Stockholm, Tag 1: Hej, Stockholm!

Nur in Berlin sitzen wird auf Dauer langweilig, und in Europa hat man den großen Vorteil, dass sich direkt vor der Haustür viele Länder befinden. Eines, dass wir beiden schon lange einmal besuchen wollten, war Schweden.

Wir flogen also von Berlin nach Stockholm, also von einer Hauptstadt in die nächste.

Was mich diesmal sehr überrascht hat: Innerhalb Europas wollte niemand unsere Pässe sehen. Ich erinnere mich noch daran, dass man früher sogar bei innerdeutschen Flügen immer den Pass vorzeigen musste, aber scheinbar wurde Europa da japanisiert: Du bist einmal in den Schengenraum gekommen, so schlecht wirst du also nicht sein.

Mehr:   Inlandsflüge aus der Sicht einer verwirrten Deutschen (mir).

Stockholm präsentierte sich uns als schöne, aber zumindest am ersten Tag ziemlich kalte Stadt. In Berlin hatte uns die Sonne auf die Pelze geschienen, in Stockholm mussten wir unsere Jacken anziehen.

Doch auch bei schlechtem Wetter hat uns die Innenstadt total in ihren Bann gezogen: So schöne Häuser haben wir in Berlin nicht. So sauber ist der Boden auch nicht. Dass große Teile der Innenstadt dann auch noch entweder schwach befahren oder gleich Fußgängerzone sind, hat das alles noch besser gemacht. Wir sind während unserer drei Tage Stockholm unglaublich viel gelaufen, auch, weil wir ein Problem mit dem öffentlichen Nahverkehr hatten. Aber dazu später mehr.

Als erstes mussten wir natürlich Köttbullar, das Leibgericht eines jeden IKEA-Liebhabers essen. 😀 Wir waren vom Geschmack sehr angetan, von den Restaurantpreisen in Stockholm weniger. Dazu dann noch der hoch besteuerte Alkohol in Schweden und die Rechnung kann sich sehen lassen. 8,60€ für ein 400ml Bier!

Derart gesättigt liefen wir bis zum Hotel, legten unser Gepäck ab und ruhten uns kurz aus. Das Hotel hatte zwar eine sehr gute Lage und leckeres Frühstück, dafür aber auch, zumindest in unserem Zimmer, ein Fenster, dass sich nicht mehr schließen ließ, wenn man es einmal geöffnet hatte, und eine Dusche, die das gesamte Bad flutete.

Fehlplanungen dieser Art scheinen den Schweden im Blut zu liegen, was aber nicht komplett schlecht ist. Dank dessen blieb uns die Vasa, ein Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, erhalten und kann jetzt im Vasa Museum in Stockholm ausgestellt werden.

Sie war das größte Kriegsschiff ihrer Zeit, konnte ihre Schlagkraft aber nie beweisen, weil sie bereits bei ihrer Jungfernfahrt nach etwa 1300 Metern Strecke sank. Man hatte einfach nicht genug Ballast eingeplant, und so brachten zwei Windstöße das Schiff zum Kentern. Wenn man genug Ballast an Bord gehabt hätte, wäre durch die Kanonenluken Wasser eingedrungen, das Schiff war also von Anfang an dem Untergang geweiht.

Über 300 Jahre nach ihrem Untergang wurde die Vasa geborgen, und jetzt hat dieses Wunder der schwedischen Ingenieurskunst ein eigenes Museum, in dem man allerhand lernen kann. Leider sind die sechs Stockwerke nur recht spärlich ausgeleuchtet, was nach mehreren Stunden sehr anstrengend war.

Da wir schon recht viel gelaufen waren, wollten wir zurück mit der Straßenbahn fahren, doch großer Fehler: Tickets kosten 44 Kronen (4,40€) in eine Richtung und können am Automaten, wenn es denn einen gibt, nur einzeln gekauft und nur mit Kreditkarte bezahlt werden. Bei vier Personen ist das ein ziemlicher Krampf. Für die Busse muss man im Voraus Tickets kaufen, im Bus selbst werden gar keine verkauft. 🙁 Das ist etwas, worüber wir uns vor der Reise gar keine Gedanken gemacht hatten, was darin resultierte, dass wir beinahe alle Strecken gelaufen sind.

Auf unserem Weg zurück zum Hotel kamen wir an einem Hinterhof vorbei, sahen uns kurz um und beschlossen dann, in einem der dortigen Restaurants zu essen. Diesmal kein schwedisches Essen, sondern Italienisch, aber wieder sehr schmackhaft. Stockholm war zwar teuer, wir haben aber während unseres Aufenthalts nicht einmal etwas schlechtes gegessen.

An diesem ersten Tag in Schweden waren wir vom Flug und dem vielen Laufen ziemlich geschafft, und gingen recht früh wieder zurück ins Hotel. Aber im Urlaub soll man sich ja auch entspannen… 🙂

8 Gedanken zu „Stockholm, Tag 1: Hej, Stockholm!

  1. Vinni rabensturmig sagt:

    Ich war ja auch erst in Stockholm – weil wir mit den Ticketpreisen nicht ganz durchgesehen haben, haben wir uns gleich ein Tagesticket gekauft. da sind wir dann Tunnelbana gefahren, Bus, Straßenbahn und Fähre 🙂 Aber unser Hotel war auch ein Stück außerhalb, da wär Laufen eher nicht gegangen.

    • Claudia sagt:

      Ich hatte in der Stadt auch kein Internet, konnte also keine Fahrverbindungen heraussuchen. Die Karte hatte ich aber vorher auf Google Maps runtergeladen, und GPS geht immer, also war laufen wirklich einfacher. 😀 Nur schade, dass man nicht auch die ÖPNV-Verbindungen offline sehen kann.

    • LENNART sagt:

      Dass man die Tagestickets aber nicht an den Automaten (vor denen man knien muss!) kaufen kann, sagt einem aber auch keiner! Darum haben wir auch zu viel gezahlt und haben ständig Einzeltickets gekauft. Das kann einem die Zeit da echt etwas vermiesen. Das und die Preise, die einen sich wie Bettler vorkommen lassen. Für uns war Stockholm der einzige Tiefpunkt unseres Sommerurlaubs. Gefallen hatte uns aber das internationale Flair und der überraschend französische Baustil.
      Uns hatte Kopenhagen besser gefallen (Ähnelte einer Mischung aus München-Schwabing und Berlin-Friedrichshain), obwohl es nicht günstiger war…
      Ist wohl Geschmackssache – bin auf eure restlichen Tage gespannt.

      • Claudia sagt:

        Wie gesagt, vom ÖPNV war ich auch eher enttäuscht. Wir versuchten in einen Bus zu steigen und uns wurde recht wirsch gesagt, dass man da vorher Tickets kaufen müsste. Nur super, wenn es so gut wie nirgends Ticketautomaten gibt. Ist so ein Ding, auf das man sich einstellen muss, und wir hatten einfach keine Ahnung und fanden es nicht sehr tourifreundlich. Aber trotzdem fand ich die Stadt ganz bezaubernd, besonders als dann endlich die Sonne schien. 🙂

  2. Anika sagt:

    Und da soll nochmal jemand sagen, das Preissystem in Tokyo sei kompliziert!

    Ich komme ja inzwischen nicht mal mehr mit dem meiner Heimat zurecht, geschweige denn dem anderer europäischer Städte.

    Man könnte wenigstens mal innerhalb Deutschlands eine gemeinsame Basis schaffen >.>

    • Claudia sagt:

      Das stimmt allerdings! In Berlin ist es recht easy, weil man überall Tickets bekommt, aber Stockholm hat mich wirklich verwirrt. Dabei sah das System soweit ganz gut aus, es gibt sogar viele Fähren usw.

  3. Karen sagt:

    Ich glaube, Fahrkartenautomaten sind out, seit man hier um Norden seine Fahrkarten per App kauft und sich die Gebühr wahlweise auf die Kreditkarten- oder Telefonrechnung setzen lässt. (Ging in Helsinki auch vor 15 Jahren schon per SMS.) 😀

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