Meine schöne, weiße Haut.

Durch den Sommer bin ich dunkler geworden. Da ich für gewöhnlich bekleidet durch die Stadt laufe, beschränken sich die dunklen Stellen auf alles, was nicht vom Stoff bedeckt war. Meine Oberarme und Schultern sind hell, und ich habe dunkle Haut in T-Shirt-Ausschnitt-Größe. Bei meinem Mann ist das alles noch etwas heftiger, er arbeitet auf der Baustelle unter der Sonne.

In Japan gibt es das Ideal vom 美白, dem “schönen Weiß”. Der japanische Wikipedia-Artikel heißt in der übersetzten, englischen Version interessanterweise “Whiteness in Japanese culture“. Abgesehen von Männern, Kindern, Jugendlichen und einigen wenigen Modestilen, ist weiße Haut absolut erwünscht. Ich wurde in Läden oft für meine wunderschöne weiße Haut bewundert (meine Standardantworten: “Ich bin Mitteleuropäerin.” und “Ich gehe einfach nicht so viel raus.”).

In Drogerien gibt es haufenweise Cremes und Sprays, die die Haut aufhellen sollen. Sogar Nivea stellt solche Cremes her. Interessanterweise werden die oft mit Fotos von blonden Westlerinnen beworben, übrigens genau wie Zahnkosmetik.

Ich bin sehr versucht, mir eine Aufhellungscreme zuzulegen, obwohl ich mich sonst immer über die Frauen, die im Sommer mit langen Handschuhen, Gesichtsvermummung und Sonnenschirm herumlaufen, lustig gemacht habe. Aber eine Creme, das ist ja fast nichts, und damit sieht man auch nicht so bescheuert aus. Bisher hält mich aber der Preis ab. Der Preis der Schönheit, hach.

(Übrigens habe ich vor längerer Zeit eine Sendung gesehen, wo Frauen in Asien gezeigt wurden, die durch Bleichcremes extreme Hautschäden davongetragen hatten. In Japan ist das wohl alles geprüft, und bei der Masse der Frauen, die die Sachen kaufen, vertraue ich darauf, dass ich auch nach der Anwendung noch Augenbrauen habe.)

Massenabfertigung für die Gesundheit.

Ich hantiere auf Arbeit mit Essen. Also ich verarbeite keine Lebensmittel und ich pansche auch nicht damit rum, aber ich teile die Lunchboxen (Brotbüchsen) aus, in die vorher vom Küchenpersonal Essen geschubst wurde.

Deswegen musste ich zum Gesundheitscheck. Vorher gab es zwei Seiten, auf denen ich einige Dinge ankreuzen und ausfüllen musste, damit der Arzt nicht allzu viel mit mir reden muss. Schnell angegeben, dass ich nicht rauche, wenig trinke, meine Familie großteils beschwerdefrei ist, usw. usf. Außerdem, dass ich manchmal Magenschmerzen und Gelenkschmerzen habe.

Die Gelenkschmerzen haben erst in Japan angefangen, an Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit tun mir Knie, Ellenbogen und Fingergelenke weh und ich fühle mich ein wenig wie Oma Wetterwachs. Der Göttergatte meint, das wäre komplett normal. Ich finde es anstrengend und nervig und will es nicht haben.

Bei meiner Untersuchung wurde darauf nicht eingegangen. Zu meiner Magenproblematik wurde nur gesagt, dass das schon okay wäre, wenn daran schon darumgedoktert wurde. Also kurz Lymphknoten abtasten, Herzschlag abhören, Blutabnehmen brauchen wir nicht, weiterschicken zur nächsten Station.

Dort wartet schon ein Becher auf mich, bitte füllen, bitte bis 25ml. Auf der Toilette kurz verschnaufen. Dann draußen hinsetzen mit drei anderen, die denselben Kurs wie ich ablaufen. Sofort werde ich wieder aufgerufen, Röntgen. Auf einem Plakat wird informiert, dass die Strahlung keine Beeinträchtigungen hervorruft. Hier hinstellen, Kinn hier rauf, Arme an die Seite, einatmen. Wieder vorbei, nächste Station – Messen (171,3 cm), Augentest. Der Ring ist geöffnet nach links, rechts, oben, unten. Beim zehnten Ring kann ich die Öffnung nicht mehr erkennen. Auf einem Auge habe ich 0.8, auf dem anderen 0.9.

Nach weniger als einer halben Stunde bin ich fertig, ob ich Tuberkulose habe, weiß ich nicht. Die Krankheit gibt es in Japan noch, ich hörte von einer Freundin einer Mitarbeiterin, die geröngt wurde und plötzlich einen schwarzen Fleck auf dem Bild der Lunge hatte. Im westlichen Ausland konnte man damit erst einmal nichts anfangen, die Krankheit ist bei uns quasi ausgestorben.

Vielleicht verrät man mir das demnächst auf Arbeit, oder ich bekomme das Ergebnis per Post.

Ich habe noch einen Brief von meiner Präfektur, laut dem ich mich ein Mal im Jahr kostenlos durchchecken lassen kann. Vielleicht nehme ich mir mal einen Tag frei und mache das. Will ja gesund bleiben.

Meine kleine Bäckerei.

Japanisches Brot ist qualitativ nicht besonders wertvoll. Es gibt mehr Brot mit Geschmack, das einfach so gegessen wird, als Brot, das man ordentlich schneiden und bestreichen kann. Von letzterem gibt es dann meist Weißbrot mit zweifelhaftem Inhalt, teils würde man das in Deutschland in einer Bäckerei nicht verkaufen.

Aus lauter Verzweiflung haben der Göttergatte und ich vor einiger Zeit eine Backmaschine gekauft. Wir haben nun eine Panasonic S-BMS102 in der Küche stehen, und die kann alles.

Leider verwenden wir nicht alles, weil der Göttergatte sich weigert abends Brot zu essen, und ich allein auch keine Brotmassen verschlingen kann. Ein großes Brot ist für uns einfach zu viel, und wird dann schlecht.

Morgen fange ich aber in einem neuen Kindergarten an (die Firma bleibt gleich), vielleicht nehme ich dann ja einfach Brot von Zuhause mit, statt dasselbe wie die Kinder zu essen, denn langsam wird mir das etwas fad.

Das Gerät erledigt beim normalen Brot übrigens alles für einen, ob es darum geht Nüsse oder andere Dinge einzumischen (dafür gibt es ein extra Fach), den Teig zu kneten, zu bestimmten Zeiten Zaubersprüche zu sprechen, und das Brot letztendlich auch zu backen. Eigentlich muss man nur die Zutaten reinschütten und auf Start drücken. Funktioniert sogar mit Timer, so dass die Maschine mir mitten in der Nacht Baguette (in Brotkastenform) backt, damit ich das am Morgen frisch essen kann. Oder essen könnte, denn wir essen zum Frühstück Cornflakes.

Auf jeden Fall kann man mit unserer Backmaschine nicht nur alles mögliche an Brot backen (Vollkornbrot, yeah!), sondern auch andere leckere Dinge.

Als wir aus Yamanashi wiedergekommen sind, haben wir am Wochenende erst einmal Zimtschnecken gebacken. Also eigentlich nicht mehrere, sondern eine riesige. Auf dem Foto ist die schon auseinandergenommen worden, aber das war ein monströses Gebilde voller Geschmack. Dafür mussten wir den Teig aus der Maschine nehmen, ihn ausrollen, Zimt und Rosinen ausstreuen, ihn zusammenrollen und wieder in die Maschine setzen.

Das in Japan beliebte 蒸しパン (Mushipan), gedämpftes Brot, mache ich auch immer wieder.

Laut Handbuch können wir auch Pudding backen, nur mit unserer Supermaschine. Viel mehr könnten wir noch, wenn wir einen Ofen hätten, aber das wird sich wohl noch etwas verzögern, weil wir gar keinen Platz dafür haben. Sowas aber auch.

Letztlich wäre zu sagen, dass ich das Gerät sehr mag. Man braucht es eigentlich nicht, aber es schmeckt doch gleich besser, wenn man sein Brot selbst backt. Bis sich der Kaufpreis rentiert hat, dürfte es jedoch noch etwas dauern.

Dafür esse ich jetzt erstmal mein Jogurt-Brot. Nomnomnom!

(Leider hat Panasonic mich für diesen Beitrag nicht bezahlt. =()

Muumi.

Seit ich in Yamanashi in der Mumin-Ausstellung war, bin ich etwas verrückt nach den kleinen Nilpferd-Trollen.

Die Mumins sind in Japan sehr beliebt, die Zeichentrickserie, die damals wohl auch in Deutschland lief, ist in Japan produziert worden, und es gibt einige Mumin-Produkte hier, die nirgendwo anders verkauft werden, wie z.B. Bento-Boxen und Essstäbchen. Japaner lieben eh alle niedlichen Charaktere, von Disney bis zur Maus (und dem Elefanten), aber darüber muss ich vielleicht später mehr schreiben.

Zuhause haben wir zwei Mumin-Tassen, gesponsort von meiner Mama, und zwei Mumin-Handtücher, die ich am Flughafen in Helsinki im Mumin-Shop gekauft habe. Aber ich brauche mehr!

Bei meiner Recherche im Internet bin ich auf das erste Suchergebnis, wenn man Mumin auf Japanisch eingibt (ムーミン), gestoßen – die ofizielle Mumin-Seite. Die offizielle Mumin-Seite hat einen Mumin-Laden in Tokyo gelistet, sogar recht nah an meinem Zuhause. Was habe ich also nach der Arbeit gemacht? Habe Geld in die Hand genommen und bin zum Mumin-Laden gerannt!

Die Anschrift des Ladens lautet: Peikko, Tokyo-to, Sumida-ku, Kamezawa 4-8-6, auf der Internetseite gibt es eine kleine Karte. Vom Bahnhof Kinshichô aus ist es weiter, als man annehmen könnte, aber für mich hat sich der Weg absolut gelohnt!

Es gibt nicht nur Waren, die für den japanischen Markt produziert wurden, sondern auch Importe aus Finland und Korea, außerdem Kekse und andere Mumin-Süßigkeiten. Wenn man sich eine Punktekarte machen lässt, bekommt man ab dem nächsten Einkauf 10% Rabatt. Kostet nichts, habe ich also gemacht.

In meinem Haushalt gibt es seit dem: einen Mumin-Schirm, einen Mumin-Memoblock, ein Mumin-Gesichtshandtuch und diverse Mumin-Sticker. Habe also nicht ganz so viel Geld da gelassen, obwohl mich dieses riesige Mumin-Plüschtier (über 9 000 Yen, also über 81€) gereizt hat. Muss halt der Herr Ehemann wieder etwas zulegen und an Farbe verlieren, dann geht er auch als Mumin durch.