Der Sommer geht weiter.

Mein Mann und ich sind seit zwei Jahren, sechs Monaten und einem Tag zusammen! Weil wir schon vorher wussten, dass wir am Montag nichts Besonderes machen können würden, sind wir am Samstag in den Zoo in Ueno gegangen. Seit dem Frühling hat der Zoo wieder Pandabären, Shinshin und Li Li. Soweit ich weiß, hatte man sich lange dagegen gesperrt, die beiden Tiere aufzunehmen, denn sie sind eigentlich nur geliehen: China erhält pro Jahr 41 000 000 Yen, das sind 345 000 Euro.

Nun hat sich Japan aber für die Olympischen Spiele 2020 beworben, und man ist der Meinung, dass es hilft, Pandabären im Zoo zu haben. Auf allem, was mit dem Zoo zu tun hat, prangt jetzt ein Pandabild, und die Tiere sind eine große Attraktion. Angeblich gibt es auch ein 1160m2 großes Gehege für die beiden, als wir da waren, waren sie aber in kleinen Gehegen untergebracht, wahrscheinlich, damit alle Besucher einen Blick auf sie werfen können. Ich hoffe, dass sie bald dauerhaft ins große Gehege dürfen.

Dem Panda auf dem Foto geht es übrigens ähnlich wie mir, auch wenn das Wetter im Moment schon angenehmer ist, als noch letzte Woche. Jetzt weht auch manchmal der Wind, und durch unsere großen Fenster haben wir Durchzug. Außerdem haben wir uns jetzt einen Eisvorrat angeschafft! Für Japaner gilt, wie für auch die Deutschen: Sommer ist Wassermelonen-Zeit! Sommer ist Eis-Zeit! Was liegt also näher als Wassermelonen-Eis? Unglaublich lecker, wirklich billig (das Sechserpack gibt es für 2,50€) und das beste – die Kerne sind aus Schokolade! Leckerlecker! Generell habe ich das Gefühl, dass Wassereis hier viel beliebter ist als in Deutschland, was erstens daran liegen könnte, dass Japaner Laktose nicht so gut verarbeiten können, aber zweitens auch daran, dass Wassereis einen nicht satt und träge macht. Bei meiner Familie gibt es im Frühling viel Milcheis, vor allem von Häagen Dasz, je wärmer es wird, um so öfter wird aber Wassereis gegessen.

Was im Sommer natürlich auch gegen die Hitze hilft, sind Pflanzen. Wir haben einen langen Balkon, da bietet es sich natürlich an, einen kleinen Heimgarten anzulegen. Am Sonntag waren wir im Baumarkt, und haben Basilikum, Apfelminze und Zitronenstrauch gekauft. Wenn wir die Pflanzen am Leben behalten können, überlegen wir, auch Obst und Gemüse auf dem Balkon aufzuziehen. Da Japan südlicher liegt als Deutschland, sind die Zeiten natürlich anders, aber ich denke, wir werden versuchen Ende August Erdbeeren zu pflanzen. Was mir ein bisschen Sorgen macht, ist die starke Sonne. Ich versuche sie mehrmals täglich zu gießen, wenn ich sehe, dass die Erde wirklich trocken ist, und hoffe, dass das reicht.

Der Sommer wird nicht enden, kälter wird es erst im November.

Sommer 2011 – diesmal wird zurückgeschlagen!

Der japanische Sommer ist schrecklich. Wirklich. Nach einem Monat des Dauerregens geht es jetzt richtig los, mit 30°C, knallender Sonne, und Luftfeuchtigkeit oberhalb der 75%-Marke. Da fühlt sich auch der eigentlich rettende Wind an, als würde man die Abwärme einer Klimaanlage abbekommen. Nachts haben wir Probleme zu schlafen, und wachen mehrmals auf, denn es ist einfach zu heiß und die heiße Luft wabert einfach in unserem Schlafzimmer herum, ohne durch das weitgeöffnete Fenster zu entfleuchen.

Wir werden heute versuchen die Matratzen anders anzuordnen, so dass wir die Klimaanlage laufen lassen können ohne uns zu erkälten. Kleine Klimaanlagen zum Mitnehmen haben wir auch: Fächer. Derzeit bekommt man die fast überall als Werbegeschenk hinterhergeworfen (ähnlich wie Taschentücher übrigens), und für ein bisschen Abkühlung bin ich auch gern Werbeträger. Manchmal bringen aber auch Fächer keine Abkühlung mehr, weil einem der Schweiß schon den Rücken herunterrinnt und man sich selbst mit dem Fächer nichts als heiße Luft zufächelt.

Für solche Fälle, in denen einem die Kleidung am Körper kleben bleibt, kann man aber vorsorgen. Vielleicht. Die Rettung heißt “Ice-Non Cool Shirt Mist” (was bitte?), und verspricht, dass sie, einmal auf Oberbekleidung gesprüht, den Tragekomfort steigert. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, aber im Selbstversuch habe ich hauptsächlich den starken Mentholgeruch feststellen können. Ob ich jetzt nur vom Menthol benebelt bin, oder nicht, kann ich nicht genau sagen, aber mein T-Shirt fühlt sich tatsächlich kühler an. Derzeit sitze ich aber natürlich auch in meiner relativ kühlen Wohnung, mal sehen ob ich, sobald ich einen Schritt vor die Tür wage, in Flammen ausbrechen werde. Das Spray dürfte auch hauptsächlich für all die bemitleidenswerten Mitglieder der japanischen Gesellschaft, die Anzug und Hemd tragen müssen, gedacht sein. (Kein Mitleid für meinen Mann, der dürfte kurze Hemden tragen, findet die aber zu hässlich, und erzählte mir erst, das wäre bei ihm in der Firma verboten. Lügner!)

Was in Japan übrigens, im Vergleich zu Deutschland, noch superpraktisch ist, ist die ständige Anwesenheit von Getränkeautomaten. An jeder zweiten Straßenecke und auf jedem Bahnsteig steht ein Automat mit gekühlten Getränken bereit, damit man nicht komplett austrocknet. Im Winter sind die Getränke übrigens warm, denn zwar ist es in Tokyo im Winter nicht annährend so kalt wie in Deutschland und es fällt auch selten Schnee, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit fühlt es sich sehr antarktisch an. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass japanische Wintermäntel eigentlich Herbstjacken sind. Ach ja, der Winter.

Akihabara

Heute war ich in Akihabara.

Ich werde dieses Jahr versuchen den Japanese Language Proficiency Test (JLPT) N1, das ist die höchste Stufe des japanischen Sprachtests, in Angriff nehmen. Dafür habe ich mir sogar schon für viel Geld Bücher gekauft. Dummerweise schaffe ich es aber nie ordentlich zu lernen, wenn ich zuhause bin. Zuhause ist ja sooo viel anderes zu tun.

Was machen Japaner in solch einer Situation? Sie setzen sich in ein Café, halten sich an einem Getränk fest und breiten sich aus. Was macht Claudia? Das gleiche! Ich wollte sowieso nach Akihabara fahren, es ist auch nicht zu weit von meinem Zuhause entfernt (ca. 20 Minuten), aber auch nicht zu nah dran. Ich habe dann übrigens tatsächlich fast zwei Stunden lang gelernt — na ja, mindestens eineinhalb. Dabei ist es übrigens wieder zu etwas gekommen, was ich in Japan sehr schätze: Man kann seine Tasche, mit Handy, Geld und Einkäufen, ohne Probleme unbeaufsichtigt am Platz liegen lassen, wenn man auf Toilette geht, und wenn man wieder zurückkommt ist alles noch da!

In Akihabara ist die Otaku-Kultur-Zentrale Tokyos, wenn nicht sogar Japans. Wenn man durch die Straßen läuft fällt es einem vielleicht noch gar nicht so sehr auf, aber sobald man einen Laden betritt nimmt der Frauenanteil rapide ab – aber nur in der Kundschaft. Dafür lächeln einem Frauen mit monströsen Brüsten von Zeitschriften entgegen, auch sehr nett. Leider darf man in vielen Läden nicht fotografieren, und ich möchte nicht das Image der Ausländer in Japan verschlechtern, weswegen ich mich daran halte, und außerdem möchte ich diesen Blog hier frei von “Ab 18”-Inhalten halten.

Viele Läden verkaufen 2nd-Hand-Spiele, Manga, Figuren, Spielkarten, etc. zu teils sehr günstigen Preisen. Die Spiele für meinen Nintendo DSi kaufe ich meist nicht neu, sondern gebraucht für ein paar Euro weniger. Heute habe ich mir übrigens eins gekauft, dass mir beibringen soll, eine schönere Handschrift zu bekommen…

In die Läden ab 18 gehe ich natürlich dennoch, bin ja schon ein großes Mädchen. Außerdem habe ich eine diebische Freude daran zu sehen, wie junge japanische Männer vor mir weglaufen, weil sie sich dafür schämen, dass ein weibliches Wesen sie in der Erotikecke gesehen hat.

Ich suchte heute übrigens nach einem nerdigen Geschenk für eine Freundin, und hatte mich irgendwann auf ein Laken oder einen Kissenbezug eingeschossen. Doch nicht irgendein Textil, nein, eines mit einem halbnackten (gezeichneten) Mädchen drauf! Ich stelle mir das zwar sehr frustrierend vor, wenn man das Objekt der Begierde nur sehen, aber nicht wirklich, eh, an sich reißen kann. Außer natürlich bei Dakimakuras, lebensgroßen Kissen. Leider können die Bezüge sehr teuer werden, weswegen ich heute nichts Passendes finden konnte.

Was noch zu den Attraktionen Akihabaras zählt: Maid Cafés (es gibt wirklich zu allem Wikipedia-Einträge)! In diesen sind Mädchen als Dienstmädchen verkleidet und bedienen einen. Auf der Straße stehen auch viele Angestellte in dieser Kleidung rum, um Kunden zu akquirieren, denn die meisten Geschäfte liegen eher versteckt. Ich war bisher in drei verschiedenen Cafés und muss nicht so ganz das große Glück gehabt haben, denn es war jeweils recht langweilig. Eins mit komplettem Service wäre schon ganz nett, zumal die Getränke und Speisen schon teuer genug sind. Da würde ich mich auch gern als “Herr und Gebieter” ansprechen lassen, und mein Essen können die mir gern auch lächelnd vorschneiden. Ich würde das ja gern mal machen, aber meinen Mann kriege ich nicht zu so was überredet, dem sind solche Sachen eher peinlich, zumal er sich mit der ganzen Otaku-Kultur auch nicht identifizieren kann.

Die Maids darf man übrigens normalerweise auch nicht fotografieren, deswegen habe ich das pseudo-unauffällig aus dem Hinterhalt gemacht. Ich bräuchte ein Handy, bei dem man nur die Kameralinse neigen kann, damit ich das Handy normal halten kann, während ich (heimlich) Fotos mache. Man kann bei Kameras und Handys, die in Japan verkauft werden, übrigens den Kameraton nicht abstellen, gerüchteweise, weil zu vielen Frauen unter den Rock fotografiert wurde, ohne dass die das merkten. Japan.

Es lohnt sich übrigens in Akihabara nicht nur auf der Hauptstraße entlang zu laufen, sondern sich auch die Parallelstraßen anzusehen. Dort werden einem für Spottpreise Sachen hinterhergeworfen, zum Beispiel habe ich eine Schutzhülle für mein Handy (Samsung Galaxy S) für 100¥ (87cent!) ergattert. Die ist zwar sicher nicht top, aber auch kein Plastikschrott.

Persönlich macht es mir sogar mehr Spaß in Akihabara durch die Läden zu stöbern, selbst wenn ich kaum etwas kaufe, als in den Modebezirken. Um eine weitere Facette Japans zu sehen, sollte man es sich auf jeden Fall mal anschauen, am besten ohne vorgefertigte Meinung, und nicht, wenn man etwas gegen Brüste hat. Es gibt sogar Pudding in Brust-Form. Wirklich.

Hello Work! Oder auch nicht.

Ich suche derzeit nach Arbeit. Im Moment können wir von unseren Ersparnissen ganz gut leben, obwohl wir natürlich Mehrausgaben haben, weil es einfach so viele Dinge gibt, die man sich anschaffen muss, wenn man vom Elternhaus in seine eigene Wohnung zieht, dennoch wäre es schon einfacher, wenn ich arbeiten gehen würde. Von damals, 2008, wusste ich noch von Hello Work (ハローワーク), dem japanischen Arbeitsamt, für Ausländer in Shinjuku.

Also schnell hingefahren, dauert ja nur eine Stunde von meinem Zuhause aus, Nummer und Anmeldeformular bekommen, warten. Mir wurde gesagt, dass ich mich abmelden solle, wenn ich kurz was Essen gehe. Als also nach einer Stunde des Wartens tatsächlich mein Magen anfängt zu knurren, melde ich mich bei Herrn A ab.

Ich: Ich gehe dann mal raus.

Herr A: Melden Sie sich wieder, wenn Sie wiederkommen.

Ich gehe essen, komme wieder, Herr A ist nicht da, sondern nur Frau B.

Ich: Ich habe die Nummer 65, ich war grad draußen, bin jetzt aber wieder da.

Frau B: Da hätten Sie sich abmelden müssen!

Ich: Ich habe mich abgemeldet.

Frau B: Ah, ok.

Ich warte noch länger, lese langweilige Broschüren, surfe im Internet, und versuche irgendwie die Zeit herumzukriegen. Nummer 64 wird aufgerufen. Ich freue mich, warte. Nummer 67 wird aufgerufen. Ich bin empört, schließlich warte ich schon seit zweieinhalb Stunden und gehe nach vorn zum Schalter, wo Frau B mit einer Mitarbeiterin steht. Nummer 66 beschwert sich schon.

Ich: Ich habe die Nummer 65, warum wurde die grade übersprungen?

Frau B (schaut auf ihren Zettel): Sie hätten sich vorhin wieder zurückmelden müssen.

Ich: ?

Frau B: Als Sie vorhin draußen waren, hätten Sie sich wieder zurückmelden müssen.

Ich: Ich habe mich zurückgemeldet! Bei Ihnen habe ich mich zurückgemeldet!

Frau B: Oh, gut, dann sind Sie als nächstes dran.

Als Sie das sagt wetze ich schon innerlich die Messer. Ich warte seit zweieinhalb Stunden, weil hier viele Ausländer sind, die eigentlich gar kein Japanisch sprechen, und nicht aus dem Knick kommen, und dann werde ich einfach übersprungen?

Bei der, sehr freundlichen, Mitarbeiterin, bei der ich dann lande, erfahre ich, dass ich genau so gut zum Hello Work eine Station von meinem Haus aus entfernt hätte fahren können. Das einzig Besondere am Hello Work in Shinjuku ist, dass sie dort Übersetzer haben. Das Jobangebot bleibt gleich. Was eine infernale Zeitverschwendung.