Testen. Immer wieder testen.

Japaner stehen volle Kanne auf Qualifikationen. Zettel, auf denen einem irgendetwas bescheinigt wird, sind Gold. Mein Mann hat einige, ich eigentlich nur zwei: Den JLPT N1 (Japanese Language Proficiency Test) und einen abgelaufenen TOEFL iBT (Test of English as Foreign Language internet-based testing) mit 109 Punkten.

Ich weiß nicht, wie ich solche Sprachtests finden soll, weil sie oft so wenig aussagen. Der JLPT hat zum Beispiel keine Sektion, wo man sprechen oder schreiben müsste – alles Multiple Choice. Angeblich ist man mit dem JLPT N1 auf Muttersprachlerniveau, ich zweifle das aber an.

TOPIK

Koreanisch lässt sich leichter ins Japanische als ins Deutsche übersetzen.

Auf jeden Fall haben meine Koreanischlehrerin und ich beschlossen, dass ich im Oktober am TOPIK (Test of Proficiency in Korean) für Anfänger teilnehmen werde. Die letzten Tests kann man sich komplett auf der offiziellen Seite inklusive Lösungsbogen herunterladen. Sogar die Audiodateien für den Hörteil gibt es kostenlos. Derzeit sitze ich in meiner freien Zeit, wenn ich grade nicht mit wichtigeren Dingen* beschäftigt bin, an diesen Aufgaben. Meine Lehrerin meint, ich schaffe das bestimmt, ich bin mir nicht so sicher.

Naja, mehr als sieben Monate habe ich ja noch…

* Ihr kennt das sicher, dass es plötzlich unglaublich viele unglaublich wichtige Dinge gibt, wenn man eigentlich lernen sollte. Ich gucke dann Dr. Phil und fühle mich schlecht.

Schreiben.

(Der Inhalt dieses Eintrags ist den meisten Lesern dieses Blogs sicher nicht neu, aber.)

Japanisch ist ziemlich leicht und gleichzeitig ziemlich schwierig zu lernen. Sprechen ist nicht zu schwer, lesen und schreiben dafür sehr.

Das fängt damit an, dass es zwei Silbenalphabete gibt. Das Silbenalphabet nennt sich 五十音 (Gojûon), 50 Töne. In Wirklichkeit sind 49 Silbenzeichen in täglichem Gebrauch. Nun haben wir aber zwei davon, eins hauptsächlich für japanische Worte (Hiragana) und eines hauptsächlich für Worte, die aus dem Ausland gekommen sind (Katakana). Das macht 98 Silben, die gelesen und geschrieben werden wollen. Hört sich erst mal viel an, ist aber mit viel Übung zu machen.

Auf der linken Seite sieht man die Silbe “Shi” einmal in Hiragana, schön, ein Haken; einmal in Katakana, oh, drei Striche, und dann in Kanji, das sieht aus wie – WAS? Kanji, meine Feinde! Es gibt leider pro Silbe nicht nur ein Kanji, sondern geschätzte 5 800. Also, so fühlt es sich an. Es gibt Worte, die an sich von der Lesung her gleich sind, und nur durch die Kanji voneinander zu unterscheiden sind. Beispiel: 防止 und 帽子, beides Bôshi gelesen, heißt einmal “Vorsorge” und einmal “Mütze”. Für so etwas sind Kanji nützlich.

Weil sie ihr ganzes diabolisches Potential aber noch nicht entfaltet haben, haben Kanji in sich auch verschiedene Lesungen. Nehmen wir einfach止, was oben im Wort für Vorsorge vorkam. Im Verb “(etwas) anhalten”, 止める (tomeru), wird es “to” gelesen. Im Verb “aufhören”, 止む (yamu), wird es “ya” gelesen. In Verbindung mit anderen Kanji, wie z.B. bei “Vorsorge” oder auch “Verbot”, 禁止 (kinshi), wird es “shi” gelesen. Dabei ist es noch keines der gemeinen Kanji, die wirklich viele Lesungen haben. Die Lesung in Verbindung mit anderen Kanji ist meist die sino-japanische On-Lesung, die in Verbindung mit Silben die urjapanische Kun-Lesung.

Warum ist es aber nun wichtig, die blöden Teile trotzdem zu lernen?

In japanischen Texten gibt es keine Leerzeichen. Derzeit lese ich ein Buch aus der Mumin-Reihe, das, um es für jüngere Leser lesbar zu machen, auf viele Kanji verzichtet. Ich erkenne aber nicht alle Worte auf Anhieb, weswegen es mir manchmal schwer fällt, die Worte auseinander zu halten. Man kann für gewöhnlich davon ausgehen, dass ein neues Wort beginnt, wenn nach einer Anordnung von Silben ein Kanji kommt. Es ist für die Leserlichkeit ein großer Unterschied, ob man 昨日の夜に私が豆腐を食べました。 oder きのうのよるにわたしがとうふをたべました。(Gestern Abend habe ich Tofu gegessen.) schreibt.

Wie oben erwähnt gibt es auch einfach viele Worte, die gleich klingen, und nur durch die Kanji auseinanderzuhalten sind. Außerdem erschließen sich einem Worte auch durch Kanji. Ein ganz einfaches Beispiel, 防水 (bôsui). Das erste Kanji (防; bô) kommt auch in 防ぐ (fusegu) zur Verwendung. 防ぐ heißt “abwehren”. Das zweite Kanji (水; in dem Fall sui), wird alleinstehend mizu gelesen und heißt einfach “Wasser”. Wenn ich das weiß, weiß ich auch, das 防水 (bôsui) “wasserabweisend” heißt. Wenn man einige Kanji kennt versteht man auch Worte, die man noch nie gelesen hat.

Aber warum sind die Silben überhaupt wichtig? Ich will ja nur sprechen können!

Eine Mitarbeiterin von mir lebt seit drei Jahren in Japan und hat sich bisher noch nicht die Mühe gemacht die Silben zu lernen. Wenn auf den Sachen der Kinder die Namen auf Japanisch geschrieben sind (in Silben), kann sie das nicht lesen. Wenn etwas nicht mit lateinischen Buchstaben geschrieben ist, kann sie es nicht lesen, auch wenn es wirklich wichtig ist. Außerdem erschließen sich ihr viele grammatikalische Dinge nicht, wodurch sich Fehler einschleichen und sie teils unverständlich machen. Nur nach Gehör eine Sprache zu lernen ist sicher toll, wenn man es denn wirklich kann, aber Menschen sprechen leider oft nicht deutlich, wodurch man Worte leicht falsch aufnimmt. So wird bei meiner Mitarbeiterin 強い (tsuyoi, stark) zu ちよい (chiyoi), und wenn keiner sie darauf hinweist, bleibt es das für die nächsten drei Jahre, weil sie es nirgends anders lesen kann.

Meine Mitarbeiterin kann dafür, dass sie kein Japanisch lesen kann, toll Japanisch sprechen, keine Frage. Allerdings ist es an sich keine Unmenge an Energie, die man ins Silbenlernen stecken muss und ein Ende ist absehbar – anders als bei Kanji. Ich tröste mich damit, dass auch nicht alle Japaner die fast 2000 Kanji die in Zeitschriften vorkommen lesen können…

Die erste Stunde Koreanischunterricht.

Letzten Samstag hatte ich übrigens meine erste Koreanisch-Stunde. Wie vorhergesehen habe ich mich natürlich wie ein absoluter Idiot angestellt…

Den Unterricht gibt die Freundin einer Freundin, pro Einzelstunde kostet das 3,000Yen (ca. 30€), was um einiges billiger ist als in einer Sprachschule Unterricht zu nehmen. Die Lehrerin ist nicht nur als Koreanischlehrerin sondern auch als Übersetzerin tätig, hat demzufolge also ein absolut tolles Japanisch. Die Stunden sind allerdings für Japaner mit großer Begeisterung für koreanische Serien, Filme und Musik, und daher einigem Vorwissen, konzipiert.

In der ersten Stunde wurde ich erstmal ziemlich erschlagen. 😉 Worte, die ich lerne, sollen sofort im Unterricht verwendet werden, weswegen Begrüßung, Verabschiedung, Fragen nach dem Befinden usw. einen zu lernenden A4-Zettel füllen. Bei ersten zaghaften Versuchen der Lehrerin, mich mit den Vokabeln zu konfrontieren, gab ich aber eine eher jämmerliche Figur ab.

Während das Lesen und Schreiben im Koreanischen leichter ist als im Japanischen und ich das eigentlich auch schon im Selbststudium gelernt habe, habe ich mich im Schnecktentempo durchs Lesen gequält. Ojee…

Fremdsprachenlernen ist zum Glück für alle ein Prozess von quasi Null, das muss ich mir immer mal wieder ins Gedächtnis rufen. Derzeit schaue ich mir die Vokabeln jeden Tag mal an, und inzwischen geht es auch ein wenig besser. Das Ziel ist natürlich irgendwann so gut Koreanisch zu sprechen wie Japanisch*, aber das dürfte ein langer Weg werden. Verdient die Lehrerin halt noch ein paar Jahre an mir. Gönne ich ihr 😉

* Und irgendwann so gut Japanisch wie Deutsch. Man kann ja noch träumen.

Sprachen lernen.

Aus irgendeinem Grund habe ich beschlossen, noch eine weitere Fremdsprache zu lernen. Vielleicht, weil drei Sprachen nicht reichen. Vielleicht aber auch einfach, weil ich mich vorm Kanjilernen drücken will.

Koreanisch ist dem Japanischen grammatikalisch sehr ähnlich, hat Schriftzeichen (Hangul), die aus eigenen Komponenten zusammengesetzt sind und im Moment ist die Sprache (und das Land) in Japan ziemlich angesagt.

Koreanische Pop-Bands stürmen die Charts, koreanische Formate laufen (synchronisiert) im Fernsehen, einige Izakayas haben koreanische Speisen auf dem Menu und koreanische Make-Up-Läden eröffnen an verschiedenen Orten (zumindest in Tokyo).

Koreanisches Essen ist mir zu scharf, koreanische Pop-Bands interessieren mich weniger, einen Fernseher haben wir auch nicht, aber Make-Up, immerhin etwas was ich verwende. Es gibt eigentlich also keinen großen Grund, warum ich jetzt Koreanisch lernen muss, aber irgendwie will ich. Zumindest ein Bisschen. Wenn es geht, werden wir in der zweiten Hälfte des Jahres nach Seoul fliegen, und es wäre cool, zumindest ein wenig etwas zu verstehen.

Mal schauen, was daraus wird. Ich habe ein Lehrbuch gekauft, dass ganz entspannte Lektionen hat, habe aber heute zum Ende hin gemerkt, wie meine Konzentration immer weiter nachgelassen hat. Auch noch so etwas, woran ich arbeiten muss.