Heufieber, Heufieber!

 

(Den Titel bitte wie „Night fever, night feveeeer“ lesen. 😉 )

Vor einigen Tagen dachte ich, dass ich plötzlich erkrankt sei. Die Nase war zu. Doch sonst fühlte ich mich eigentlich gar nicht, als hätte ich eine Erkältung. Der Wetterbericht brachte des Rätsels Lösung: Es ist wieder Pollenzeit.

Ich bin nämlich gegen die Pollen der 杉 (Sugi; japanischen Zeder) allergisch. Das ist in Japan eine recht typische Allergie, vor allem in Tokyo. Nach dem zweiten Weltkrieg hat man in Tokyo viel Zeder angebaut, weil die Bäume schnell wachsen und man Baumaterial brauchte. Mehr Bäume bedeutet natürlich auch mehr Pollen.

Außerdem ist die Stadt recht zugebaut, die Pollen fallen also auf Asphalt von wo aus sie mit etwas Wind leicht wieder in die Luft gelangen. Tatsächlich ist in Tokyo drei Monate im Jahr, von Februar bis Ende April, die Luft stark belastet. Zum Glück bin ich scheinbar nicht so sensibel, dass ich mir alle zehneinhalb Monate, in denen Zedernpollen hier in der Gegend durch die Luft fliegen, die Nase laufen würde.

Zwei Monate sind aber auch absolut genug. 🙁

In Deutschland hatte ich das Problem übrigens nicht, aber dort gab es auch nicht genug japanische Zedern. 😉

Kirsche oder Pflaume?

Beinahe die Hälfte des kalten Februars ist überstanden, und langsam regt sich auch in der Pflanzenwelt wieder einiges. Zum Beispiel fangen die Bäume an zu blühen – doch Vorsicht, nicht alles, was pink oder weiß blüht ist ein Kirschbaum! Das kann ein wenig peinlich sein, wenn ihr ganz enthusiastisch von Kirschbäumen schwärmt, während auf euren Urlaubsfotos eigentlich Pflaumenbäume zu sehen sind…

Damit ihr euch da nicht vertut oder irgendwelchen Irrtümern aufsitzt, hier ein kleiner, einfacher Guide zum Blütenbestimmen. 😀 (Keine Garantie für nichts!)

Was im Moment viel blüht, ist 梅 (Ume), die japanische Pflaume. Wenn es für die Kirschblüte eigentlich noch zu früh ist und ihr aber einen Baum in voller Pracht seht ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Pflaumenbaum. Die meisten Pflaumenarten blühen in Tokyo von Anfang Februar bis Ende März.

Pflaumenblüten sind weiß bis pink, und dank verschiedenster Züchtungen findet man auch bei den Blütenblättern große Unterschiede. Aber: Die Blütenblätter von Pflaumenblüten sind immer rund. Die Blüten selbst sind mit nur einem sehr kurzen Stiel mit dem Ast verbunden, es sieht also so aus als würden sie direkt aus dem Ast heraus blühen.

桜

Viel beliebter als die Pflaumenblüte ist 桜 (Sakura), die Kirschblüte. Sie gilt als Symbol der Vergänglichkeit, entsprechend kurzzeitig blühen sie auch nur. Wenn ein Baum komplett blüht, schnell hin, oder die Blütenblätter liegen schon auf dem Boden. 🙂 Für gewöhnlich blühen Kirschbäume von Ende März bis Anfang April. Es gibt extra Seiten, auf denen man sich die Vorhersage durchlesen kann.

Es gibt tatsächlich auch im Herbst und Winter blühende Kirschbäume, aber die sind besonders. Erwartet also nicht im Januar große Ansammlungen von blühenden Kirschbäumen zu sehen. 😉

Auch Kirschblüten sind weiß bis pink, und auch hier gibt es unzählige Variationen. Nur die Blütenblätter sind alle oval und wirken wie eingeschnitten. Wenn ihr euch die Anleitung zum Kirschblütenfalten mal anschaut, fällt euch das sicher auch sofort auf. Außerdem kleben die Blüten nicht so nah am Ast, das ist auch im Titelbild dieses Blogs sehr gut zu erkennen. 🙂

Wie schaut’s aus, ist der Frühling auch bei euch schon nah?

Kirschblüte im Oktober.

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Am Dienstag war Feiertag. Tag der Kultur (文化の日 Bunka no Hi), glaube ich. Wahrscheinlich werde ich mir nie diese ganzen verdammten Feiertage merken, aber das macht zum Glück niemandem etwas aus.

Auf jeden Fall lief ich mit meiner Freundin Julia, ihres Zeichens Freundin aus Schultagen, die mein Hochzeitskleid genäht hat, und sich derzeit für einen Urlaub in Tokyo befindend, von ihrer Unterkunft in Sendagaya zum nahen Shinjuku-Gyoen (新宿御苑). Am Eingangstor hing ein Schild, auf dem gekennzeichnet war, welche Pflanzen sich denn derzeit in der Blüte befinden. Sehr überrascht waren wir, als tatsächlich 桜 (Sakura; die japanische Kirschblüte) dort auftauchte.

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Tatsächlich assoziiert man diese nämlich ausschließlich mit dem Frühling – jedes Jahr machen wir uns auf den Weg zur Hanami (花見), dem Blumengucken. Dieses Jahr waren wir dafür sogar im selben Park! Für Japan ist der Frühling eine Zeit der Veränderung. Das Schuljahr endet Ende März und beginnt Anfang April, neue Arbeitsstellen werden angetreten, man zieht um. Die Kirschblüte als Zeichen des ewigen Wandels passt da wunderbar hinein.
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Auf Nachfrage hat die Dame am Ticketschalter uns die drei Kirschbäume, die derzeit blühen, auf einer Karte eingezeichnet. Und tatsächlich: Auf einer Wiese stand der erste Baum, einzeln aber von Leuten mit Kameras umringt. 😉 Er sah ein wenig aus, wie aus der Zeit gefallen. Die Bäume standen meist noch nicht einmal in voller Blüte, auf den Bildern könnt ihr auch Knospen sehen.

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Die drei Bäume waren übrigens alle unterschiedliche Kirschbaumarten, ich erinnere mich aber leider nur an die Namen der letzten beiden: 十月桜 (Jūgatsu-Zakura; wörtl. Oktober-Kirsche) und 子福桜 (Kobuku-Zakura; wörtl. Kinderglück(?)-Kirsche).

Tatsächlich schwankten auch die Japaner zwischen fasziniert und verwirrt.

Kleiner Junge mit argwönischem Blick: Papa! Warum blühen die Kirschbäume obwohl es nicht Frühling ist?!

Sehr gut erkannt, kleines japanisches Kind!

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Ich habe mich auf jeden Fall sehr gefreut auch in der kälteren Jahreszeit noch eine kleine Erinnerung an den Frühling zu sehen. 🙂 Die japanische Kirschblüte ist eben nicht nur eine Art Baum, es gibt die verschiedensten Kirschblüten, und manche blühen eben erst, wenn es kälter wird. Wer im Januar und Februar Kirschblühten sehen möchte, muss übrigens nach Okinawa oder gleich Taiwan. 😉

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Erdbeben-Alarm? Nein, Erdrutsche und Überschwemmung!

IMG_3464 (2)Am Mittwoch im Büro klingelte plötzlich ein Handy super laut. „Wer hat denn sein Handy nicht auf stumm?“, dachte ich mir, bis plötzlich ein wenig Aufregung herrschte, weil auch andere Handys anfingen zu klingeln.

緊急速報 (Kinkyû-sokuhô; Frühwarnungen) bekommen alle in Japan automatisch aufs Handy geschickt, allerdings nur auf Japanisch. Den Klingelton dazu kann man nicht abschalten, schließlich ist es ein Alarm. Warum uns nicht gleich auffiel, dass es eine Frühwarnung war, ist auch klar: Das System kennen wir in Tokyo eigentlich nur von Erdbeben, und da ist der Klingelton anders (ein wunderbares Whoop-Whoop-Whoop).

Aber diesmal ging es um etwas anderes: Erdrutschgefahr. In den letzten Wochen hat es exhorbitant viel geregnet, und gestern traf ein Taifun Tokyo. In der Nachricht stand, dass man sich bitte auf die Evakuierung vorbereiten sollte. Zum Glück ging es nur um andere Teile des Bezirks. Wir wurden trotzdem früher nach Hause geschickt.

IMG_3462Am Donnerstag Morgen um fünf wurden wir dann auch von dem Klang der großen Lautsprecher in unserer Umgebung geweckt. Und dann gingen unsere Handys los. Mehrmals.

Angefangen bei 避難準備 (Hinan-Junbi; Evakuierungs-Vorbereitung), über 避難勧告 (Hinan-Kankoku; Evakuierungs-Empfehlung) zu 避難指示 (Hinan-Shiji; Evakuierungs-Anweisung). Zum Glück nicht bei uns, sondern in anderen Teilen unserer Stadt*. Das ständige Klingeln der Handys war aber weiterführendem Schlaf nicht unbedingt zuträglich, wir blieben also wach.

* Ich wohne nicht direkt in Tokyo, sondern an einer direkt angrenzenden Stadt. Also eigentlich noch immer Tokyo, in Wirklichkeit aber schon eine andere Präfektur.

Von der Brücke über unseren Fluss aus sah ich dann auch das Ausmaß des Taifuns: Wo sonst Fußball- und Baseballfelder sind, stand das Wasser meterhoch. Ein Glück, dass wir Deiche haben… Ein anderer Fluss in unserer Nähe war auch ziemlich angeschwollen.

Dabei war der Taifun gar nicht so laut und der Regen gar nicht so stark – dummerweise hat es aber die letzten zwei Wochen fast durchgehend geregnet. In anderen Teilen des Landes sind die Überflutungen viel schlimmer. Die Deiche am 鬼怒川 (Kinugawa) in 栃木県 (Tochigi-ken; der Präfektur Tochigi) haben nicht gehalten, und die gesamte Region steht unter Wasser.

Sind eben nicht nur Erdbeben, die einem das Leben in Japan schwer machen. 🙁