In welche Richtung wird Japanisch geschrieben?

Während wir im Deutschen so gut wie ausschließlich von links nach rechts schreiben, gibt es in Japan zwei verschiedene Schreibrichtungen.

Die ursprüngliche ist von oben nach unten und rechts nach links. Dafür eignen sich Kanji einfach ganz gut, und warum nicht? Anders als bei lateinischer Schreibschrift verbindet man Kanji, Hiragana und Katakana für gewöhnlich nicht, und selbst wenn man es tun würde – sie von oben nach unten zu verbinden bietet sich viel eher an. Außerdem haben die meisten japanischen Schriftzeichen die gleiche Breite und Höhe, während wir im lateinischen Alphabet Monster wie W neben kleinen i’s stehen haben. Das Ergebnis ist also nicht einmal optisch unansehnlich.

Wie bei solchen Texten mit ausländischem Text umgegangen wird ist immer anders, entweder man schreibt es einfach stumpf von oben nach unten oder der Text wird um 90° rotiert eingesetzt, man muss also den Kopf etwas neigen. Außerdem verwendet man lieber die japanischen Kanji für Zahlen, weil es einfacher zu lesen ist.

Bücher mit vertikaler Schrift werden von “hinten” aufgeschlagen.

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Ursprünglich schrieb man nur horizontal, wenn sonst nicht genug Platz war, und dann von rechts nach links. Später wurde diese Schreibweise auch verwendet um es angenehmer zu machen, Wörterbücher zu lesen.

Wenn man in Museen alte Werbungen sieht, trifft man auch auf diese Schreibweise. Es ist etwas verwirrend, weil man erst denkt, dass das Plakat gespiegelt ist – bis man feststellt, dass die Schriftzeichen selbst alle richtig herum geschrieben wurden. Die Creme in dieser Werbung ist クラブ美身クリーム (Kurabu Bishin Kurīmu; Club Verschönerungscreme), liest sich aber nach heutiger Leseweise ムーリク美身ブラク (Mūriku Bishin Buraku).

Heutzutage schreibt man bei horizontaler Schrift wie auch in Deutschland von links nach rechts.

Es werden beide Schriftausrichtungen verwendet, durchaus auch gemischt. In japanischen Zeitungen und Zeitschriften sind die Artikel meist vertikal geschrieben, Überschriften, Bildunterschriften und ähnliches aber oft horizontal. In Manga wird vertikal geschrieben, in Romanen auch. In vielen Lehrbüchern ist’s dann wieder horizontal – aber eben auch nicht in allen. Im Internet ist eigentlich alles horizontal, bei E-Mails und ähnlichem auch. Bei Briefen kommt es darauf an, aber ich glaube, dass die meisten Leute heutzutage horizontal schreiben. Es ist für mich übrigens viel einfacher Japanisch vertikal zu lesen als dasselbe mit Deutsch zu tun. Übung macht den Meister! 🙂

Grundschulkanji.

Nachdem ich letzten Freitag mit Bibi von Japanisch studieren im Panda-Café war, haben wir noch einen Abstecher in den Buchladen gemacht, damit ich ihr Lehrmittel für Japanisch zeigen konnte. So viele Japanischlehrbücher wie in Japan findet ihr nirgends! Garantiert!

Bibi ging es hauptsächlich um Kanji, und irgendwie hat mich das ein wenig motiviert, selbst mal wieder etwas zu machen.

Ich kann zwar das meiste lesen*, mit der Hand zu schreiben ist aber nicht so meins. Das habe ich übrigens mit den meisten Japanern gemeinsam. 🙂 Wenn mein Mann einen meiner Texte korrigiert höre ich öfter mal “Wie schreibt man das doch gleich?”. Er ist natürlich trotzdem um Welten besser als ich – schließlich ist er durchs japanische Schulsystem gegangen.

* Nicht 100% immer mit der richtigen Lesung, aber ich erkenne den Sinn.

kanjiAls Grundschüler lernt man in Japan etwa 1000 Kanji. Wie werden denen Kanji eingepaukt? Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung! So oft mit der Hand schreiben, bis man nicht mehr drüber nachdenken muss. Was hasse ich wie die Pest? Stumpfes Wiederholen. Und ja, ich habe auch schon versucht das Problem anders anzugehen – es führt scheinbar nichts daran vorbei, wenn man schreiben können möchte.

Und so schreibe ich im Moment Kanji, die Viertklässler lernen. Dabei sind so einfache Sachen wie 愛 (ai; Liebe), 信 (shin; glauben), und 医 (i; Heilung/Arzt/Medizin), die ich aus dem Effeff beherrsche. Auf der anderen Seite ist da 腸 (chô; Eingeweide). An sich kein schweres Kanji, aber wie oft schreibe ich das denn mit der Hand?! Also heißt es schreiben, schreiben, schreiben, bis die Hand wehtut. Dauert gar nicht so lang. 😉

Schreibt ihr eigentlich viel mit der Hand? Privat tippe ich nämlich fast ausschließlich.

Der Krampf mit dem Keigo.

Ich lerne derzeit 敬語 (Keigo). Keigo sind die japanischen Höflichkeitsformen, die mir wahrscheinlich frühzeitig graue Haare bescheren werden. Während wir im Deutschen einfach die dritte Person Plural (sie) mit einem großen Anfangsbuchstaben versehen, ist das im Japanischen ein wenig komplizierter, weil streng hierarchisch und für mich manchmal undurchsichtig. Je nachdem zu welcher Beziehung eine Person zu mir steht oder auch in welcher Beziehung eine dritte Person zu der angesprochenen Person steht, werden die Worte geändert.

Nun hat man natürlich im Alltag sowieso ein wenig Keigo. Im Wartezimmer meines Arztes sagt mir keiner

「座って待ってて」 (Suwatte Mattete; Setz dich hin und warte)

sondern

「おかけになってお待ちください」(O-kake ni natte o-machi kudasai)

Das ist 尊敬語 (Sonkeigo), das Respekt vor der angesprochenen Person ausdrückt.

Sogar der Kriegsschrei der japanischen Serviceindustrie

「いらっしゃいませ」(Irasshaimase; Kommen Sie/Willkommen)

ist Sonkeigo. Manchmal wäre mir Respekt vor meinen Trommelfellen lieber. 😉

Neben Sonkeigo gibt es auch 謙譲語 (Kenjôgo), die den Sprecher bescheidener wirken lässt. Auch die hat man im Alltag oft.

「お名前をお伺いしてもよろしいでしょうか?」 (o-namae wo o-ukagai shite mo yoroshii deshô ka?; Darf ich Sie nach Ihrem Namen fragen?)

Das Problem ist natürlich, dass ich wirklich nur diese Phrasen kenne, die mir im Alltag über den Weg laufen. Sofern ich nicht vorhabe zum Beispiel in einem Restaurant zu arbeiten, bringt mir das wenig.

Ich tröste mich damit, dass auch Japaner Keigo aktiv lernen müssen und sie so oft Fehler machen, dass es für bestimmte eigene Namen gibt, zum Beispiel 二重敬語 (Nijû-Keigo; Zweischichten-Keigo), was passiert wenn man Sonkeigo-Verbformen (いらっしゃる irassharu statt 行く iku) dann noch in die Passivform setzt, weil das auch eine Art wäre höflich zu sein (richtig wäre 行かれる ikareru statt 行く iku). Heraus kommt dann いらっしゃられる (irassharareru), was falsch ist.

Die dritte Keigo-Form ist übrigens 丁寧語 (Teineigo), was die meisten wahrscheinlich als です・ます・ございます (desu, masu, gozaimasu) kennen. Das ist einfach das Japanisch, dass man mit jedem außer Freunden, Familie und Kindern nutzt. In der Umgangssprache wird übrigens statt zum Beispiel

「彼女から聞きました」 (Kanojo kara kikimashita; Ich hab’s von ihr gehört)

gern die faule Version

「彼女から聞いたんです」(Kanoji kara kiita’n’desu)

also “Verb in der Grundform + ndesu”, genutzt. Während のです (no desu) bzw. んです (n’desu) eine eigene grammatikalische Aufgabe hat, wird es oft einfach als “Instant Teineigo” verwendet. Ich bekenne mich schuldig.

via Yosensha, wo man auch ein wenig reinlesen kann

via Yosensha, wo man auch ein wenig reinlesen kann

Da ich vorhabe ab nächstem Frühjahr nicht mehr zu lehren, sondern nach Möglichkeit in einer japanischen Firma zu arbeiten, muss ich jetzt in den sauren Apfel beißen. Was habe ich also als erstes getan? Ein Buch gekauft, natürlich.

Es heißt 美しい言葉づかいと敬語の教室 (Utsukushii Kotoba-dsukai to Keigo no Kyôshitsu). Ich finde den grünen Umschlag auch sehr nett:

「知らなかった」「教わらなかった」ではすまされない!! (“Shiranakatta” “Osowaranakatta” de ha sumasarenai!!; “Das wusste ich nicht”, “das hat mir niemand beigebracht” lasse ich nicht durchgehen!!)

Es ist wirklich ein Buch um die Grundlagen zu lernen und damit genau, was ich brauche.

Außerdem schreibe ich zur Übung Briefe in Keigo, die mein Mann dann korrigieren darf. Er meint, es wird langsam besser. Ich merke auch, dass es mir langsam geringfügig weniger starke Kopfschmerzen bereitet. Geringfügig.

(Ich garantiere nicht, dass das Japanisch in diesem Eintrag korrekt ist.)

Wie ich Japanisch gelernt habe.

Um diesen Eintrag funktionieren zu lassen, behaupte ich jetzt einfach, dass ich ganz anständiges Japanisch spreche, und ihr müsst es mir abnehmen. 😉 Ich habe zwar den JLPT N1 im Winter 2011 bestanden, aber das heißt nicht viel, weil es letztendlich nur Multiple Choice-Fragen sind. Die Sprechfähigkeit wird nicht getestet.

Mehr: Nur noch… fast drei Monate. (JLPT-Anmeldung)
Mehr: Große Überraschung. (JLPT bestanden)

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