Claudia wird zum Samurai.

Am Samstag ging es, von der Schifffahrt noch ganz erschöpft, nach 中目黒 (Nakameguro), um am Samurai Workshop von Field Trip+ teilzunehmen.

殺陣 (Tate; Bühnenkampf) ist die Kunst, einen Kampf im Fernsehen oder auf der Bühne gefährlich und tödlich aussehen zu lassen, ohne tatsächlich irgendjemanden zu verletzen. Wir haben uns angesehen, wie das beim 日本刀 (Nihon-tô; Katana) funktioniert.

Alle Fotos via Field Trip+

Alle Fotos via Field Trip+

Weder bei uns im Workshop noch in Filmen werden natürlich echte Schwerter verwendet. Erstens müssen die alle registriert werden, und zweitens wären die japanischen Zeitungen sonst um einige Schlagzeilen in Richtung “Berühmter Schauspieler aus Versehen enthauptet” reicher. Stattdessen verwendet man im Film Schwerter aus Holz, Aluminium oder ähnlichen Materialien. Wir hatten 木刀 (Bokutô; Holzschwerter).

Unsere Lehrer waren 米山勇樹 (Yoneyama Yûki) und 川渕かおり (Kawabuchi Kaori) vom Sword Performance Team 偉伝或〜IDEAL〜.

Nachdem wir uns aufgewärmt hatten, wurden uns Tate und die verschiedenen Teile des Schwerts erklärt, und wir lernten, wie so ein echter Samurai sich vorstellt: Immer mit der rechten Hand frei, damit er schnell sein Schwert schnappen und Angreifer abwehren kann. 😉

10632632_819971811367776_1358800609765919274_nDie Grundhaltung, rechtes Bein nach vorn, rechte Hand nach oben, Arm durchstrecken, und wie man zuschlägt wurde recht lange geübt, und mir wurde klar, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Schaukämpfen ist anstrengend! Den zweiten Teil der Workshops verbrachten wir dann damit in Gruppen eine kurze Choreographie zu erarbeiten: Einer greift an, die Schwerter treffen sich dreimal, beide drehen sich umeinander und vertauschen die Ausgangspositionen, der Angreifer versucht erneut anzugreifen, wird aber mit einem gezielten Schnitt in den Magen getötet. Klingt nicht nach viel, ist aber für jemanden, der so ungeübt ist wie ich, gar nicht so einfach. Vor allem das Sterben wollte einfach nicht richtig gelingen…

10610588_819971868034437_8558592296730560482_nIn der Pause quatschten alle ein wenig miteinander, und Kaori, die weibliche Lehrerin, erzählte uns, was sie sonst so macht – Zum Beispiel das Motion Capture für Serah Farron, und teils für Lightning’s Kampfszenen im Videospiel Final Fantasy XIII. Ziemlich cool! Außerdem ist sie wohl öfter mal im Ausland, auch in Deutschland, um Leuten den japanischen Schaukampf näherzubringen. Herr Yoneyama choreographiert unter anderem Kämpfe für Film und Fersehen. Beide waren wirklich nett und haben alles leicht verständlich erklärt.

Dreimal die Woche veranstalten sie Tate-Unterricht, je einmal in Meguro, Yokohama und Sagamihara. Leider ist das alles etwas weit weg, der Probeunterricht hat mir nämlich wirklich Spaß gemacht und wenn Sport mir Spaß macht, soll das schon was heißen. 🙂

Falls ich mal wieder die Möglichkeit haben sollte dran teilzunehmen, würde ich die Chance ergreifen. Auch wenn ich am Sonntag schrecklichen Muskelkalter überall hatte. 😉

Begrüßungsgeschenke.

Den Namen habe ich wegzensiert.

Den Namen habe ich wegzensiert.

Letzte Woche klingelte es nachmittags, und durch die Gegensprechanlage hörte ich

“Mein Name ist Tanaka, wir sind in die Wohnung 201* gezogen! Ich möchte uns vorstellen!”

Auf der Treppe ins Erdgeschoss überlegte ich noch, ob das vielleicht ein neuer Trick von Zeitungsverkäufern/der NHK, der japanischen GEZ/den Zeugen Jehovas/Massenmördern sei, aber immerhin wurde tatsächlich vor kurzem die Wohnung 201 neu vermietet. Ich würde es also vielleicht überleben.

Vor der Tür stand dann tatsächlich ein Ehepaar, etwas älter als wir, und der Mann hielt mir ein Begrüßungsgeschenk entgegen.

Das ist in Japan üblich, wir haben uns damals auch vorgestellt und 500-Yen-Gutscheine** verschenkt. Man erkauft sich damit natürlich den guten Willen der Nachbarn, außerdem weiß man wer um einem herum so wohnt. In einem riesigen Wohnhaus reicht es höchstwahrscheinlich aus, sich den Leuten auf der eigenen Etage vorzustellen.

In der Schachtel war übrigens ein kleines Handtuch. 🙂

Scheinbar keine Massenmörder.

* Die Zimmernummer ist meist dreistellig. Die erste Ziffer zeigt das Stockwerk an, danach wird durchgezählt. 102 (übrigens ichi-maru-ni gelesen, als eins-Kreis-zwei) ist also die zweite Wohnung im Erdgeschoss.

** 商品券 (Shôhin-ken; Warentickets) kann man an unglaublich vielen Orten einlösen und es wirkt besser, als einfach Geld zu verschenken.

Mädchenkrams: Japanische Frauenärzte.

Als Faultier in menschlicher Hülle halte ich mich nicht immer so ganz genau an die Empfehlungen für Routineuntersuchungen. “Wird schon nichts passieren” ist meine Devise, nur beim Gynäkologen mache ich mir Sorgen.

Als ich 2011 nach Japan zog, bekam ich meine Pille weiterhin aus Deutschland. Die beste Gynäkologin der Welt (oder zumindest Berlins) verschrieb sie mir weiter und so konnte ich den Besuch bei einem japanischen Frauenarzt weiter vor mich hin schieben. Schließlich hatte ich auch eigenartige Geschichten von Freundinnen gehört, die meine Motivation gehörig sinken ließen.

Da ich aber eigentlich plane hier zu bleiben, bezwang ich irgendwann den Schweinehund und machte mich auf die Suche. Problem Nummer eins: Eine Ärztin finden.

Die meisten Ärzte in Japan sind Männer, das ist auch bei Gynäkologen nicht anders. Bei Magenproblemen und Halsschmerzen kann das gern ein Mann diagnostizieren, wenn es um meine Geschlechtsteile geht lieber nicht. Es ist mir einfach unangenehm, egal wie egal dem jeweiligen Arzt meine Vagina ist und wie viele er am Tag sieht. Ich mag es nicht.

Also suchte ich im Internet nach “〇〇市 婦人科 女医” (〇〇-shi Fujinka Joi; XYZ*-Stadt Gynäkologie Ärztin). Ein paar Treffer gab es, und so setzte ich mich in die Bahn, fuhr eine Station, ging zur Klinik – und wurde von einem Mann untersucht. Die Ärztin kommt nur an bestimmten Tagen zu bestimmten Uhrzeiten, die absolut nicht mit meinem Kalender kompatibel sind. Leider passiert sowas immer wieder, nicht nur bei Gynäkologen.

* 〇〇 ist im Japanischen was in Deutschland der XYZ-Platzhalter, oder die ***-Sternchen sind.

Jetzt bin ich bei einer Ärztin eine Stadt weiter. In der gesamten Klink arbeiten nur Frauen, die Ärztin ist nett aber bestimmt**. Bei meinem ersten Besuch wurde alles mögliche abgefragt, ich zeigte die Packung meiner deutschen Anti-Baby-Pille und bekam eine ähnliche, nur mit Phasen, verschrieben. Die Minipille wird in Japan übrigens nicht von der Krankenversicherung teilfinanziert und je nach Produkt schwanken die Preise erheblich. Ich habe die アンジュ21 (Anju 21) und zahle für drei Monate 7,128Yen (ca. 52€).

** Ich mag es lieber wenn mir klipp und klar gesagt wird was Sache ist, als wenn, wie bei vielen anderen Ärzten, ewig um den heißen Brei herumgeredet wird.

Die Pille ist in Japan auch absolut nicht verbreitet und kaum jemand geht damit so enspannt um wie in Deutschland üblich. Kommentare von Japanerinnen, wenn ich erzählt habe, dass ich die Pille nehme:

“Warum?!” (Weil ich nicht schwanger werden möchte.)

“Für die Haut?” (Nein.)

“Hast du medizinische Probleme, dass du sie nehmen musst?” (Nein.)

“Kannst du dann später noch Kinder kriegen?” (Ja.)

“Wird dir davon nicht schwummrig und schlecht?” (Nein.)

“Ist das nicht total schlecht für deinen Körper?” (Sicher nicht ideal, aber weniger anstrengend als eine Schwangerschaft.)

Mein Mann hatte anfangs auch große Bedenken. Warum das so ist? Weil die Pille zur Verhütung erst seit 1998 zugelassen ist, zur Regulierung der Periode erst seit 2010. Die 日本医師会 (Nihon Ishi-kai; Japanische Ärzte-Gesellschaft) hatte sich davor 40 Jahre lang gegen eine Zulassung gesperrt, weil man die Langzeiteffekte nicht einschätzen könne und es zu einer geringeren Verbreitung von Kondomen führe (und der moralische Verfall erst…). Vierzig Jahre! Wenn es um Medizin geht, lebt man in Japan teils in der Vergangenheit.

Aber zurück zum Frauenarzt. Was für viele am mysteriösesten ist, ist der Vorhang zwischen Arzt und Patient bei Unterleibsuntersuchungen. Japanerinnen scheinen damit keine Probleme zu haben, vielleicht ist es ihnen peinlich zu sehen, wie jemand an ihren Genitalien hantiert. Ausländerinnen haben oft lieber die Übersicht darüber, was jemand an ihren Genitalien macht. Ich persönlich frage einfach immer, ob man den Vorhang nicht offen lassen könne.

Insgesamt habe ich das Gefühl, dass die Untersuchungen in Japan nicht so ausführlich sind wie in Deutschland. Hier wird einiges erst untersucht, wenn man älter wird, während es in Deutschland standardmäßig dazu gehört. Ultraschall von innen hatte ich zum Beispiel hier noch nicht. Den Test für Gebärmutterhalskrebs (子宮頸癌 shikyûkeigan) musste ich extra erfragen, im kostenlosen Testpaket für unsere Stadt*** ist er erst, wenn man älter wird. Mir wurde auch mehrmals erzählt, dass ich viel zu jung für Krebs sei. Dummerweise scheint sich der Krebs nicht darum zu scheren und eine Freundin von mir hatte letztes Jahr Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium…

*** Wir bekommen einmal im Jahr einen Zettel, auf dem steht, welche Krebsvorsorgeuntersuchungen wir kostenlos machen lassen können. Wie ich das verstanden habe bedeutet das leider auch, dass ich den Test nur bei einem Arzt in meiner Stadt machen lassen kann – meine Ärztin ist aber eine Stadt weiter.

Als ich Brustschmerzen hatte und wegen Brustkrebs anfragte, wurde mir gesagt, dass man das nicht beim Gynäkologen machen lassen würde, da müsste ich zu einem anderen Arzt gehen, der das anbietet. Meine Ärztin in Deutschland hat jedes Mal meine Brüste abgetastet, mehr erwartete ich gar nicht – und bekam eine Mammographie und Ultraschall. Nun ja, wieder was gelernt.

Bei einer Klinik, die auf Ausländer eingestellt ist, mag das alles etwas anders aussehen, aber die gibt es in meiner Ecke nicht und so lerne ich weitere wichtige Vokabeln. 😉

Honig mit Winnie Pooh.

Letztens traf ich mich mit Anika von Ginkgoleafs um ihr Bücher zu geben, die ich ausgelesen hatte, und sie überraschte mich mit Tickets für die Winnie Pooh-Ausstellung im 松屋銀座 (Matsuya Ginza*), wo wir uns auch schon die Disney-Ausstellung angesehen hatten.

* Der Gyûdon-Laden Matsuya und das Kaufhaus Matsuya haben nichts miteinander zu tun.

Am Dienstag machte ich mich also mit einer Freundin auf zur くまのプーさん展 (Kuma no Pû-san Ten; Winnie-the-Pooh-Ausstellung). Leider durfte man mal wieder keine Fotos machen und mal wieder stand man eigentlich in einer Schlange, die an allen Ausstellungsstücken vorbeiführte. Wir beschlossen aber ein wenig zu rebellieren und uns frei durch die Ausstellungsräume zu bewegen. Deutsche sind ins Schlangestehen eben nicht so vernarrt wie Japaner.** 😉

** Japaner mögen es natürlich auch nicht ewig anstehen zu müssen, aber sie machen es trotzdem. Wenn in einem Restaurant in Deutschland kein Platz frei ist, geht man woanders hin. In Japan wartet man.

20140819_170022Zu sehen waren die Plüschtiere, die als Inspiration dienten, Illustrationen aus der Zeit vor den Kurzfilmen, sowie Zeichnungen und Cels zu den verschiedenen Pooh-Filmen. Außerdem Sammlerstücke und Bücher aus aller Welt. 🙂 Von den klassischen Pooh-Zeichnungen kannte ich eigentlich nur Pooh und Piglet (Ferkel), weswegen es mich ziemlich überrascht hat, wie sehr sich die anderen Charaktere im Laufe der Zeit verändert haben.

Pooh ist einer meiner liebsten Disney-Charaktere, wenn nicht gar mein liebster, weswegen die Ausstellung für mich natürlich toll war. Einige schreiende Kinder konnten der ganzen Sache scheinbar nicht so viel abgewinnen… 😉

Natürlich befand sich direkt am Ausgang ein riesiger Pooh-Shop, wo ich mir aber ganz zurückhaltend nur ein Notizbuch kaufte. Egal wie süß ich ihn finde, Plüschtiere brauche ich dann doch nicht. Zudem ich wahrscheinlich demnächst sowieso wieder im Disney Land sein werde, wo’s den ganzen Kram auch gibt.

Vielen Dank auf jeden Fall an Anika für die Tickets, ich hätte mal wieder gar nicht mitbekommen, dass so eine Ausstellung stattfindet. 🙂