Was ist eigentlich ein Conbini?

Alle die schon mal in Japan waren oder dort leben, mal kurz weghören, es folgt eine Erklärung für alle, die mit Japan nicht so viel am Hut haben, aber meinen Blog lesen. 😉

Während in Deutschland nach den Ladenöffnungszeiten oder am Sonntag höchstens noch Tankstellen oder Spätis offen haben, gibt es in Japan (und vielen anderen Ländern) Conbinis (jap. コンビニ). Das Wort leitet sich vom englischen “Convenience Store” ab und bezeichnet einen Laden, der verschiedenste Dinge, die man auf die Schnelle mal brauchen könnte, verkauft, aber jeweils nur eine kleine Auswahl anbietet. Conbini impliziert in Japan auch, dass der Laden 24 Stunden am Tag geöffnet ist.

Ein 7Eleven in der Nähe.

Ein 7Eleven in der Nähe.

Er ist also gewissermaßen der Retter in der Not.

Wenn ich Geld abheben oder überweisen möchte, kann ich das im Conbini machen*. Wenn ich spät abends dringend noch Chips oder Alkohol brauche, gibt es die im Conbini. Der Conbini ist mir auch behilflich, wenn meine Strumpfhose oder mein Make-Up nachts um vier aufgegeben hat**. Wenn die Inspiration mich gepackt hat, ich aber weder Papier und Stift zur Hand habe, kann ich beides im Conbini kaufen. Oder einfach, wenn ich Zeit totschlagen muss bis zur nächsten Bahn – dann kann ich dort Zeitschriften lesen***.

Einige Rechnungen kann ich auch direkt im Conbini bezahlen, Tickets für’s Disney Land oder Konzerte kann man auch erwerben. Ein kleines Allround-Talent.

* Das hängt natürlich von der Bank, bei der man ist, ab.

** Herzlich willkommen bei “Situationen in die ich nie komme”.

*** Im Laden Zeitschriften zu lesen findet keiner schlimm. In größeren Läden liegen auch Leseexemplare aus, damit zumindest nur ein Magazin zerfleddert wird.

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Mozzarella-Tomaten-Spaghetti und Käsekuchen!

Am meisten nutze ich aber etwas ganz anderes: Bento! Natürlich nicht so süß wie im verlinkten Beitrag, aber in der Mikrowelle aufwärmbar und nicht komplett ungenießbar. Auf Wunsch wird es einem auch direkt im Conbini aufgewärmt und man bekommt Besteck, aber die meisten Läden haben keine Ecke, in der man dann letztendlich essen könnte.

Wenn mein Mann und ich nicht zusammen essen kaufe ich mir meist einfach etwas im Conbini, missachte, dass das nicht ganz so gesund ist und schlinge es in mich hinein, sobald ich zuhause angekommen bin.

Alles in allem: Conbinis sind super, ihr in Deutschland solltet sie euch mal anschaffen.

Ein Jahr später.

Vor etwas über einem Jahr ist mein Schwiegeropa gestorben. Über die Beerdigung schrieb ich damals schon.

Am Samstag war die 一回忌 (Ichikaiki, wird wohl auch 一周忌 (Isshûki) genannt) für ihn. Übersetzt heißt beides einfach “erster Todestag”, aber natürlich war es nicht nur das. Wir fuhren hinaus in den (buddhistischen*) Tempel, von dem wir schon den geistlichen Teil der Bestattung übernehmen lassen hatten. Bei unserer Ankunft regnete es ziemlich stark und der ganze Tempel war unglaublich kalt.

* Bei Japanern kann man einer einfachen Faustregel folgen: Alles was mit Leben (heiraten, Kinder segnen lassen, etc.) zu tun hat, wird in einem shintoistischen Schrein abgehalten, wenn jemand stirbt kümmert sich ein buddhistischer Tempel um alles.

Kurz nach unserer Ankunft wurden wir in den Hauptraum des Tempels geführt, wo ein Mönch Kontakt mit dem Totenreich aufnahm und wir für den Großvater beteten. Das war an sich recht unspektakulär, zumal der Ablauf des Betens (vor der Verwandtschaft verbeugen, vor dem Mönch verbeugen, hinsetzen und einmal die Hände zusammen und beten, dann drei Mal Asche mit den Fingern in Richtung Kopf führen und wieder ablegen, noch mal beten, aufstehen und vorm Mönch verbeugen, vor der Verwandtschaft verbeugen, setzen) genau wie bei der Beerdigung war.

Gekommen waren nur Onkel und Tante meines Mannes, meine Schwiegereltern, mein Mann und ich. Ich hätte gar nicht mitfahren müssen, aber warum nicht?

Nachdem wir uns wieder aufgewärmt hatten ging es weiter zum Familiengrab, das etwas vom Tempel entfernt liegt. Beim Tempel hatten wir zwei 卒塔婆 (Sotôba) bekommen. Das sind lange Holzbretter (wirklich mannshoch), auf dem der Name des Verstorbenen, der Name dessen, der das Sotôba bekommen hat (in unserem Fall der Name meines Schwiegervaters und seines großen Bruders) und das Jahr, in dem das Sotôba “ausgegeben” wurde, vermerkt ist. Die beiden entsprechenden Sotôba vom letzten Jahr wurden gegen die neuen gewechselt, während natürlich die der Leute, dir nur bei der Beerdigung anwesend waren, am Platz verblieben. Neue Blumen bekam er auch ans Grab gestellt, und letztendlich nahmen wir alle nacheinander Räucherstäbchen, beteten und legten sie an einem dafür vorgesehenen Platz ab.

Der ganze Ablauf nahm nicht einmal eine Stunde in Anspruch, auch wenn es sich viel länger anfühlte.

Übernächstes Jahr wird die ganze Zeremonie nochmal anstehen, aber meine Schwiegereltern haben sich wohl dafür entschlossen, dass es dann auch gut ist.

Grün, grün, grün sind alle meine Bahnabteile.

Im Mittelteil vieler Bahnen im Fern- und einiger im Nahverkehr gibt es Abteile, die auch bei voller Auslastung aller anderen Abteile noch Platz bieten. Wenn man sich dort aber einfach hinsetzt, wird man spätestens zur nächsten Station von einer netten Dame angesprochen und gebeten, entweder Geld zu zahlen oder sich ins gut gefüllte Abteil zu bewegen. Klarer Fall von グリーン車 (Green-Sha).

von ISHIDA at ja.wikipedia (Link), Green-Sha einer Bahn auf der 東海道線 (Tôkaidô-Linie)

Green-Shas sind die erste Klasse der japanischen Bahnen, mit mehr Beinfreiheit, weniger Lärm und jemandem, der einem gegen Bezahlung Getränke vorbeibringt. Eine Sitzplatzgarantie hat man nicht, aber dazu später mehr.

Wenn man total fertig ist und keine Energie hat den gesamten Weg zu stehen, kann man für 750Yen (bis 50km Fahrstrecke bei JR Kantô) und mehr ein Green-Sha-Ticket erwerben. Die lädt man einfach am Bahnhof auf seine normale Fahrkarte (Suica) oder erwirbt sie mit Aufpreis im Abteil.

Es gibt natürlich nicht in jedem Zug ein Green-Sha, auf der bekannten Yamanote-Linie sucht man vergeblich (da gibt es dafür Sitze die Werktags vor zehn Uhr nicht heruntergeklappt werden.).

Mein Mann und ich machen das ganz selten mal, letztes Mal, als wir unsere neuen Smartphones kauften und am Freitag kurz vor Mitternacht von Tokyo aus nach Hause fuhren. Leider war auch das Green-Sha komplett voll, aber mit Ticket (und nur dann) darf man auch im Green-Sha im Gang stehen. Supidupi, 750Yen um dann doch zu stehen. Alternativ hätten wir uns den Betrag auch zurückerstatten lassen und ins reguläre Abteil gehen können, aber zu dem Zeitpunkt wollten wir uns schon nicht mehr bewegen. Stehen wir immerhin nicht in einer Sardinenbüchse.

Süßes Essen.

Als wir vor einigen Wochen im Zoo waren, hatten wir die Eltern der Kinder gebeten Essen für die Kinder vorzubereiten, weil wir im Zoo essen wollten. Dass wir die Eltern um so etwas bitten ist sehr selten, und sie haben sich gegenseitig übertroffen mit süßen 弁当 (Bentô).

Bentô sind allgemein Speisen in Kisten, meist zum Mitnehmen. Im Conbini (24-Stunden-Laden) bekommt man sie in Plastikboxen, wenn man etwas mehr Geld bezahlt, bekommt man sogar Styroporboxen in Holzoptik 😉 Drinnen sind meist verschiedene Speisen, in Abteilen voneinander abgetrennt. Bentô bezeichnet nur diese Kisten mit Essen, wobei das so gut wie alles sein kann. Mein Traum: Hefekloß-Hähnchen-Rotkraut-Bentô. 😉

Weil Japan aber das Land des “Wir machen alles niedlich, ob du willst oder nicht!” ist, werden die Bentôs von Kindern gern in putzige Formen gebracht. Der Knaller beim diesmaligen Ausflug war eindeutig das Bienen-Bentô eines Mädchens aus meiner Klasse. Das Gelbe ist Ei, die Streifen getrockneter Seetang.

 

Viele hatten auch einfach Gesichter auf ihren Onigiri-Reisbällen, die kann man ganz einfach aus getrocknetem Seetang ausstechen. Manche Kinder waren selbst ganz fasziniert, eins meiner Mädels kam gar nicht darüber hinweg, dass ihr Essen in Form von Anpanman in ihrer Brotbüchse lag.

Wenn mein Mann und ich mal kleine Monster haben, werde ich ihnen sicher mal ein Spezial-Bentô machen, aber eigentlich bin ich für soetwas etwas zu faul, zumal ich handwerklich nicht sonderlich begabt bin. 😀

Aber da Kinder noch nicht geplant sind (‘Tschuldigung Papa! 😉 ) werde ich mich derzeit nur an den Bentôs der Kinder erfreuen. Das Auge isst eben doch mit.