Und so lief’s dann.

Gestern war der JLPT. Bekannterweise hatte ich mich für den N1, den schwersten der Tests, angemeldet. Der wurde gestern, ganz in der Nähe, in einer Universität geschrieben. Dafür waren gleich fünf Gebäude des Komplexes, wahrscheinlich eines pro Teststufe, belegt.

Es war sehr eigenartig, auch weil man einmal die Realität* der Länderverteilung bei den Ausländern in Japan gesehen hat: In meinem Raum waren 100 Teilnehmer, davon fünf, die westlich aussahen. Der Rest kam aus anderen asiatischen Ländern, und so kann man sich das auch im Alltag vorstellen.

* Natürlich nur die Realität derer, die den JLPT bestreiten.

Also an den richtigen Platz setzen, alles runter vom Tisch außer Test-Schein, Bleistift, Radiergummi und Armbanduhr, Handy aus, alles fünf Mal überprüfen und auf die Sekunde genau mit allen Teilen anfangen.

Nun hatte ich erwähnt, dass man 2 000 Kanji, 10 000 Vokabeln und mysteriöse Grammatik kennen muss, mitsamt des Leseverständnis-Teils erstreckt sich das aber nur über 70 Fragen. 70 Fragen, davon wahrscheinlich über die Hälfte zu Dingen, die ich nicht gelernt hatte, zielsicher wie ich bin. Bei so einem kleinen Exzerpt aus dem ganzen Lernvolumen ist das aber sicher auch kein Wunder. Leseverständnis und Hörverständnis liefen dafür sehr gut, wie vorher gedacht, nach den neuen Regeln brauche ich aber in jedem Bereich 70%…

Das heißt: Im Sommer noch mal versuchen, bis dann lernen. Nicht mehr so, als würde ich mein Hirn in den Selbstmord treiben wollen, sondern nach der Arbeit, regelmäßig. So weit der Vorsatz. Im Februar kommen die Ergebnisse, dann kann ich genau sagen, wie sehr ich versagt habe.

Dafür hat mein Mann mich abgeholt, war ganz besonders lieb, und ich habe eine neue Bommelmütze. Hätte also schlimmer laufen können.

Yokohama China Town.

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Letzte Woche Mittwochs war irgendein Feiertag. Mein Mann musste dennoch arbeiten, aber um elf Uhr bekam ich einen Anruf – er sei schon fertig, was wir unternehmen würden. Erstmal Zusammentreffen in Shinagawa und dann konspiratives Pläneschmieden. Von unserem Zuhause aus braucht man bis Yokohama fast eine Stunde, und Bahnfahren schlaucht vor allem wenn es kälter wird*, weswegen wir weite Bahnfahrten vermeiden. Von Shinagawa aus braucht man bis Yokohama aber weniger als 17 Minuten, und so setzten wir uns in eine Bahn in Richtung Yokohama Sakuragichō, um die China Town (中華街) zu besuchen.

* In den Bahnen ist es warm, so dass man seine Jacke ausziehen müsste. Es ist aber auch eng, weswegen man es lieber sein lässt. Und so schlafe ich derzeit jeden Tag auf dem Weg nach Hause ein, es ist einfach zu kuschelig.

Eigentlich sehen wir von Yokohama auch nie mehr als diesen kleinen Bereich, was eigentlich recht schade ist.

China Town war natürlich gerammelt voll, an einem Feiertag, auch mit chinesischen Touristen. Außerdem campieren dort Horden von Maronen-Verkäufern vor großen Schildern, auf denen gewarnt wird, man solle von den Verkäufern keine Probiermaronen annehmen, sonst habe man sie so lang an der Backe, bis man etwas kauft.

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Wir waren aber eh nur für die Nikuman da, eine Abart der echt chinesischen Baozi – oder auch “Hefeknödel mit Fleisch drin”. Ayato behauptete einen unglaublich guten Laden zu kennen, der sich dann aber leider als doch nicht ganz so toll herausstellte, obwohl generell alles besser schmeckt, wenn man es dort isst. Zuhause ist der ganze Zauber verflogen und man fühlt sich, als würde man etwas aus dem Conbini essen.

Schön war es trotzdem, am nahen Hafen haben wir uns vom Trubel erholt und festgestellt, wie viel weiter Yokohama als Tokyo ist. Die Straßen wirken im Vergleich breiter und die öffentlichen Grünflächen größer. Vielleicht lag’s auch einfach am grandiosen Wetter.

Das ist nun leider vorbei, heute haben wir 10°C mit eiskaltem Wind und Nieselregen. Wir konsumieren fleißig Vitamin C und nehmen warme Bäder (unsere Gas-Rechnung, oh Schreck!) um fit zu bleiben bis Weihnachten. Dann können wir endlich umfallen.

Kurz eingeschoben: Japanische Kinder.

Wir waren gestern mit unseren Kindern im Park. Dort hielten sich auch Vorschulkinder eines anderen Kindergartens auf. Nach einiger Zeit kam eines der Mädchen des anderen Kindergartens, von ihren Freunden beobachtet, auf meinen Mitarbeiter und mich zu.

Mädchen: Warum sprecht ihr Englisch?

Ich (lachend): Weil wir Ausländer sind. Nein, wir sind von einem internationalen Kindergarten.

Mädchen: Ach so.

Sprach’s und rannte zurück.

Wir waren schwer beeindruckt, normalerweise sprechen uns nicht einmal die japanischen Erzieherinnen anderer Einrichtungen an, wahrscheinlich, weil sie angst haben, dass sie Englisch sprechen müssten. Ein mutiges kleines Mädchen also. Mich hat es auf jeden Fall sehr gefreut, dass sie sich getraut hat uns anzusprechen und ehrliches Interesse hatte. =)

Mal wieder: Filme.

Wenn das Wetter schlecht wird, oder wir nichts zu tun haben, leihen wir uns DVDs und lassen uns berieseln. Diesmal mit den Filmen der letzten paar Wochen.

©ドリームステージピクチャーズ
©アットムービー・ジャパン

Simsons (2006)

Regisseur: Satô Yûichi

Darsteller: Katô Rosa, Fujii Mina, Hoshii Nanase, Takahashi Mai, Ôizumi Yô

Wako lebt in einem kleinen Dorf auf Hokkaido, das bekannt ist für seine Muscheln und fürs Curling. Sie wünscht sich für ihr Leben etwas mit mehr Funkeln. Ihr Traummann ist ein bekannter Curlingstar, und als er sie fragt, ob sie nicht in sein Curlingteam eintreten wolle, behauptet sie, dass sie Curling spielen könnte und muss, mit zwei unerfahrenen Freundinnen und einer Mitstreiterin auf Profilevel, die eher genervt als erfreut über die neuen Teammitglieder ist, trainieren, um an einem Hokkaido-weiten Curlingtournier teilnehmen zu können.

Persönliche Meinung: Obwohl der Film, als Sportfilm über und für Oberstuflerinnen, teils sehr vorhersehbar ist, hat er mich doch mitgerissen und letztendlich musste ich sogar ein paar Tränchen wegdrücken. Was als Schwärmerei für ein Idol beginnt, entwickelt sich zu ehrlichem Ehrgeiz im Sport und zeigt, wie man in einer Niederlage siegreich sein kann.

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©東宝

The Magic Hour (2008) (Trailer)

Regisseur: Mitani Kôki

Darsteller: Satô Kôichi, Tsumabuki Satoshi, Fukatsu Eri, Ayase Haruka, Nishida Yoshiuki

Bingo wurde mit der Frau des örtlichen Yakuza-Bosses erwischt und kann seinen und ihren Hals nur retten, als er behauptet einen legendären Auftragsmörder zu kennen und Kontakt mit ihm herstellen zu können. Da das absolut nicht der Realität entspricht engagiert er kurzerhand einen Schauspieler und verkauft ihm das Treffen mit seinem Boss als Filmdreh.

Persönliche Meinung: Der Film nimmt sich selbst über große Strecken nicht ernst, und spielt mit Themen aus Gangsterfilmen aus viel früheren Jahren, obwohl er im Heute spielt. Wie Bingo versucht den Schauspieler immer im Glauben zu lassen, in einem Film aufzutreten, und wie der Schauspieler, der sonst keine Aufträge bekommt, absolut keinen Schimmer hat, ist lustig anzusehen, tut aber teils auch weh. Mit über zwei Stunden Laufzeit fühlt sich der Film teilweise etwas gestreckt an.

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©クロックワークス

After School (2008) (Trailer)

Regisseur: Uchida Kenji

Darsteller: Ôizumi Yô, Sakai Masato, Sasaki Kuranosuke, Tokiwa Takako

Freunde des Lehrers Jinno erwarten ein Baby, doch eines Morgens verschwindet der Vater des Kindes, Kimura, und taucht auch nach der Geburt seines Kindes am selben Tag nicht mehr auf. Am nächsten Tag wird Jinno von einem Privatdetektiv, der sich als ehemaliger Mitschüler ausgibt, mit einem Foto, dass Kimura mit einer fremden Frau zeigt, konfrontiert. Auf der Suche nach Kimura geraten die beiden in die japanische Unterwelt und stellen fest, dass die Firma, in der Kimura arbeitet, Verbindungen dorthin hat.

Persönliche Meinung: Ich mag Filme, in denen man im Dunkeln darüber gelassen wird, was wirklich passiert und wer wen in der Hand hat. Dies ist einer dieser Filme, die mit vielen später erklärten Auslassungen und Wendungen Spannung aufbauen, und trotz aller Ernsthaftigkeit ein wenig Platz für Humor lassen. Kann man sich auf jeden Fall ansehen, obwohl es kompliziert sein dürfte, da der Film scheinbar nie im Ausland veröffentlicht wurde.

Außerdem, aus der Reihe “Westliche Filme, die man sich sparen kann”:
9 (2009) Langweilig, bei mir ist keinerlei Sympathie für die Charaktere aufgekommen, und letztendlich hat mich nicht interessiert, ob und wie sie überleben.

An Invisible Sign (2010) Charaktere, die dermaßen überzeichnet und rein unsympathisch sind, dass wir uns ab Minute 30 wirklich durch den Film quälen mussten.