An regnerischen Tagen sucht man sich in der Videothek auch mal einen Film nach dem Cover aus. Dieses Mal hat uns das eine wunderbare Entdeckung beschert. 🙂
Darsteller: Kobayashi Kaoru, Mikako Tabe, Odagiri Joe
Wenn andere zu Bett gehen eröffnet das Restaurant des namenlosen “Master” in Shinjuku. Der Film erzählt von seinen exzentrischen Gästen und einer Urne, die im Restaurant liegengelassen wurde.
Meine Meinung: Was ein wunderbarer Film! Ich liebe episodisch erzählte Filme, und vor allem solche mit viel Herz. 🙂 Ein perfekter Film, wenn man etwas Ruhiges sehen möchte. Etwas überdrehte Charaktere, denen man aber immer anmerkt, dass unter der rauen Schale ein weicher Kern steckt. Universelle Geschichten, die dennoch eindeutig japanisch sind: Ein obdachloses Mädchen kommt aus Akita im Norden des Landes und bringt Gerichte von dort mit, und ein Mann aus der Nähe von Fukushima verliebt sich an die freiwillige Helferin, die ihm nach dem Unglück 2011 geholfen hat.
Wenn man nach dem Film noch nicht genug hat, kann man sich übrigens die ganze gleichnamige Serie dazu ansehen oder den Manga lesen. 🙂
Ich mag Dialekte sehr gern, auch wenn ich deutsche kaum verstehe. Bairisch ist und bleibt eine Fremdsprache, die ich mir nicht über die mir bekannten Sprachen ableiten kann.
Auf Japanisch heißt Dialekt 方言 (Hōgen) und für spezifische Dialekte wird 弁 (ben) als Suffix an Ortsnamen gehängt, wie bei 大阪弁 (Osaka-Dialekt). Als vor einigen Jahren “Frozen” so unglaublich beliebt war, stellten YouTuber Versionen des Liedes “生まれて初めて リプライズ” (“Umarete Hajimete Reprise”/”For the First Time in Forever Reprise”) in ihrem Heimatdialekt ins Internet.
Für mich natürlich super spannend, weil man damit lokale Dialekte hervorragend vergleichen kann. 😀
Das Tokyoter Japanisch ist als Standardsprache (標準語) festgelegt, offiziell sprechen wir also keinen Dialekt. Inoffiziell ist das etwas anders, in etwa wie wenn ein Berliner … nicht berlinert. Die Betonung ist etwas anders, und ein paar besondere Worte haben wir. Letztendlich ist Tokyoter Japanisch aber super langweilig. 🙁
Ganz anders die folgenden Dialekte! Die Standard-Version des Liedes findet ihr hier.
Und als nächstes im wahrscheinlich bekanntesten Dialekt, dem oben erwähnten Osaka-Dialekt:
Den Dialekt kennen alle in Japan, er wird vor allem in Comedy viel verwendet, und manchmal benutzen Leute ihn, um cool zu wirken. Was neben offensichtlichen Unterschieden (や (ya) statt じゃ (ja) und よ (yo)) auffällt, ist, dass alle Laute gesprochen werden. Wenn Ana in Osaka-ben 残して (nokoshite; zurücklassen) singt, ist das “i” betont. In Tokyo sind wir etwas mundfauler, es würde wie “nokoshte” gesprochen werden.
Aber wir reden noch immer deutlicher als die Leute aus dem hohen Norden. 八戸弁 (Hachinohe-Dialekt) wird oft als Dialekt für Bauern und Leute vom Lande verwendet:
Aus harten Lauten werden weiche, aus 生まれて初めて (umarete hajimete) 生まれで初めで (umarede hajimede).
Aber immerhin versteht man diese Dialekte noch. Okinawa war eine Zeit lang sein eigenes Königreich und war auch sonst immer weit genug vom Rest Japans entfernt um einen absolut unverständlichen Dialekt zu entwickeln:
Über den Kanji stehen hier die Lesungen, weil man sonst überhaupt keinen Plan hätte. Im Dialekt liest man Kanji komplett anders… Allerdings weiß ich nicht, ob junge Menschen diesen Dialekt noch aktiv sprechen. Es wäre schade wenn nicht.
Der Teil des Landes, aus dem mein Lieblingsdialekt stammt, war auch lange sehr abgeschnitten vom Rest des Landes, auf einer Seite das Meer, auf der anderen Berge: 津軽弁 (Tsugaru-Dialekt) aus dem hohen Norden! Wenn ich jemals einen Dialekt aktiv lernen sollte, dann diesen. Leider gibt es nur “Let it Go” (ありのままで ari no mama de) auf Tsugaru-ben, die normale Version findet ihr hier. Hier die… andere:
Glaubt mir, auch die meisten Japaner verstehen höchstens 10% von dem, was er da singt. 😉
かったるい kattarui → körperlich erschöpft sein くっちゃべる kucchaberu → quatschen, höchstwahrscheinlich laut und nervig 青たん Aotan → blauer Fleck (sagen echt alle anderen 青あざ Aoaza?!) かたす katasu → aufräumen (Standarsprache: 片づける katadsukeru)
Der bei Männern am beliebteste Dialekt ist übrigens wohl 京都弁 (Kyoto-Dialekt), dicht gefolgt von 博多弁 (Hakata-Dialekt). Welche Dialekte Frauen toll finden interessiert leider scheinbar niemanden, falls jemand eine Liste hat, immer her damit.
Habt ihr einen Lieblingsdialekt, im Deutschen oder einer anderen Sprache? Sprecht ihr mit Dialekt? Und was ist ein Wort, dass “Außenseiter” nicht verstehen?
(Ich weiß, ihr wolltet diese Lieder alle vergessen. Man kann halt nicht alles haben. ;))
猛威 (Môi; Bedrohung, Raserei) und 豪快 (Gôkai; famos, aufregend)
Seit ich 2011 den JLPT N1 abgelegt, und dann wundersamerweise auch bestanden habe, lerne ich nicht mehr aktiv japanische Vokabeln. Ich kann mich problemslos verständlich machen, was mehr brauche ich? Wortgewandtheit. Präzision. Deutsch ist eine sehr präzise Sprache, auf Japanisch kann ich mich aber nicht halb so gut ausdrücken. Und trotzdem werde ich gefragt, ob ich nicht vielleicht in Japan aufgewachsen oder zur Schule gegangen sei, oder ob ich vielleicht Halbjapanerin wäre. Mit der Nase?!
Wo lernt man neue Worte? In Büchern! Im Englischen geht das ganz gut, man liest ein Wort mehrere Male in verschiedenen Zusammenhängen und irgendwann weiß man, was es heißt. Auf Japanisch ist das Problem, dass ich erst einmal lesen können muss, was da steht. Selbst wenn ich die Zeichen kenne, erschließt sich mir die Aussprache oft nicht. (Japanisch hat verschiedene Lesungen für ein und dasselbe Schriftzeichen.)
Aber beim Lesen Zeiche nachzuschlagen stört den Lesefluss. Aufschreiben kann ich sie oft auch nicht, meist lese ich nämlich in der Bahn. Es wäre ganz wunderbar, die Worte irgendwie zu markieren, damit ich sie später gesammelt heraussuchen kann – aber in Bücher zu kritzeln ist babarisch.
Deswegen habe ich mir vor einigen Tagen endlich Frixon-Marker zugelegt. Frixon wird in der Silbenschrift Katakana genauso geschrieben wie Friction (Reibung), und das ist das Besondere: Sie sind komplett wegradierbar, nur durch Reibung. Also letztendlich natürlich durch die Hitze, die durch die Reibung entsteht. Selbst wenn ich etwas im Buch markiere, kann ich es später also wieder ungeschehen machen. Strg + Z fürs echte Leben. 😀 Frixon gibt es auch als Stifte, auch in Deutschland, und wenn ihr gern Fehler ungeschehen machen wollt und nicht oft heißen Tee auf euren Unterlagen abstellt oder selbige auf eure Heizung legt, kann ich sie euch wärmstens empfehlen. 🙂 Wie Tintenkiller, nur besser und mehrfach radierbar.
Jetzt muss ich nur noch die Vokabeln irgendwo hin übertragen, damit es wirklich etwas bringt. 🙂
Im Moment lese ich übrigens 望遠ニッポン見聞録 (Bôen Nippon Kenbunroku; Memoiren von Japan aus der Ferne) von ヤマザキマリ (Yamazaki Mari), ihres Zeichens seit Jahrzenten nicht mehr in Japan lebende Mangazeichnerin, unter anderem von Thermae Romae. 🙂
Derzeit findet auf der Facebook-Seite dieses Blogs eine kleine Verlosung statt. Unter anderem frage ich, was ihr gern mehr auf diesem Blog sehen würdet. Eine Antwort war: Mehr über japanische Fernsehserien. Nun muss ich zugeben, dass wir eigentlich kein Fersehen gucken. Von neuen Serien habe ich deswegen absolut keine Ahnung, dafür gucken wir alte Sachen.
Eine Lieblingsserie ist 水曜どうでしょう (Suiyô dô deshô; Wie ist’s mit Mittwoch?), die Serie mit der Team Nacs (安田顕 Yasuda Ken, 森崎博之 Morisaki Hiroyuki, 戸次重幸 Totsugi Shigeyuki, 大泉洋 Ôizumi Yô, 音尾琢磨 Oto’o Takuma), eine Schauspielertruppe aus 北海道 (Hokkaidô) bekannt wurde. Inzwischen sind die meisten Mitglieder regelmäßig in Film und Fernsehen zu sehen, und treten noch immer gemeinsam auf der Bühne auf.
Suiyô dô deshô hat trotz seiner ursprünglich sehr begrenzten Reichweite, es lief auf einem Sender, der in Hokkaido ausgestrahlt wird, kurz vor Mitternacht, eine riesige Fanbase, auch außerhalb der nördlichsten und größten Präfektur Japans. Trotzdem ist es nicht unbedingt allgemeines Kulturgut.
(c) HTB
Die Serie selbst ist ziemlich trashig, was sicher damit zusammenhängt, dass die Darsteller in den 90ern unbekannt waren und der Lokalsender nicht zu viel Geld aufwenden wollte. Nachdem das so erfolgreich war, hat man es einfach beibehalten 😉 Fast jede Staffel beginnt damit, dass sich die teilehmenden Mitglieder, außer Ôizumi Yô ändert sich die Besetzung von Staffel zu Staffel, treffen, um zu erfahren, wohin die Reise gehen soll. Sie wissen nur wie lange sie unterwegs sein werden, aber nicht wie weit weg es geht, oder was ihre Aufgabe sein wird.
In einer Staffel suchen sie nach berühmten Orten, von denen sie Postkarten haben, in einer anderen besuchen sie alle 88 Tempel auf 四国 (Shikoku) innerhalb von 5 Tagen, in noch einer Staffel fahren sie in Kanus den Yukon River in Kanada herunter – die meiste Zeit herrscht kalkulierte Anarchie.
Das alles bringt sie natürlich in prekäre Situationen, die für den Zuschauer aber unglaublich amüsant sind. An sich ist es eine Sendung, in der jetzt bekannte Schauspieler die ganze Zeit nur machen, worauf sie lustig sind. Da die Chemie stimmt, funktioniert das aber wunderbar.
(c) HTB
Ein weiteres Merkmal der Sendung ist, dass alle Darsteller mit den Menschen hinter der Kamera agieren. So sehen wir den Kameramann und den Regisseur zwar nicht, sie sind aber immer präsent. Wie auch in vielen anderen japanischen Sendungen werden prägnante Sätze eingeblendet, was sicher hilft, wenn man mal nicht genau versteht, was genau gesagt wurde. Je neuer die Staffel umso mehr Einblendungen.
Die reguläre Sendung läuft schon seit Jahren nicht mehr, aber es gibt immer mal wieder Specials, so auch diesen Sommer. 🙂
Die Sendung kann man übrigens großteils auf YouTube sehen. Einfach nach 水曜どうでしょう suchen und drauf einlassen. 😉