Deutschland, Teil 1: Stuttgart.

IMGP2002Am Sonntag Morgen um halb sechs kam ich am Flughafen Frankfurt an, wahrscheinlich mit einem der frühesten Flüge.

Erkenntnis Nummer Eins: Deutsche sind entspannter.

Die Mitarbeiter am Flughafen waren alle komplett entspannt, mit Gelächter und Gequatsche. Gäbe es so in Japan nicht, da muss der schöne Schein gewahrt werden. Bevor ich in die Lufthansa Lounge konnte, musste ich erst einmal warten, dass die Dame vom Empfang mit ihrer Mitarbeiterin fertiggequatscht hatte. Das finde ich übrigens auch gar nicht negativ, arbeiten soll ja Spaß machen, ich bin es nur nicht mehr gewöhnt.

Nach dem Frühstück und Nachricht an meinen Mann ging es weiter nach Stuttgart, wo ich dann noch etwas am Flughafen ausharrte, weil meine Mutter extra auch für einen Tag in den Süden flog! 😀

IMGP2031Zusammen sind wir dann in die Stadt gefahren, haben meinen Koffer im Hotel abgegeben und haben die Innenstadt zu Fuß erkundet. Falls hier Stuttgarter mitlesen sollten: Ihr habt da ein richtig schniekes Städtchen. 🙂 Das gute Wetter und der schöne Herbst hatten sicher seinen Anteil daran.

Nach einer ausgedehnten Kaffee-Pause, Schwänegucken vor der Oper, Weißwurstessen* und langen Gesprächen ging es dann wieder zurück zum Flughafen, um meine Mutter zu Verabschieden und die Mitarbeiter der japanischen Firma, für die ich in Stuttgart war, zu begrüßen.

Beweisfoto!

Beweisfoto!

* Die erste wurde mir geschält (nein, mir fällt kein besseres Wort ein), bei der zweiten habe ich das allein geschafft. 😉

Während man mich vorher gebeten hatte den von mir bereits bestellten Tisch in einer Gaststätte abzubestellen, weil keiner Hunger hätte, wollten dann plötzlich doch alle zumindest auf ein Bier gehen – oder fünf. Mit Kartoffelsalat, Würstchen und Maultaschen.

Am nächsten Tag ging es los mit dem Aufbau unseres Messestands, und man hatten die ein Glück, dass ich dabei war: Statt des Firmenlogos hatte man uns nur einen generischen Schriftzug am Stand befestigt, ein Erklärungspanel war nicht da, der Computer ging während der Vorbereitungen in Rauch auf…

Als dann aber die Besucher in die Hallen strömten, lief eigentlich alles gut. Die Produkte, die die Firma vorstellte, sind zwar Nischenprodukte, hauptsächlich für die Qualitätskontrolle, aber technisch dermaßen gut, dass wir haufenweise Komplimente einheimsen konnten. 🙂

Da die Mitarbeiter der Firma entweder kein Englisch oder eher begrenztes Englisch sprechen, war außer mir noch eine Taiwanesin mitgekommen, mit der zusammen ich wirklich viel Spaß hatte. Allein wäre es doch sehr monoton gewesen. Am letzten Tag bin ich dann zwischendurch auch mal zehn Minuten über die Messe gelaufen und habe Taschen und Kugelschreiber mitgenommen. 😉 Für die Firma war die Messe übrigens sehr erfolgreich, weswegen ich von nun per E-Mail mit Interessenten kommunizieren werde. Juche, Arbeit!

10387545_10204942972358069_8345818496572102032_nInsgesamt war es mir außerhalb dieses ersten, mit meiner Mutter verbrachten Tages, nahezu unmöglich die Stadt genauer kennenzulernen: Am Montag wurde ich zur Oper mitgeschliffen**, am Dienstag war ich zu müde, am Mittwoch waren wir alle beim Restaurant Wielandshöhe, und am Donnerstag Abend ging’s dann auch schon nach Berlin. Sowieso war das Wetter nach Montag eigentlich so schlecht und kalt, dass ich nicht länger als nötig draußen sein wollte.

** “Der Freischütz”, mit Jetlag und nach einem Arbeitstag. Ich gebe frei zu, dass ich ständig eingeschlafen bin.

Erkenntnis Nummer Zwei: Deutschland ist kalt. So bitterlich kalt. Wie ich das je vergessen konnte ist mir ein Rätsel.

Claudia auf Notstrom.

Ich bin wieder da!

Deutschland war zwar wirklich sehr nett, aber da ich letztendlich keinen richtig freien Tag hatte und mein Körper sowieso etwas gegen’s Fliegen hat, bin ich arg erschöpft. Dann vergesse ich schonmal Freunden und Familie zu sagen, dass ich ohne Probleme in Japan angekommen bin…

Richtige Einträge starten wieder sobald ich nicht mehr auf dem Zahnfleisch gehe.

Und dann kommt ein großer Eintrag darüber, wie Deutschland so total subjektiv immer komischer wird. Außerdem: “Warum man sich die PIN für seine Kreditkarte merken sollte.” und “Natürlich streikt die Bahn wenn ich da bin, sonst würde ich mich auch gar nicht heimisch fühlen”.

Bis dahin!

Ich werde zum Klischee.

Morgen Nacht geht der Flug. Eigentlich übermorgen. Claudia packt.

20141031_214258Dieses Mal habe ich natürlich die Schwierigkeit, dass ich quasi zweimal packen muss: Einmal Business-Kleidung für die Messe in Stuttgart, einmal meine normalen Klamotten für drei Tage Berlin. Das resultiert dann darin, dass ich in das Klischee der kofferpackenden Weiblichkeit mutiere:

Ich brauche nämlich neben meinen flachen Schuhen auch meine Stiefel, meine Stiefeletten und meine Pumps. Dringend! Wie soll ich sonst den Berliner Vorwinter überleben? Zum Glück habe ich dafür gar nicht genug Platz im Koffer. Aber ich brauche unbedingt fünf Outfits für drei Tage! Und vielleicht noch meinen anderen Mantel? Soll ja schließlich kalt sein. Apropos “kalt”, Thermounterwäsche! Wo war die nochmal? Brauche ich die? Ja!

Zwangsweise habe ich jetzt übrigens einiges wieder ausgeräumt, schließlich muss ich Omiyage mitbringen, die müssen irgendwo reinpassen. 😉

Nebenbei habe ich übrigens eine Erkältung, was auch den eher langsamen Blogalltag hier erklären sollte. Nächstes Mal vielleicht aus Deutschland, vielleicht auch erst später. 🙂

Vorbereitungen.

Am Montag Abend war ich mit meinem Schwiegervater bei der Firma, für die ich nächste Woche in Stuttgart auf der Messe stehen werde.

Die ganze Sache hatte zwei Ziele: Erstens sollte ich meine Visitenkarten, die Flugbestätigung und sonstige Dokumente erhalten und zweitens wollte man mir etwas über die Produkte, die auf der Messe vorgestellt werden, beibringen.

Nun behaupte ich von mir selbst absolut nicht dumm zu sein, und in Physik war ich sogar gar nicht schlecht, aber wenn mir jemand plötzlich mit physikalischen Gleichungen zu teilweiser Kohärenz daherkommt, macht mein Kopf zu. Ich habe tatsächlich sogar ein Buch zur Optik gekauft (例題で学ぶ光学入門*), musste mir aber eigenstehen, dass ich absolut keinen Plan habe. Da fehlt mir dann doch einiges.

* Hier ein kurzer Einwurf, um zu zeigen, wie wichtig Kanji sind: 光学 und 工学 werden in Hiragana gleich geschrieben (こうがく kôgaku), aber ersteres heißt Optik und letzteres Ingenieurswissenschaften.

Zum Glück war mein Schwiegervater dabei, der mir dabei geholfen hat, herauszufinden, was denn jetzt überhaupt das Besondere an den Produkten ist. Es ist dann doch konkreter zu sagen “Mit diesem System können Sie stromsparendere Lichtquellen als bisher verwenden.” als irgendjemandem mit σ und NA und weiß ich was zu kommen – zumal ich das selbst nicht verstehe. Solche Dinge kann ich dann gern vor Ort übersetzen, es sind schließlich Leute dabei, die Ahnung haben.

Im Moment bin ich etwas angespannt, ich hoffe, dass sich das gibt, wenn es losgeht. Tut es eigentlich immer. Und immerhin bin ich für vier Tage nicht Claudia, die im Kindergarten Kindern Englisch beibringt, sondern Claudia, die für eine Optik-Firma arbeitet. Ich habe sogar die Visitenkarten um es zu beweisen! 😉

Letztendlich dürfte das Anstrengendste an der ganzen Aktion der Flug nach Deutschland sein: Nachts um eins geht es los und nach elf Stunden komme ich um fünf Uhr morgens in Frankfurt an. Wünscht mir Glück! 🙂

(Eigentlich wollte ich in diesem Eintrag ein Foto meiner tollen Visitenkarten haben, stellte aber fest, dass ich eigentlich alles außer meines Vornamens wegpixeln müsste…)