豆知識: Wie tippt man Japanisch?

Ich sitze an einem Mac, es ist also alles Mac-spezifisch, aber am PC ist’s sehr ähnlich.

Es gibt eine Frage, die immer wieder aufkommt, wenn ich irgendwie “Japanisch” und “Internet” in einem Satz nenne: Wie tippt man Japanisch? Hat man dann eine ganz große Tastatur?

Es gibt zwei verschiedene Eingabearten, bei der einen wird jeder Taste auf der Tastatur eine Silbe (Hiragana/Katakana) zugeordnet, die habe ich aber noch nie in Verwendung gesehen. Viel öfter wird einfach das amerikanische Tastatur-Layout verwendet.

スクリーンショット 0025-07-12 17.00.25Wenn ich nun 豆知識 (Mame-Chishiki) schreiben möchte, gebe ich es also einfach so ein, wie ich es auch auf einer normalen Tastatur tun würde, es wird automatisch in Hiragana (oder, wenn man beim Mac die Shift-Taste gedrückt hält, in Katakana) umgewandelt. Das einzige, wo man etwas aufpassen muss, sind die Laute てぃ und でぃ (Ti und Di, jeweils zusammengesetzt aus Te/De (て/で) mit einem kleinen I (ぃ)). Wenn man dort einfach “Ti” bzw. “Di” eingibt, kommt ち (chi) bzw. ぢ (dhi) raus. Das muss man als “Thi” bzw. “Dhi” eingeben.

Bei meinem eingegebenen Wort schlägt mir der Mac gleich eine Umwandlung vor, die ich mit der Tab-Taste auswählen kann.

スクリーンショット 0025-07-12 17.00.37Wenn ich nach Eingabe die Enter-Taste drücke, bleibt alles so in Hiragana/Katakana stehen, wenn ich die Leertaste drücke, werden mir die Umwandlungsmöglichkeiten angezeigt. Mame-Chishiki wird nach Mame geteilt, weil es ein zusammengesetztes Wort ist. Also werden erst die Möglichkeiten angezeigt, um Mame zu schreiben, jeweils mit einer Erklärung zur Schreibweise*. Das braucht man für gewöhnlich nicht, manchmal ist es dennoch praktisch.

スクリーンショット 0025-07-12 17.00.57Wähle ich dann eine Schreibweise mit der Enter-Taste aus, wird sofort zum nächsten Wort- oder Satzteil weitergegangen. Diesen Vorgang kann man nach jedem Wort wiederholen, wenn man sich einmal dran gewöhnt hat, geht das ganz einfach von der Hand. Man kann auch gesamte Sätze erst nur in Silbenschrift (zum Beispiel: おとといかれしといっしょににっこうにでかけた。) schreiben und zum Schluss umwandeln (in diesem Fall wird es 一昨日彼氏と一緒に日光に出かけた。), aber das ist manchmal etwas nervig. Das System, das erkennt, wo ein Wort aufhört und das nächste beginnt, ist nämlich störungsanfällig – schließlich gibt es im Japanischen keine Leerzeichen um Worte voneinander zu trennen.

* 会う, 遇う, 遭う und 逢う werden alle あう (au) geschrieben und bedeuten alle “treffen”. Nur eben mit verschiedenen Konnotationen.

Über die japanische Texteingabe kann man auch Sonderzeichen recht einfach eingeben. Wenn ich おんぷ (Onpu; Note) eintippe, kann ich es in ♪ umwandeln.

Screenshot_2013-07-12-17-25-36Beim Handy funktioniert das ähnlich, wenn man dieses System verwenden möchte. Möchte ich aber nicht, das ist mir eine zu große Fummelei. Also nutze ich die Tastatur, die in Japan schon vor Smartphones geläufig war. Dabei sind die Silbengruppen auf zehn Tasten untergebracht. Wenn ich die Taste mit あ (a) mehrmals drücke oder einmal drücke und gleichzeitig in verschiedene Richtungen ziehe, kann ich auch い (i), う (u), え (e) und お (o) eingeben. Selbes gilt für die anderen Tasten, unter か (ka) finden sich also alle Silben, die mit K beginnen. Um z.B. は (ha) in ば (ba) oder ぱ (pa) umzuwandeln, also den Kreis oder die Strichelchen hinzuzufügen, drückt man die Taste auf der eben diese abgebildet sind, selbige Taste wird auch verwendet um Silben klein zu machen (あ→ぁ, つ→っ usw.).

Screenshot_2013-07-12-17-26-19Schon während man das Wort eingibt, schlägt einem das Handy verschiedene Möglichkeiten vor. Außerdem wird angezeigt, welche Worte man normalerweise nach einem anderen Wort eingibt, wenn man also öfter mal ähnliche Nachrichten schreibt, muss man nicht mal viel tippen. 😀

Insgesamt kann man damit recht schnell schreiben, also man könnte, wenn Android nicht manchmal etwas hinterherhinken würde… Das Update auf die neuste Version war ziemlich nutzlos, jetzt ist alles langsam.

Und so habt ihr wieder was gelernt. Oder auch nicht, weil wahrscheinlich einige Leute, die hier mitlesen, eh schon Japanisch lernen. Oder sprechen. Oder in Japan leben. Aber es wurde öfter mal gefragt, und es nur in Worten zu erklären ohne einen PC oder ein Handy zur Hand zu haben, ist gar nicht so einfach. Jetzt merke ich mir einfach die Adresse dieses Eintrags und schreibe sie Interessierten auf die Stirn. Das macht das Erklären sicher nicht unangenehmer.

Ach ja, 豆知識 (Mame-Chishiki) heißt Trivialwissen. 😉

Testen. Immer wieder testen.

Japaner stehen volle Kanne auf Qualifikationen. Zettel, auf denen einem irgendetwas bescheinigt wird, sind Gold. Mein Mann hat einige, ich eigentlich nur zwei: Den JLPT N1 (Japanese Language Proficiency Test) und einen abgelaufenen TOEFL iBT (Test of English as Foreign Language internet-based testing) mit 109 Punkten.

Ich weiß nicht, wie ich solche Sprachtests finden soll, weil sie oft so wenig aussagen. Der JLPT hat zum Beispiel keine Sektion, wo man sprechen oder schreiben müsste – alles Multiple Choice. Angeblich ist man mit dem JLPT N1 auf Muttersprachlerniveau, ich zweifle das aber an.

TOPIK

Koreanisch lässt sich leichter ins Japanische als ins Deutsche übersetzen.

Auf jeden Fall haben meine Koreanischlehrerin und ich beschlossen, dass ich im Oktober am TOPIK (Test of Proficiency in Korean) für Anfänger teilnehmen werde. Die letzten Tests kann man sich komplett auf der offiziellen Seite inklusive Lösungsbogen herunterladen. Sogar die Audiodateien für den Hörteil gibt es kostenlos. Derzeit sitze ich in meiner freien Zeit, wenn ich grade nicht mit wichtigeren Dingen* beschäftigt bin, an diesen Aufgaben. Meine Lehrerin meint, ich schaffe das bestimmt, ich bin mir nicht so sicher.

Naja, mehr als sieben Monate habe ich ja noch…

* Ihr kennt das sicher, dass es plötzlich unglaublich viele unglaublich wichtige Dinge gibt, wenn man eigentlich lernen sollte. Ich gucke dann Dr. Phil und fühle mich schlecht.

Schreiben.

(Der Inhalt dieses Eintrags ist den meisten Lesern dieses Blogs sicher nicht neu, aber.)

Japanisch ist ziemlich leicht und gleichzeitig ziemlich schwierig zu lernen. Sprechen ist nicht zu schwer, lesen und schreiben dafür sehr.

Das fängt damit an, dass es zwei Silbenalphabete gibt. Das Silbenalphabet nennt sich 五十音 (Gojûon), 50 Töne. In Wirklichkeit sind 49 Silbenzeichen in täglichem Gebrauch. Nun haben wir aber zwei davon, eins hauptsächlich für japanische Worte (Hiragana) und eines hauptsächlich für Worte, die aus dem Ausland gekommen sind (Katakana). Das macht 98 Silben, die gelesen und geschrieben werden wollen. Hört sich erst mal viel an, ist aber mit viel Übung zu machen.

Auf der linken Seite sieht man die Silbe “Shi” einmal in Hiragana, schön, ein Haken; einmal in Katakana, oh, drei Striche, und dann in Kanji, das sieht aus wie – WAS? Kanji, meine Feinde! Es gibt leider pro Silbe nicht nur ein Kanji, sondern geschätzte 5 800. Also, so fühlt es sich an. Es gibt Worte, die an sich von der Lesung her gleich sind, und nur durch die Kanji voneinander zu unterscheiden sind. Beispiel: 防止 und 帽子, beides Bôshi gelesen, heißt einmal “Vorsorge” und einmal “Mütze”. Für so etwas sind Kanji nützlich.

Weil sie ihr ganzes diabolisches Potential aber noch nicht entfaltet haben, haben Kanji in sich auch verschiedene Lesungen. Nehmen wir einfach止, was oben im Wort für Vorsorge vorkam. Im Verb “(etwas) anhalten”, 止める (tomeru), wird es “to” gelesen. Im Verb “aufhören”, 止む (yamu), wird es “ya” gelesen. In Verbindung mit anderen Kanji, wie z.B. bei “Vorsorge” oder auch “Verbot”, 禁止 (kinshi), wird es “shi” gelesen. Dabei ist es noch keines der gemeinen Kanji, die wirklich viele Lesungen haben. Die Lesung in Verbindung mit anderen Kanji ist meist die sino-japanische On-Lesung, die in Verbindung mit Silben die urjapanische Kun-Lesung.

Warum ist es aber nun wichtig, die blöden Teile trotzdem zu lernen?

In japanischen Texten gibt es keine Leerzeichen. Derzeit lese ich ein Buch aus der Mumin-Reihe, das, um es für jüngere Leser lesbar zu machen, auf viele Kanji verzichtet. Ich erkenne aber nicht alle Worte auf Anhieb, weswegen es mir manchmal schwer fällt, die Worte auseinander zu halten. Man kann für gewöhnlich davon ausgehen, dass ein neues Wort beginnt, wenn nach einer Anordnung von Silben ein Kanji kommt. Es ist für die Leserlichkeit ein großer Unterschied, ob man 昨日の夜に私が豆腐を食べました。 oder きのうのよるにわたしがとうふをたべました。(Gestern Abend habe ich Tofu gegessen.) schreibt.

Wie oben erwähnt gibt es auch einfach viele Worte, die gleich klingen, und nur durch die Kanji auseinanderzuhalten sind. Außerdem erschließen sich einem Worte auch durch Kanji. Ein ganz einfaches Beispiel, 防水 (bôsui). Das erste Kanji (防; bô) kommt auch in 防ぐ (fusegu) zur Verwendung. 防ぐ heißt “abwehren”. Das zweite Kanji (水; in dem Fall sui), wird alleinstehend mizu gelesen und heißt einfach “Wasser”. Wenn ich das weiß, weiß ich auch, das 防水 (bôsui) “wasserabweisend” heißt. Wenn man einige Kanji kennt versteht man auch Worte, die man noch nie gelesen hat.

Aber warum sind die Silben überhaupt wichtig? Ich will ja nur sprechen können!

Eine Mitarbeiterin von mir lebt seit drei Jahren in Japan und hat sich bisher noch nicht die Mühe gemacht die Silben zu lernen. Wenn auf den Sachen der Kinder die Namen auf Japanisch geschrieben sind (in Silben), kann sie das nicht lesen. Wenn etwas nicht mit lateinischen Buchstaben geschrieben ist, kann sie es nicht lesen, auch wenn es wirklich wichtig ist. Außerdem erschließen sich ihr viele grammatikalische Dinge nicht, wodurch sich Fehler einschleichen und sie teils unverständlich machen. Nur nach Gehör eine Sprache zu lernen ist sicher toll, wenn man es denn wirklich kann, aber Menschen sprechen leider oft nicht deutlich, wodurch man Worte leicht falsch aufnimmt. So wird bei meiner Mitarbeiterin 強い (tsuyoi, stark) zu ちよい (chiyoi), und wenn keiner sie darauf hinweist, bleibt es das für die nächsten drei Jahre, weil sie es nirgends anders lesen kann.

Meine Mitarbeiterin kann dafür, dass sie kein Japanisch lesen kann, toll Japanisch sprechen, keine Frage. Allerdings ist es an sich keine Unmenge an Energie, die man ins Silbenlernen stecken muss und ein Ende ist absehbar – anders als bei Kanji. Ich tröste mich damit, dass auch nicht alle Japaner die fast 2000 Kanji die in Zeitschriften vorkommen lesen können…

Die Krux mit den Kanji.

Nachdem ich den JLPT N1 bestanden habe, dachte ich, dass ich mich an meine nächste Schwachstelle wage: Kanji.

In Japan gibt es den 漢字検定 (Kanji-Kentei kurz auch 漢検 Kanken; Kanji-Zertifikat) auf zehn verschiedenen Levels bei denen eins das höchste ist. Level zehn ist das, was Erstklässler am Ende des Schuljahres können, Level eins ist Universitätslevel (oder höher).

Kanji sind an sich nur Lernsache, und viele habe ich auch einfach im Kopf behalten, weil ich sie so oft sehe. Bücher lesen ist eigentlich kein großes Problem (aktuell “Lakeside” von Higashino Keigo), Schilder, E-Mails und ähnliche Späße sowieso nicht. Inzwischen glaube ich sogar, dass Kanji praktisch sind, denn Japanisch ist eine Sprache voller Homophone – die Kanji geben oft Aufschluss darüber, worum es eigentlich geht. Solange man Kanji nur lesen und an PC und Handy tippen müsste, wäre das alles gar kein Problem.

Der Test hat nun aber mehrere Teile:

① Neben die Kanji die Lesung schreiben. → Kein Problem, lesen kann ich ja.

② Zu einem Kanji jeweils zwei Lesungen angeben (im Kontext). → Meist auch kein Problem.

③ Aus drei Möglichkeiten das richtige Kanji für eine angegebene Lesung schreiben. → Alles klar.

④ Die Striche in Kanji zählen und bestimmen, der wievielte Strich ein bestimmter ist. → Ich bin als Linkshänder (darauf schiebe ich es einfach) eine große Null darin, Kanji in der richtigen Strichfolge zu schreiben, zählen geht so halbwegs.

⑤ Angeben welche Lesung (on- oder kun-Lesung) ein Kanji mit angegebener Lesung hat. → Auch kein Ding.

⑥* Den Gegensatz eines Wortes suchen und ein Kanji aufschreiben. → Was? Mit der Hand? Aus dem Gedächtnis?

* Es gibt insgesamt 11 Aufgaben, aber ich habe einfach die Aufzählung abgebrochen.

… Ich kann nicht aus dem Gedächtnis mit der Hand schreiben. Absolut gar nicht. Einige Kanji schon, aber die sind etwas erbärmlich, und reichen nicht einmal aus um einem Viertklässler (Kanken Level 7) Konkurrenz zu machen. Warum ich nicht schreiben kann, liegt auf der Hand: Wann muss ich es denn mal? Wenn es wirklich etwas gibt, tippe ich den Text vorher am PC und schreibe ihn ab. Kanji, die ich, wenn ich sie sehe, ohne Probleme lesen kann, kann ich mir einfach nicht bildlich vorstellen, wenn ich sie schreiben soll.

Damals, vor vielen Jahren, besuchte ich Volkshochschulkurse um Japanisch zu lernen, in denen dann nach Ewigkeiten, die man sich gelangweilt hatte, weil irgendjemand irgendetwas noch immer nicht begriffen hatte, gnädigerweise mal Kanji auf dem Plan standen – bis ich die Kurse aufgab wahrscheinlich so zehn. Da rächt sich das gemeine Selbststudium und die schöne neue Welt, in der man keine Briefe mehr schreibt!

Also muss ich das alles nachholen. Wenn die Lehrbücher (wie gesagt, für Viertklässler) keine putzigen Bildchen an allen Ecken und Enden hätten, käme ich mir dabei auch nicht so bescheuert vor…