Japanische Regeln: Der Tod ist gleich um die Ecke.

Viele japanische Regeln haben mit dem Tod zu tun.

Nie in Richtung Norden schlafen!

Um im besten Winkel zu unserer Klimaanlage zu schlafen ändern wir manchmal uns Schlafrichtung. Dabei muss man aber vorsichtig sein: Man darf nie mit dem Kopf in Richtung Norden schlafen, das bringt Unglück. Der Grund ist ganz einfach: Gräber sind nach Norden ausgerichtet, Tote schlafen also in der Richtung. Für immer.

Kaum jemand wird aber zu euch nach Hause kommen und die Ausrichtung eures Kopfkissens bemängeln. Ist also recht egal.

Nicht die Stäbchen in den Reis stecken!

Im Westen legt man recht oft sein Besteck im Essen ab. Es würde sich also anbieten, Stäbchen einfach in den Reis zu stecken, während man etwas anderes macht. Tut es nicht, denn so bietet man den Toten Essen an.

Es wird einen vielleicht jemand darauf hinweisen, aber es ist kein dramatischer Faux-Pas.

Essen nicht mit Stäbchen übergeben! Nicht mit nur einem Stäbchen etwas essen!

Beides erinnert an eine Tradition bei Beerdigungen. Dort werden Knochenstücke von den Gästen je zu zweit mit je einem Stäbchen in der Urne verstaut. Ja, japanische Beerdigungen sind ein wenig anders…

Wenn ihr versucht einem Japaner etwas mit Stäbchen zu übergeben, wird er wahrscheinlich abwinken, aber ansonsten ist es recht egal.

Beim Kimono ist immer die linke Seite oben!

Das ist eine wichtige Regel, wenn ihr sie nicht einhaltet ist es einfach super peinlich und statt der gewünschten bewundernden Blicke bekommt ihr mitleidige. Beim 着物 (Kimono) und auch bei 浴衣 (Yukata) ist immer die von euch gesehen linke Seite oben, so dass ihr die rechte Hand seitlich reinstecken könnt. Andersherum tragen es nur Tote.

Mehr fallen mir auf Anhieb nicht ein, vielleicht wisst ihr ja noch etwas? 🙂

Von mir vor 15 Jahren.

Zur Jahrtausendwende wurde im Garten meiner Großeltern in der Nähe von Berlin eine Kiste vergraben. Darin waren Briefe und Zeichnungen von meinen Cousins, mir und eventuell meiner Schwester*, auf dass wir uns in späteren Jahren daran erfreuen können.

* Sie war zu dem Zeitpunkt erst zwei Jahre alt.

Letztendlich wurden es 15. Letztes Wochenende wurde der Schatz geborgen und mein Vater hat meinen Brief eingescannt und mir geschickt.

Brief-1Brief-2

Ihr seht, ich hatte meine Prioritäten. 1 Kind, klar! Und Diddl. Weil Diddl. Dann auf dem zweiten Blatt mysteriöse… Babygeräusche? Ich weiß es nicht. Und warum sagt das Diddl-ähnliche Ding “Quak”?

Meine Eltern baten um einen zweiten Brief, der wieder an derselben Stelle verbuddelt wird. Dieses Mal habe ich es noch kürzer gehalten. Letztendlich ist es nur eine Frage. Die werde ich hier aber nicht hinschreiben, das ist privat. 😉

Sich selbst in die Zukunft etwas zu schreiben ist gar nicht so einfach. Hättet ihr denn etwas, was ihr euch selbst vor zehn, 15 Jahren sagen wollen würdet?

Urlaubsplanung!

Eigentlich wollte ich schon länger einen Eintrag über Orte in Japan, die ich unbedingt besuchen will, schreiben. So als Motivation es endlich einmal umzusetzen. Gestern haben wir zumindest die Hotels für unseren Sommerurlaub gebucht – an einen dieser Orte. 🙂

Das Bild oben ist nämlich tatsächlich weder die Schweiz noch Kanada, sondern Kamikōchi (上高地) in den japanischen Alpen. Eigentlich wollten wir dort Anfang April mit meinen Eltern und meiner Schwester hinfahren, wegen des Schnees ist der Zutritt aber von Mitte November bis Mitte April nicht möglich. Stattdessen waren wir auf Ishigakijima, was auch ein fantastischer Urlaub war. 🙂

Weil Kamikôchi zur besten Reisezeit, wir fahren zu Obon, dem japanischen Totenfest, etwas teuer ist, haben wir uns ein günstiges Hotel* in Matsumoto (松本) gebucht. Von dort aus kann man mit Bahn und Bus nach in die Berge fahren.

* Dormy Inn ist eine Hotelkette, die vor allem von Geschäftsreisenden frequentiert wird. Für günstige Preise bekommt man dort nette Zimmer und Onsen, heißen Quellbäder.

Doch das ist noch nicht alles!

Japanese Snow monkey Macaque in hot spring Onsen Jigokudan Park,

Mit etwas Murren hat mein Mann sich bereiterklärt uns zum Jigokudani Yaen-Kōen (地獄谷野猿公苑) zu fahren. 😀 Dort leben wilde Affen, genauer gesagt Japanmakaken (ニホンザル) und erfreuen sich an den heißen Quellen.

Ich kann es auf jeden Fall kaum erwarten. 🙂 Nach Jahren des Flugzeugtourismus werden wir auch endlich wieder mit dem Zug verreisen. Ist eh viel besser als den ganzen Flughafenstress zu haben.

Was ist euer nächster geplanter Urlaub? 🙂

Beate und Irene von Schwiegertochter gesucht in Japan.

via Fokus

©RTL

Über Facebook bekam ich mit, dass zwei Frauen von Schwiegertochter gesucht (oder so?) nach Japan reisen. Die erste Folge habe ich direkt mal im Internet angesehen, so eine Einladung zum Aufregen kann ich mir nicht entgehen lassen – es kam dann aber ganz anders.

Das Konzept der Sendung scheint zu sein: Schicken wir mal zwei nicht ganz so schlaue oder ganz so hübsche ins Ausland und schauen wie doof sie sich anstellen. Dafür sind sie eigentlich sogar recht patent, sie sprechen halt kaum Englisch und wissen wenig über die Hintergründe dessen, was ihnen so gezeigt wird – aber die sind so gecastet und geschnitten worden. Ihre Mutter-Tochter-Beziehung finde ich übrigens großartig. 🙂 Ich werde hier also nicht über die beiden rummäkeln, sondern über RTL. 😉

Was mich bei “Reisesendungen” immer ärgert sind Fehler. In den ersten fünf Minuten müssen die beiden vom Flughafen Narita in die Stadt zu ihrem Hotel fahren. Nachdem sie die Bahnen nicht verstehen, beschließen sie ein Taxi zu nehmen. Sie verlassen also den Flughafen und sind — mitten in der Stadt?! Narita ist auf dem Land, nicht in Tokyo. Als die beiden ihre Taxifahrt ankündigten dachte ich nur an die horrenden Kosten – aber dank Schnittmagie war es wahrscheinlich recht günstig.

Weiter geht es zu einem Hotel mit Räumen im 31. Stockwerk. Die Mutter hat scheinbar Höhenangst – sie dann in so ein hohes Hotel zu stecken ist grausam. 🙁 Es gibt auch in Tokyo Hotelzimmer im zweiten Stock. Vielleicht ist es für viele Deutsche spektakulär, wie hoch die Häuser hier sind, aber das hätte man sicher auch anders zeigen können.

Die Toilette ist natürlich super witzig, Naturkatastrophen kann man dank eines Simulators im 本所防災庁 (Honjo-Bôsai-Chô) auch erleben. Direkt von dem Center, das sich in Kinshichô befindet, sind sie dann plötzlich auf dem Fischmarkt. Mir ist klar, dass man nicht jeden Weg zeigen kann, aber zu behaupten, dass all diese Dinge unglaublich nah beieinander liegen würden ist dann doch etwas irreführend.

Dafür bekommen sie dann in Asakusa große Unterstützung von einem Polizisten. 交番 (Kôban) sind eben super. 😉 In Asakusa selbst machen sie das übliche Touristenprogramm: Omikuji (Zukunftsorakel) ziehen, beten, auf einer Riksha fahren. Klar, ihre Kommentare sind manchmal etwas sehr unwissend, aber das kann man ihnen nicht vorhalten. Die beiden sind nicht aus ihrem großen Interesse an Japan heraus im Land und wurden wahrscheinlich instruiert bloß keine Reiseführer zu lesen.

Von Asakusa sind sie dann plötzlich in Tama, am anderen Ende der Stadt im Sanrio Puroland, wo das große Finale der Folge stattfindet: Wird die Mitarbeiterin zurückkommen um Fotos zu machen?!?! Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein…

Es bleibt zu sagen: Es wird viel zusammengeschnitten und die Aufgaben, die die beiden bekommen, sind nur mäßig unterhaltsam. “Sucht eine 招き猫 (Manekineko; Winkekatze)”, “Macht ein Foto mit irgendeinem Sanrio-Charakter”, gähn. Für die Serie scheint es spannend genug zu sein zu zeigen, wie planlos die beiden Hauptcharaktere agieren und auf Japaner auf Deutsch einreden. Arg unspektakulär, sowohl als Trash-Fernsehen als auch als Reisesendung. Man kann vielleicht total super über Beate und Ines ablästern, wenn man es nötig hat sich überlegen zu fühlen. An sich ist aber alles so gegen die Protagonistinnen konzipiert, dass man nach drei Sekunden überlegen damit aufhört.

In der Vorschau sieht man übrigens, wie beide in Kimono gesteckt werden – in wahrscheinlich die langweiligsten und hässlichsten Kimono in den unpassendsten Farben, die sie finden konnten. Die Realität ist scheinbar nicht trübe genug, man muss nachhelfen…