Übermüdet in Shanghai.

Könnt ihr manchmal vor Reisen vor Aufregung schlecht schlafen? Vor allem, wenn ihr wirklich früh raus müsst?

Ich durfte das vorletzten Sonntag erleben, als ich um vier aufstehen musste, weil mein Flug nach Shanghai um 8:40 ging. Warum Shanghai? Zum Arbeiten. Die Zentrale im APAC-Raum (Asien und Pazifik) steht nun einmal dort. Dank des schlechten Wetters blieb es die vier Tage dann tatsächlich hauptsächlich beim Arbeiten, denn in der Kälte mit Nieselregen hatte ich nach der Arbeit keine Energie, um mir noch groß etwas anzusehen.

In der Nähe des Hotels morgens um sieben. Der einzige Sonnenschein in vier Tagen.

Als Deutsche braucht man ein Visum, um nach China einreisen zu dürfen. Zwei Wochen vor der Reise durfte ich also mehrere Stunden im Visa-Zentrum warten, bevor meine Unterlagen penibelst geprüft wurden. Tatsächlich schickte man mich erst einmal weg, nachdem ich bereits eineinhalb Stunden gewartet hatte, weil die Einladung der Firma in China an das Konsulat und nicht die Botschaft adressiert war. Unendlich anstrengend, aber da konnte ich leider nichts machen.

Bei der Einreise selbst hatte ich dann ein ganz anderes Problem: Auf den neuen deutschen Pässen steht der Mädchenname zwar nicht mehr mit Geb., aber er ist noch immer angegeben. Man war sich sowohl bei Ein- und Ausreise nicht sicher, ob der Name auf Visum und Flugticket denn nun mit meinem Namen übereinstimmt.

Aber zurück zu Shanghai: Es war viel entspannter, als ich es mir vorgestellt hatte. Zwar sprach kaum jemand Englisch, aber mit bebilderten Menüs, Händen und Füßen, und im Notfall Kanji gab es kaum Probleme. Die Chinesen waren da sehr entgegenkommend und freundlich.

Außerdem hat Shanghai zwar etwa eineinhalb Mal so viele Einwohner wie Tokyo*, die Bevölkerungsdichte ist aber viel geringer, so dass ich mich nie durch Menschenmassen quetschen musste. Da ich mein japanisches Arbeitshandy dabeihatte, konnte ich auch überall Google Maps verwenden, ich konnte mich also nicht einmal verlaufen. Die wenigen Orte der Stadt, die ich gesehen habe, waren auch alle sehr sauber und gepflegt. Das hatte ich mir irgendwie alles schlimmer vorgestellt.

*Ich vergleiche hier mal die Innenstadt Shanghais mit der Präfektur Tokyo.

Die meisten Tage pendelte ich aber eh nur zwischen Hotel, Büro und irgendeinem Restaurant in der Nähe. Am Sonntag und Montag war ich einfach nur knülle und am Dienstag aßen wir abends zusammen mit Mitarbeitern aus verschiedenen Ländern. Nur am letzten Abend fuhr ich mit einer japanischen Kollegin zu „The Bund“, der bekannten Uferpromenade, die man auf jeder Postkarte sieht.

Die modernen Gebäude dort erinnerten mich an Bladerunner oder Ghost in the Shell, mit ihren riesigen LED-Fassaden wirken sie wie man sich die nahe Zukunft in den 80ern vorgestellt hat. Absolut faszinierend. Wie in allen dystopischen Filmen begann es leider zu regnen, was den Ausflug etwas abgekürzt hat.

Und das war sie schon, meine Reise nach Shanghai. Ganz ehrlich: Meine erste Wahl für ein Reiseziel wäre die Stadt wahrscheinlich nicht. Das gilt aber auch für viele andere Großstädte, denn eine Großstadt erlebe ich bereits jeden Tag. Wenn es mich arbeitstechnisch mal wieder nach China verschlagen sollte, hätte ich damit aber kein Problem, denn es gibt noch viele schöne Ecken. Dann aber bitte mit besserem Wetter. 🙂

3 Gedanken zu „Übermüdet in Shanghai.

  1. Lennart sagt:

    Shanghais Stadtgebiet hat 15 Mio Einwohner weniger als Tokyo, selbst die Shanghai-Metropolregion kommt (noch) nicht an Tokyo heran.

    Wahrscheinlich sind Städte generell kein geeignetes Reiseziel für unsereins, die ohnehin schon jeden Tag in einer vollen und lauten Welt-Metropole zubringen.

    • Claudia sagt:

      Ich glaube du hast dich in deiner Zeichensetzung vertan, ich wollte dich gerade fragen, wie Shanghai 15 Millionen Einwohner weniger als Shanghai haben kann, wo Tokyo doch nicht einmal 15 Millionen hat.
      Präfektur Tokyo: 9,5 Millionen, Shanghai: 15 Millionen in der Innenstadt. Ist natürlich die Frage, wie gut man das miteinander vergleichen kann, das ist bei Metropolregionen aber immer schwer.

      • Lennart sagt:

        Genau das ist das Problem. Je nach Definition hat Shanghai 13,5 Mio Einwohner weniger oder 17 Mio. Einwohner mehr! 😀
        Sagt Wikipedia zumindest:
        https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_largest_cities#Largest_cities

        Ich sage über Delhi der Einfachheit halber auch immer „20 Mio.“ was irgendwo in der Mitte zwischen den 11 Mio. Volkszählung administratives Stadtgebiet von 2011 und den geschätzten 26,5 Mio der Metropolregion liegt. Es sind in jedem Fall zu viele…

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