Horrorgeschichten am hellichten Tag.

Heute ist mein halber Hochzeitstag. Mein Mann und ich sind seit sechs Monaten verheiratet. Leider können wir aber heute nichts unternehmen. Also schon mal keine gute Voraussetzung, damit dieser Tag doch noch total super wird.

Arbeit ist anstrengend, die Kinder hören nicht (sind ja auch noch ganz klein), ich bin also total fertig, als ich endlich nach Hause fahre. In der Nähe des Heimatbahnhofes gibt es zwei Conbini (24-Stunden-Läden), ich gehe also in einen, nehme mir was zu Essen, nehme mir was zu Trinken, stelle mich vor die Zeitschriften, finde aber nichts, als mich plötzlich jemand an die Schulter tippt.

Und ich einen mir vollkommen unbekannten Typen erblicke, der aber wahrscheinlich so alt ist wie mein Mann, also zwei Jahre älter als ich.

Ich: Was?

Er zeigt mir sein iPhone, er hat geschrieben: Hilf mir.

Ich: Warum?

Er schreibt, ich warte, könnte ja sein, dass irgendwas Schlimmes ist, ich bin da sehr gutgläubig.

Sein iPhone: Ich habe kein Geld.

Ich: Du, ich habe auch kein Geld.

Und ich gehe zur Kasse, bezahle, und laufe nach Hause.

Während ich nach Hause laufe, tippe ich auf mein Handy ein, das war dann doch eine sehr komische Situation. Ich will mich grad darüber beschweren, dass er mich nicht richtig angesprochen hat, und außerdem ein iPhone 4 hatte, als ich wieder angetippt werde.

Er: Lass uns Freunde werden.

Ich: Das ist jetzt ein bisschen…

Er: Nein?

Ich: Nein.

Und laufe ganz schnell nach Hause, gucke mich aber um, bevor ich das Haus betrete. Nachher weiß der noch, wo ich wohne.

Nun frage ich mich natürlich, warum hat der ausgerechnet mich angesprochen? Ich bin Ausländerin, es könnte also sein, dass ich gar kein Japanisch verstehe. Ich hätte auch einfach so tun sollen, als ob…

Deutschland in Japan: Knorr.

Wenn man sich also in Deutschland zumindest teilweise so ernährt hat, wie ich mich in der Schulzeit, und dann in Japan nicht weiß, wie man Fertignahrung zubereiten soll, Rettung naht! Knorr verkauft in Japan die gleichen Produkte wie in Deutschland, die Aufgusszeit sollte unverändert sein, ein deutscher Urlauber weniger verhungert! Juche!

(Knorr war zumindest mal Deutsch, inzwischen gehört’s zu Unilever.)

Nur noch… fast drei Monate!

Ich habe in einem anderen Eintrag schon über den JLPT geschrieben. Bisher habe ich den N2, der folgendes vorraussetzt: 1.000 Kanji, 6.000 Vokabeln und 600 Lernstunden. Ob ich wirklich 1.000 Kanji lesen kann oder 6.000 Vokabeln kenne, wage ich zu bezweifeln, aber irgendwie habe ich es damals geschafft. Das ist nun schon zwei Jahre her.

Mein Mann lernt jeden Abend für eine Architektenlizenz, die ich aufgrund vollkommenen Unwissens so nenne, und ich habe angefangen, mit ihm zusammen für den nächsten JLPT, den N1, zu lernen. Dafür habe ich mehrere Lehrbücher mit denen ich den Tisch vollmüllen kann, und wenn ich in etwa doppelt so viel lernen würde, hätte es sicher einen großen Effekt.

In Deutschland kann man den JLPT unter anderem in Berlin auf allen Stufen (N5 bis N1) ein Mal im Jahr am ersten Sonntag im Dezember ablegen. In Japan gibt es einen zweiten Prüfungstermin für die Stufen N3 bis N1, am ersten Sonntag im Juli. Diesen zweiten Prüfungstermin hatte ich angepeilt, wegen absoluter Unsicherheit in allem.

Abends sprach ich mit meinem Mann darüber, und er meinte, dass ich mich doch einfach für den Test im Dezember registrieren lassen sollte. Wer weiß, vielleicht würde ich es schaffen. Während man für die anderen Stufen nur 60% richtig beantworten muss, sind es beim N1 gleich 70%. Dafür hat der aber auch mehr Strahlkraft, und könnte es mir vielleicht ermöglichen, in andere Bereiche des japanischen Berufslebens vorzudringen. Generell geht in Japan viel über Lizenzen und Scheine, da werden wir Geld investieren, denn aus Deutschland habe ich nicht viel und mein TOEFL ist abgelaufen.

Auf jeden Fall habe ich mir heute im Bücherladen meines Vertrauens die Anmeldeformulare abgeholt. Nach ausführlichem Studium des Begleitheftchens (auf Japanisch, Englisch, Koreanisch und Chinesisch, wie auch viele Lernmaterialien) habe ich den Anmeldebogen ausgefüllt, und natürlich gleich mal meinen Namen falsch geschrieben. Also, eigentlich schon richtig, aber mit Nachnamen vorn, wie in Japan üblich. Soll nicht so geschrieben werden, soll aussehen wie im Pass. Große Klasse.

Ich hoffe, im Test läuft das besser.

Verzicht.

Während ich Japan sonst immer als das Land, in dem Milch und Honig (Calpis und Anko) fließen, beschreibe, gibt es hier natürlich auch einige Dinge nicht. Das sind meist lebenswichtige Nebensächlichkeiten, wie Kloßteig oder aber auch Taschentücher, in die man schnauben kann. In den letzten Monaten habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, alles zu fotografieren, was es an deutschen Produkten in Japan zu kaufen gibt. Dinge aus Importläden sind ausdrücklich ausgeklammert, das wäre ja zu einfach. Also fangen wir an:

Japaner* lieben ihre Badewannen. Die sind kürzer als unsere deutschen Versionen, aber sehr viel tiefer, so dass, wenn man sich hinhockt, nur noch der Kopf herausguckt. Für mich ist das ein wenig zu hardcore, mir wird schwindelig und ich will nur noch ganz schnell weg. Dafür kann ich kalt duschen, was bei meinem Mann Albträume auslöst – er hat Angst, dass ich einfach tot umfallen könnte. Auf jeden Fall gibt es auch in Japan viele Badezusätze, eher selten mit Schaum, aber oft unglaublich gesund. Also gibt es auch Kneipp. Übrigens scheint man es am japanischen Markt für exotisch zu halten, den deutschen Text einfach stehen zu lassen.

* = mein Mann.

Auf seine Süßigkeiten muss man auch nicht verzichten, vorausgesetzt, man hat vorher eine strenge Gummibärchen- und Pullmoll-Diät eingehalten. Die Verpackungen sehen auch hier aus wie in Deutschland, also ist keinerlei Umstellung nötig.

Ich muss zugeben, dass ich gar kein großer Haribo-Fan bin. Generell essen wir nur wenige Süßigkeiten, und leben somit quasi fast gesund, und außerdem gibt es einige japanische Süßigkeiten, die ich lieber, aber auch nur sehr selten esse.

In Deutschland habe ich unter anderem Shampoo von Sebamed verwendet, und finde das Zeug wirklich toll. Seit noch nicht allzu langer Zeit (wahrscheinlich weniger als einem Jahr) gibt es die Produkte auch in japanischen Drogerien. Während die auch in Deutschland nicht sonderlich günstig zu haben sind, sind sie in Japan sündhaft teuer. 15€ für etwas, dessen Auflösung so gering ist, dass ich nicht lesen kann, was drin ist? Niemals!

(Ich habe schon einige Fotos von deutschen Dingen in Japan gesammelt und werde sie immer mal, wenn ich zu faul bin um einen ordentlichen Eintrag zu schreiben, einstreuen.)