105 Yen.

Einige Dinge sind in Japan doch besser als in Deutschland. 100-Yen-Läden zum Beispiel sind besser als 1€-Läden. Während 1€-Läden meist sehr ramschig sind und nichts verkaufen, was man brauchen könnte, gibt es in Japan Daiso.

Daiso hat alles. Geschirr, Reinigungsmittel, Kosmetik, Schreibwaren, Unterwäsche, Essen, Gartengeräte und einiges mehr. Die Qualität ist natürlich dem Preis entsprechend, falsche Wimpern würde ich mir dort nicht kaufen, aber für den normalen Bedarf und Kleinkrams ist es absolut zu gebrauchen.

Auch wenn Daiso sich selbst 100-Yen-Shop nennt, kosten alle Artikel* 105 Yen. Bei den fünf Yen handelt es sich um die Mehrwertsteuer von 5%, soll aber demnächst angehoben werden. Diese 5% sind auch ein Grund, warum sich Duty Free Shopping in Japan nicht lohnt.

In Japan ist nicht alles direkt und groß mit der Mehrwertsteuer ausgezeichnet. Es gibt einige Restaurantmenüs, auf denen der Preis ohne Steuern (税別, zeibetsu) groß angepriesen wird, während der Preis mit Steuern (税込, zeikomi) sich ganz klein irgendwo versteckt. Das ist manchmal für eine böse Überraschung gut.

Die 5 Yen bei Daiso tun aber sicher niemandem weh. 😉

* Außer denen, die anders gekennzeichnet sind.

Mit den ersten für japanische Verhältnisse wirklich kalten Tagen kam natürlich auch mein Erzfeind wieder aus seinem Versteck: Die Erkältung. Anfangs nur mit Halsschmerzen, dann mit Schnüffelnase, schließlich waren die Ohren auch nicht mehr zu gebrauchen. Eine Erkältung ist nun aber nichts, wofür man zum Arzt müsste. Übers Wochenende zuhause bleiben, rezeptfreie Medizin nehmen, viel trinken, und alles sollte wieder gut sein.

Der Mann sieht das natürlich anders. Man kann ja nie wissen, ob ich nicht doch lebensgefährlich erkrankt bin.

Er: Geh zum Arzt!

Ich: Für eine Erkältung? Das ist doch totale Zeitverschwendung.

Er: Als hättest du sonst etwas zu tun.

Ich: Ich müsste mich umziehen.

Er: Geh zum Arzt, oder ich nehme nächste Woche jemanden anders mit nach Kanazawa!

Das wäre quasi nicht auszuhalten, al so begab ich mich zum Arzt. Am Samstag Morgen. Zum Glück war es nicht halb so voll wie erwartet und nach zwanzig Minuten war ich mit neuer Medizin in den Armen schon wieder draußen. 1200Yen habe ich für die Medizin bezahlt, auf dem Rückweg wurden noch Donuts gekauft und das Wochenende fand im Schlafanzug statt.

Eine Kollegin wünschte mir auf Facebook alles Gute und überlegte, ob ich nicht vielleicht die Kinder angesteckt haben könnte – ich hoffe doch!

Schreiben.

(Der Inhalt dieses Eintrags ist den meisten Lesern dieses Blogs sicher nicht neu, aber.)

Japanisch ist ziemlich leicht und gleichzeitig ziemlich schwierig zu lernen. Sprechen ist nicht zu schwer, lesen und schreiben dafür sehr.

Das fängt damit an, dass es zwei Silbenalphabete gibt. Das Silbenalphabet nennt sich 五十音 (Gojûon), 50 Töne. In Wirklichkeit sind 49 Silbenzeichen in täglichem Gebrauch. Nun haben wir aber zwei davon, eins hauptsächlich für japanische Worte (Hiragana) und eines hauptsächlich für Worte, die aus dem Ausland gekommen sind (Katakana). Das macht 98 Silben, die gelesen und geschrieben werden wollen. Hört sich erst mal viel an, ist aber mit viel Übung zu machen.

Auf der linken Seite sieht man die Silbe “Shi” einmal in Hiragana, schön, ein Haken; einmal in Katakana, oh, drei Striche, und dann in Kanji, das sieht aus wie – WAS? Kanji, meine Feinde! Es gibt leider pro Silbe nicht nur ein Kanji, sondern geschätzte 5 800. Also, so fühlt es sich an. Es gibt Worte, die an sich von der Lesung her gleich sind, und nur durch die Kanji voneinander zu unterscheiden sind. Beispiel: 防止 und 帽子, beides Bôshi gelesen, heißt einmal “Vorsorge” und einmal “Mütze”. Für so etwas sind Kanji nützlich.

Weil sie ihr ganzes diabolisches Potential aber noch nicht entfaltet haben, haben Kanji in sich auch verschiedene Lesungen. Nehmen wir einfach止, was oben im Wort für Vorsorge vorkam. Im Verb “(etwas) anhalten”, 止める (tomeru), wird es “to” gelesen. Im Verb “aufhören”, 止む (yamu), wird es “ya” gelesen. In Verbindung mit anderen Kanji, wie z.B. bei “Vorsorge” oder auch “Verbot”, 禁止 (kinshi), wird es “shi” gelesen. Dabei ist es noch keines der gemeinen Kanji, die wirklich viele Lesungen haben. Die Lesung in Verbindung mit anderen Kanji ist meist die sino-japanische On-Lesung, die in Verbindung mit Silben die urjapanische Kun-Lesung.

Warum ist es aber nun wichtig, die blöden Teile trotzdem zu lernen?

In japanischen Texten gibt es keine Leerzeichen. Derzeit lese ich ein Buch aus der Mumin-Reihe, das, um es für jüngere Leser lesbar zu machen, auf viele Kanji verzichtet. Ich erkenne aber nicht alle Worte auf Anhieb, weswegen es mir manchmal schwer fällt, die Worte auseinander zu halten. Man kann für gewöhnlich davon ausgehen, dass ein neues Wort beginnt, wenn nach einer Anordnung von Silben ein Kanji kommt. Es ist für die Leserlichkeit ein großer Unterschied, ob man 昨日の夜に私が豆腐を食べました。 oder きのうのよるにわたしがとうふをたべました。(Gestern Abend habe ich Tofu gegessen.) schreibt.

Wie oben erwähnt gibt es auch einfach viele Worte, die gleich klingen, und nur durch die Kanji auseinanderzuhalten sind. Außerdem erschließen sich einem Worte auch durch Kanji. Ein ganz einfaches Beispiel, 防水 (bôsui). Das erste Kanji (防; bô) kommt auch in 防ぐ (fusegu) zur Verwendung. 防ぐ heißt “abwehren”. Das zweite Kanji (水; in dem Fall sui), wird alleinstehend mizu gelesen und heißt einfach “Wasser”. Wenn ich das weiß, weiß ich auch, das 防水 (bôsui) “wasserabweisend” heißt. Wenn man einige Kanji kennt versteht man auch Worte, die man noch nie gelesen hat.

Aber warum sind die Silben überhaupt wichtig? Ich will ja nur sprechen können!

Eine Mitarbeiterin von mir lebt seit drei Jahren in Japan und hat sich bisher noch nicht die Mühe gemacht die Silben zu lernen. Wenn auf den Sachen der Kinder die Namen auf Japanisch geschrieben sind (in Silben), kann sie das nicht lesen. Wenn etwas nicht mit lateinischen Buchstaben geschrieben ist, kann sie es nicht lesen, auch wenn es wirklich wichtig ist. Außerdem erschließen sich ihr viele grammatikalische Dinge nicht, wodurch sich Fehler einschleichen und sie teils unverständlich machen. Nur nach Gehör eine Sprache zu lernen ist sicher toll, wenn man es denn wirklich kann, aber Menschen sprechen leider oft nicht deutlich, wodurch man Worte leicht falsch aufnimmt. So wird bei meiner Mitarbeiterin 強い (tsuyoi, stark) zu ちよい (chiyoi), und wenn keiner sie darauf hinweist, bleibt es das für die nächsten drei Jahre, weil sie es nirgends anders lesen kann.

Meine Mitarbeiterin kann dafür, dass sie kein Japanisch lesen kann, toll Japanisch sprechen, keine Frage. Allerdings ist es an sich keine Unmenge an Energie, die man ins Silbenlernen stecken muss und ein Ende ist absehbar – anders als bei Kanji. Ich tröste mich damit, dass auch nicht alle Japaner die fast 2000 Kanji die in Zeitschriften vorkommen lesen können…

Böse Claudia!

Wenn die Kinder nicht wollen wie sie sollen haben wir verschiedene Dinge, die wir ihnen androhen. Das fängt harmlos an mit “Wenn du dich nicht benehmen kannst musst du dich auf den Stuhl setzen.”

“Der Stuhl”, das ist ein kleiner gelber Winnie Pooh-Stuhl, der einzige seiner Art bei uns. Er steht am Rande des Spielbereichs, und wer sich darauf setzen muss darf kurzzeitig nicht mitspielen. Schrecklich! Leider ist “der Stuhl” manchmal nicht ausreichend, und wenn die Kinder sich auf Stühlen sitzend schon nicht ordentlich verhalten können, haben wir noch eine höhere Stufe: Den Babystuhl. Nichts ist für Dreijährige schlimmer als mit einem Baby verglichen zu werden.

Aus einer anderen Kategorie: “Wenn du dich jetzt nicht hinlegst und die Augen zumachst gibt’s keinen Snack.” Das scheint noch schlimmer zu sein, als wie ein Baby behandelt zu werden. Zumindest hinterlässt offenbar es Eindruck.

Bei uns bekommt jeder das gleiche Mittagessen. Manchmal sind da natürlich Sachen dabei, die manche Kinder nicht mögen. Einige beißen sich trotzdem durch*, andere überlegen sich, wie sie da rauskommen. Ein Junge aus meiner letzten Klasse (jetzt also bei einer anderen Lehrerin), tut seit einigen Tagen so, als wäre er schrecklich krank, sobald das Essen auf den Tisch kommt. Stehen wir gar nicht drauf, also wurde ihm gesagt, dass er, wenn er nicht ordentlich essen will, gern in meiner Klasse mit den kleinen Kindern essen kann. Kleine Tränchen bildeten sich in den Augenwinkeln des Jungen als ich dann ins Klassenzimmer kam um ihn “abzuholen”. Nach einer kleinen “So zu tun als wäre man krank ist doof”-Standpauke kam ich wieder zurück in meinen Klassenraum, wo mich folgender Chor empfang:

Claudia bekommt keinen Snack! Claudia bekommt keinen Snack!

Oha! Bekomme ich schon Ärger von kleinen Kindern. 😉 Im Moment sind einige eh in einer Phase, in der sie jedem erzählen, wie er sich zu verhalten hat, aber gegen mich?! Meuterei in der Nursery!

* Unter anderem ich. Ich trinke sogar die blöde Nattô-Suppe. Und esse den Fisch. Ich bin eine Kämpferin! Quatsch, ich glaube einfach, dass ich, wenn ich von den Kindern etwas verlange, das zumindest selbst einhalten sollte.