Filmzeit: Traubentränen.

Jedes Jahr werden über 500 japanische Filme veröffentlicht. Leider sind auch in Japan die erfolgreichsten Filme nicht originelle Werke, sondern Filmversionen von Anime und Serien. Unter den 20 erfolgreichsten Filmen des letzten Jahres ist nur einer, der auf einem Buch basiert (ビリギャル Birigyaru). Der erfolgreichste Film mit einem eigenständigen Drehbuch war 龍三と七人の子分たち (Ryûzô to Shichinin no Kobuntachi; Ryuzo und die sieben Handlanger) auf Platz 24! 🙁 (Quelle)

Wir haben uns letztens einen Film ohne Vorlage von 2014 angesehen. 🙂

©「ぶどうのなみだ」製作委員会

©「ぶどうのなみだ」製作委員会

ぶどうのなみだ Budô no Namida (2014) (Trailer)

Regisseur: Mishima Yukiko

Darsteller: Ôizumi Yô, Sometani Shôta, Andô Yûko

Zwei Brüder, Ao (Ôizumi Yô) und Roku (Sometani Shôta), bauen auf von ihrem Vater geerbten Land Weintrauben und Weizen an. Ao will Pinot Noir herstellen, doch es gelingt ihm nicht so richtig. Eines Tages fährt Campingwagen auf das benachbarte Stück Land, und die Fahrerin Erica (Andô Yûko) beginnt ein Loch zu buddeln.

Persönliche Meinung: Wie schon bei しあわせのパン (Shiawase no Pan) schafft es die Regisseurin 北海道 (Hokkaidô) wie das gelobte Land aussehen zu lassen. 😉 Der Film ist perfekt für einen ruhigen Abend, an dem man sich einfach schöne Bilder ansehen und entspannen will. Das heißt aber auch, dass es nicht unglaublich viel Handlung gibt, was in vielen Kritiken bemängelt wird. Die Charaktere sind leider auch nicht sehr lebensnah und wirken manchmal wie nach einer Anleitung für drollige Figuren gebastelt. 🙁 Die gab es bei Shiawase no Pan zwar auch, aber nicht in dieser Fülle.

Insgesamt kein schlechter Film, aber auch keiner, an den ich mich in ein paar Jahren noch erinnern werde.

(Die Filme im neuen Filmzeit-Titelbild sind übrigens: 舟を編む (Fune wo amu), しあわせのパン (Shiawase no Pan), 柘榴坂の仇討 (Zakurozaka no Adauchi) und ステキな金縛り (Suteki na Kanashibari).)

Warum ich einen Alias habe.

alias

Ich habe einen 通称 (Tsûshô; Alias). Das ist nicht komplett exotisch. Viele japanische Berühmtheiten arbeiten nicht unter ihren echten Namen, sondern unter einem 芸名 (Geimei; Künstlernamen). Oder verheiratete Frauen lassen sich ihren Mädchennamen als Alias eintragen um weiterhin z.B. auf Arbeit verwenden zu dürfen. Verheiratete Paare müssen sich in Japan noch immer für einen gemeinsamen Nachnamen entscheiden, so wird das umgangen.

Warum habe ich, nichtberühmte Deutsche, deren Mädchennamen hier eh keiner aussprechen kann, einen Alias? Weil ich in Japan nicht einfach so die Kanji des Nachnamens meines Mannes verwenden darf, da diese nicht zu meinem legalen Namen gehören. Mein legaler Name in Japan ist derselbe wie auf meinem deutschen Pass, und den durfte ich nicht mit Kanji unterschreiben. Um meinen legalen Namen in Kanji zu ändern müsste ich erst Japaner werden.

Nun ist unser Familienname aber recht einfach zu schreiben, und ich bin verdammt noch einmal in Japan mit einem Japaner verheiratet, da will ich auch mit unseren zwei Kanji unterschreiben können. Um das machen zu könen, habe ich mir einen Alias registriert: Mein Alias ist mein eigener Name, in Kanji und Katakana. Das ging recht einfach, ich musste nur zeigen, dass mein Mann wirklich so geschrieben wird* und ein Formular ausfüllen. Wenn man nicht verheiratet ist muss man Dokumente mitbringen, die zeigen, dass man diesen Namen in der Öffentlichkeit benutzt. Natürlich kann man auch mit Kanji unterschreiben, obwohl man es nicht registriert hat, im Zweifelsfall ist das dann aber nicht rechtskräftig. Das wollte ich nicht riskieren.

* Wir haben leichte Kanji mit einer Lesung, für die normalerweise andere Kanji verwendet werden.

Unter Verwendung des Aliases ist unser Familienregister und meine Krankenkassenkarte in Kanji. Obwohl das mit dem Familienregister vielleicht auch ein Fehler von Seiten der Behörden ist – aber keiner der mich stört. 😉 Da die Krankenkassenkarte als Identitätsnachweis gilt, sind meine Konten und Verträge auch alle mit dem japanischen Namen.

Einige Dokumente kriegt man leider nicht in seinen Alias umgeändert. Auf der 在留カード (Zairyû Kâdo; Residence Card) steht dasselbe wie im Pass, was für deutsche verheiratete Frauen eh oft mit Problemen verbunden ist. 🙁 Für den japanischen Führerschein gibt es scheinbar die Möglichkeit beides draufdrucken zu lassen. Auf meiner マイナンバー (My Number, Sozialversicherungsnummer) steht mein Name in lateinischen Buchstaben und auf Japanisch.

Naja, jetzt wisst ihr von meiner Geheimidentität. Weniger spannend als erwartet, oder? 😉

Verwendet ihr in verschiedenen Situationen verschiedene Namen? Also abseits vom Internet?

(Titelbild © Universal Pictures)

Japanische Zahlen sind gemein.

2

Auf Japanisch zu zählen ist eigentlich super einfach. Anders als im Deutschen gibt es keine einzelnen Wörter für Zehnereinheiten und die Zahlen werden auch nicht falschherum benannt. Es jemanden beizubringen ist also auch recht schmerzlos. Probieren wir es einmal 😀

zahlen

Zahlen von zehn bis 99 bildet man wie in den folgenden Beispielen: 14 = 10+4 (Juu-yon), 25 = 2×10+5 (Ni-juu-go), 67 = 6×10+7 (Roku-juu-nana). Wenn man das einmal drin hat ist es wirklich einfach. 🙂

Der Zähler für Hunderter ist 百 (hyaku), der für Tausender 千 (sen), und das System gleich: 2743 = 2×1000+7×100+4×10+3 (ni-sen-nana-hyaku-yon-juu-san), 9826 = 9×1000+8×100+2×10+6 (Kyuu-sen-happyaku*-ni-juu-roku)

* 100, 300, 600 und 800 lassen sich in der “logischen” (aber falschen) Lesung schlecht aussprechen und werden deswegen respektive ippyaku, sanbyaku, roppyaku und happyaku gesprochen.

Und dann wird es kompliziert. Während im Deutschen nämlich bis 100,000 derselbe Zähler (Tausend) verwendet wird, sind im Japanischen 10,000 1万 (ichi-man). Demzufolge sind 32,325 = 3×10000+2×1000+3×100+2×10+5 (san-man-ni-sen-sanbyaku-ni-juu-go). “Man” wird für bis zu siebenstellige Beträge (eintausend x zehntausend, sen-man) verwendet, also bis 99,999,999 (kyuu-sen-kyuu-hyaku-kyuu-juu-kyuu-man-kyuu-sen-kyuu-hyaku-kyuu-juu-kyuu). Ab 100,000,000 ist dann 億 (oku) der neue Zähler, ab einer Trillion 兆 (chô).

Mein Kopf kann nicht so richtig mit Man, vor allem, wenn es in die höheren Beträge geht. Ich muss dann oft Nullerstellen nachzählen um zu begreifen, ob eine Zahl nun noch in den Tausendern oder schon über eine Millon ist, auch weil wir auf Arbeit oft zeitgleich mit den japanischen und englischen Begriffen hantieren.

Was ich ganz am Anfang beim Einkaufen auch nie so ganz gerafft habe waren übrigens solche Schilder:

wari

Alle Produkte im Laden 7-Dings reduziert?! Sieben Prozent Rabatt sind aber nicht so dicke…

Tatsächlich ist das Dings, 割 (wari), 10%. In dem Laden ist also also um 70% heruntergesetzt. 🙂 Wenn es um 10%-Schritte geht, nimmt man das Wörtchen gern. Ansonsten verwendet man in Japan auch Percentage (パーセンテージ Pâsentêji), gern zu パー (pâ) abgekürzt.

Andere praktische Worte fürs Sale-Shoppen:

半額 (hangaku) – halber Preis
割引 (waribiki) – Rabatt
100円引き (Hyaku-en-biki) – 100-Yen-Rabatt
税込 (zeikomi) – inklusive MwSt.
税抜 (zeinuki) – ohne MwSt. (die MwSt. ist derzeit 8%)

Aber immerhin zählen wir hier nicht wie die Franzosen… 😉

Sprachkuddelmuddel.

spracheWas immer ganz viele Leute interessiert ist, welche Sprache mein Mann und ich denn zuhause sprächen. Manche internationale Paare würden ja ihre ganz eigene Sprache erfinden, eine Mischung der Herkunftssprachen, eventuell noch mit einer Drittsprache.

Wir sprechen Japanisch. Von Anfang an, und seitdem. Wir können beide auch Englisch sprechen, und wenn mein Mann in der Öffentlichkeit einen Lästeranfall bekommt machen wir das auch, aber ansonsten ist das lupenreines Japanisch.* Das hat mir zwar beim Japanischlernen unglaublich geholfen, aber inzwischen fände ich es schon ganz nett, würde mein Mann auch Deutsch sprechen.

* Mit japanischen Anglizismen. 😉

Wo es tatsächlich ein Sprachkuddelmuddel gibt ist mit Freunden und auf der Arbeit. In meiner Abteilung sprechen alle Englisch und Japanisch. Entweder beides sehr gut, oder eines viel besser als das andere. Einige Worte kommen bei uns in englischen Sätzen leichter auf Japanisch raus, und manchmal haben wir englische Worte in unserem Japanisch. Das ist bei zweisprachigen Freunden nicht anders.

それの10 percentでもいい (Mir reichen auch 10 Prozent davon)

Did we get the 見積書 for this? (Haben wir den Kostenvoranschlag für das schon bekommen?)

Manche Worte sind auf Japanisch auch super kurz, während man im Englischen oder Deutschen einen längeren Begriff bräuchte.

daibiki

代休 (Daikyû) nennt sich auf Deutsch z.B. “Freizeitausgleich”, was ich noch nie jemanden sagen gehört habe. Normalerweise würde man wahrscheinlich einen ganzen Satz formen, á la “Ich habe am Sonntag gearbeitet, deswegen habe ich morgen frei”.

チャラい (charai) ist jemand, der grell und auffällig ist, ohne wirklich Klasse zu haben. 懐かしい (natsukashî) ist, wenn etwas einen positiv an die Vergangenheit erinnert, also Nostalgie hervorruft – aber nicht erst nach zehn Jahren, sondern gern auch nach zwei Wochen.

Auch behördliche und medizinische Sachen laufen in Japan natürlich auf Japanisch ab, weswegen die zugehörigen Worte für uns präsenter sind: 区役所 (Kuyakusho; Bezirksverwaltungsamt), 年金手帳 (Nenkintechô; Rentenheftchen), 戸籍謄本 (Kosekitôhon; Abschrift des Familienregisters), 血液検査 (Ketsuekikensa; Bluttest) usw.

Wenn alle zwei Sprachen sprechen ist es oft einfacher zumindest etwas zu mischen. 🙂 Nur mit meinem Mann passiert das nicht. 😉

Wie läuft das bei euch? Vermischt ihr Sprachen? 🙂

In den Sprechblasen:
バイト (Baito) – Jobben, meist Teilzeit, immer ohne Festanstellung
派遣社員 (Hakenshain) – Zeitarbeiter
代引き (Daibiki) – Kurzform von 代金引換 (Daikin-Hikikae), Bezahlung per Nachnahme

Sprechblasen: Vintage vector designed by Freepik