Der Regen.

Was vielen Menschen in Deutschland vielleicht gar nicht so bewusst ist, ist, dass es in Japan eine Regenzeit gibt. Die nennt sich 梅雨 (Tsuyu; Pflaumenregen), und hat gerade angefangen.

Regional ist sie zeitlich natürlich unterschiedlich, bei uns regnet es aber den ganzen Juni durch. Die Luftfeuchtigkeit ist ständig hoch, und am Ende des Abends klebt meine Haut besser als Tesa. Nicht so schön. Heute kam ich zum zweiten Mal diese Woche zu einem Gewitter nach Hause. Während draußen am Arbeitsplatz die Sonne schien, war es am Heimatbahnhof apokalyptisch dunkel, und nach dem Einkaufen (im Bahnhof) wollte ich nach Hause gehen, als ich feststellen musste, dass es aus Eimern schüttete.

Zum Glück gibt es in Japan sobald es anfängt zu regnen Schirme zu kaufen. Das sind dann entweder die charakteristischen durchsichtigen Plastikschirme oder auch andere Billigmodelle, die ab 350 Yen (3,50€) verkauft werden. Praktisch, wenn man seinen Schirm vergessen hat, und wenn einer von denen kaputt geht ist es kein großer Verlust.

Regenschuhe kaufe ich mir dieses Jahr trotzdem.

Kommt Sommer kommt Eis.

Letzten Sonntag hatte ich das erste かき氷 (Kakigôri) des Jahres!

Bei wunderbarstem Sonnenschein waren wir im 葛西臨海公園 (Kasai-Rinkai-Park), und nachdem wir die Suche nach einem Sitzplatz aufgegeben hatten, gab es erstmal Kakigôri zur Abkühlung.

Kakigôri ist fein gehobeltes Eis mit Sirup, mal mehr und mal weniger leicht zu essen. Wenn das Eis zu sehr zusammenpappt und hart ist, landet bei mir die Hälfte auf den Klamotten, aber eigentlich bekommt man einen Strohhalm-Löffel, um es wegzulöffeln und dann das geschmolzene Eis zu schlürfen.

Das ist zwar recht lecker, aber nach etwas mehr als der Hälfte war ich fix und fertig. Nächstes Mal schau ich, dass ich besseres Kakigôri finde, dann nervt mich das Essen nicht so sehr. 😉

Der Hut!

Ich habe einen kleinen Kopf. Das wird in Japan zwar als “schön” angesehen, ist aber nervig. Hüte sind hier normalerweise auf 58cm Kopfumfang ausgelegt, das sitzt dann aber so lose, dass ich meine Hand locker in die Spalte zwischen Kopf und Hut stecken kann. Sonnenbrillen sind generell zu groß, und passen auch nicht zu meiner meisten Kleidung.

Im Sommer habe ich aber das Problem, dass ich von der starken Sonne Augenschmerzen, und dann plötzlich schlechte Laune bekomme. Findet mein Mann nicht ganz so klasse. Also musste ein Hut her!

Bei welchen Hüten kann man selbst die Größe einstellen? Bei teuren Hüten! Wo gibt es teure Hüte? Bei CA4LA (gesprochen wie Kashira (頭); “Haupt” oder “Kopf”), dem wahrscheinlich poplulärsten Hutladen in Japan. Die meisten Produkte werden in Japan hergestellt, und neben meinem sehr simplen Hut (das ist er, da links) gibt es natürlich auch ausgefallerene Modelle.

Wir waren bei CA4LA im Shin-Marunouchi Building, und haben einen der günstigeren Hüte erstanden. Für fast 7,000Yen (70€). Ja, wir hätten auch leicht das dreifache ausgeben können. Es gab natürlich auch andere Hüte, die ich gern gehabt hätte, aber hauptsächlich soll er ja dazu dienen, die Sonne von meinen empfindlichen Äuglein abzuhalten, und so fiel die Wahl auf diesen, zumal er auch zu den meisten meiner Klamotten passt. Strike!

Heute hatte ich ihn auch gleich auf Arbeit auf, die japanischen Mitarbeiter fanden ihn total süß, mein amerikanischer Mitarbeiter sagte, ich sähe damit aus wie ein Privatdetektiv. Zum Spaß habe ich ihn meinen Kindern* aufgesetzt, und musste feststellen, dass er den meisten perfekt passte. Ich Schrumpfkopf.

* Immer wenn ich meine Kinder erwähne, meine ich die Kinder in meiner Klasse. Ich habe keine eigenen Kinder.

Der Alltag und seine Tücken.

Es gibt in meinem Leben so einige Regeln, die “das Schicksal”* für mich aufgestellt hat.

Ich werde nie Schuhe finden, die keine Sneaker sind und meine Füße nicht wie nach einem Gemetzel aussehen lassen. Da ich aber nicht nur Sneaker tragen möchte, tun mir halt immer mal die Füße weh. Für drei Wochen.

Wenn ich nur kurz was bei der Reinigung abgeben will, werde ich ältere, langsame Damen vor mir haben, die sämtliche Winterkleidung reinigen lassen wollen. In den Fällen habe ich aber meist keine Möglichkeit meine Klamotten mitzunehmen und es später erneut zu versuchen, weil ich keine Tüte dabei habe.

Und jeden Morgen werde ich irgendetwas vergessen. Entweder bleibt der Müll im Mülleimer, oder die Fenster offen,  oder der Ehering auf der Ablage, oder die Monatskarte auf dem Tisch. Scheinbar muss das so. Im Fall der Monatskarte gehe ich zurück (sonst kostet mich das 1,500Yen!), alles andere nehme ich hin.

Wenn ich etwas auf der Ablage über den Sitzen in der Bahn ablege, werde ich es mit Sicherheit vergessen. Das hält mich natürlich nicht davon ab, mir fest vorzunehmen, dass ich es diesmal ganz sicher nicht liegenlassen werde. Um dann wieder zum Bahnhofspersonal zu rennen, weil mein Gepäck ohne mich weitergefahren ist.

Auf der Rückfahrt schlafe ich sowieso generell ein, auch wenn ich mir fest vorgenommen habe ein Buch zu lesen. Natürlich mit der Illusion, dass ich danach total ausgeruht sein werde. Obwohl ich weiß, dass das nicht funktioniert. Dafür erwache ich, bin total zerknüllt und habe auf gar nichts mehr Lust.

Den Inhalt des Kühlschranks kann ich mir nicht merken, weswegen ich kein Hühnchen kaufe (muss ja noch da sein), sondern Caesar Salad-Dressing (ist sicher alle). Woraufhin es zum Abendessen kein Hühnchen gibt, aber zwei Flaschen mit Salat-Dressing im Kühlschrank. Entgegen jeglicher Klischees weiß mein Mann dafür ganz genau, was noch da ist, und kann sich nicht vorstellen, dass ich es mir nicht merken kann.

Ach, mein Leben ist so hart… 😉

* Ich glaube nicht an “das Schicksal”. Aber es klingt besser als “meine eigene Dummheit bringt mich dazu, …”.