Der japanische Kalender: Kisaragi.

Wer heutzutage Japanisch lernt, weiß, dass das Monatssystem in Japan furchtbar einfach ist: Statt Namen zu haben, sind die Monate einfach durchnummeriert. Doch das war nicht immer so, weswegen ich euch dieses Jahr an jedem ersten eines Monats den alten Monatsnamen und die traditionellen Feste, die in diesem Monat anstehen, vorstellen möchte.

Februar: 如月 (Kisaragi)

Es gibt verschiedene Theorien zu dem Monatsnamen. Entweder ist es der Monat in dem man noch mehr Kleidung tragen muss (着更月) oder es ist der Monat, in dem die Grassprossen aus dem Boden kommen (草木張り月), oder oder oder.

Das Kanji 如 hat in diesem Zusammenhang auf jeden Fall keine Bedeutung.

Gleich am Anfang des Monats haben wir ein recht wichtiges Fest: Setsubun (節分). Dabei handelt es sich um den Tag vor Beginn des Frühlings im alten japanischen Kalender.

Weil es außerdem nah am Neujahr des Mondkalenders, das in Japan nicht mehr gefeiert wird, liegt, war es lang eine Art Sylvester. Was macht man an Sylvester? Dämonen vertreiben. 🙂

Während man das in anderen Ländern mit viel Lärm und Feuerwerk macht, sind japanische Dämonen offenbar einfacher zu handhaben: Mit Sojabohnen und ein paar ernsten Worten. Die Bohnen werden erst mit den Worten „Dämonen nach draußen“ vom Hauseingang nach draußen geworfen, bevor weitere mit den Worten „Glück nach drinnen“ in den Hauseingang hineingeworfen werden.

In Kindergärten verkleidet sich meist jemand als Dämon, um dann die Kinder zu terrorisieren. Aufgabe der Kinder ist es dann, den Dämon mit Bohnen hinauszubefördern. Es ist der einzige Tag im Jahr, in dem man Kinder zum Weinen bringen will, unter anderem weil man sie danach mit Drohungen vom bösen Dämon der gleich kommt gefügig machen kann. Ich persönlich finde das etwas fragwürdig, aber nun gut.

Außerdem soll an Setsubun jeder entweder so viele Sojabohnen essen, wie er alt ist oder eine mehr. Das unterscheidet sich je nach Familie und Region und bringt Glück und Gesundheit.

Geschmacklich ein wenig interessanter sind Ehōmaki, ungeschnittene Sushirollen. Die gibt es Anfang Februar in jedem Supermarkt zu kaufen. Auf der Verpackung steht dann auch die Himmelsrichtung, in die man während des wortlosen Verzehrs gucken und sich etwas wünschen soll. Ehōmaki bedeutet nämlich Glückliche-Richtungs-Rolle.

Ursprünglich kommt der Brauch wohl aus der Gegend um Osaka und Kyoto in Südjapan, doch vor 20 Jahren kam eine landesweit agierende Conbini-Kette auf die Idee, die Rollen einfach im gesamten Land zu verkaufen. Seitdem isst etwa die Hälfte der Bevölkerung an Setsubun Ehōmaki. Schaden wird es auf jeden Fall nicht. 🙂

6 Gedanken zu „Der japanische Kalender: Kisaragi.

  1. Anika sagt:

    Heute gab es bei uns im Kindergarten Setsubun. Das Terrorisieren hat auf jeden Fall geklappt.. Als wir im Vorraum mit Anziehen beschäftigt waren hat ein anderes Kind nebenan laut in einer Kiste gewühlt. Mein Sohn ist mir quasi vor Angst auf den Arm gesprungen.
    Aber zu Hause hat er dann wieder fröhlich mit der Oni Maske gespielt und versucht mich zu erschrecken..

    Ich halte auch nichts davon Kinder mit „Obake“ gefügig zu machen. Inzwischen müssen hier alle Türen zu dunklen Räumen zu

    • Claudia sagt:

      Ich finde es schon sehr absurd, dass immer alles lieb und nett ist, bis auf diesen einen Tag, an dem man Kindern mal so richtig Alpträume verschaffen darf. Rachetag für die Kindergärtner?

  2. Eva sagt:

    Hallo Claudio

    immer wieder toll diese INSIDER Einblicke . Sachen die man aus Reiseberichten oder Reportagen nicht so erfährt. Total interessant.

  3. Anna-Lena sagt:

    Hallo 🙂

    kannst du uns noch mehr über die Monatsnamen erzählen? Also haben alle so lustige Namen wie „mehr Kleider anziehen“.

    Lieben Dank.
    Anna-Lena

    • Claudia sagt:

      Geplant ist, dass an jedem ersten des Monats ein neuer alter Monatsname vorgestellt wird. 🙂 Manche sind ganz lustig, aber die meisten haben etwas mit der Natur zu tun.

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