt werden.

* Falls jemand mit mir Briefe schreiben möchte (ich habe putziges japanisches Briefpapier!), eine Nachricht auf Facebook schicken, oder hier. 😉

Meine liebe Freundin Julia, die mein Hochzeitskleid genäht hat, wollte zwei Magazine haben. An sich kein Problem, beide Magazine kosteten ca. 1,800Yen (18€), einen gepolsterten Umschlag habe ich im 100-Yen-Shop bekommen, und heute konnte ich endlich zur Post gehen. Rauf mit dem dicken Umschlag auf die Waage, über 1kg. 3,250Yen (32,50€). Bitte, was? Nachdem ich im Internet mal nachgeschaut habe, bin ich mir nicht mehr ganz so sicher, dass das wirklich die günstigste Versandart war, aber nun ist’s bezahlt und verschickt… 50€ für zwei Magazine, das muss man auch erstmal hinkriegen. 😉

Sommererschöpfung.

Am Samstag war bei mir auf Arbeit Summer Festival angesagt, ich schmiss mich also in meinen Yukata und spielte den ganzen Vormittag mit Kindern und half ihnen Bilder auf Stoffbeutel zu malen. Danach ging es, noch immer im Yukata, ins Kino um endlich die Avengers zu sehen. Den ganzen Tag lang war es heiß, und die Sonne schien, ohne dass eine Wolke sie gehindert hätte.

Am Ende des Tages waren wir dann ziemlich fertig. Am Sonntag Morgen entschieden wir, dass wir nichts machen würden. Absolut nichts. Zu fertig. Kopfschmerzen, keine Energie, keine Lust auf gar nichts.

Mein Mann und ich hatten 夏バテ (Natsu-bate). Das Wort setzt sich zusammen aus 夏 (Natsu; Sommer) und ばてる (bateru; erschöpft sein). Es gibt verschiedene Auslöser:

① Der Körper weiß nicht wie ihm geschieht, draußen ist es viel zu heiß, sobald man ein Gebäude oder eine Bahn betritt, ist es dank Klimaanlagen superkalt. Wenn der Körper sich am Tag mehrmals auf komplett andere Temperaturen umstellen muss, ist er irgendwann einfach erschöpft. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit kann der angesammelte Schweiß nicht an die Luft abgegeben werden, und der Körper kann sich selbst nicht vernünftig abkühlen.

② Im japanischen Sommer schwitzt man im Durchschnitt pro Tag zwei bis drei Liter Schweiß aus. Das und dann noch ein bisschen muss irgendwie wieder in den Körper hinein. Also müsste man viel trinken, was aber natürlich nicht immer ganz so gut klappt.

③ Durch die hohen Temperaturen wird der Blutfluss in den Verdauungstrakt verringert. Verdauung dauert also mehr Zeit und Energie, und dann trinken wir im Sommer ganz gern auch noch kalte Getränke, die die Temperatur in Magen und Darm herabsetzen und damit alles noch langsamer laufen lassen.

Zum Glück gibt es aber auch Möglichkeiten vorzusorgen, die auf der Hand liegen: Ordentlich essen, auch wenn einem der Sinn nicht danach steht, denn der Körper braucht Energie. Viel trinken, und zwar nicht nur Wasser, nicht nur kalte Getränke und nicht alles auf einmal. Lauwarmer Tee in kleinen Schlucken macht sich ganz gut. Alkohol sollte man sein lassen. Die Klimaanlage nicht auf zehn Grad stellen, sondern nur auf ca. fünf Grad unter der Außentemperatur. Und schlafen soll man auch noch jeden Tag ordentlich.

Das erklärt auch, warum wir Natsu-bate hatten. Den ganzen Tag herumlaufen ohne auch nur annährend genug zu trinken, Muffin zum Frühstück, Sandwich zum Mittag, Popcorn und ein bisschen Hähnchen zum Abendessen, und am Tag vorher auch nur fünf Stunden Schlaf. Super.

Was kann man also tun, wenn man sich schon ganz schrecklich fühlt? Essen! Der Körper braucht Vitamin B1, B2 und C, Niacinsäure, Zitronensäure, und Gewürze. Schweinefleisch, Grüne Bohnen (Edamame), Tofu, Natto (fermentierter Tofu, wenn man’s essen kann), brauner Reis, Aal, Sardinen, Essig, Grapefruit, Zitrone, Umeboshi (eingelegte Pflaume), Tomate, Kürbis, grüner Spargel, Buri (eine japanische Fischart), Makrele, Tarako (Fisch-Rogen), Ingwer, Wasabi, Lauch, Curry, Chillipfeffer und Kimchi. Man kann sich also den Bauch vollschlagen.

Außerdem sollte man viel trinken und ausreichend schlafen.

In Deutschland bekommt man Natsu-bate übrigens eher nicht, aber falls ihr mal im Sommer nach Japan kommen und euch ganz schrecklich fühlen solltet, wisst ihr ja jetzt, was es sein könnte. 😉