Verspätete Vorsätze.

Eigentlich halte ich nichts von Neujahrsvorsätzen. Die halten zumeist für eine Woche, und dann ist man wieder im alten Trott. Ich bin leider eh ein Gewohnheitstier, Veränderungen liegen mir nicht. Oft gebe ich viel zu früh auf, ohne, dass sich etwas geändert hätte. Da bin ich wahrscheinlich nicht allein.

Vorsätze bringen es also nicht, deswegen einfach eine kurze Liste von Dingen, die ich in diesem Jahr gern in Angriff nehmen würde.

  1. Sport machen. Ja, das nehme ich mir seit Jahren immer wieder vor, aber gestern hatte ich übelste Rückenschmerzen, und jeden Tag sehe ich gebeugt laufende Großmütter, die fast in der Mitte einmal durchgebogen sind. Das will ich nicht und gegen mein, sich entwickelndes, Bäuchlein (vom Essen) hilft es sicher auch. In der Nähe gibt es ein Fitnesstudio, ich hoffe, dass das nicht teuer ist. Wäre aber auf meinem Weg von der Arbeit und ich könnte mich nicht allzu leicht dran vorbeischleichen.
  2. 30 Bücher lesen. Ich weiß nicht, wie wenige Bücher ich letztes Jahr gelesen habe. Wahrscheinlich nicht einmal zehn, weil ich ein schrecklicher Mensch bin. An sich sollte ich mir das Internet verbieten, damit ich spanndere Dinge tue. Lesen zum Beispiel. Im Moment bin ich auf Seite 55 von 602 von Haruki Murakamis 1Q84 Buch 3 (auf Japanisch). Wenn ich das endlich fertig habe, werde ich weiter japanische Bücher suchen, die ich lesen kann um irgendwann schneller zu werden. Von den im ersten Satz erwähnten 30 Büchern sollten mindestens zehn auf Japanisch sein, sonst bringt’s nichts.
  3. Freunde finden. Das wird langsam besser, aber mit meinen Freunden in Berlin sind sie natürlich nicht zu vergleichen. In Berlin hätte ich an jedem Tag, an dem ich mich langweile, einmal durch die Reihe telefonieren und mich mit jemandem treffen können, während ich hier doch etwas einsam bin. Manchmal.

Das sollte machbar sein. Es gibt sogar Leute, die das letztes Jahr schon geschafft haben. Ganz sicher. 2012, dich kriege ich auch noch!

Topfgerichte.

In Japan gibt es viele Gerichte, bei denen verschiedene Zutaten in einen Topf mit Brühe geworfen werden, um sich dann in ein leckeres Gericht zu verwandeln.

Sukiyaki, Shabu-Shabu und Oden, wären erwähnenswert. Insgesamt sind das Gerichte, die man eher in der kalten Jahreszeit isst. Im Sommer würde man allein von der Hitze der Kochplatte anfangen zu schwitzen. Derzeit besteht die Gefahr aber nicht, und so gab es mal wieder Oden. Oden ist eins meiner liebsten japanischen Gerichte.

Was kommt also hinein?

Hanpen: Weiche Scheiben aus Fischpaste, die absolut nicht nach Fisch schmecken oder riechen.

Ganmo: Bällchen aus Tofu mit Sesam, Eiweiß und Gemüse.

Mochi-iri Kinchaku: Mochi in einem Beutelchen aus frittiertem Tofu.

Uzura-Ten: Wachtelei in in einem frittierten Teigmantel.

Chikuwabu: Ein Lebensmittel aus Mehl, Salz und Wasser.

Und natürlich ein bisschen Rindfleisch für den Mann.

Wenn wir wirklich viel machen, gibt es auch für die nächsten Tage Oden, man kann das schon ein wenig stehenlassen und immer wieder erhitzen. Schmeckt gut und rettet mich über den Winter mit der schrecklichen japanischen Gebäudeisolierung.

Wundertüten.

Am 1.1. beginnt nicht nur das neue Jahr, nein, es beginnt auch Sale-Saison und, noch viel wichtiger, die 福袋 (Fukubukuro, Wundertüten, auf Englisch Lucky Bags) werden herausgegeben.

Wundertüten kenne ich noch aus meiner Kindheit, da kaufte man eine im Supermarkt und drin waren Spielzeug und Süßigkeiten. Das ist zu klein für Japan, und nicht genug an den erwachsenen Käufer gerichtet. Deswegen gibt es hier Lucky Bags mit Donutgutscheinen, mit Kosmetik, mit Süßigkeiten und vor allem mit Kleidung.

Man weiß vorher nicht was in der Tüte ist, und bekommt aber für vergleichsweise wenig Geld Kleidung im Wert von mehr Geld. Größen sind meist auch kein Problem, da die meisten Läden eh nur Einheitsgröße herstellen. Bei Kinderkleidung ist das natürlich anders.

Für einen selbst ist das eine tolle Möglichkeit teils wirklich nette Kleidungsstücke zu erwerben, die man sich zum normalen Ladenpreis vielleicht nicht gekauft hätte, und die Läden leeren ihre Lager. Andererseits besteht natürlich auch das Risiko komplettes Pech zu haben, dann hat man Geld ausgegeben, aber nichts, was man haben wollte.

Damit ich mich nicht anstellen muss, habe ich bereits Anfang Dezember einen Lucky Bag einer mir lieben Firma reserviert, und als Weihnachtsgeschenk gab es die Reservierung für einen weiteren. In meinem Fall kostete einer 8,400Yen (82€), mit der Garantie, dass der Inhalt dreifach so viel wert ist. Das ist recht viel, für gewöhnlich ist es ungefähr doppelt so viel wie der Preis des Lucky Bags.

Am 1.1. waren wir trotzdem in einem großen Einkaufszentrum in der Nähe, und kauften einen Lucky Bag einer Teefirma mit zehn Teesorten, die wir jetzt nur noch irgendwie trinken müssen. Eigentlich wollten wir auch einen von Lush, aber leider war der mit den Badesachen (ohne Seifen) schon ausverkauft. Seifen haben wir zuhause genug, wenn nicht sogar zu viele. Für so ein paar Schaumbäder wären wir dankbar gewesen.

Wir überlegten auch kurz einen Lucky Bag eines Importladens in der Nähe zu kaufen, aber auf Nachfrage waren darin vor allem Süßigkeiten, und da wir vor Weihnachten mit Süßigkeiten quasi überschüttet wurden, haben wir in dem Bereich ausgesorgt.

Wären nicht so viele Leute in den Läden, hätte ich mir vielleicht auch mehr Lucky Bags gekauft. Jetzt ist es schon zu spät um noch einen Lucky Bag zu kaufen, alle weg. Bis zum nächsten Jahr. (Oder teilweise Sommer. Oder wann auch immer die Läden der Meinung sind, einen Lucky Bag herausgeben zu müssen.)

Japanisches Neujahr: Essen, essen, essen.

Am letzten Tag des alten Jahres gab es bei uns Toshikoshi-Soba (年越しそば) um das Jahr auslaufen zu lassen. Soba sind lang, und so soll auch das Leben sein. Man könnte also wahrscheinlich auch Spaghetti essen…

Der japanische Neujahrsabend ist langweilig. Nichts passiert, es gibt kein Feuerwerk (außer im Disneyland), nur im Tempel nebenan wird 108 Mal auf die Glocke geschlagen, jeder Schlag steht für eine Versuchung der Menschen. Man könnte natürlich in den Tempel gehen, aber wir hatten es nicht auf eine Erkältung angelegt.

Und so schliefen wir früh, erwachten wie durch ein Wunder kurz vor Mitternacht und gingen kurz nach Mitternacht wieder schlafen, denn am nächsten Tag musste das große Festessen beginnen. Durch den Tod des Großvaters meines Manns durften wir zwar nicht zu sehr feiern, und einiges vom Osechi fiel aus, aber wir sind dennoch mehr als satt geworden. Das scheint in Japan eh öfter das Ziel verschiedener Feierlichkeiten sein – essen bis man platzt.

Unter anderem gab es Ozôni, eine klare Suppe, mit Grünzeug, Hühnchen und für gewöhnlich Mochi. Mochi wird bei uns nicht direkt in die Suppe getan, sondern extra gegessen, weil mein Mann das so wohl lieber mag. Wer weiß…

Nach dem viel zu gehaltvollen Frühstück wurde ich in einen Kimono umgezogen. Kein besonderer, weil wir den nicht hätten anziehen können, sondern ein Alltagskimono, der noch herumlag. Meine Schwiegereltern haben alles irgendwo im Haus, auch wenn sie es nicht verwenden. Die Ärmel waren leider etwas kurz, aber das ist mein generelles Problem in Japan und ich habe aufgehört, mich darüber zu ärgern.

Dummerweise bedeuten kurze Ärmel aber auch, dass man noch mehr friert, als man es sowieso würde und so zitterte ich mich zum Tempel zum Hatsumôde (初詣), dem ersten Tempelbesuch im neuen Jahr. Interessanterweise gab es außer mir kaum Kimonoträgerinen, wahrscheinlich weil es zu kalt und das Anziehen zu umständlich ist.

Als wir wieder zurückkamen zog ich mich auch sofort um, wärmte mich auf, und wir fuhren zu einem großen Einkaufszentrum in der Nähe. Ab dem 1.1. werden jedes Jahr die Fukubukuro (福袋) verkauft, über die ich im nächsten Eintrag ein wenig schreiben werde, und außerdem beginnt der große Neujahrs-Sale, weswegen das Einkaufszentrum unglaublich voll war, und wir recht schnell wieder nach Hause fuhren.

Kurz bevor wir dann zum Haus der Großeltern aufbrechen wollten, traf ein relativ großes Erdbeben Tokyo. Im Meer hatte es tief unter der Erdoberfläche gerumpelt, und das kam bei uns natürlich auch an. Dennoch machten wir uns auf den Weg, und wurden bei den Großeltern mit Essen vollgestopft (die Schwiegergroßmutter ist natürlich eine richtige Großmutter mit ständiger Angst, dass ihre Kinder und Enkel verhungern könnten…).

Und das war’s auch schon. Ich war den gesamten Tag über einfach nur so satt, dass ich zu der festen Überzeugung gelangte, demnächst zu platzen. Hat aber wieder nicht geklappt…