Was bedeuten die japanischen Emoji in meinem iPhone?

Seit ich ein iPhone 6 habe, bin ich Mitglied im iPhone-Emoji-Club. Durch Zufall fand ich heraus, dass auch die rein japanischen Emoji in deutschen iPhones enthalten sind – warum auch immer.

Das Wort “Emoji” selbst ist übrigens japanisch, wird 絵文字 geschrieben die Kanji bedeuten wortwörtlich “Bild-Zeichen”.

Auf jeden Fall dachte ich mir, dass ich euch mal aufschreibe, was sie bedeuten. So als kleinen Service und damit ihr vor Freunden klugscheißen könnt. 😀

Ersteinmal die mit Bildern:

門松門松 (Kadomatsu), eine typische Dekoration für Neujahr
ひな祭りひな人形 (Hina-Ningyō), die für’s Mädchenfest ひな祭り (Hinamatsuri) aufgestellt werden
 入学 ein typisch japanischer Schulranzen (ランドセル Randoseru)
 鯉のぼり鯉のぼり (Koinobori) für’s Jungsfest
 花火 Feuerwerk
 手持ち花火 Wunderkerze
 風鈴 風鈴 (Fūrin), ein japanisches Glockenspiel, das im Sommer aufgehangen wird
 スクリーンショット 0027-01-21 19.36.48 月見 (Tsukimi; Mondgucken) mit 大福 (Daifuku)
 七夕 七夕 (Tanabata)
マジャンein Mahjong-Spielstein
抹茶nicht etwa Suppe, sondern 抹茶 (Matcha)
日本酒日本酒 (nihonshu; Sake) (酒 sake heißt einfach nur “Alkohol”)
郵便局eine Post, klar erkennbar am Postzeichen 〒
ラブホein Love Hotel/Stundenhotel
コンビニein Conbini
東京タワーnicht etwa der Eiffelturm, sondern der 東京タワー (Tōkyō Tower)
初心者マーク初心者マーク (Shoshinsha Mark; Anfänger-Zeichen) das sich jeder Fahranfänger ans Auto kleben muss, wird auch so oft für Anfänger oder Neukunden (bei Registrierungen usw.) verwendet
温泉wieder keine Suppe, sondern das Zeichen für 温泉 (Onsen; heiße Quellen)

Und jetzt die mit Schrift:

ココココ (koko; ansonsten in Hiragana ここ) heißt “hier”
 指指 ist zwar auch das Kanji für Finger (yubi), hier gehört es aber zu 指定 (shitei; bestimmt) wie in 指定席 (shitei-seki; reservierte Sitze z.B. im Zug)
 空空 (aki/kara), wenn etwas frei ist
 満 満 (man) bedeutet hingegen, das alles belegt ist
 合合 kommt von 合格 (Gôkaku; Bestehen (einer Prüfung))
 禁 禁 (kin) bedeutet “Verbot”
 得 得 (toku) ist ein Vorteil oder Sonderangebot
 割 割 (wari) gehört zu 割引 (waribiki) und heißt “Rabatt”
 営 営 (ei) gehört bei Emoji eigentlich immer zu 営業 (eigyô; Business) oder 営業時間 (eigyôjikan; Öffnungszeiten)
有有(yū) von 有り (ari), “existent” oder, von 有料 (yûryô), “kostenpflichtig”
 無無 (mu) von 無し (nashi), “nichtexistent” oder, von 無料 (muryô), “konstenlos”
 月月 (tsuki) von 月額 (getsugaku; Monatsbeitrag)

 申

 申 von 申し込み (môshikomi) oder 申請 (shinsei), “Bewerbung”, “Antrag”, “Anmeldung”
 サ サ (sa) von サービス (Sâbisu; Service) oder サービス料 (Sâbisu-ryô; Service-Gebühr)
可可 (ka), etwas ist möglich oder akzeptabel
秘秘 (hi) von 秘密 (himitsu; Geheimnis)
祝祝 (shuku) von 祝日 (shukujitsu; Feiertag) oder 祝い (iwai; Feier)
 100 Volle Punktzahl!
 たいへんよくできました 大変よくできました (taihen yoku dekimashita), “Das hast du wirklich gut gemacht!”, ein Standardstempel, den Lehrer auf Schularbeiten drücken

Ich glaube die meisten der Schrift-Emoji sind eigentlich nur drin, damit Seiten und Newsletter, die auf die alten japanischen Handys eingerichtet sind, lesbar bleiben. Im normalen Text verwende ich sie zumindest nicht. Ich habe bei Line schließlich meine Stempel. 😉

Regenbogen-Schuluniformen.

Bei unseren Besuchen in Disneyland und DisneySea sehen wir natürlich jedes Mal haufenweise Mädchen und Jungen in ihren Schuluniformen. Ob sie nun auf Klassenfahrt in Tokyo sind oder die Schule schwänzen – Mädchen in Schuluniformen gehören so sehr zu Disneyland, dass das Motiv auch in der Fernsehwerbung auftauchen.

via Cosplay Ranking

via Cosplay Ranking

In letzter Zeit sehen wir aber immer mehr Mädchen, die nicht in ihren Schuluniformen kommen, sondern in Colour Sailor Fuku (カラーセーラー服 ), die an Anime und Manga erinnern. Ich find’s supersüß. 😀

So richtig nachverfolgen, wer warum auf die Idee kam verschiedenfarbige Sailor-fuku zu verkaufen, kann man zwar nicht, aber es war wohl im Mai 2013 (Google Trends).

In freie Wildbahn findet man sie übrigens natürlich nicht nur bei Disneyland sondern auch bei Konzerten und anderen Events; ob Leute auf der Straße so rumlaufen weiß ich nicht, das muss jemand sagen, der öfter mal in Harajuku unterwegs ist. 🙂

Der viel zu frühe Tod und die Traurigkeit.

Tatsuya ist tot. Wie Tatsuya wirklich heißt, weiß ich gar nicht, ich kenne nur seinen Nachnamen. Aber für diesen Blog ist das jetzt sein Name.

Am Samstagmorgen vor Weihnachten liegen mein Mann und ich im Bett, wir reden darüber, dass er in der Nacht zuvor arbeitstechnisch auf den Tokyo Tower geklettert ist. Dann plötzlich: “Yone hat mich gestern plötzlich angerufen, Tatsuya hat sich umgebracht.” Ich weiß nicht, um wen es geht. Er erzählt, wie er Tatsuya beim Bewerbungsgespräch bei der Firma kennengelernt hat. Wie sie beide am selben Tag ihren Vertrag unterschrieben haben.

Tatsuya hatte psychische Probleme, war seit zwei Jahren beurlaubt. Er wohnte dennoch im Wohnheim der Firma, die ihm auch weiterhin ein Gehalt zahlte.

Im Herbst waren sie zusammen trinken, ein Kollege hatte geheiratet. Tatsuya wirkte glücklich, erzählte, dass er endlich zurück nach Hause gehen wolle, zur verwitweten Mutter in die Kleinstadt.

Dann hat er sich im Wohnheim umgebracht.

Ich weine. Mein Mann ist ruhig. Er sagt, dass er es noch gar nicht realisieren kann.

Das beschäftigt ihn natürlich. Jedes Mal, wenn er in den folgenden Wochen von Tatsuya redet, fange ich an zu weinen. Vielleicht weine ich für ihn mit. Er kann noch immer nicht weinen. Er und zwei Kollegen schicken Geld für die Beerdigung an Tatsuyas Mutter, das ist so üblich. Auf die Beerdigung selbst gehen sie nicht, schließlich sind sie Arbeitskollegen und Tatsuya hat sich im Wohnheim das Leben genommen.

Auch als ein Brief von Tatsuyas Mutter kommt, kann mein Mann es noch nicht glauben.

Derweil hinterfrage ich meine Traurigkeit. Ich kenne Tatsuya nicht. In meinem Leben existiert er erst seit dem 20. Dezember, da lebte er schon nicht mehr. Mache ich mir Sorgen um meinen Mann? Nein. Berühren mich die Schicksale der Menschen, die in Tokyo tagtäglich vor die Bahn springen? Nicht länger als drei Sekunden.

Schon eigenartig, wie es mir so nahe geht, dass ich auch einen Monat danach noch regelmäßig darüber nachdenke und das Bedürfnis verspüre, es mir in diesem Blog von der Seele zu schreiben.

Im März wird mein Mann zum Grab fahren. Ich hoffe, dass Tatsuyas Tod dort für ihn real wird. Dann kann er vielleicht auch trauern.

Filmzeit: Der Schneewittchen-Mordfall.

(c) 「白ゆき姫殺人事件」製作委員会

(c) 「白ゆき姫殺人事件」製作委員会

白ゆき姫殺人事件 Shirayukuhime Satsujinjiken (2014) (Trailer)

Regisseur: Nakamura Yoshihiro

Darsteller: Inoue Maô, Ayano Gô, Nanao

Der verkokelte Leichnam der schönen Miki Noriko wird im Wald gefunden, bei genauerer Betrachtung ist zu erkennen, dass sie mehrmals erstochen wurde. Ihre Mitarbeiter haben sofort einen Verdacht, den eine von ihnen an ihren Freund aus Kindertagen, der jetzt beim Fernsehen arbeitet, weiterleitet: Die unauffällige Shirano Miki soll es gewesen sein. Die ist nicht nur seitdem verschwunden, laut ihrer Mitarbeiter und alten Schulkameraden hätte sie ein Motiv und wäre zu der Tat fähig. Im Fernsehen wird der Fall groß behandelt, auf Twitter wird er aufgegriffen – aber hilft das der Wahrheitsfindung?

Persönliche Meinung: Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich mit geringen Erwartungen an den Film gegangen bin. Filme, die das Internet miteinbeziehen, schaffen es nämlich leider immer nur so halb (siehe Fûzoku ni ittara Jinsei kawatta www, Densha Otoko, Moteki). Auch Shirayukihime Satsujinjiken schafft es nicht so ganz das Medium einzubeziehen ohne damit den Film irgendwie zu unterbrechen.

Ansonsten ist er aber tatsächlich ziemlich gut, es geht nämlich nicht nur um einen Mordfall, sondern auch darum, wer Geschichten, zum eigenen Vorteil, wie erzählt, an was sich erinnert wird und was von diesen Informationen dann wieder im Fernsehen gesendet wird um dann im Internet auseinandergenommen zu werden – eine absolute Eskalation, an deren Ende nur Unschuldige leiden.

Shirayukihime Satsujinjiken ist vielleicht nicht unbedingt der herausragende japanische Film des letzten Jahres, aber durchaus gut. 🙂