Frohe Weihnachten!

IMGP9750Wir wünschen euch ein frohes Weihnachtsfest!

Wir feiern natürlich nicht groß, so ganz ohne Kinder oder feiernde Verwandschaft ist das eben etwas schwerer. 😉

Am Sonntag haben wir aber trotzdem den Weihnachtsbaum aufgestellt und Hühnchen gegessen. Außerdem habe ich versucht in der Mikrowelle Kekse zu backen, was aber komplett daneben ging. Wir brauchen einen Ofen…

Geschenke habe ich auch schon alle bekommen, viele Süßigkeiten, Lush-Badezeug, Weihnachtsdeko, Bastelkrams und natürlich meinen Kindle. 🙂 Ein richtiges echtes Weihnachten wäre tatsächlich mal wieder schön, aber immerhin kann ich mich den ganzen Dezember auf Pakete freuen.

Am Sonntag sind wir zum Nordic Christmas Market in 品川 (Shinagawa) gefahren, es war aber unglaublich winzig. Einige Läden, die sich auf den Import von skandinavischen Dingen spezialisiert haben, hatten ihre Stände, aber das war’s auch schon. Ich hatte mir etwas mehr erwartet, vor allem weil gleich fünf Botschaften (Island, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland) mitverantwortlich waren. Außerdem war natürlich alles sündhaft teuer, was aber auch bei allen anderen Weihnachtsmärkten, die sich meist an denen in Deutschland orientieren, so. Wir haben aber trotzdem etwas gekauft: Den kleinen Nils für unseren Weihnachtsbaum. Aber wir wollen ja eh irgendwann mal nach Skandinavien, kaufen wir halt alles dort. 😉

Die Sache mit den getrennten Betten.

Derzeit schlafe ich im Wohnzimmer. Nicht, weil wir uns gestritten hätten, sondern weil ich derzeit im Schlaf abwechselnd röchle, krächze und wie ein Schweinchen grunze. Ich bin schließlich noch immer krank.

Nun könnte man meinen, dass mein Mann da ja ruhig mal ein Auge zudrücken könnte, schließlich sei ich seine Ehefrau und für die Liebe müsse man halt Opfer bringen. Sieht er anders. Ich auch.

Denn erstens arbeitet er viel mehr als ich. Also auch an mehr Tagen. Zur Zeit hat er einen Tag in der Woche frei, meist Sonntags. Wenn er arbeitet, wird zwischen halb sechs und zehn vor sechs aufgestanden. Schlafmangel durch nächtliche Schweinestallgeräuschkulisse ist also gar nicht cool.

Zweitens schlafen in Japan Ehepaare eh oft nicht im gleichen Bett und manchmal nicht einmal im gleichen Zimmer. Auch wir haben zwei getrennte Matratzen, mit ca. zehn Zentimeter Abstand, also nicht ganz so weit entfernt. Kuscheln kann man zwar, wenn man in das Bett des Partners hüpft, aber ich kann mich nicht auf seiner Matratze breitmachen oder seine Decke stehlen – Dinge, die er mir vorwirft zu tun, wenn wir aus irgendwelchen Gründen doch mal in einem Doppelbett schlafen.

Eigentlich spräche sogar einiges dafür, dass wir gar nicht in einem Zimmer schlafen. Er wurde als Kleinkind nämlich offenbar mit Samthandschuhen angefasst und kann deswegen nur in beinahe absoluter Dunkelheit und Stille schlafen. Ich würde auch nicht aufwachen, wenn im grellsten Sonnenschein eine Granate neben mir explodiert. Ob Auto, Bahn, Bus, Flugzeug, ich kann überall schlafen.

Man könnte annehmen, dass es für mich kein Problem sei in vollkommener Dunkelheit und Ruhe zu schlafen, wie mein Mann es mag. Ist es aber doch! Weil wir die Rolladen jeden Abend zumachen kann ich morgens kaum erkennen, ob es schon Zeit zum aufstehen oder zwei Uhr nachts ist, was meine innere Uhr verunsichert und mich ärgert. Ich würde gern von strahlendem Sonnenschein geweckt werden, vielen Dank. Die Lärmphobie bedeutet auch, dass wir oft nicht bei offenem Fenster schlafen können. Stattdessen wird dann die Klimaanlage bemüht, es findet kein Luftaustausch statt und jeden Morgen reiße ich die Rolladen hoch und das Fenster auf um mich nicht wie in einem U-Boot zu fühlen. Sauerstoff ist wichtig!

Es bringt nichts um den heißen Brei herumzureden: Wir sind schlaftechnisch nicht kompatibel. Wir würden sehr davon profitieren hätten wir noch ein Zimmer, damit wir getrennt und unserem jeweiligen Naturell entsprechend schlafen können. Das macht uns nicht zu einem weniger liebevollen Ehepaar, wie ein sehr bescheuerter früherer Kollege annahm, schließlich sind wir nicht nur abends vorm Schlafengehen nett zueinander. Immer aufeinander hocken ist auch keine Lösung, also basteln wir uns Freiräume. Wie zwei Individuen halt. 🙂

Sonderbare Ausführungen zum Schlafverhalten des Ehepaares O., Ende.

Ein leises Krächzen.

Meine Stimme ist weg. Einfach so weg. Des Nachts durch das Fenster getürmt.

Wenn ich den Mund aufmache, kommt nur ein leises Winseln heraus. Heute habe ich mich damit noch durch einen Tag mit den kleinen Monstern gequält, weil unsere Geburtstagsfeier anstand, aber das ist kein Zustand.

Mit 15 Kindern kann man nicht auf lange Sicht leise sein. Wenn die spielen und Krach machen dringt das eigene dünne Stimmchen nicht bis zu ihnen vor und man muss anders auf sich aufmerksam machen. Ich stupse gerne mit dem Zeigefinger gegen Hinterköpfe.

Ansonsten verstehen die ganz gut, was ich ihnen mitteilen will, auch mit sehr wenigen Worten. Und zum Schluss waren sie sogar gaaaanz leise, damit sie hören konnten, was ich sage.

Beim Arzt bekam ich nach über einer Stunde Warten Medikamente und da ich mir morgen freinehmen werde und am Montag ein Feiertag (Geburtstag des Kaisers) ist, habe ich ganze vier Tage Zeit um meine Stimme zu schonen.

Seit dem letzten Mal habe ich übrigens den HNO-Arzt gewechselt, der jetzt war um einiges freundlicher. 🙂

Unverschämtheit.

In vielen japanischen Bahnen gibt es 優先席 (Yûsenseki; Vorzugssitzplatz?). Diese sind für ältere Mitbürger, Schwangere oder Leute mit körperlichen Einschränkungen gedacht. Also für Leute, die wirklich ein größeres Bedürfnis nach einem Sitzplatz haben als der Rest. Für gewöhnlich wird das auch sehr gut eingehalten. Entweder man setzt sich gar nicht erst auf einen solchen Platz (in fast jedem Abteil gibt es mindestens sechs) oder man bewegt seinen Hintern wenn jemand, der den Sitzplatz offensichtlich dringender braucht, vor einem erscheint. Ein ganz simples System.

Anmerkung: Nach all den Kommentaren fühle ich mich gezwungen anzumerken, dass das System scheinbar nicht immer funktioniert und die Plätze oft nicht abgegeben werden. Ich persönlich habe das noch nicht so sehr gemerkt, aber ich benötige die Sitze weder selbst noch sitze ich für gewöhnlich auf ihnen.

Auf meinem Weg nach Hause habe ich ungelogen das erste Mal gesehen, dass es damit Probleme gab. Zwei Jugendliche, und hier fangen meine Vorurteile an, in Schlabberklamotten, die zweieinhalb Sitze von drei Vorzugssitzen einnahmen, weil sie offensichtlich nicht gerade sitzen konnten. Daraufhin beschwerte sich eine ältere Frau auf dem dritten Sitz, dass sie nur sehr wenig Sitzfläche habe.

Das Gespräch lief dann auf folgendes hinaus:

Ältere Frau: Warum sitzt ihr hier überhaupt? Ihr seid jung.

Jugendliche: Warum sitzen Sie denn hier?

Ältere Frau: Ich habe Bein!*

Jugendliche: Sie (die andere Jugendliche) hat Bauch, deswegen kann sie nicht richtig sitzen.

Ältere Frau: Aber schau mal, du nimmst so viel Platz ein!

Jugendliche: Wenn Sie ein Problem haben, können Sie ja im Green Car fahren!

Ältere Frau: Du Göre, das machst du nur zum Spaß und ich habe wirklich Probleme mit dem Laufen!

Usw. usf.

* Das war auch das erste Mal, dass ich jemanden das sagen gehört habe. Sie sagte “私は足です”, was “Ich bin Bein” heißt, aber wahrscheinlich analog zum deutschen “Ich habe Bein” ist.

Das ist für mich erwähnenswert, weil es ziemlich selten vorkommt, dass sich hier jemand in der Öffentlichkeit streitet. Außerdem sind hier ältere Leute eigentlich noch besser angesehen als in Deutschland, ich habe hier noch nie Teenager mit ihnen streiten gesehen. Natürlich sind Teenager hier sonst auch nicht viel besser als in Deutschland und durchaus nervig, aber sowas…

Und an solchen Einträgen merkt ihr, in was für einer Blase ich hier lebe. 😉 Da sind rotzige Teenager noch etwas, worüber man sich aufregen kann.