Die geheimnisvolle Box.

Unsere jetzige Wohnung ist recht neu, wir sind erst die zweiten Mieter. Die alte Wohnung war so alt wie ich und technisch auf einem dementsprechenden Stand. An neue Dinge gewöhne ich mich eher schnell, aber manches ist schon etwas eigenartig.

Wir haben jetzt zum Beispiel eine Alarmanlage mit unglaublich vielen Knöpfen und dreiundzwölfzig Modi, die ich hoffentlich nie durcheinanderbringen werde – falls wir einen Fehlalarm auslösen und die Leute von der Alarmanlagenfirma anrücken, ganz ohne dass ein Kettensägenmörder in der Nähe ist, müssen wir Strafe zahlen. Mein Mann hat aber große Angst vor allem, was mir potentiel gefährlich werden könnte, weswegen er darauf pocht, dass ich den Wunderkasten verwende.

Die Wunderbox

Die Wunderbox

Bisher ging das doch nicht, denn um den Modus zu ändern braucht man eine PIN. Das erzählt einem die Alarmanlagenbox auch ganz gerne viele viele Male, denn bekannterweise redet in Japan alles mit einem. Nur fand sich in unseren Unterlagen nirgendwo ein Hinweis auf diese Nummer.

Zum Samstagabend hatten wir uns jemanden von der Firma bestellt, der mir das Dings mal erklären sollte. Die Bedienungsanleitung hatte ich auf der Suche nach der PIN schon mal durchgeblättert, ganz fremd war mir die Bedienung also nicht, aber man musste es mir natürlich noch einmal groß und breit erklären. Klaro.

Auf jeden Fall habe ich jetzt die PIN, es ist eingetragen, wer angerufen werden soll wenn wilde Bären* in die Wohnung eindringen und einen Schlüssel zur Wohnung hat die Firma auch bekommen, falls ein Notfall eintrifft.

* Nicht dass plötzlich jemand Angst um unser leibliches Wohl hat: Bären laufen hier nicht einfach durch die Stadt.

Ich habe derweil mehr Angst, dass die Anlage einfach so losgeht, als dass hier jemand einbricht…

Auf Wohnungssuche.

Wohnungsgrundriss

Grundriss der jetzigen Wohnung

Wir wohnen in einer (sehr) kleinen Wohnung.

Ansonsten ist alles wunderbar, die Lage stimmt, wir haben eine Bushaltestelle vor der Tür und die Sonne scheint uns im Winter die Wohnung warm.

Ein weiteres Zimmer wäre aber wirklich gut.

In Japan ist das Frühjahr die Zeit, in der die meisten Leute umziehen. Die meisten größeren Veränderungen finden hier vor und um den April statt: Schul- und Uniabschluss, Arbeitsantritt, Arbeitsplatzveränderungen. Also keine schlechte Zeit um nach einer Wohnung zu suchen.

Wir waren am Wochenende, für mich zum ersten Mal*, beim Makler. Unsere Bedingungen waren wie folgt: 2LDK** oder größer, in der Gegend***, höchstens zwölf Minuten Fußweg zum Bahnhof, möglichst neu und Miete bei höchstens 130,000Yen (ca. 1100€). Und wenn möglich, gern mit der Möglichkeit, Haustiere zu halten.

* Die Wohnung, in der wir jetzt wohnen, hat mein Mann allein gesucht und in Deutschland habe ich nie allein gewohnt.

** Zwei Zimmer, Wohnzimmer mit Ess- und Kochbereich

*** Eine der teuersten Gegenden in Chiba, unserer Präfektur

Wir also auf zum Immobilienmakler (die gibt es hier nämlich wie Sand am Meer), und ließen uns beraten.

Zum Glück ist unser Ansprechpartner, Herr Apaman*, sehr entspannt und versucht uns nichts schönzureden. Sehr angenehm. Wir bekommen also mehrere Wohnungen herausgesucht und entscheiden uns für fünf, die wir sehen wollen.

* „Apaman Shop“ ist der Name der Immobilienmaklerkette.

Also geht es mit Herrn Apaman im Firmenwagen los, und leider reißt uns nichts vom Hocker: Zu alt, komischer Grundriss oder das größte Problem: Keine Möglichkeit in allen Zimmern eine Klimaanlage anzubringen. Da es hier für gewöhnlich keine Heizungen gibt und die Isolierung der Häuser aber fragwürdig ist braucht man eine Klimaanlage um im Winter nicht zu erfrieren und im Sommer nicht zu schmelzen. Wenn wir aber nur im Wohnzimmer eine Klimaanlage haben, wird das Schlafzimmer nie warm bzw. kühl. Damit fallen schon einmal vier Wohnungen weg. Die fünfte hat einen Raum, der so komisch geschnitten ist, dass man ihn nicht anständig nutzen kann.

Herr Apaman erzählt uns von einer weiteren Wohnung, etwas weiter entfernt vom Bahnhof, in der man sogar Haustiere halten könnte. Als wir ankommen ist die Wohnung toll! Sehr neu, mit begehbarem Kleiderschrank und natürlich mit der Möglichkeit sich endlich eine Katze anzuschaffen. Wir sind also ganz aus dem Häuschen und freuen uns, bis dann, zurück im Büro, berechnet wird, wieviel Geld wir zahlen müssten um einziehen zu dürfen: Fast 700,000Yen (fast 6000€). Dafür ist die Lage nicht gut genug.

Mein Mann blieb aber mit Herrn Apaman in Kontakt und so bekamen wir am Dienstag mit, dass gerade eine Wohnung in sechs Minuten Entfernung zum Bahnhof freigeworden war. Euphorie beim Ehemann. Die Wohnung kann ab Mitte Februar, nach einer Grundreinigung, bezogen werden.

Gestern haben wir uns die Wohnung zeigen lassen und mein Mann hat gleich alle Dokumente ausgefüllt, die nötig sind, um sie zu mieten, damit uns keiner die Wohnung wegschnappen kann. Wir ziehen also um! Nicht weit weg, nur auf die andere Seite vom Bahnhof. Inklusive der ersten beiden Mieten (also 1.5 Mieten, wenn wir ab Mitte Februar einziehen), Kaution, Schlüsselgeld (das wir nie wieder sehen), Schlosswechselgebühr und einigen anderen Geldbeträgen bezahlen wir 600,000Yen (ca. 5000€).  Das ist noch immer viel Geld, aber die Wohnung war es meinem Mann (und er ist hier der, der spart) wert.

Grundriss der neuen Wohnung

Grundriss der neuen Wohnung

Kurz zum Grundriss: Der Eingang ist im Erdgeschoss, dann geht es eine Treppe hoch in den zweiten Stock. „CL“ sind Wandschränke und バルコニー ist der Balkon. Das kleine Dings vorm Zimmer rechts ist ein Platz um den Außenteil der Klimaanlage zu lagern.

Die Wohnung ist mit 55qm Größe ca. 21qm größer als unsere jetzige Wohnung.

Wir können uns also endlich ein Sofa kaufen! Wenn wir unterwegs sind schleichen wir in Läden immer um Sofas herum, derzeit haben wir aber keinen Platz um eins in die Wohnung zu stellen. Ab demnächst kann ich meinen Mann also aufs Sofa verbannen, wenn er mich ärgert! Woohoo! 😉

Der Umzug wird mit Sicherheit nochmal viel Stress bedeuten, ich habe schon Alpträume von schweren Dingen, die diese schmale Treppe herunterpurzeln.

Wohnung gefunden.

Wir haben übrigens vorletzte Woche eine Wohnung gefunden und mein Mann hat den Mietvertrag unterschrieben.

Für berliner Verhältnisse ist die Wohnung bei 620€ für 34qm (Angaben auf dem Grundriss sind in Tatami-Matten) natürlich verdammt teuer, für tokyoter Verhältnisse aber komplett akzeptabel. Wir hätten in einer anderen Gegend auch gut und gern 400€ mehr für eine Wohnung in gleicher Größe zahlen können. Machen wir aber nicht.

Nun gibt es in Japan natürlich auch so schöne Dinge wie Kaution und Provision für den Makler, außerdem noch Schlüsselgeld. Das summiert sich, mit der ersten Miete, auf fünf Monatsmieten. Ohne mein Wissen haben uns meine Schwiegereltern das Geld in einem Anfall von Großzügigkeit geliehen, weswegen wir in den ersten Monaten vielleicht doch mehr als Toast essen können.

Stress gibt es natürlich trotzdem, vor allem was die Einrichtung der Wohnung angeht, denn Geld haben wir trotzdem nicht wirklich und meine Schwiegermutter mischt sich in alles ein – mit dem Hintergrund, dass sie das ja kann, denn schließlich hat sie uns viel Geld geliehen. Das dürfte noch für ein wenig Zündstoff sorgen, ich freu mich schon drauf, oder auch nicht.

In ca. einer Woche geht’s los und ich hoffe, dass der Grimsvötn sich bis dahin wieder einkriegt. Hekla ist ja auch am Überlegen, aber mit etwas Glück lässt sie sich noch Zeit und ich kann planmäßig über Finnland nach Japan fliegen. Auf den finnischen Flughafen freue ich mich schon sehr, nicht nur, dass dort alle ihre putzige Sprache sprechen, nein, es gibt auch keine weiteren Sicherheitskontrollen (anders als in London Heathrow) und kurze Wege von Gate zu Gate und, als wäre das noch nicht genug, kostenloses Internet! Die mehreren Stunden Langweile kann ich mir so wunderbar damit vertreiben auf sämtlichen Seiten (Facebook, Twitter, LiveJournal, etc.) zu schreiben, dass ich grade in Finnland bin, denn was Besseres habe ich eh nicht zu tun. Weltgeschichte wird geschrieben werden in diesen zweieinhalb Stunden!