Trockeneis.

Wenn man bei einem großen Supermarkt in meiner Nähe Eis kauft, wird man gefragt, ob man Trockeneis mitnehmen will. Dann bekommt man eine Metallmarke, mit der man sich aus einem Automaten Trockeneis abzapfen kann.

Ich möchte natürlich nicht andeuten, dass ich das Trockeneis eigentlich nicht gebraucht hätte, aber hey, es ist kostenlos! Wer könnte da ablehnen?

Nachdem ich also das Eis nach Hause geschleppt hatte, war nur noch diese Tüte mit dem Trockeneis übrig, und ich erinnerte mich: Irgendwas passiert doch, wenn man da Wasser draufschüttet… Tada, Bühnennebel in meinem Spülbecken!

Strahlung.

Ich dachte mir, ich schreibe mal einen Eintrag darüber, wie sich die Strahlung, die aus dem Atomkraftwerk in Fukushima ausgetreten ist, auf unsere Nahrungswahl auswirkt. Ich selbst habe da, um ehrlich zu sein, wenig Ahnung, aber das gleicht mein Mann mit langen Listen aus.

Diese Liste hängt an unserem Kühlschrank, was man nicht sieht, sind die ganzen Lebensmittel, die wir nicht kaufen (weil mein Mann sie nicht mag). Dafür ist aber die Liste der Präfekturen, aus denen wir nicht kaufen, umso ersichtlicher.

Japan besteht aus 47 Präfekturen, die in verschiedene Landesbereiche sortiert werden. Wir leben in Kanto, in der Präfektur Chiba. Fukushima liegt in Tohoku, der Region nördlich von uns. Viele Lebensmittel, vor allem Gemüse, die wir hier im Supermarkt finden, kommt aus der Region. Die 15 Präfekturen, aus denen wir nichts kaufen wollen, liegen auch zum Großteil in der Umgebung. Was heißt das für mich? Ich kann viele Sachen nicht günstig, in der richtigen Menge, oder überhaupt kaufen, weil es bei uns z.B. Salat nur aus Nagano gibt. Da kann ich in drei verschiedene Supermärkte hetzen, in der Hoffnung, unverseuchten Salat zu finden – absolut erfolglos. Kartoffeln kommen oft aus Shizuoka oder Chiba, in welchem Fall ich mir dann überlegen kann, welche Präfektur ich bevorzuge (Shizuoka). Inzwischen bin ich dazu übergegangen, bevorzugt Sachen aus Präfekturen zu kaufen, deren Namen ich nicht lesen kann, das heißt nämlich meist, dass sie ziemlich weit entfernt sind.

Obst gibt es zum Glück oft auch aus Amerika, Neuseeland oder Thailand, wo dann natürlich auch die Frage ist, unter welchen Umständen es nach Japan geschippert wurde…

Oh, und Fisch gibt es gar nicht bei uns, denn es ist ja bekannt, dass viel radioaktiv verseuchtes Wasser im Meer gelandet ist. Für mich ist das kein großer Verlust, keinen Fisch essen zu können, aber mein Mann jammert manchmal. Milch trinken wir auch kaum, weil sich Strahlung dort wohl besonders gut absetzt, gleiches gilt für Spinat.

Das Wasser für Nudeln und ähnliche, sich mit Wasser vollsaugende, Lebensmittel, nehmen wir aus der Flasche, nicht aus dem Wasserhahn, auch wenn derzeit gesagt wird, dass das Trinkwasser sicher wäre.

Somit langt die Thematik natürlich in den Alltag, auch wenn man kaum Nachrichten liest. Mir persönlich tun die Bauern und Fischer aus der Region leid, die nun auf ihren Lebensmitteln sitzen bleiben, oder sie zu Spottpreisen verscherbeln müssen. Ich selbst kaufe aber, wie vorher beschrieben, auch nichts aus der Region.

Der nette Herr von der NHK.

Gestern Abend klingelte es nach dem Essen plötzlich an unserer Tür. Ein älterer Mann stand vor unserer Tür, und fragte, ob wir fernsehen würden.

Göttergatte: Nein, wir schauen nicht fern, der steht hier nur rum.

Herr NHK: Da müssen Sie trotzdem Empfangsgebühren zahlen.

Göttergatte: Aber wir gucken doch gar nicht.

Herr NHK: Aber Sie haben dort einen Fernseher stehen. Da müssen Sie einen Vertrag mit uns abschließen.

Göttergatte: Wie teuer ist das denn pro Monat?

Herr NHK: 1 345 Yen.

Göttergatte: Das ist ja ziemlich teuer.

Herr NHK: Naja, aber wenn Sie einen Fernseher haben…

Göttergatte: Was ist, wenn wir den Fernseher wegschmeißen?

Herr NHK: Nein, nein, also das will ich auch nicht.

Göttergatte: Ach doch, ich denke, wir schmeißen den Fernseher weg.

Herr NHK: …

Göttergatte: Vielen Dank, einen schönen Abend!

Ihr merkt, es gibt da eine große Parallele zur deutschen GEZ. Die NHK ist der japanische öffentliche Rundfunk, finanziert durch Gebühren. Ähnlich wie in Deutschland muss sich dafür jeder anmelden, der einen Fernseher bereithält, und jeden Monat Geld bezahlen. Anders als in Deutschland erstreckt sich das aber nicht auf PCs und Handys, was uns die Sache sehr erleichtert. Den Fernseher werden wir hier stehen lassen, für den Fall, dass wir ihn mal brauchen sollten, oder ich mir eine Wii kaufe, aber ihn einfach verleugnen.

Die Gebühreneintreiber der NHK werden übrigens kein bisschen besser behandelt als die Mitarbeiter der GEZ. Der Mann tat mir wirklich sehr leid, man hat ihm angemerkt, dass er öfter abgewiesen wird. Viele der “Besuchten” verweisen wohl darauf, dass sie keinen Vertrag unterschrieben haben, und dass man gerne die Polizei rufen könnte, um die Forderungen durchzusetzen. Auch in Japan arbeiten GEZ und Polizei nicht miteinander, weswegen die NHK letztendlich machtlos ist.

Meinen Mann fand ich trotzdem ziemlich cool.♥

Zeige mir deine Pointcards …

… und ich sage dir, wer du bist. In Japan gibt es für alles Punkte- und Mitgliedskarten. Das dient wahrscheinlich der Kundenbindung, aber meine Schwiegermutter hat ein Täschlein mit über 50 Karten, durch das sie sich erst einmal arbeiten muss, bevor sie die richtige gefunden hat. Ich versuche es gering zu halten, und da ich im Moment eh nicht so viel Geld habe, bekomme ich nicht so viele Punktekarten aufgedrängt.

Fangen wir mal oben rechts an. Die Karte mit dem sympathischen Pinguin ist eine Suica, meine Fahrkarte. Anders als in Berlin gibt es an jedem Bahnhof Schranken (改札, Kaisatsu), die nur dem Eintritt gewähren, der auch tatsächlich eine Fahrkarte hat. Auf die Karte lädt man einen bestimmten Betrag, und fährt diesen nach und nach ab. Der Fahrpreis richtet sich nach der Entfernung. Man kann natürlich auch für jede Fahrt einzeln ein Ticket kaufen, aber das wäre mir nun wirklich zu nervig. Inzwischen kann man auch in vielen Läden mit der Suica (oder dem Gegenstück, Pasmo) zahlen, was manchmal ganz praktisch ist. Es gibt auch Möglichkeiten mit anderen Versionen der Karte Punkte zu sammeln, oder sie an seine Kreditkarte oder ans Handy (オサイフケータイ, osaifukeitai, wörtlich “Portmonnaie-Handy”) koppeln. Solchen neumodischen Quatsch mache ich aber nicht.

Die drei Karten darunter sind von verschiedenen Supermärkten, Y’Smart, OZ und Daie. Man bekommt in bestimmten Einheiten (meist pro 100 oder 200 Yen) Punkte gutgeschrieben, die man irgendwann verwenden kann, um einen Teil des Einkaufs zu zahlen. Ich kaufe also bei Daie für 20 000 Yen ein und bekomme 100 Yen Rabatt. Was absolut nicht viel ist, aber irgendwann… Die Karten sind übrigens kostenlos. Selbiges gilt für die Bic-Karte und die Gold Point Card von Yodobashi Camera, zwei Elektronikläden, und die Karte mit dem ominösen Hund, Kusuri no Fukutarou, einer Drogerie. Kinokuniya ist ein großer Buchladen, nur leider nicht in meiner Nähe, auch hier kann man Punkte sammeln.

Die blaue Karte mit dem gelben T ist meine Tsutaya-Karte. Tsutaya betreibt Bücher-, CD-, DVD-, und Spieleläden, wo man Punkte sammeln kann. Das bringt es übrigens nicht so wirklich, aber Tsutaya ist außerdem der Betreiber des größten DVD-, CD- und Manga-Verleihs hier, und ohne die Karte geht da gar nichts. Filme ausleihen ist übrigens verdammt billig, eigentlich läuft die Hälfte der Zeit eine Aktion, bei der man sich für 1 000 Yen, das sind 8,50€ vier Filme für eine Woche ausleihen kann. DVDs werden übrigens bei der Rückgabe nicht geprüft, man wirft sie einfach, in einer dafür vorgesehenen Tasche und mit Beleg, in eine Sammelbox. Die Japaner und das Urvertrauen.

Die zweite Karte von oben in der Mitte ist von einem Einkaufszentrum bei mir um die Ecke, die darunter ist von der Bäckerei die ich frequentiere und die darunter ist von meinem Lieblingsklamottenladen, SM2. Anders als bei den bisherigen Karten wird hier tatsächlich noch gestempelt. Wenn man alle Stempel hat, bekommt man einen bestimmten Rabattbetrag beim nächsten Einkauf gutgeschrieben, bei der Bäckerei kann man auch kostenlos Brot bekommen.

Das lässt noch zwei Karten übrig, die edle, schwarze B&V-Karte, wofür auch immer B&V steht, von der Karaoke-Kette Karaoke-kan, und die blaue mit dem Pferd von meiner bevorzugten Reinigung Pony Cleaning. Bei beiden sammelt man keine Punkte, sondern ist Clubmitglied und bekommt Rabatt, dafür kosten sie auch in der Anschaffung ein paar Euro, die aber in beiden Fällen schon längst wieder drin sind.

In Deutschland hatte ich nicht halb so viele Karten, die ich mit mir rumschleppen konnte, und das war vielleicht auch ganz gut so. Klar, ich freue mich immer, wenn ich irgendwo etwas geschenkt bekomme, aber die ganze Plackerei mit den Karten ist schon nervig. Bei so gut wie allen Karten gibt man auch eine Menge seiner Informationen preis, auch wenn alle Firmen natürlich schreiben, dass sie die niemals nie weitergegeben würden. Der gläserne Japaner.