Das große Aufräumen.

Morgen kommen meine Eltern und meine Schwester nach Japan. Also hoffentlich, denn sie fliegen mit Aeroflot. удача! (Danke Google-Übersetzer.)

Die eineinhalb Wochen werden die drei in meiner Wohnung übernachten, während mein Mann und ich in sein Elternhaus umziehen. Das ist praktischer und vor allem günstiger, als ein Hotel zu buchen.

Am Samstag ist unsere Hochzeitszeremonie und am Montag fahren wir mit allen für drei Tage nach Kyoto und Nara. In beiden Städten war ich schon einmal mit meinem Mann, in Kyoto im Frühjahr 2009 für zwei Tage und in Nara im März diesen Jahres, auf dem Weg zurück von Osaka.

Kyoto war recht anstrengend, weil wir in zwei Tagen sehr viele Tempel gesehen haben. Trotzdem finde ich die Stadt recht schön, und hey – Weltkulturerbe. In Nara gibt es hauptsächlich Rehe. Die sind heilig und leben schon länger in dem Gebiet, als es die Stadt gibt, sind zahm und wollen essen. Sie sind natürlich auch so fluffig, und betteln dermaßen, dass man ihnen was gibt. Schnorrer-Rehe!

Wir fahren übrigens mit dem Shinkansen, dem japanischen ICE. Der Shinkansen ist notorisch schnell und pünktlich. Die über 450 Kilometer werden wir innerhalb von zweieinhalb Stunden hinter uns lassen. Mein Vater ist ein großer Fan des Shinkansen, ich bin schon mehrmals damit gefahren und verbringe die Zeit am liebsten schlafend. Schlimmer sind nur Flugzeug und Schiff.

Dennoch, ich freu mich drauf. Mal wieder mit der Familie zusammen sein und Tokyo hinter sich lassen, wenn auch nur für drei Tage.

In der Zwischenzeit wird es hier wenn, dann nur vorbereitete Beiträge geben. Bis denne!

Adidas CP80S MTA.

Der Göttergatte ist ziemlich speziell in seinem Schuhgeschmack. Erstens trägt er (in seiner Freizeit) nur Adidasschuhe. Zweitens nur zwei verschiedene Modelle, Campus und Samba (bzw. die alten Universals). Sein Paar blauer Campus 2 ist inzwischen grau, dreckig und nicht mehr zu gebrauchen, weswegen wir die letzten Wochen sporadisch auf der Suche nach neuen Schuhen waren. Vorgestern fanden wir Schuhe, die ihm gefielen, und die es nur bei Mita Sneakers zu kaufen gab (gibt).

Mita Sneakers ist ein (1) Sneaker-Laden in Ueno (Tokyo), der aus irgendeinem Grund arg bekannt zu sein scheint und immer wieder Spezialversionen von Sneakern in Kollaboration mit bekannten Firmen herausbringt, die dann nur in diesem einen Laden (oder im Internet per Vorbestellung) zu haben sind. In Berlin gibt es wohl auch einen Adidas Concept-Store, der die Schuhe bekommt, was dann nicht mehr ganz so “Japan Exclusive” ist. Aber man kann ja nicht alles haben.

Der Verkauf der Adidas CP80S MTA begann am 1.10., also genau dem Tag, an dem wir die Schuhe zum ersten Mal sahen. Auf nach Ueno, Schuhe anprobieren, Schuhe kaufen, glücklich sein. Am liebsten hätte der Göttergatte noch die graue Version im Regal stehen, aber die gibt es nur bis zu einer Größe von 29 cm, das ist zu klein. Er braucht mindestens 29.5 cm, damit seine Riesenmonsterfüße sich wohl fühlen und frei atmen können, alles andere kommt Freiheitsberaubung gleich.

Aber egal, ein Paar Schuhe mehr muss reichen. Leider hat er jetzt eigentlich kein Paar Schuhe mehr, dass er einfach so anzieht. Wenn sie kaputt gehen, ist der Ersatz einfach zu schwer zu beschaffen. Demnächst suchen wir also ein absolut generisches Paar Sneaker, das dem Mann gefällt, man aber an jeder Straßenecke kaufen kann.

(Falls jemand Paralellen zu kleinen Kindern sieht, denen man, wenn ein Spielzeug kaputt geht, genau dasselbe noch mal kaufen muss, weil sie sonst weinen – mein Mann ist natürlich absolut gar nicht so. Niemals.)

Stempelmeister.

Während man in Deutschland schon vor einiger Zeit auf die Unterschrift umgestiegen ist, kommt man allein damit oft nicht weiter. Für meinen Arbeitsvertrag bei einer japanischen Firma, für mein Konto, zum Heiraten und für alles anderweitig wichtige, brauche ich einen Namensstempel, 判子 (Hanko) oder 印鑑 (Inkan) genannt.

Die Stempel bekommt man, wenn man einen Allerweltsnamen hat, für wenig Geld an jeder Ecke. Die Zeichen sehen dort natürlich alle recht gleich aus, weswegen man damit (eigentlich) kein Konto eröffnen kann. Wir haben einen gewöhnlichen Familiennamen, versehen mit einer ungewöhnlichen Schreibweise, weswegen wir einen Stempel nicht einfach kaufen können, sondern ihn uns anfertigen lassen müssen.

Mein Stempel, den ich hier nicht hochladen werde, sieht auf den ersten Blick aus wie der von meinem Mann, aber dann sind doch doch zwei Striche anders. Das weiß ich, weil beide Stempel hier offen herumliegen, falls ein Paket kommen sollte und wir dem Lieferanten eine Lieferbestätigung unterzeichnen müssen. Das ginge auch per Unterschrift, aber wir sind faul.

Bei offiziellen Papieren wird auch einmal über durchgestrichene und ungültige Informationen gestempelt (obwohl es auch dafür spezielle Stempel gibt, falls man sich ein Extrazimmer nur für seine Stempel anschaffen möchte). Als ich beim Einwohneramt war, hat das einfach die Bearbeiterin übernommen, natürlich mit vorhergehender Frage. Wenn die Meisterdiebin sein sollte, und unseren Stempel kopiert, wird sie feststellen müssen, dass wir nicht so viel Geld haben, dass sich das auch nur im geringsten lohnen würde.

Gestempelt wird übrigens mit roter Tinte, womit es schon ziemlich offiziell aussieht. Wenn man aber neue Höhen der offiziellen Dokumentsunterzeichnung ansetzen möchte, braucht man einen größeren Stempel, 実印 (Jitsuin). Die Mutter des Göttergatten hat bei seiner Geburt einen solchen geschenkt bekommen, absolut verschnörkelt, unlesbar und eher an die chinesischen Stempel, die man immer mal sieht, erinnernd. Der ist auch bei der Stadt registriert, wir wissen nur noch nicht, wofür wir ihn jemals brauchen könnten.

Man kann sich auch als Ausländer einen Namensstempel anfertigen lassen, aber da mein Name in der japanischen Schreibweise mit sieben Zeichen sehr lang wurde, war der Stempel länglich und bei langem nicht so schön wie mein jetziger mit zwei Zeichen. In Deutschland setzt man dann ja auch eher auf die Unterschrift.

Vor langem, als ich mein Konto bei der Mitsubishi Tokyo UFJ eröffnete (rechts ein Bild von meiner Geldkarte), habe ich das übrigens, mit Hilfe meiner damaligen Chefin, per Unterschrift machen können. Das war 2008. Nun wollte ich den Konteninhabernamen von meinem Mädchennamen auf den neuen Namen ändern lassen – und konnte die alte Unterschrift nicht mehr reproduzieren.

Durch Arbeit im Einzelhandel (wo viele Sachen schnell unterschrieben werden müssen), generelles Älterwerden, Namenswechsel und ein schlechtes Gedächtnis, hat das einige Zeit gedauert.

Bankmitarbeiterin: Unterschreiben Sie bitte hier.

Ich unterschreibe.

Bankmitarbeiterin: Das sieht nicht so aus, wie die alte Unterschrift.

Ich versuche es noch einmal.

Bankmitarbeiterin (zeigt mir meine alte Unterschrift): Eigentlich sollte das so aussehen.

Ich versuche es ein letztes Mal und erhalte ihren Segen.

Und deswegen dann doch lieber mit Stempel.