Schwanger in Japan: Toiletten putzen für süße Babys und andere Ammenmärchen.

Wahrscheinlich hat es jeder, der irgendwo auf der Welt schon einmal schwanger war, mit jemandem zu tun bekommen, der sich bereits vor allen Ärzten sicher war, welches Geschlecht das Kind haben würde. Ob man es nun an der Form des Bauches, der Stärke der Morgenübelkeit oder dem Gesicht der werdenden Mutter festmachen will: Das ist natürlich alles Aberglaube.

Ein paar Irrglauben aus Japan möchte ich euch hier einmal vorstellen. 🙂

Wer jeden Tag die Toilette putzt, bekommt ein süßes Baby.

Meine Schwiegermutter, ihres Zeichens Aberglauben-Gläubige höchsten Grades, hat während ihrer Schwangerschaft jeden Tag das Klo geputzt. Ich hielt das ja bisher für ein geschicktes Maneuver um schwangeren Frauen unbeliebte Hausarbeit aufzuzwingen (wer will schon kein süßes Kind!), aber hinter diesem Aberglauben steckt wohl sogar so etwas wie Logik. Man muss sich hinhocken um japanische Hocktoiletten zu reinigen, und damals ging man davon aus, dass diese gebückte Haltung die Geburt einfacher machen würde. Außerdem sollte durch die tägliche Konfrontation mit dem Toiletten-Aroma der Mutterinstinkt angeregt werden.

Oder vielleicht war es doch nur praktisch für die anderen Hausbewohner.

Die fragile Baby-Haut.

Ein sehr verbreiteter Aberglaube ist, dass das Kind mit einem Muttermal geboren wird, wenn die Mutter während der Schwangerschaft einen Brand sieht. Dabei geht es wahrscheinlich hauptsächlich darum, Mütter von brennenden Gebäuden fernzuhalten. Insgesamt gesundheitstechnisch keine schlechte Idee, zumal sich Feuer vor allem in der Vergangenheit unglaublich schnell ausbreiten und damit das Leben von Mutter und Kind gefährden konnten. Woher das Muttermal kommen soll, weiß ich aber auch nicht.

Außerdem sind Embryos scheinbar unglaublich fragil, denn wenn man mit dem Bauch mal gegen etwas stößt oder drückt, soll das Kind dadurch mit Blutergüssen zur Welt kommen.

Vorsicht mit dieser Nabelschnur!

Die Nabelschnur fasziniert scheinbar Personen in allen Ländern. In Deutschland gibt es in der Richtung auch verschiedene Aberglauben. In Japan besagt einer, dass sich die Nabelschnur beim Radfahren um den Hals des Kindes legen würde. Generell wird in Japan oft vom Radfahren in der Schwangerschaft abgeraten.

Ein anderer Aberglaube ist, dass die Nabelschnur reißen könnte, wenn man sich zu sehr streckt. Alternativ legt sie sich auch um den Hals des Babys. Eindeutig handelt es sich hierbei um Schrödingers Nabelschnur: Einerseits stark genug, um ein Baby zu strangulieren, andererseits so schwach, dass sie leicht reißt.

Die besten Mittel zur Weheneinleitung.

Es gibt in Japan drei Lebensmittel, die immer wieder genannt werden, wenn es darum geht, endlich Wehen zu bekommen: Yakiniku (gebratenes Rindfleisch), Curry und Oronamin C. Letzteres ist ein Vitamingetränk.

Leider muss ich berichten, dass ich seit über einem Monat jeden Freitag Curry esse und noch nichts in der Richtung passiert ist. 😉

Schwangere dürfen nicht auf Beerdigungen.

Letztes Jahr fand die Beerdigung meiner Schwiegergroßmutter statt, als ich im zweiten Monat schwanger war. Ich ging weder zur Totenwache noch zur Abschiedsfeier, weil meine Schwiegermutter mir davon abriet. Schwangere hätten auf Beerdigungen nichts zu suchen. Der Aberglaube besagt wohl, dass der oder die Verstorbene das Kind mit ins Totenreich mitnehmen könnte. Dass man sich dagegen schützen kann, habe ich gerade erst herausgefunden: Man muss sich lediglich einen (kleinen) Spiegel vor den Bauch binden.

Das wusste ich aber natürlich letztes Jahr noch nicht. So wollte ich meiner Schwiegermutter einerseits keine Sorgen bereiten, andererseits fühlte ich mich sehr schlecht dabei, zuhause zu warten. Bei der Beisetzung 49 Tage später habe ich mich dann durchgesetzt und war dabei. Auch ohne Spiegel.


Was kennt ihr noch für Ammenmärchen zur Schwangerschaft oder zu Kleinkindern? 🙂

7 Gedanken zu „Schwanger in Japan: Toiletten putzen für süße Babys und andere Ammenmärchen.

  1. Sigga sagt:

    Hallo Claudia,
    Japan und Deutschland bzw. Bayern sind sich vielleicht näher als man denkt. Bei uns bekommt man keine Muttermale, sondern Feuermale und zwar dann, wenn die werdende Mutter böse erschrickt und sich ins Gesicht faßt. Das Kind bekommt dann genau an dieser Stelle das Feuermal. Andere Körperteile gelten nicht, nur das Gesicht und es ein ganz heftiges Erschrecken sein.

    Liebe Grüße und noch eine so gute Zeit wie nur möglich, bis der Untermieter seine kleine Wohnung aufkündigt – Sigga

  2. Franziska sagt:

    Hallo Claudia,
    zwar nicht in Deutschland (meines Wissens), aber in Italien gibt es auch einen Aberglauben: Wenn die werdende Mutter Gelüste nach Essbarem hat (sagen wir, Himbeeren) und den Gegenstand ihrer Gelüste nicht bekommt, sich dann in einer Aufwallung ihrer Gefühle irgendwohin fast, dann wird das Kind später an genau dieser Körperstelle einen Fleck in der Farbe des jeweiligen Lebensmittels (hier also rot, weil HImbeere) haben. Fragt sich jetzt nur noch, warum nicht alle kleinen, italienischen Kinder bunt wie ein Malkasten sind… Oder italienische Männer sind extrem gut darin, den jeweiligen Damen die gewünschten Lebensmittel extrem schnell anzuliefern. 😉
    Liebe Grüße aus Bayern,
    Franziska

  3. Weinberger sagt:

    Sehr schön, ich mußte erst mal überlegen was es da so alles gibt denn meine Kinder sind schon erwachsen. Aber ich durfte auch nicht auf die Beerdigung meines Schwagers weil die Trauer auf das Kind wirkt. Erschrecken und dabei ins Gesicht fassen bringt ein Feuermal. Was aber beim Geburtsbeginn geholfen hat als ich schon ein paar Tage über dem Termin war ist wie ein Storch zu laufen, das hat aber nichts mit Aberglauben zu tun.

  4. Lio sagt:

    Hallo Claudia,
    zwei Mythen zur Erkennung des Geschlechts, die du ansprichst und die bei mir beide so garnicht zu getroffen haben, sind auch in Deutschland recht verbreitet.
    Schlechte Haut=Mädchen (Mädchen raubt die Schönheit der Mutter, um selbst schön zu werden). Ich hatte noch nie so schlechte Haut wie in der Schwangerschaft.
    Übelkeit=Mädchen. In beiden Schwangerschaften habe ich unter Hyperemesis gravidarum gelitten, der furchtbarsten Übelkeit meines Lebens.

    Bekommen habe ich 2 Söhne

    Die alles Gute für die restliche Schwangerschaft!

  5. Irene sagt:

    Wenn ich richtig gerechnet habe, war vorgestern ET. Egal ob du der Geburt noch entgegenhibbelst oder ob ihr euer kleines Wunder schon im Arm halten könnt: ich wünsche euch alles Gute und hoffe, ihr seid alle 3 wohlauf!

    • Claudia sagt:

      Der ET war tatsächlich schon am Donnerstag, er kam dann am Dienstag. 🙂 Leider lief es nicht ganz so ideal, aber darüber schreibe ich dann demnächst, wenn wir endlich zuhause sind.

  6. Jacqueline sagt:

    Als stille Mitleserin gratuliere ich aufs herzlichste und sage einmal Danke für die vielen interessanten Eindrücke aus deinem Leben in Japan.

    LG

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