Feuerwerk im Regen.

Am Samstag traf ich mich in 赤坂 (Akasaka) mit mehreren Frauen und einer 着付け (Kitsuke; Ankleide, vor allem für japanische Kleidung)-Lehrerin. Der Plan war, einen Yukata zu tragen und dann zum 足立区花火大会 (Adachi-ku Hanabi-Taikai; Feuerwerkstreffen des Bezirks Adachi) zu fahren.

20140719_170353Zum Ankleiden waren wir zu acht, plus Lehrerin, die alles total nett erklärt hat. Leider hatten drei Leute Schummel-Yukata dabei, die man sehr einfach anziehen kann, weil zum Beispiel die Falte an der Hüfte festgenäht ist. Gegen Schummeln habe ich, als großes Faultier, natürlich nichts, aber persönlich finde ich, dass ein normaler Yukata immer hübscher aussieht. Außerdem lohnt sich die Anwesenheit einer Lehrerin für diese Leute eigentlich nicht, so einen Schummel-Yukata bekommt man auch total einfach alleine angezogen.

Der Fuji! :D

Der Fuji! 😀

Ich weiß nicht, ob ihr euch dran erinnert, aber vor zwei Jahren habe ich für ein halbes Jahr Kimono-Anziehen gelernt, alle zwei Wochen. Davon ist erstaunlich viel hängengeblieben, das Muskelgedächtnis ist nicht zu unterschätzen. 😉

Als wir fertig waren, trafen wir uns mit Familienmitgliedern einiger Teilnehmer, um dann mit der Bahn nach 北千住 (Kitasenju) zu fahren. Dort ausgestiegen regnete es ein klein wenig, und während wir uns unter den Arkaden auf den Weg zum Flussufer machten, begann es wie aus Eimern zu schütten. Wir warteten erstmal ab, und während der Platzregen aufhörte, blieb es trotzdem weiterhin regnerisch. Wir waren so weit gekommen, dass wir dieses Feuerwerk aber unbedingt sehen wollten.

20140719_202501Normalerweise würde man ein Feuerwerk bei starkem Regen absagen und auf den nächsten Tag verschieben, es war aber schon klar, dass der Wind am Sonntag zu stark sein würde – ein weiteren Ausweichtermin gab es nicht. Und so fand das Feuerwerk statt. Im Regen, der zum Glück etwas nachließ. Der Mann der Organisatorin unseres Treffens hatte für uns ab Mittag einen Platz freigehalten, so dass wir das Feuerwerk aus nächster Nähe sehen konnten.

Feuerwerke in Japan dauern normalerweise eine Stunde, was mir bisher immer sehr lang vorkam, aber wenn man in der Zuschauermenge mit allen zusammen “Ah!” und “Oh!” ruft vergeht die Zeit sehr schnell. Nach etwa 30 Minuten hörte es auch auf zu regnen, so dass wir endlich unser mitgebrachtes Essen auspacken konnten. Mein Arm tat vom ewigen Regenschirmhalten auch ziemlich weh. 🙁

20140719_200854Unsere Yukata hatten sich natürlich mit Wasser vollgesogen und dank des Regens war die Temperatur nicht sonderlich sommerlich, weswegen wir doch ziemlich froren. Bis zum Ende des Feuerwerks merkten wir davon glücklicherweise nicht viel. 🙂

Ein Mädchen aus der Gruppe musste unbedingt ihren Zug schaffen um nach Hause zu kommen, und so bot ich mich an mit ihr durch die Menschenmassen zurück zum Bahnhof zu finden. Man kann auch im Yukata und mit Geta (Holzschuhen) rennen. Ein bisschen zumindest. Nach dreißig Minuten Hektik kamen wir zum Glück rechtzeitig an.

Zuhause angekommen stellte ich fest, dass mein nasser Yukata blaue Spuren auf meinem Körper hinterlassen hatte, aber nun gut – dafür war das Feuerwerk wirklich fantastisch. 😀

Das nächste sehe ich trotzdem vom Balkon der Schwiegereltern aus, am 2. August findet das 江戸川区花火大会 (Edogawa-ku Hanabi-Taikai; Feuerwerkstreffen des Bezirks Edogawa) statt. Wahrscheinlich wird mir wieder nach 20 Minuten langweilig…

(Für Interessierte, hier ein Foto meiner Haare, hier das supereinfache Tutorial! :D)

Mädchenkrams: Mein Kleiderschrank.

Weil ich dachte, dass es für einige ganz interessant ist, hier ein Eintrag darüber, was ich so trage. 🙂

Rock: United Arrows ♥/ Bluse: Laissé Passé ♥ / Cardigan: Début de Fiore / Tasche: Samantha Thavasa / Schuhe: Diana

Die meisten Leser wissen wahrscheinlich von meiner Arbeit, falls nicht: Ich arbeite in einem Kindergarten. Auf Arbeit trage ich also meist Kleidung, die erstens auch dreckig werden darf und in der ich mich zweitens gut bewegen kann. Letztendlich sind es also wunderbar modische Hosen und T-Shirts. Im Winter lange Hosen, im Sommer kurze, T-Shirts von Uniqlo* oder Qwertee.

* Mir ist klar, dass das im Deutschen ein unvorteilhafter Name ist. 😉

Das ist also 作業着 (Sagyôgi; Arbeitskleidung), und dann habe ich 私服 (Shifuku; eigene Kleidung**). 😀 Obwohl ich früher großer Fan von japanischer Streetfashion war, bin ich jetzt ein ziemlicher Normalo – für Japan. In Berlin fühle ich mich immer ein wenig komisch, weil die Ästhetik dann doch anders ist.

Die Größen auch. Die Standardgröße ist 9号 (9-gô; Nummer 9), sie liegt zwischen den deutschen Konfektionsgrößen 34 und 36, allerdings ist sie für kleinere Menschen konzipiert. Außerdem wird diese Größenangabe fast nie auf Kleidungslabels verwendet, nur als generelle, markenübergreifende, Größenangabe. Vor allem größere und günstigere Läden wie Uniqlo oder GU bieten aber ein relativ breites Größenspektrum.

Rock: Bon Mercerie / Cardigan und Bluse: Strawberry Fields / Schuhe: Habe ich vergessen.

Rock: Bon Mercerie ♥ / Cardigan und Bluse: Strawberry Fields ♥ / Schuhe: Habe ich vergessen.

** Ich wette, dass einige von euch japanische Modezeitschriften lesen. Ganz oft gibt es モデルの私服! (Model no Shifuku) oder ähnliches, das sind dann die Klamotten, die die Models privat tragen.

Dummerweise haben alle interessanten Läden oftmals nur eine oder zwei Größen im Angebot. Wie die Größen genannt werden, ist scheinbar jedem selbst überlassen. Ich habe viel von Laissé Passé und Debut de Fiore*** dort gibt es jeweils Größe 36 und 38. Nur, dass die jeweils eine Kleidergröße kleiner sind als in Deutschland. Strawberry Fields hat Größe 2, was je nach Kleidungsstück zwischen Größe 36 und 38 schwankt. So hat man jedes Mal den großen Spaß zu schauen, ob einem etwas passt oder nicht. Und deswegen probiere ich in Japan alles an. 😉

*** An dämliche Markennahmen müsst ihr euch leider gewöhnen.

Rock: Bon Mercerie / Cardigan und Oberteil: Laissé Passé / Schuhe: via Marui One / Tasche: Samantha Thavasa

Rock: Bon Mercerie ♥ / Cardigan: Laissé Passé Oberteil: Laissé Passé ♥ / Schuhe: via Marui One / Tasche: Samantha Thavasa

Dank meiner Körpergröße, stolzen 171cm, passiert es sehr oft, dass Röcke und Kleider an mir sehr kurz sind. Nach langen Hosen schaue ich eigentlich kaum noch, weil ich außerdem das Problem der gebärfreudigen Hüfte gepaart mit relativ schlanken Beinen habe. Verbunden mit meiner Körpergröße artet dann in eine sehr frustrierende Suche nach der einen passenden Hose aus. Ja, das ist einer der Gründe, warum ich privat fast ausschließlich Röcke trage.

Meine Ansprüche an langärmlige Oberteile und Jacken habe ich auch schon sehr heruntergeschraubt, es ist komplett normal, dass sie einige Zentimeter zu kurz sind. Ich habe beschlossen, dass man das jetzt einfach so trägt. Der blaue Cardigan mit den weißen Streifen ist zum Beispiel eigentlich langärmlig.

Rock: Début de Fiore / Jacke, Cardigan und Bluse: Laissé Passé / Schuhe: Habe ich vergessen / Tasche: Samantha Thavasa

Rock: Début de Fiore / Jacke und Cardigan: Laissé Passé / Bluse: Laissé Passé ♥ / Schuhe: Habe ich vergessen / Tasche: Samantha Thavasa

Auf jeden Fall gibt es in Japan eine leichter verfügbare größere Vielfalt an Kleidung als in Deutschland. Wenn man in Deutschland in ein Einkaufszentrum geht, gibt es oft nur Zara, H&M und Konsorten, hier sind die Läden oft zwar kleiner, aber unterscheiden sich stärker voneinander. In Deutschland kaufe ich wenn dann nur Hosen. 😉

Was man auch dazu sagen muss: In Japan einzukaufen ist teuer, ob nun für Männer oder Frauen. Natürlich gibt es auch immer eine günstige Alternative, aber die gefällt mir oft nicht. 🙁 Lieber mehr Geld ausgeben für Sachen, die einem wirklich gefallen. Ich habe nicht nur einen Rock für um die 17,000Yen (ca. 120€), und mein langer Trenchcoat war noch um einiges teurer, aber ich kaufe erstens oft im Sale und manchmal auch Second Hand**** und die Sachen halten bei mir auch eine ganze Weile. Dummerweise leert sich dadurch nur der Kleiderschrank nicht so schnell, wie ich neue Sachen kaufe. 😉

**** In jedem Bild trage ich Kleidungsstücke, die ich im Sale oder online Second Hand gekauft habe. Sie sind alle mit ♥ gekennzeichnet. 🙂

Bei Schuhen sieht es in Japan übrigens schlecht aus, wenn man als Frau mit Füßen ausgestattet ist, die länger als 25cm sind. So wird das in Japan nämlich angegeben: In Zentimeter. Oft entspricht das aber natürlich nicht genau der Länge der Innensohle, weswegen auch Schuhe immer anprobiert werden sollten. Für größere Füße gibt es natürlich Läden, aber die Auswahl ist begrenzt. Auch hier habe ich mal wieder Glück, ich habe winzige Füße, 23.5 bis 24cm. 🙂

Und das ist’s. Meine Klamotten. 🙂

Letztens beim Frühstück.

Letztes Wochenende beschlossen wir, zur Solamachi zu fahren. Der Sommer-Sale hatte begonnen und außerdem war es Biergarten-Wetter. In der Solamachi gibt es ein Restaurant, das auf ausländische Biere spezialisiert ist und wo man auch draußen essen kann: 世界のビール博物館 (Sekai no Bîru Hakubutsukan; Welt-Bier-Museum).

Vorher ging es zum Frühstück und unser Gespräch kam darauf, dass wir vielleicht ein Auto kaufen wenn ich schwanger werde und dass ich einen Führerschein brauche.

Er: “Du solltest es mal ausprobieren.”

Ich: “Hmn?”

Er: “Lass uns doch irgendwo hinfahren, wo du gegen nichts fahren kannst, und dann fährst du Auto.”

Ich (halte mich an der Tischplatte fest): “Nein! Wir müssen doch zur Solamachi! Bier trinken! Bier! Ich geb’ dir eins aus!”

20140706_121516Und so geschah es.

Während ich an meinem Ginger Ale nippte* bestellte mein Mann sich durch Europa, fragte nach jedem Bier, warum die Japaner nicht so gutes Bier brauen können und ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen.

* Ich trinke recht wenig und gestern Abend stellten wir auch wieder fest, warum – nach drei Bier lief ich sehr angeheitert durch Tokyo.

Mit Alkohol im Blut kann man nicht mehr autofahren, und so verbrachten wir den Rest des Tages damit einzukaufen.**

Gerade noch einmal gut ausgegangen. 😉

** Würde es irgendjemanden interessieren, was ich so für Klamotten trage? Bei Interesse schreibe ich mal drüber. Mit Fotos. 🙂

Die etwas eigenartigen Dinge in Japan.

In Japan bin ich über die 国民健康保険 (Kokumin Kenkô-Hoken; Nationale Krankenversicherung) versichert. Über die Firma kann ich nicht versichert werden, weil ich dafür zu wenig arbeite und über meinen Mann und damit seine Firma kann ich nicht versichert werden, weil ich zu viel verdiene. Die Grenze liegt, wenn ich mich recht entsinne, bei 1,300,000Yen (ca. 9300€). Meine Krankenversicherung muss ich also komplett aus eigener Tasche bezahlen, aber ich nutze das System dermaßen, dass es sich absolut lohnt.

Übrigens zahlt man für gewöhnlich 30% der Arztkosten in Japan selbst. Das heißt, dass es schon mal empfindlich wehtun kann, wenn doch eine genauere Untersuchung ansteht.

20140623_160812#1Mehrmals im Jahr bekomme ich einen Brief*, in dem steht, bei welchem Arzt ich war und wie viel Geld das gekostet hat. Ich weiß nicht genau, warum ich diese Information benötige, vielleicht versucht man ja mir ein schlechtes Gewissen zu machen. 😉

* Eigentlich eine Postkarte. Wir haben hier Postkarten, die man auffalten kann. Ist wohl günstiger als Briefe zu verschicken.

20140623_160802#1

Nein, so heiße ich nicht.

Was aber eigentlich eigenartig ist, ist an wen diese Postkarten addressiert sind: An meinen Mann.

Mein Mann ist nicht über die gleiche Versicherung krankenversichert. Er bezahlt meine Krankenversicherung nicht. Er hat überhaupt nichts mit denen zu tun. Aber scheinbar reicht allein, dass er der Mann im Haus ist, aus um ihn dafür zu qualifizieren soetwas zugeschickt zu bekommen. (Er ist tatsächlich 世帯主 (Setai-Nushi; Kopf des Haushalts).)

Nicht dass ich Geheimnisse vor meinem Mann hätte, aber etwas nervt es mich schon. Geht ja schließlich um meine Gesundheit und meine Arztbesuche.

Die Beiträge errechnen sich übrigens aus dem Haushaltseinkommen… Und da mein Mann letztes Jahr noch mehr Überstunden gemacht hat als im Vorjahr steigen meine Beiträge plötzlich um 50%… 🙁