Zu Totoro und Co: ジブリの大博覧会

Am Dienstag hatten mein Mann und ich uns freigenommen. Schließlich war der Montag Tag des Meeres (海の日) und wir hatten somit ein vier Tage langes Wochenende!

Den freien Tag nutzten wir, um zur derzeitigen Ausstellung im Roppongi Hills zu gehen. Seit Anfang Juli werden dort Sachen des Animationsstudios Ghibli ausgestellt, das ganze nennt sich Die große Ghibli-Ausstellung (ジブリの大博覧会).

Wir fuhren mit der Hoffnung, dass es nicht so voll sein würde, nach Roppongi. Dummerweise hatten wir uns absolut verschätzt. 🙁 Die Leute standen in ewig langen Schlangen an, um etwas zu sehen. Ausstellungen sind in Tokyo generell immer etwas mehr wie Schlangestehen, nur dass die Schlange sich durch das gesamte Gelände zieht und man nebenbei etwas Kunst erhaschen kann. Die Gebäude sind meist leider nicht groß genug um alles etwas auseinanderzuziehen.

Es war wirklich zu allen Filmen etwas ausgestellt, ob nun “Wie der Wind sich hebt” oder “Porco Rosso”, dem Lieblingsghiblifilm meines Mannes.

Am meisten gab es aber natürlich für das Zugpferd des Studios: “Mein Nachbar Totoro”. Den Film kennt jedes japanische Kind, obwohl er sogar zwei Monate älter ist als mein Mann.

Also stand in der Ausstellung der Katzenbus, und ein riesiger Totoro. Ist halt wichtig. 😉 Dummerweise standen auch hier so viele Leute an, dass wir direkt aufgaben. So wichtig ist so ein Foto dann doch nicht.

Leider war das Konzept der Ausstellung offenbar nicht auf die Menschenmassen ausgelegt. Es gab super interessante Briefe von und an einen Produzenten und detailierte Erklärungen über seine Arbeit – die man natürlich nicht in Ruhe lesen kann, wenn man durch die Gegend geschoben wird.

Es gab einen großen Raum mit allem möglichen Merchandise, Zeitschriften, in denen die Filme erwähnt wurden, usw. – Dort konnte man sich einigermaßen anständig bewegen, und wir haben viele tolle Sachen sehen können. Der Inhalt der Ausstellung ist phänomenal, es ist einfach nur viel zu voll.

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Zum Schluss gab es einen Raum, in dem ein Schiff hängt, dass aus “Das Schloss im Himmel” stammen könnte – es fliegt nämlich! In den Panelen an den Wänden geht es um Erfinder und die Luftfahrt. Dieser Raum war mal nicht gerammelt voll, und man hat die Stärken der Ausstellung endlich genießen können. Viel Detailverliebtheit und spannende Informationen. 🙂

Ich muss zugeben, dass die Ausstellung uns für den Preis (mit Ermäßigung 2,800¥ (fast 24€) für uns beide) viel zu kurz erschien. Oder auch zu voll. Es gab viel Inhalt, aber um den zu erfassen, waren viel zu viele Leute dort. Es wäre vielleicht ganz schlau, die Anzahl der Besucher zu begrenzen.

Wir werden versuchen an Karten für das richtige Ghibli-Museum in Mitaka zu kommen. Dort sind die Tickets nämlich nach Anzahl und Uhrzeit nur begrenzt verfügbar – außerdem hat es erst diesen Monat wieder neu eröffnet.

Die Ausstellung würde ich jedem empfehlen, der zu einer Uhrzeit ohne viele Besucher dort sein kann und japanisch versteht. Auf Englisch ist diesmal nämlich irgendwie gar nichts.

Welchen Ghiblifilm mögt ihr am liebsten?

Die Ausstellung ist bis zum 11.9.2016 täglich von 10 bis 22 Uhr (letzter Einlass 21:30) geöffnet. Am Dienstag schließt sie bereits um 17 Uhr.

Die Bummelletzten?

Während die ganze Welt Pokémon Go spielt, wartet Japan. Und wartet. Und wartet.

Ich muss zugeben, dass ich zwar den Trailer gesehen hatte, aber es nicht weiter verfolgt hatte. Dann plötzlich las ich, dass das Spiel in Australien und Neuseeland veröffentlicht worden war, dann in Amerika, und inzwischen sogar in Deutschland.

In der Zwischenzeit hat sich in Japan absolut gar nichts getan. Hervorragend, da erfinden die Japaner euch das Spiel, und dann sind wir in Japan lebenden irgendwie erst zum Schluss an der Reihe?! Zwar kann man sich das Spiel herunterladen, wenn man denn Zugang zu einem nicht-japanischen AppStore oder Android hat – nur ist die Karte absolut leer. Keine Pokémon, keine Pokéstops, kein nichts.

Es gibt Theorien, warum das so ist. Ich persönlich glaube, dass es an Japan und der Erwartungshaltung der Konsumenten hier liegt. Hätten wir hier Fälle wie in Amerika, wo Nachtclubs und Privathäuser zu Pokéstops erklärt wurden, fände das wahrscheinlich niemand witzig. Dasselbe gilt für Parks, an denen sich plötzlich Menschenmengen einfinden würden. Japan ist in mancher Hinsicht sehr spießig, und es würden sich sicher normale Besucher und Anwohner beschweren. Also gehe ich davon aus, dass die Karten hier genauer geprüft werden, bevor irgendetwas veröffentlicht wird.

Die ständigen Serverprobleme, mit denen man unter anderem in den USA zu kämpfen hat, wären sicher auch sehr enttäuschend für die japanischen Spieler. Fast 10% aller Menschen in Japan leben in Tokyo, es müssen hier also Häufungen an Serveranfragen erwartet werden. Wir in Japan, vor allem in den Großstädten, sind in Hinsicht aufs mobile Internet absolut verwöhnt – wenn wir nur selten überhaupt ins Spiel kämen, würden wahrscheinlich viele auf Nintendo schimpfen und nicht mehr spielen. Japaner sind anspruchsvoll, auch wenn das Produkt kostenlos ist.

Im Moment wird wohl Ende Juli angepeilt, ab dann soll auch das Pokémon Go Plus-Armband verkauft werden – obwohl man sicher auch das weiter nach hinten schieben könnte. Für alle Spieler in Japan ist das natürlich sehr ärgerlich, aber ich hoffe, dass bei uns dann zumindest das Endprodukt stimmt.

Glumanda, Schiggy, oder Bisasam? 😉

(Letztes Jahr war ich mit einer Freundin im Pokémon-Café!)

Projekt Haus: Mit Siegel.

Vor über zwei Wochen waren wir am Donnerstag Abend bei meinen Schwiegereltern. Natürlich nicht einfach so – wir sollten endlich den Vertrag für den Hausumbau unterschreiben.

In Japan ist scheinbar gesetzlich festgelegt, dass solche Verträge laut vorgelesen werden müssen, um zu garantieren, dass auch wirklich jeder weiß, was drin steht. Eine ziemliche Tortur, wenn ich ehrlich sein darf. So großartig spannend ist das dann doch nicht.

Nachdem alles durchgesprochen war, schrieb mein Mann unsere jetzige Adresse und drückte seinen Hanko, seinen Stempel auf die beiden Vertragskopien. So einfach verschuldet man sich. 😀

Aber es heißt natürlich auch, dass es jetzt endlich los geht. Anfang Oktober werden meine Schwiegereltern temporär ausziehen, der Umbau soll nur drei Monate dauern. Bei solchen Projekten bin ich mir aber nicht ganz so sicher, wie viel sich letztendlich nach hinten verschiebt – selbst im sonst recht pünktlichen Japan.

In den nächsten Wochen und Monaten werden wir viele Dinge aussuchen. Soll es wirklich die Küche sein? Welchen Fußbodenbelag nehmen wir? Welche Türklinken? Auch das klingt für mich weniger nach Spaß und mehr nach Frustration. Solche Aussuch-Sessions rauben mir immer sämtliche Energie, auch wenn mein Mann und ich uns sehr gut einigen können.

Wenn wir dann frühstens zu Neujahr und spätestens im neuen Jahr einziehen können, wird das sicher total toll sein. Endlich ein Schlafzimmer, in das tatsächlich Betten passen! Nicht mehr auf Futons schlafen!* Ein großes, schönes Bad! Mehr Abstellmöglichkeiten! Erst einmal noch ein ganzes Abstellzimmer, das irgendwann mal Kinderzimmer wird!

* Für Leute die sich ob des Plurals wundern.

Drückt uns die Daumen, dass das alles gut klappt. 🙂

Falls ihr irgendwelche Tipps zum Aussuchen habt, immer her damit!

 

Auf den Spuren der Unterhosenautomaten.

pantiesWenn Leute an das lustige, verrückte Japan denken, kommt die Sprache oft recht schnell auf Automaten mit getragenen Unterhosen. Die sind fast so witzig, wie die Annahme, dass Japaner sich am Telefon mit Muschi-Muschi melden würden – in Wirklichkeit ist es natürlich もしもし (moshi-moshi). Dass einem die Realität aber auch immer so einen Strich durch die Rechnung machen muss. Doch zurück zu den Unterhosen.

Dass Leute getragene Unterwäsche kaufen, sollte niemanden schockieren – das geschieht überall auf der Welt, auch in Deutschland. Wo Nachfrage besteht, finden sich Anbieter. 😉 Ich habe schon mehrmals Berichte von Frauen gelesen, die sich so ihr Studium finanziert haben. Persönlich würde ich es wahrscheinlich nicht in Betracht ziehen, aber wer will…

Automaten (自動販売機 Jidôhanbaiki oder kürzer 自販機 Jihanki) bestimmen das Stadtbild vieler japanischer Städte. Zu gefühlt 99% sind sie mit Getränken bestückt, im Winter sogar mit heißen! Andere Automaten haben Snacks, Früchte (Bananen und Äpfel), Eis, etc. auf Lager. Alles Sachen, die unterwegs durchaus nützlich sein können. Benutzte Unterhosen braucht man aber für gewöhnlich nicht dringend zwischendurch. 😉

Das heißt aber natürlich nicht, dass es diese Höschen-Automaten nicht gäbe. Sie stehen nur nicht für jede Person zugänglich mitten in der Stadt, sondern in Sex Shops*. Dort, zwischen Gleitgel und Dildos, gehören solche Automaten wohl auch hin. 😉 Was allerdings noch langweiliger ist, ist die Tatsache, dass die Unterhosen gar nicht wirklich benutzt sind. Auf Japanisch steht das freilich auf den Automaten – スーパーUSED加工 (Super Used Kakô; Super-gebraucht-Behandlung). Das erklärt vielleicht auch, warum ausländische Touristen das irgendwie nicht geschnallt haben, und überall verbreiteten, dass es echte benutzte Unterhosen in Automaten gäbe.

* Es gibt scheinbar doch welche an für Kinder zugänglichen Orten. Sehr fragwürdig, aber darüber sollte ich vielleicht eh noch einmal schreiben.

Ob es nun so viel weniger eigenartig ist, Unterhosen herzustellen, die lediglich benutzt aussehen, ist eine andere Frage. Natürlich gibt es Läden, die wirklich benutzte Unterhosen verkaufen – und unzählige Webseiten. Aber wirklich benutzte Unterhosen in Automaten gibt es scheinbar nicht. Tragisch.

 Was kennt ihr sonst noch für Mythen bezüglich Japans? 😉