Freunde.

Es war damals, als ich 2008 nach Japan gekommen bin, genauso schwierig Freunde zu finden, wie jetzt. Damals hatte ich das Glück, dass eine Bekannte in Tokyo einen Sprachkurs belegt hat, und ich viele Sprachschüler kennengelernt habe. Da war ich also, in Japan, umgeben von vielen Schweden*, und sprach Englisch.

* Die Schweden haben ein Programm, bei dem sie vom Staat Geld leihen können, wenn sie im Ausland eine Schule besuchen.

Auf Arbeit wurde Deutsch und Japanisch gesprochen, und mein Japanisch verbesserte sich kaum. Japanische Freunde habe ich auch nicht gefunden, vielleicht hatte ich einfach Pech oder zu wenige Möglichkeiten jemanden kennen zu lernen. Fremde ansprechen kommt in Japan noch komischer, als in Deutschland, vor allem wenn man Ausländer ist.

Dann wechselte ich den Beruf, und plötzlich wurde zwar ausschließlich Japanisch und Chinesisch gesprochen, aber ich war von älteren japanischen Damen und marginal jüngeren Chinesinnen umgeben. Die machten sich als Freunde nicht all zu gut, und mein Japanisch verbesserte sich zwar, war aber noch immer relativ schlecht.

In diesem Jahr habe ich auch im weiteren Verlauf keine Freundschaften mit Japanern geschlossen, außer mit dem einen, mit dem ich jetzt verheiratet bin. Das Problem ist, dass man als minder qualifizierter Ausländer oft an Jobs kommt, in denen viele andere Ausländer arbeiten, was nicht besonders hilft, wenn man Japaner treffen will.

Dieses Mal habe ich im Vorfeld verschiedene Leute gefragt, ob sie nicht jemanden in Tokyo kennen, und treffe mich unregelmäßig mit diesen, mir vorgestellten, Japanern. Mit einer wird das glaube ich noch was ganz Gr0ßes, aber sie hat kaum frei. Der nächste Schritt wäre, andere Leute kennen zu lernen, über diese Leute, aber das dauert noch ein wenig. Ihr werdet sehen, in zehn Jahren, da habe ich mindestens fünf Freunde!

Zusammenfassend wäre zu sagen, dass ich es nicht leicht fand oder finde, Freunde zu finden. Das ist aber auch nicht unbedingt meine Spezialität und war es noch nie, deswegen geht es anderen da sicher ganz anders.

Horrorgeschichten am hellichten Tag.

Heute ist mein halber Hochzeitstag. Mein Mann und ich sind seit sechs Monaten verheiratet. Leider können wir aber heute nichts unternehmen. Also schon mal keine gute Voraussetzung, damit dieser Tag doch noch total super wird.

Arbeit ist anstrengend, die Kinder hören nicht (sind ja auch noch ganz klein), ich bin also total fertig, als ich endlich nach Hause fahre. In der Nähe des Heimatbahnhofes gibt es zwei Conbini (24-Stunden-Läden), ich gehe also in einen, nehme mir was zu Essen, nehme mir was zu Trinken, stelle mich vor die Zeitschriften, finde aber nichts, als mich plötzlich jemand an die Schulter tippt.

Und ich einen mir vollkommen unbekannten Typen erblicke, der aber wahrscheinlich so alt ist wie mein Mann, also zwei Jahre älter als ich.

Ich: Was?

Er zeigt mir sein iPhone, er hat geschrieben: Hilf mir.

Ich: Warum?

Er schreibt, ich warte, könnte ja sein, dass irgendwas Schlimmes ist, ich bin da sehr gutgläubig.

Sein iPhone: Ich habe kein Geld.

Ich: Du, ich habe auch kein Geld.

Und ich gehe zur Kasse, bezahle, und laufe nach Hause.

Während ich nach Hause laufe, tippe ich auf mein Handy ein, das war dann doch eine sehr komische Situation. Ich will mich grad darüber beschweren, dass er mich nicht richtig angesprochen hat, und außerdem ein iPhone 4 hatte, als ich wieder angetippt werde.

Er: Lass uns Freunde werden.

Ich: Das ist jetzt ein bisschen…

Er: Nein?

Ich: Nein.

Und laufe ganz schnell nach Hause, gucke mich aber um, bevor ich das Haus betrete. Nachher weiß der noch, wo ich wohne.

Nun frage ich mich natürlich, warum hat der ausgerechnet mich angesprochen? Ich bin Ausländerin, es könnte also sein, dass ich gar kein Japanisch verstehe. Ich hätte auch einfach so tun sollen, als ob…

Deutschland in Japan: Knorr.

Wenn man sich also in Deutschland zumindest teilweise so ernährt hat, wie ich mich in der Schulzeit, und dann in Japan nicht weiß, wie man Fertignahrung zubereiten soll, Rettung naht! Knorr verkauft in Japan die gleichen Produkte wie in Deutschland, die Aufgusszeit sollte unverändert sein, ein deutscher Urlauber weniger verhungert! Juche!

(Knorr war zumindest mal Deutsch, inzwischen gehört’s zu Unilever.)

Nur noch… fast drei Monate!

Ich habe in einem anderen Eintrag schon über den JLPT geschrieben. Bisher habe ich den N2, der folgendes vorraussetzt: 1.000 Kanji, 6.000 Vokabeln und 600 Lernstunden. Ob ich wirklich 1.000 Kanji lesen kann oder 6.000 Vokabeln kenne, wage ich zu bezweifeln, aber irgendwie habe ich es damals geschafft. Das ist nun schon zwei Jahre her.

Mein Mann lernt jeden Abend für eine Architektenlizenz, die ich aufgrund vollkommenen Unwissens so nenne, und ich habe angefangen, mit ihm zusammen für den nächsten JLPT, den N1, zu lernen. Dafür habe ich mehrere Lehrbücher mit denen ich den Tisch vollmüllen kann, und wenn ich in etwa doppelt so viel lernen würde, hätte es sicher einen großen Effekt.

In Deutschland kann man den JLPT unter anderem in Berlin auf allen Stufen (N5 bis N1) ein Mal im Jahr am ersten Sonntag im Dezember ablegen. In Japan gibt es einen zweiten Prüfungstermin für die Stufen N3 bis N1, am ersten Sonntag im Juli. Diesen zweiten Prüfungstermin hatte ich angepeilt, wegen absoluter Unsicherheit in allem.

Abends sprach ich mit meinem Mann darüber, und er meinte, dass ich mich doch einfach für den Test im Dezember registrieren lassen sollte. Wer weiß, vielleicht würde ich es schaffen. Während man für die anderen Stufen nur 60% richtig beantworten muss, sind es beim N1 gleich 70%. Dafür hat der aber auch mehr Strahlkraft, und könnte es mir vielleicht ermöglichen, in andere Bereiche des japanischen Berufslebens vorzudringen. Generell geht in Japan viel über Lizenzen und Scheine, da werden wir Geld investieren, denn aus Deutschland habe ich nicht viel und mein TOEFL ist abgelaufen.

Auf jeden Fall habe ich mir heute im Bücherladen meines Vertrauens die Anmeldeformulare abgeholt. Nach ausführlichem Studium des Begleitheftchens (auf Japanisch, Englisch, Koreanisch und Chinesisch, wie auch viele Lernmaterialien) habe ich den Anmeldebogen ausgefüllt, und natürlich gleich mal meinen Namen falsch geschrieben. Also, eigentlich schon richtig, aber mit Nachnamen vorn, wie in Japan üblich. Soll nicht so geschrieben werden, soll aussehen wie im Pass. Große Klasse.

Ich hoffe, im Test läuft das besser.