Filmzeit: モテキ

Als wir am Samstag (mal wieder) alle Folgen der ersten Staffel Sherlock* aus der Videothek ausliehen, wurde uns gesagt, dass wir weniger bezahlen würden, wenn wir eine vierte DVD ausleihen würden. Also nahmen wir diesen Film mit.

©東宝

モテキ Moteki (2011) (Trailer)

Regisseur: Ône Hitoshi

Darsteller: Moriyama Mirai, Nagasawa Masami, Asô Kumiko, Naka Riisa

Fujimoto Fujiyo ist 31 Jahre alt, hat keine Karriere, keine Freundin und Probleme mit Menschen zu kommunizieren. Sein Twitter-Account hat über 34 000 Posts, die niemand liest. Als er bei einem Bewerbungsgespräch von der Ex-Freundin des Chefs erstochen wird, beginnt für ihn seine zweite モテ期 (Moteki; wenn man plötzlich fürs andere Geschlecht attraktiv wird). Er beginnt bei einer Popkultur-Nachrichtenseite zu arbeiten und trifft über Twitter Miyuki, in die er sich sofort verliebt. Doch leider ist nicht alles so einfach, denn Miyuki hat einen Freund, eine Freundin, die sich für Fujiyo interessiert, und dann ist Fujiyo eben noch immer ein ziemlicher Nerd, der im Umgang mit Frauen nicht geübt ist.

Persönliche Meinung: Während der Film am Anfang noch viel Spaß macht und mit ganz lustigen Ideen aufwartet (plötzliche Tanzeinlagen, Karaoke-Text für den Soundtrack), ist ab einem bestimmten Punkt ist das ganze Beziehungsmehreck überspannt. Fujiyo ist von Anfang an kein großer Sympathieträger, sondern schon jemand, bei dem es etwas wehtut zuzusehen, wie er in sämtliche Fettnäpfchen tritt. Nach bestimmten Plotpunkten wurde er uns aber dermaßen unsympathisch, dass mein Mann gar nicht mehr stillsitzen und sich den Film ansehen konnte. Generell waren die beiden Hauptcharaktere keine, denen man ein Happy End gönnen würde.

* Wir lieben Sherlock. Leider braucht mein Mann Untertitel, weswegen wir etwas spät dran sind.

In den Park!

Wie im letzten Eintrag geschrieben ist der Herbst auch bei uns angekommen. Noch ist es etwas warm für die Jahreszeit (heute 22°C in Tokyo), weswegen sich die Blätter noch grün sind.

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Das ist in Japan eine große Sache, denn nicht nur Kirschblüten im Frühling sind es wert betrachtet zu werden, sondern auch sich färbendes Laub. Im Japanischen nennt sich das 紅葉 (Kōyō oder Momiji; Purpurblätter), weil sich der japanische Ahorn sehr schön purpurrot färbt. Genau wie zur Kirschblüte füllen auch zu den Purpurblättern (ich weiß nicht, ob es einen “richtigen” Begriff gibt 😉 ) bestimmte Regionen mit Touristen mit großen Kameras.

Aber wie gesagt, soweit ist es noch nicht. Wir waren gestern im Koishikawa Kōrakuen (小石川後楽園) gleich neben dem Tokyo Dome und haben uns ein wenig entspannt.

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In Tokyo gibt es zwei verschiedene Arten von Parks, einmal den öffentlichen Park (公園 Kōen) und dann noch den Garten (庭園 Teien). Die Gärten sind meist kleiner und man muss Eintritt bezahlen (im Fall vom Koishikawa-Kōrakuen 300Yen), aber dafür sind es sehr gepflegte Anlagen, die man sich meist nicht mit zu vielen anderen Leute teilen muss. Eine kleine Zuflucht inmitten der Großstadt.

Im Koishikawa-Kōrakuen gibt es verschiedene Pfade, die man ablaufen kann, man ist also nicht gezwungenermaßen auf derselben Route wie alle anderen Besucher. Zu sehen gibt es unter anderem die Vollmondbrücke (円月橋), die ihr oben seht. Da sie schon etwas älter ist kann sie nicht betreten werden, dafür gibt es in einem anderen Teil des Gartens eine relativ große rote Brücke, oben ähnlich gerundet wie die Vollmondbrücke. Warum man Brücken damals mit einem Buckel ausstatten musste ist mir nicht so ganz klar, es verschwendet doch wertvolle Energie. Sieht aber natürlich hübsch aus.

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Nicht nur Menschen, sondern auch allerhand Getier findet einen Garten inmitten des Trubels scheinbar sehr einladend, und scheinbar hat sich ein Reiher dauerhaft angesiedelt (zumindest sahen wir ihn die letzten Male immer). In den Gewässern des Gartens finden sich kleine Schildkröten, Koi-Karpfen, die sofort angeschwommen kommen, wenn man sich ihnen nähert,  und weitere Fischarten.

Am Wochenende bieten Freiwillige auch kostenlose Touren (auf Japanisch) durch den Park an, man muss sich dafür wohl am Eingang melden. Informationen zum Park gibt es in einer Broschüre auch auf Englisch.

Für alle, die genug davon haben sich auszuruhen, befindet sich ganz in der Nähe der Tokyo Dome mit der Tokyo Dome City und vielen Geschäften und vielen Menschen.

Update.

Der Herbst hat Einzug gehalten, und irgendwie passiert nichts, worüber sich ein ganzer Eintrag verfassen lassen würde. Letzten Sonntag hatten wir einen Taifun, der mich kaum schlafen ließ, aber über Taifune schrieb ich schon mal.

Deswegen, ein kleiner Zwischenstand.

Ich habe ein Sozialleben! Letztes Wochenende war ich mit Mitarbeiterinnen trinken. Wir waren in zwei verschiedenen Läden, haben viel gequatscht, relativ viel getrunken und hatten Spaß. Zurück nach Hause ging’s mit der letzten Bahn.

Bei meinem Mann läuft es auch besser! Wir frühstücken zusammen und zum Abendessen ist er auch meist zuhause. Hoffentlich bleibt das erstmal ein wenig so. Heute ist er in der Firma um zu klären wie es nach der jetzigen Baustelle weitergeht.

Meine Koreanischstunden zeigen langsam Wirkung. Ich werde regelmäßig gelobt und irgendwann kann ich auch mehr sagen als “Ich habe einen Kaffee bestellt. Jetzt ist ein Kaffee vor mir. Der Kaffee ist heiß.” (auf dem Niveau befindet sich das im Moment). Sprachenlernen macht mir noch immer viel Spaß und lässt Ehrgeiz in mir aufkommen.

Ab morgen fange ich tatsächlich mit Hot Yoga an. Bitte achtet nicht auf das Datum des verlinkten Beitrags. 😉 Ich freu mich drauf, es ist ja schon seit längerem bitter nötig.

Außerdem bekomme ich am 25. und 26. Oktober wahrscheinlich Urlaub und wir werden wahrscheinlich nach 金沢 (Kanazawa) fahren. Hundert Prozent sicher ist es noch nicht, aber höchst wahrscheinlich. Urlaub! Wegfahren!

Gegenseitige Rücksichtnahme.

Gegenseitige Rücksichtnahme wird in Japan groß geschrieben. Das merkt man besonders beim Bahnfahren. Man stellt sich nämlich an den Markierungen, an denen die Türen sich befinden werden, an. So hat man eine schöne Reihe, und keiner versucht sich offensichtlich vorzudrängeln. In der Bahn selbst wird man angehalten, sein Handy auf Vibrationsalarm zu stellen (マナーモード; Manieren-Modus) und nicht zu telefonieren. Außerdem gibt es Sondersitze für ältere Herrschaften, Schwangere und körperlich eingeschränkte.

Es herrscht keine Atmosphäre, in der man großen Lärm verursachen will. Das ist eine Art unsichtbare Vereinbarung, die man eingeht sobald man einsteigt. Als ich im März in Berlin in der Bahn saß, fühlte ich mich oft unwohl. Leute reden laut, telefonieren und machen generell Lärm, der nach einem Jahr in Japan unglaublich bedrohlich wirkt. Gesprochen wird in Japan nur in normaler Lautstärke und (meist) nicht über fünf Sitze hinweg, und Musik, die aus Ohrhörern dringt, erklingt auch selten. Das ist sehr entspannt und lädt zum Schlafen ein. Doch!

Die unsichtbare Vereinbarung gilt offensichtlich nicht für die älteren Herrschaften oder Kinder. Beinahe immer, wenn ein Handy laut klingelt, tut es das meist in den tiefen einer Tasche an der Hand eines älteren Herrn oder einer älteren Dame. Diese müssen erst mitbekommen, dass das ihr Handy ist, dann herausfinden, wo es sich befindet, um dann den Anruf anzunehmen – meist mit einem kurzen “Ich kann grad nicht, ich sitze in der Bahn”. Na das hat es mir gebracht. Neben älteren Frauen in einem Café zu sitzen ist auch schrecklich, denn sie sind laut. Schrecklich laut. Aber zurück zu Bahnen.

Heute hatte ich ein kleines Mädchen mit seiner Mutter in meiner Bahn. Ich sehe auf Arbeit genug verzogene Kröten, auf dem Heimweg versuche ich ihnen aus dem Weg zu gehen. Sie stiegen leider nach mir ein und es gab keine anderen Sitzplätze mehr. Auf jeden Fall fing die Tochter an auf dem iPhone mit Hilfe ihrer Mutter irgendein Spiel zu spielen. Mit Ton. Nervig, aber ich hätte dabei noch schlafen können. Schlaf war offensichtlich auch das Ziel der Krötenmutter, denn plötzlich erklangen mysteriöse Stimmen, und das Kind sah sich in einer vollbesetzten Bahn ohne Kopfhörer in relativ großer Lautstärke einen Anime an. Die Mutter schlief. Währenddessen streckte das Kind sich auf dem Sitz hin und her, den neben ihr sitzenden Mitreisenden vollkommen ignorierend, streckte ihre Füße gegen eine Metalstange und erfreute sich seines Lebens. Das ist mir tatsächlich das erste Mal, seit ich nach Japan gezogen bin, passiert. Anime auf voller Lautstärke im Zug.

Das Problem der Japaner ist, dass sie nichts sagen. Sie gucken nur und sind genervt. Es gibt es den Ausdruck 空気を読む (Kûki wo yomu; wörtl. “die Luft lesen”), was die Fähigkeit, die Atmosphäre oder Stimmung zu fühlen, beschreibt. Statt Dinge direkt gesagt zu bekommen, wird oft erwartet, dass man sie irgendwie “spürt”. Als wäre man mit einer Frau zusammen 😉 Es wäre unhöflich jemandem direkt zu sagen, dass er etwas nicht tun sollte, deswegen produziert man eine eisige Stimmung, und erwartet, dass das Gegenüber es bemerkt. Wenn jemand so etwas nicht mitbekommt, ist er KY, abgeleitet von 空気読めない (Kûki yomenai; “die Luft nicht lesen können”). Die Mutter war eindeutig KY. Ich sage dann meist auch nichts, obwohl ich so gern würde. Ich hatte auch die perfekte Chance, denn Krötenmutter und Kröte stiegen an meiner Station aus. Natürlich nicht ohne dass mir das Kind auf die Füße trat. Gesagt habe ich trotzdem nichts, was natürlich vollkommen falsch war, aber ich kann mir immerhin sagen, dass ich das Kind zumindest streng angesehen habe. Lies die Luft, Kind!