Von wegen Teuro.

Oftmals sind Lebensmittel in Japan recht günstig. So kann ich mir zum Beispiel Gyuudon für 240Yen (=2,26€) kaufen. Insgesamt muss ich also für ein Essen, dass mich satt macht, nicht großartig Geld rauswerfen.

Außer, ich will Pizza essen. Wir haben immer wieder Flyer von Pizzalieferanten im Briefkasten, und die Preise schocken mich immer wieder. Eine normalgroße Pizza Margherita kostet 1,890Yen (fast 18€). In Deutschland würde man die  gleiche Pizza wahrscheinlich für ein Drittel des Preises oder sogar weniger erwerben können und dass die japanische Pizza besser schmeckt wage ich auch zu bezweifeln.

Aber werft uns nur weiter eure doofen Flyer in den Briefkasten, die landen alle im Müll – zusammen mit den total günstigen Angeboten für Eigentumswohnungen.

Neue Liebe: Pentax K-r.

Ich entwickle ja durchaus immer wieder ungesund enge Beziehungen mit meinen elektronischen Geräten. Jetzt habe ich eine neue große Liebe. Aber erstmal ein wenig Vorgeschichte.

Als ich 2008 zum ersten Mal nach Japan kam, und der Yen-Kurs noch niedrig war (100 Yen = 60 Cent im Vergleich zu 100 Yen = 95 Cent jetzt), war meine erste Handlung im Gastland, mir eine Digitalkamera zu kaufen. Meine Wahl fiel auf eine Nikon Coolpix, die mir dann auch zwei Jahre gute Dienste geleistet hat. Leider ist die Nikon Coolpix-Serie scheinbar mit einem Baufehler behaftet, der einen Lens-Error auslöst. Das Objektiv verkantet und kann weder ein- noch ausgefahren werden, eine neue Kamera musste her.

Daraufhin kaufte ich mir die schönste Kompaktkamera, die es überhaupt gibt: Pentax Optio i-10. Die liefert ordentliche Bilder, hat nette Optionen und sieht auch noch phänomenal aus. Damals war sie recht teuer, über 200€. Ich überlegte kurz, mir doch vielleicht gleich eine Spiegel-Reflex-Kamera oder ein Zwischengerät anzuschaffen, in Hinblick auf den Geldbeutel, ohnehin geschunden durch diverse Japanaufenthalte, ließ ich es aber bleiben.

Nun war meine Familie hier, und wir schlenderten im Yodobashi Kamera (einem der vielen) an der Kameraabteilung vorbei, als mein Vater mich fragte, ob ich so eine Kamera haben wollen würde. Um es kurz zu machen: Wir (der Göttergatte und ich) haben eine Spiegel-Reflex-Kamera gekauft bekommen. (Fast) einfach so. So ganz kann ich es noch nicht glauben, aber ich habe sie ganz doll lieb. Es ist eine weiß-schwarze Pentax K-r mit Double Lens Kit (DA L 18-55mm und DA L 50-200mm).

Mein Mann meinte erst, er hätte für Kameras nicht so viel übrig, aber nachdem er auch mal mit ihr fotografiert hat, ist er ziemlich begeistert. Ich habe mich natürlich nicht vom Amateurfotografen zum Profi verwandelt, ich bin noch immer so la-la, aber mit viel mehr Spaß daran Fotos zu machen und das muss auch für irgendetwas zählen.

Letztes Wochenende waren wir bei uns in der Umgebung unterwegs, waren bei einem buddhistischen Tempel, vor dem Kinder Fußball gespielt haben, und in einem alten shintoistischen Schrein voller Katzen. Der Tempel ist leider renoviert worden, was, wie ich finde, immer einiges vom Charme der Anlagen nimmt, aber dafür war der Schrein umso älter. Außerdem: Katzen.

Bei meinem Mann auf Arbeit ist derzeit sehr viel los, weswegen er jetzt auch am Samstag immer arbeiten müssen wird. Das wird etwas langweilig, aber jetzt kann ich einfach mit der Kamera losziehen und in die Gegend fotografieren.

Auf jeden Fall noch einmal vielen Dank für das unglaublich tolle Geschenk an meine Eltern!

(TL;DR: Yay, Kamera!)

(Bilder von Kameras sind alle von der Pentax-Seite, Katzenbild ist von mir)

Herr Detektiv.

Am Tag vor der Hochzeit komme ich um sieben ins Haus der Schwiegereltern, in dem mein Mann und ich derzeit übernachten. Keiner ist da. Um halb neun kommt meine Schwiegermutter nach Hause. Sie war mit dem Göttergatten essen, jetzt möchte dieser allein noch etwas trinken. Nach einer Stunde ruft er an.

Er: Wo bist du?

Ich: Zuhause.

Er: Warum hast du nicht angerufen?

Ich: Deine Mutter sagte du machst einen auf Detektiv, da wollte ich nicht stören.

Er: Ja, na dann… Ich trinke noch ein wenig.

Um halb elf ist es mir zu bunt, morgen muss ich früh aufstehen. Ich schreibe eine E-Mail.

Ich: Wo bist du?

Er: In einer Bar.

Ich: Ist es ok, wenn ich schlafen gehe?

Er: Gute Nacht!

Um zwei Uhr Nachts geht plötzlich das Licht an. Der Göttergatte ist wieder zuhause.

Ich: Wo warst du?

Er: Trinken.

Ich: Du bist doch blöd. Gute Nacht.

Am nächsten Tag hat der Göttergatte Kopfschmerzen und Aua, ein typischer Kater. An seinem Hochzeitstag. Das hält ihn übrigens nicht davon ab, total aufgeregt zu sein. Später erzählen mir seine Eltern, dass das nicht das erste Mal ist, dass er vor einem großen Event zu lange wegbleibt.

Na das kann ja heiter werden.

Hochzeitsnachlese.

Meine Eltern sind wieder in Deutschland, das Wochenende ist verbracht, da kann ich mal wieder einen Eintrag verfassen.

Am Hochzeitstag sind wir alle ganz früh aufgestanden, um zum Friseur zu gehen und uns die Haare hochstecken zu lassen. Weil wir gleichzeitig noch geschminkt wurden, dauerte die ganze Prozedur über drei Stunden. Dafür sahen wir aber auch ziemlich gut aus. Dann weiter zum Schrein und umziehen lassen. Einen Kimono kriegt man als ungeübte Person nicht allein angezogen, weswegen wir zwei sehr nette Damen hatten, die uns dabei geholfen haben. Eine hat uns auch die ganze Zeit begleitet, damit nichts verrutscht, und damit ich anständig laufen kann.

Nun sieht so ein Hochzeitskimono natürlich sehr sehr schön aus, tut aber leider auch sehr sehr weh. Anfangs dachte ich, ich würde ersticken, weil verschiedene Lagen so eng um meinen Brustkorb geschlungen waren, dass mir das Atmen sehr schwer fiel. Aber wozu atmen, wenn man schön aussieht? Nach einiger Zeit tat es nicht mehr ganz so weh, beziehungsweise war es mir einfach egal. Der Göttergatte war auch ziemlich eingeschnürt, vor allem am Bauch, ertrug das aber viel gefasster als ich.

Die Zeremonie verlief wie geplant, mit nur einem kurzen Leseproblem von Seiten meines Mannes, und nach ca. fünf Stunden durften wir uns wieder in überlebensfreundliche Gewandung werfen um zum großen Festgelage aufzubrechen. Das dauerte dann nicht so lang wie erwartet, und so konnten wir relativ früh ins Bettchen fallen – nachdem ich (nicht erfolgreich) versuchte die toupierten Haare wieder schön zu bekommen. Das hat dann am nächsten Tag die Friseurin erledigt…

Insgesamt war es eine sehr schöne Erfahrung, auch weil meine ganze Familie Kimono oder Hakama getragen hat und wenn ich schon einen Japaner heirate, kann ich doch bitte auch eine traditionelle Hochzeit haben. Eine Hochzeitsfeier mit Kleid gibt’s nächsten März in Deutschland, mal schauen wie eng ich da eingewickelt werde. Vielleicht brechen ja nächstes Mal die Rippen, die dieses Mal nur wehgetan haben.