Bahnfahren in Japan ist ein wenig anders als in Deutschland. Wir müssen z.B. nicht jedes Mal bibbern, ob unsere Bahn überhaupt fahren wird. Bis auf die relativ hohen Kosten ist Bahnfahren in Japan für mich so, wie es sein sollte: Schnell, bequem, sauber, leise.
Außerdem sorgen die Bahnunternehmen mit verschiedenen Aktionen immer wieder dafür, dass ein wenig Aufregung in die Sache kommt. Auf einem kleinen Ausflug nach Sendai habe ich zwei Angebote in Anspruch genommen, die das Bahnfahren, Technologie und das Fan-Dasein miteinander verknüpfen.
Virtuelle Stempel: Ekitag (エキタグ)
An vielen japanischen Bahnhöfen gibt es Stempel, die man als Souvenir stempeln kann. Zu bestimmten Zeiten gibt es dann sogenannte Stamp Rallys (kein echtes Englisch), an denen an verschiedenen Bahnhöfen besondere Stempel ausliegen, die man sammeln kann. Wer alle gesammelt hat, erhält ein kleines Geschenk, z. B. eine Klarsichthülle im entsprechenden Design.
Bis auf die Fahrkarten kostet das die Mitmachenden nichts.

Aber mal ganz im Ernst: Ich sammele zwar gerne, aber keine Dinge. Was soll ich mit den ganzen gestempelten Papierblättern anstellen?
Doch Abhilfe naht! Mit der App Ekitag (エキタグ) und an den Stempeltischen befestigten NFC-Chips kann man rein virtuell Stempel sammeln. Die kann man dann in der App virtuell auf Fotos stempeln. Aktions-Stempel erhält man auf demselben Weg und bekommt beim Erfüllen bestimmter Bedingungen weitere Stempel oder andere Extras.


Ekitag funktioniert im gesamten Land auf den verschiedensten Bahnlinien. Leider konnte ich aber nicht prüfen, ob es auch mit allen NFC-Readern funktioniert. Die meisten modernen Smartphones haben zwar NFC-Reader, aber der FeliCa-Chip, der in Japan z.B. für die mobilen Bahnkarten verwendet wird, ist nur im iPhone sicher verbaut. Wenn das jemand ausprobieren und mir Rückmeldung geben könnte, wäre ich sehr verbunden. 🙂
Auf Reisen mit den Lieblingen im Ohr: Locatone
JR East nutzt neben den Stempeln auch die App Locatone, die mit GPS den Standort erfasst und darauf basierend Audio-Dateien abspielt. Wenn man in der App derzeit die Jujutsu Kaisen-Strecke auswählt und die App während der Bahnfahrt einfach im Hintergrund laufen lässt, bekommt man exklusive Sprachnachrichten von den Charakteren des Anime.



Wenn man die Strecke von Tokyo nach Sendai fährt und die Nachrichten abgespielt hat, kann man danach am Informationsschalter im Bahnhof einen Schlüsselanhänger erhalten. Außerdem schaltet man auch hier wieder Stempel frei, die man auf Fotos pappen kann.
Wäre das ein Grund für mich, mehr mit der Bahn zu fahren? Nein, aber wenn ich sowieso unterwegs bin, ist es eine spaßige Extrabeschäftigung.
Ich liebe diese Verspieltheit in Japan einfach riesig. Und nun entschuldigt, ich muss Stempel sammeln. 🙂
Ich weine, einerseits aus Freude über das japanische Bahnfahren und andererseits aus … ihr wißt ja was jetzt kommt…