Kirschblüten, überall Kirschblüten.

Habt ihr denn auch Jahreszeiten in Deutschland?

Das ist eine Frage, die ich nicht erwartet habe, bevor ich nach Japan gekommen bin. Natürlich haben wir Jahreszeiten in Deutschland. Sie nennen sich “kalt und sonnig”, “etwas warm”, “kalt und regnerisch” und “kalt und dunkel”, und sie werden nicht annährend so sehr zelebriert wie die japanischen Jahreszeiten*.

* “angenehm warm”, “unglaublich heiß”, “angenehm warm”, “unerwartet kalt”.

189781_1883791938543_1282077_n

März 2011

Die Jahreszeiten aktiv wahrzunehmen gehört einfach zu Japan. Es gibt zu jeder Jahreszeit Essen, Feste und Aktivitäten, die einen durch das Jahr führen und einen die Jahreszeiten spüren lassen. Das größte Event ist meiner Meinung nach 桜 (Sakura; Kirschblüte) und 花見 (Hanami; Blumengucken).

Wenn es plötzlich pink blüht weiß man, dass der Frühling da ist. Und wenn in den ganzen Läden pinke Kirschblüten-Produkte ausgelegt sind weiß man, dass der Frühling bald kommt.

Es gibt so ziemlich alles in Sakura-Version. Ich habe tatsächlich pinke Sakura-Spülschwämme. Weil ich kann. 😀

In den Cafés gibt es dann auch Getränke und Kuchen mit Sakura-Geschmack. Wie genau so eine Kirschblüte schmeckt weiß ich aber auch nach 7 Jahren Japan nicht, es schmeckt immer etwas nach Kirsche. Letztendlich ist Sakura aber eine Blüte, ich muss wahrscheinlich mal eine vom Baum stehlen und kosten.

Die Bäume sind übrigens Zierkirschbäume, wir haben also nach dem Blumengucken keine Kirschparties. 😉

In Tokyo werden die Bäume um den 24. März aufblühen und am 2. April in voller Blüte stehen. Meine Eltern kommen im April für zehn Tage, in der Zeit habe ich keine Arbeit, wir werden also unglaublich viele Kirschbäume anschauen gehen. 😀 Ich freue mich riesig drauf, es ist dann doch ein Highlight meines Jahres in Japan.

Schließlich haben wir in Deutschland zwar Jahreszeiten, aber nicht so schön, wie hier. 🙂

Supergeheimer Geheim-Sale. Geheim.

Die Bekleidungsfirma 三陽商会 (Sanyô Shôkai) sagt auch in Japan kaum jemandem etwas, ihre Markennamen dann doch schon eher: Burberry, Burberry Blue Label, Burberry Black Label*, EPOCA, Paul Stuart, Macintosh Philosophy, …

* Nur noch bis Juni, die Lizenz läuft aus.

Insgesamt ist alles recht teurer, aber auch von guter Qualität. Nur irgendwie — 70,000Yen (ca. 535€) für eine Jacke sind dann doch etwas viel. 😉 Aber es gibt eine Möglichkeit viele Produkte stark reduziert zu bekommen: Den Sanyo社員家族優待セール (Sanyo Shain-Kazoku Yûtai Sale; Vorzugs-Sale für die Familien der Sanyo-Angestellten). Zu dem kann man nur gehen, wenn man per Postkarte eingeladen wurde. Ursprünglich war der Sale wirklich nur für die Familie von Angestellten, da man aber alle paar Monate jemanden neu registrieren kann, und diese wiederum Leute registrieren können… Man muss eben nur jemanden kennen, der registriert ist. Bei uns lief das irgendwie über die Schwiegergroßeltern, dann Schwiegereltern und jetzt uns.

IMG_1041Dieses Mal lief der Sale für drei Tage, wir sind am Samstag eine halbe Stunde vor Einlass hingegangen und es hatte sich schon eine beachtliche Schlange gebildet, die nur noch weiter wuchs.

Es stand übrigens nirgends, wofür die ganzen Leute anstehen, normale Besucher des Gebäudes von dem ein Teil für den Sale genutzt wurde waren wahrscheinlich ziemlich verwundert.

IMG_1045Innen drin war alles auf mehrere Hallen aufgeteilt, je nach Marke. Ganz hübsch war die Aufmachung nicht, aber nicht so schlimm wie Sale bei H&M in Deutschland. 😉

Ich wollte eh nur zwei Marken sehen, Burberry und Mackintosh Philosophy. Von Burberry gab es nur ganz wenig, und ein Kleid hätte noch immer 32,400Yen (ca. 248€) gekostet.

IMG_1043Zuerst teilten wir uns auf, und ich schickte meinem Mann Fotos von Sachen, die ich ganz nett fand.

Mein Mann hat leider gar nichts gefunden. :/ Als wir das den Schwiegereltern erzählten, meinten sie, dass das die Auswahl von Sale zu Sale ziemlich schwanken würde. Man muss einfach immer wieder mal hingehen.

Letztendlich blieb es bei mir bei dieser Jacke von Mackintosh Philosophy. Sie war zwar immer noch sehr teuer, aber immerhin 40% reduziert, und wenn man schon mal da ist…

Ich finde die Farbe super, eine Jacke in der Länge habe ich nicht, und sie wirkt wirklich sehr gut gemacht. Ich hoffe also sie lange Jahre tragen zu können.

Processed with VSCOcam with f2 presetApropos “Dinge, die lange halten”: Seit gestern besitze ich zwei Louis Vuitton-Taschen. Meine Schwiegermutter meinte, dass sie sie nicht mehr bräuchte, und fragte ob ich sie nicht haben wollen würde.

Beide Taschen hat sie sich vor über 20 Jahren vom Mund abgespart, aber jetzt keine Verwendung mehr dafür. Die große Tasche hat sie wohl nur vier Mal verwendet, bei der kleineren werde ich mal bei Louis Vuitton fragen, ob man den Riemen ersetzen lassen kann. Für das Alter sehen die beiden Taschen noch unglaublich gut aus. Selbst würde ich mir nie eine Louis Vuittion-Tasche kaufen, aber wenn ich sie einfach so kostenlos haben kann – wer würde nein sagen? 😉

Meine Schwiegerfamilie ist eben klasse. 😀

Kann man eigentlich Japaner werden?

Wenn man wie ich aus einer Stadt mit einer großen Immigrantengemeinde kommt, kennt man sicher Geschichten von Einbürgerungen. Wie genau das funktioniert weiß ich nicht, aber am Ende hält man einen deutschen Pass in den Händen und muss sich nicht mehr mit Einwanderungsbehörden herumärgern und die Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Deutschen gewonnen.

paesse

Entgegen anderslautender Gerüchte kann man tatsächlich Japaner werden, bzw. zumindest die japanische Staatsbürgerschaft annehmen. Das nennt sich entweder Kika (帰化), Einbürgerung, oder Kokuseki Shutoku (国籍取得), Erwerb der Staatsbürgerschaft. Im Jahr 2012 haben sich 9.940 Personen um die japanische Staatsbürgerschaft beworben, nur etwa 4% wurden abgelehnt. Das hängt auch damit zusammen, dass nur die, die eine Chance haben, überhaupt bis zur offiziellen Bewerbung vorgelassen werden.

Der Großteil der Bewerber ist koreanischem oder chinesischem Ursprungs, doch während deren Antragszahlen  stetig schrumpfen bleibt die Zahl der “weiteren” Ausländer stabil.

Warum Japaner werden?

Das kann die verschiedensten Gründe haben, aber der größte Vorteil ist, dass man mit japanischer Staatsbürgerschaft nie wieder aus dem Land geworfen werden kann. Das ewige Aufenthaltsrecht, wie ich es habe, kann im Ernstfall entzogen werden. Außerdem kann man natürlich wählen oder sich auch zur Wahl stellen. Wusstet ihr, dass es in Japan einen in Finland geborenen Politiker gibt? Er hat 1979 die Staatsbürgerschaft angenommen. Auch im öffentlichen Dienst braucht man die japanische Staatsbürgerschaft.

Für viele ist der japanische Pass auch praktischer, weil man eine größere Reisefreiheit genießt. Wir erinnern uns: Mit einem japanischen Pass muss man für Vietnam kein Visum beantragen, bei anderen Ländern sind die Unterschiede wahrscheinlich noch viel gravierender.

Was für Voraussetzungen muss man erfüllen?

  1.  Man muss seit mindestens fünf Jahren durchgehend in Japan leben. Wenn man verheiratet ist geht es, wie immer, noch schneller.
  2.  Man muss mindestens 20 Jahre alt sein.
  3. Man darf natürlich keine Vorstrafen haben oder ähnlich negativ aufgefallen sein.
  4. Man muss entweder genug Kapital oder Können mitbringen, um sich zu versorgen oder jemanden in der Familie haben, der einen versorgen kann.
  5. Man muss entweder staatenlos oder bereit sein, seine bisherige Staatsbürgerschaft abzutreten.
  6. Man darf nichts mit Organisationen zu tun haben die die Regierung mit Gewalt stürzen wollen. Falls ihr das geplant hattet.

Nummer 5 ist natürlich der große Haken: Bis auf einige Ausnahmen* darf man keine Staatsbürgerschaften neben der japanischen haben. Ich wette, wenn es diese Regel nicht gäbe, wäre die Anzahl der Anträge sehr viel höher, ich würde mich dann auch einreihen. 😉 Aber dazu später mehr.

* Ausnahme 1: Man ist unter 20 und hat z.B. durch Geburt zwei Staatsbürgerschaften. Ausnahme 2: Man ist z.B. im Iran durch Heirat gezwungen eine weitere Staatsbürgerschaft anzunehmen. Ausnahme 3: Die ursprüngliche Staatsbürgerschaft ist entweder unmöglich oder mit enormem Aufwand ablegbar.

Wie läuft der Prozess ab?

Es ist wohl von Ort zu Ort unterschiedlich, warum sollte man so etwas auch normen, aber meist sieht es wohl so aus:

  • Antragsschreiben
  • Informationen über die Familie (das musste ich auch bei der Niederlassungserlaubnis machen)
  • Lebenslauf
  • Motivationsschreiben (“Warum willst du dich einbürgern lassen?”)
  • Schriftlicher Eid über die abgegebenen Informationen
  • Nachweise über Einkommen und Kapital, Mietvertrag
  • Eine handgezeichnete Karte von der Umgebung der Wohnung und des Arbeitsplatzes (musste ich auch bei der Niederlassungserlaubnis machen, ist lächerlich)

Später gibt es auch ein Interview, bei dem man beweisen muss, dass man mindestens genauso gut Japanisch spricht wie ein Achtjähriger. 😉

Die ganze Prozedur dauert mindestens ein Jahr.

Bekomme ich einen japanischen Namen?

Man darf sich seinen Namen frei aussuchen, er muss nur in einer japanischen Schrift geschrieben sein. Ich persönlich würde einfach denselben Namen verwenden wie jetzt, aber wenn man sich Kuranosuke (蔵之介), das ist ein alter Männername, der sicher auch einem Samurai gut stehen würde, nennen möchte, kann man das tun. Man kann sich auch einfach Kanji für seinen nicht-japanischen Namen aussuchen. 🙂

Mein persönliches Wider

An sich ist so eine Einbürgerung natürlich keine schlechte Sache, wie gesagt: Könnte ich meine deutsche Staatsbürgerschaft behalten, hätte ich mich schon beworben. Neben dem diffusen Gefühl, dass so ein EU-Pass voll cool ist, gibt es vor allem ein Argument für den deutschen Pass: Ich möchte, dass unser Kind doppelte Staatsbürgerschaft bekommt. Einfach als Möglichkeit, falls es sich in 25 Jahren entscheiden sollte, in Europa leben zu wollen. Würde ich meine Staatsbürgerschaft abgeben, wäre das ziemlich kompliziert. Ansonsten muss ich nämlich zugeben, dass ich von meiner deutschen Staatsbürgerschaft auch nicht unbedingt Gebrauch mache, es würde in meinem Leben also nicht unbedingt etwas ändern.

Vielleicht, irgendwann… statt Claudia dann Kuranosuke… Ich sehe mich schon in voller Rüstung und mit Katana im Sonnenuntergang stehen…

Hinamatsuri, das Mädchenfest.

Heute ist 雛祭り (Hinamatsuri, meist einfacher ひな祭り geschrieben), das japanische Mädchenfest.

IMG_0535

Dafür werden jedes Jahr in Familien mit Töchtern schon im Februar die ひな人形 (Hina-Ningyô; Hina-Puppen) aufgestellt. Diese Tradition gibt es in verschiedenen Formen schon länger, der genaue Ursprung ist unklar. Man glaubte, dass Puppen böse Geister quasi einfangen könnten, das Unglück würde also statt der Bewohner eines Hauses die Puppen treffen.

Später wurden die Puppen dann als Mitgift gegeben und auch heute werden sie traditionell von den Großeltern mütterlicherseits bezahlt. Die Bedeutung hat sich inzwischen jedoch etwas geändert. Es geht nicht mehr nur darum, Unglück abzuwenden, sondern man betet auch für das Wachstum der Mädchen. Wenn man die Puppen nicht rausstellt wird die Tochter übrigens in dem Jahr nicht heiraten, wenn man sie nach dem 4.3. noch aufgestellt lässt, wird sich die Hochzeit auch verzögern. Was ein Drama. 😉

AIMG_0533ber wer sind diese Figuren? Auf der obersten Stufen stehen die 内裏雛 (Dairibina, Kaiserpuppen), bestehend aus 男雛 (Obina; Kaiserpuppe) und 女雛 (Mebina; Kaiserinnenpuppe). Auf der zweiten Stufe stehen die 三人官女 (Sannin Kanjio; drei Hofdamen), auf der dritten 五人囃子 (Gonin Bayashi; fünf Musiker. Darunter findet man 随身 (Zuijin; Begleiter), mit einem jungen und einem alten Minister. Dazu gibt es natürlich noch mehr Geleit und allerlei Gegenstände, je nachdem, wie groß der Aufsteller ist.

Im 18. Jahrhundert wurde übrigens zeitweise die Größe festgelegt, weil die Leute so viel Geld in ihre Hina-Puppen steckten, dass sie dem Shogunat nicht mehr genug Geld abdrücken konnten. Man wehrte sich indem man einfach sehr kleine und detaillierte Puppen aufstellte.

Es gibt übrigens einen Grund, warum ich euch die Disney-Figuren zeige. Erstens, um zu zeigen, dass es so etwas gibt**, und zweitens, weil ich Puppen nicht mag. 🙁 Ich habe eine Aversion gegen Puppenhaare und weiße Puppen mit starren Gesichtern bereiten mir auch irgendwie Unbehagen.

** Auch mit Hello Kitty und anderen Charakteren.

hina

 

Leider würde mein Mann nie durchgehen lassen, dass wir einfach Disney-Figuren aufstellen, denn Tradition ist Tradition und wer weiß was passiert, wenn man das nicht richtig macht…

Was mich an Hinamatsuri am meisten freut, ist das Essen! Traditionell gibt es ちらし寿司 (Chirashi-Zushi), mein liebstes Sushi. Es ist einfach viel Sushireis in einem Behälter mit Pilzen, かんぴょう (Kanpyô, getrocknetem Flaschenkürbis), Lotuswurzel, Ei und mehr. 😀 Das kann sogar ich, denn man muss das Sushi nicht rollen. 😉

So lasse ich mir japanische Traditionen doch gefallen. Nomnomnom. 😀