Wer den japanischen Alltag designt hat: Kashiwa Sato.

Als mein Mann und ich letztens die Gelegenheit hatten, einen Tag ohne Bocchan zu verbringen, wussten wir sofort, was wir machen wollten: Nett essen gehen und ein Museum besuchen.

Diesmal fiel die Wahl auf das National Art Center, Tokyo, auf Japanisch Kokuritsu Shin-Bijutsukan (国立新美術館) und eine Ausstellung über den Herrn, der nicht nur das Logo des Museums selbst designt hat, sondern dessen Werke den japanischen Alltag quasi durchdringen. Ich garantiere euch: Ihr habt schon einmal etwas von ihm gesehen. Vielleicht ja sogar schon im Titelbild?

Satō Kashiwa wurde 1965 in Tokyo geboren und war schon als Kind fasziniert vom Zeichnen, von Logos und der Kraft des Brandings. Warum macht es einen ganz normalen Trainingsanzug plötzlich begehrenswert, wenn an der Seite drei Streifen sind?

Nachdem er an der Kunsthochschule Tama Grafikdesign studiert hatte, ging er zu einer der zwei großen japanischen Werbefirmen, Hakuhōdō. Im Jahr 2000 machte er sich mit 35 Jahren selbstständig und gründete das Kreativstudio Samurai, welches er auch jetzt noch zusammen mit seiner Frau in Shibuya betreibt.

Satōs Designs zeichnen sich durch ihre Einfachheit und Klarheit aus. Wenn man die Logos und Plakate einmal gesehen hat, vergisst man sie so schnell nicht wieder. Viele seiner Projekte haben auch sehr verspielte Elemente.

Im Alltag stößt man ständig auf Designs von ihm und seinem Team. Ein Beispiel ist sogar in meinem Portemonnaie: Die T-Point Card. Diese Karte (oder das digitale Equivalent) benötigt man, um beim DVD- und Manga-Verleih Tsutaya auszuleihen und man kann mit ihr in vielen Geschäften Punkte sammeln und verwenden. Im Titelbild könnt ihr das Design mittig sehen.

Vielleicht war hier ja auch schon einmal jemand im Nissin Cup Noodle Museum in Yokohama. Der Creative Director dafür war Satō Kashiwa. Außerdem hat er die Fabrik in Kansai, die ihr oben mit ihrem Instant-Nudel-Eingang sehen könnt, designt.

Mehr: Cup Noodles Museum in Yokohama.

Auch meine geliebten Handtücher aus Imabari haben Sato einiges zu verdanken. Nicht nur, dass er das Logo entworfen hat (im Titelbild rechts), auch die Standards, die die Handtücher erfüllen müssen, hat er mit ausgearbeitet.

Ich könnte jetzt noch mehrere Absätze lang alles aufführen, für das er Verantwortung trägt. Stattdessen möchte ich euch lieber sein wahrscheinlich für die meisten Japaner am eindrücklichste Projekt zeigen.

Satō Kashiwa hat nicht nur das Logo für Seven & i Holdings designt. Er hat auch für die Tochterfirma 7eleven, der Conbini-Kette, der nun wirklich jeder, der mal in Japan war, über den Weg gelaufen sein sollte, das Branding der Eigenmarken-Produkte zu verantworten. An einer Wand der Ausstellung waren Verpackungen und die zugehörigen Verpackungs-Design-Anweisungen, die nach seiner Guideline erstellt wurden.

Außerdem erwähnenswert: Das Branding von Uniqlo, das Branding der Sushi-Kette Kurazushi, das Branding des Tokyo Symphonie-Orchesters. Eine vollständige Liste könnt ihr auf Satōs Webseite finden.

Ich glaube, uns ist im Alltag oft nicht bewusst, dass wir ständig von Design umgeben sind. Alles, was wir kaufen, wurde einmal gestaltet und im Idealfall hat sich jemand viele Gedanken darum gemacht, wie Informationen, Produkt und Brand Identity zu einem ansprechenden Design zusammengeführt werden können. Diese Ausstellung hat mir das sehr vor Augen geführt.

Auch wenn nicht alle Designs von Satō Kashiwa uneingeschränkt als Erfolg gewertet werden können (seine Verpackungen für ein Jelly-Getränk verringerte den Absatz so sehr, dass sie wieder zum alten Design wechselten) gibt es wahrscheinlich keine zweite einzelne Person, die den japanischen Alltag an so vielen Stellen mitentworfen hat.

Ich werde die nächsten Wochen auf jeden Fall wieder ein wenig aufmerksamer durch die Gegend laufen. 😉

2 Gedanken zu „Wer den japanischen Alltag designt hat: Kashiwa Sato.

  1. Lennart sagt:

    Ohhh, Moment mal – ist es Satô etwa zu verdanken, dass japanische Verpackungen so kundenfreundlich sind? Nahezu alles, was man in Japan kauft, lässt sich ohne Probleme/Schere öffnen. Etwas, das ich in anderen Ländern vermisse (wenngleich Japan wegen des zu vielen Plastikmülls hier nicht als Vorbild gelten kann).

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