In Japan lebten im Jahr 2010 gut zwei Millionen Ausländer. Bei einer Einwohnerzahl von 128 Millionen sind das nur 1.5%, im Vergleich zu fast 9% in Deutschland. Laut Wikipedia sind die meisten in Japan lebenden Migranten in anderen asiatischen Ländern geboren, während die meisten europäischen Ausländer aus England kommen. Deutsche gibt es etwas weniger als sechstausend, meine Chance auf der Straße einen hier lebenden Deutschen zu treffen ist also eher gering.
Auf jeden Fall bin ich ein rarer Anblick, was ich in der Bahn auf dem Weg von oder zur Arbeit immer wieder merke. Leute, die mich anstarren als hätte ich was im Gesicht. Ja, da ist eine Nase, super, kann ich jetzt wieder schlafen ohne paranoid zu werden?
Ich bin nicht monströs groß (170 cm), ich habe dunkelbraune Haare, ich habe braune Augen, ich trage keine besonders aufregende Kleidung – gibt es nicht spannendere Mitfahrer? Was ist mit der Frau, die jeden Tag in einem unglaublich kurzen Kleid in die Bahn steigt? Oder mit der ganzen Armada von Frauen, die sich in der Bahn schminken? Die finde ich am spannendsten, vor allem beim Augen-Make-Up, wenn die Äuglein plötzlich mindestens 500% größer wirken.
Oder eigentlich muss man ja auch niemanden anstarren. Meinetwegen kann man kurz gucken, oder auch länger, aber zumindest damit aufhören, wenn ich zurückstarre. Nicht, dass ich denken würde, dass mir irgendjemand in der Bahn was Böses will (außer vielleicht bei einigen Opas, aber gegen die könnte ich mich zur Wehr setzen), aber am frühen Morgen oder wenn ich gerade vollkommen ohne Kraft nach fünf Stunden Kleinkinder bespaßen nach Hause fahre, will ich eigentlich nur meine Ruhe.
Wir sind hier schließlich nicht im Zoo.



